Opfermann
und Brandstifter
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Im
Deutsch-Französichen Krieg 1870-1871 verlor unsere Familie 2
junge Männer.
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In
der 1. Weltkriegsgeneration verlor unsere Familie 5 junge
Männer. Meine Großtante alle ihre 3 Jungen in der Schlacht in
Belgien.
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Es
ist im Prinzip müßig darüber zu rechten welche Kriegsgefangenschaft
für die Betroffenen schlimmer war: Die amerikanische oder die
russische Kriegsgefangenschaft. Es gibt da klar Fakten und
auf die beziehe ich mich.
Mein Vater war 17 Jahre und Luftwaffenhelfer in Sumt
bei
Birkenwerder. Als die Russen kamen wurden die Jugendlichen
bewaffnet und gegen die näher rückende Ostfront eingesetzt.
Fahnenflucht wurde mit dem Tode bestraft. Meines Vaters Einheit
wurde von einem sehr menschlichen Offizier geführt, als die Russen
in Sichtweite waren löste er die Einheit auf und ließ jeden davon
rennen. Nach einigen Tagen begab sich mein Vater in amerikanische
Kriegsgefangenschaft. Viele seiner Kameraden fand er dort
wieder. Bei den Sammlungen waren es Tausende die der
amerikanischen und nicht der russischen Gefangenschaft
den Vorzug gegeben hatten.
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Meines Vaters Vater, also mein Großvater wurde als
Volkssturmmann
3 Tage vor Kriegsende von einem Russen in Biesdorf bei
Berlin erschossen. Als mein Vater und sein Bruder aus amerikanischer
Kriegsgefangenschaft entlassen wurden hatten sie keinen Vater
mehr.
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Mein
Großvater mütterlicherseits wollte nicht in die NSDAP
eintreten. Er wurde in einem NSDAP-Büro mit Schlägen und Tritten
zum Eintritt gezwungen. Das war wenige Monate vor Kriegsende.
Nach dem Zusammenbruch diente das gleiche Büro den Kommunisten.
Er wurde als PG vorgeladen, getreten, zusammengeschlagen und in ein
Silberbergwerk gesteckt. Als er 2 Jahre später zurückkam war
er gesundheitlich schwer geschädigt.
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Der
Großvater meiner Frau wurde, als Russe, von den Kommunisten in ein
Gulag gesteckt, gefoltert und mit schweren
Gesundheitsschäden nach Jahren freigelassen.
Ich
will jetzt nicht in die Seitenlinie der Familien gehen, aber dort
könnte ich die Beschreibungen von Gefangenschaft, Folter und Qual
fortsetzen.
Es gab
in allen diesen Fällen keine Therapeuten, weder für die
Ehefrauen, noch die Kinder. Es gab auch keine staatlichen Hilfen,
wenn man davon absieht, dass meine Großmutter als Beamtenwitwe einen
Zusatz als Kriegerwitwe bekam. Die Kinder, am Beispiel meines
Vaters, durften als Akademikerkinder an der Humboldtuniversität
nicht weiterstudieren wenn sie nicht, so die Forderung, in die SED
eintreten würden. Sie taten das nicht und wechselten an die FU.
Unterstützung gab es keine.
Worauf ich hinaus will: Der Deutsch-Libanese Khaled El
Masri war Kommando-Chef einer radikalen Bewegung im Libanon.
Khaled el-Masri ist Islamist und behauptet von sich selbst ein
CIA-Folteropfer zu sein. Das