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Doch ist dem so? Gibt es nicht auch die Begeisterung für die Schönheit des menschlichen und weiblichen Körpers in der Darstellung und die Satisfaktion von Geist und Körper gleichermaßen? Was hindert uns daran das zuzugeben und auszuleben? Die Erziehung? Die Religion?
Die Region? Der Teenager der seinen winzigen Top über tiefstsitzender Jeans trägt und den Nabel und die beginnende Schambehaarung zeigt, der kann in Europa höchsten ein müdes Lächeln, oder je nach Figur, anerkennendes Lächeln erwarten. Kein
Betrachter, ja selbst aus der älteren Generation, wird ihn der Unmoral zeihen. Der gleiche Teenager kann an einer nordamerikanischen Schule gehen die Null-Zero-Toleranz und die Schulregeln verstoßen. Von einem islamischen Land wollen wir gar nicht reden, hier kann schon das Ablegen eines Kopftuches zu erheblichen Nachteilen führen.
Oder ist jedes Mädchen das sich nackt ablichten läßt eine Prostituierte nur weil Marion eine Prostituierte war und "anständige" Mädchen sowas nicht machen. Und anständige Maler Bäume malen und Hirsche?
Wer macht die Regeln, erläßt die Restriktionen. Entzieht sich die Qualität der Reparatur eines Sechszylinders noch der Beurteilung durch den Betrachter, und wagt es kein Mensch die Reparatur einer Waschmaschine, das Verplomben eines Zahnes oder das Hochnähen einer Hernie lautstark zu kommentieren, glaubt bei der Kunst,
der Moral und Fragen des Anstandes jede Hausfrau, jede Hilfslehrerin, jeder populistische Hinterhofpolitiker seine Ansicht ungefragt in die Welt posaunen zu dürfen. Die verbalen Absonderungen zur Reglementierung dessen was jeder Mensch für sich allein zu entscheiden das Recht hat und das allenfalls unter handwerklichen Qualitätsmaßstäben
allgemeinverbindlich zu begutachten ist, sind auch im neuen Jahrtausend gegenwärtig. Das ist letztlich nicht hinnehmbar. Weil es zu Wertungen und Restriktionen führt und verführt die dem Objekt der Betrachtung, dem Künstler und seinem Modell – und das ist sicherlich das Wichtigste, dem Schauenden Beschränkungen
auferlegt die er nicht verdient hat und die seiner Eigenschulung in Bezug auf Fertigung, Pose oder Betrachtung nicht dienlich ist. Aber muß Kunst, muß Darstellung von Körper, von Körperteilen und Nacktheit immer nur unter hehren Aspekten erfolgen? Haben wir nicht auch
das Recht auf Lust, auf Spaß, ja auf Geilheit? Ist das Betrachten von einem Bild wie Edouard Monets „Le D'jeuner sur l'Herbe“ nur unter diesem Blickwinkel, nur mit diesem „anständigen“ Herangehen möglich. Ist es nicht erlaubt seine Phantasie reisen zu lassen und sich vorzustellen, daß die beiden Herren sich anschließend mit den Damen vergnügen
vielleicht zu viert kopulieren, ja alle Spielarten der körperlichen Liebe ausprobieren, sich in oralen und analen drunter und drüber ausschweifend und lustvoll amüsieren. Ja lädt nicht der Blick der Dame zu Teilnahme ein? Müssen wir, wenn wir neidvoll, anerkennend und bewundert die Malkunst Monets, seine Kompositionstechnik, sein handwerkliches Können
erfaßt haben zum nächsten Bild laufen und erneut in „Aahs und Oohs“ ausbrechen? Oder dürfen wir den erotischen Zauber noch mitnehmen und forttragen. Forttragen und je nach Temperament, Veranlagung und Möglichkeit auch agieren? Wir brauchen es nicht publik zu machen, aber müssen wir uns dessen schämen wenn wir hinter der nächsten Marmorsäule onanieren
oder unsere Begleiterin/Begleiter zu einem ähnlichen Picknick verführen? Oder weil es kalt ist die Fickerei kurzerhand zeitnah auf das häusliche Bett verlegen? Ist es unanständig sich von Kunst stimulieren zu lassen? Kann es nicht sein, daß der Künstler uns auch stimulieren wollte? In den von Kirchenzensur geprägten Zeiten vergangener Jahrhunderte war
die einzige zulässige Darstellung des menschlichen nackten Körpers die in der Kunst. Um sie zu legitimieren hatte sie oft kirchliche Themen. Und ist es nicht verwunderlich, wenn wir heute jedes Bild eines nackten Kindes verbannen, die Decken und Wände der Kirchen aber mit Putten, Engeln und nackten Amoren dekoriert wurden? Waren vielleicht unsere
Altvorderen doch latent pädophil? Kunst ist nicht in ein moralisches Korsett zu zwängen. Und Anstand hat nichts mit Moral zu tun. Mädchen die sich von Monet nackt malen lassen oder bei Gervex aufs Bett legen sind anständig oder unanständig. Ganz unabhängig von ihrem
Tun. Vielleicht war Monet unanständig, vielleicht Gervex ein menschliches Schwein. Was wissen wir? Wo ist das für uns heute wichtig? Warum ist ein Fotomodell nur dann anständig wenn es in Klamotten von Dior rumstakelt oder von den Covern lächelt und wenn es im Studio eines Akt, - Sex oder Pornofotografen posiert unanständig? Sie macht die Beine zwar
breit aber ist charakterlich einwandfrei ist so wahrscheinlich wie es wahrscheinlich sein kann das die vom Cover lächelnde ein charakterliches Miststück ist. Oder analog der Maler oder der Fotograf. Im religiösen Nordamerika, meiner gegenwärtigen Nachbarschaft, wer
würde sich hier schon so, wie Rolla, auch nicht 126 Jahre später, einem Maler, Bildhauer oder Fotografen präsentieren? Sind Französinnen, oder Ungarinnen unanständigere Menschen? Wenn wir also wirklich Geist und Fortschritt für uns und unsere Zeit reklamieren, dann
kann das nur einhergehen mit der Freiheit des Geistes und dem Fortschritt an Toleranz. Wir müssen tolerieren das es neben der edlen „Museumskunst“, der anerkannten von Fachleuten abgestempelten und somit sanktionierten Kunst viele weitere Formen des Versuchs des Ausdrucks geben kann. Experimentelle Kunst, Happenings, Gebrauchskunst. Unfertige Kunst,
Kunst die sich entwickeln will und die erst auf dem Weg ist Kunst zu werden. Kunst die provozieren will. Nackte Kunst, Körperkunst. Kunst die alles darstellen will, Kunst die Lust auf mehr machen will. Erotik in der Kunst und Sex in der Kunst. Nichts ist unmöglich, alles ist erlaubt. Kunst die Kasse machen will und Kunst die in isolierten Zirkeln
verweilt. Kunst die den Geist anregen will und Kunst die den Unterleib stimuliert. Kunst die das Rewcht hat sich der Schönheit des weiblichen Körpers zu bedienen. Jede, wirklich jede moralische Kategorisierung von Kunst und Gebrauchskunst, die die Darstellung des
nackten menschlichen Körpers zum Thema hat ist eine Diktatur des Geistes. Sie ist geistfeindlich, kunstfeindlich, lustfeindlich, rückwärtsgewandt und intolerant. Erteilen wir den Moralisten, den bigotten Kleingeistern, den scheinheiligen und selbstgerechten Apologeten und heimlichen Wichsern eine Abfuhr und setzen ihnen das Entgegen wonach sie
wahrscheinlich im Grunde ihres unaufrichtigen Herzen und ihres verklemmten Unterleibes am meisten gelüstet: Die Schönheit des weiblichen Körpers. |
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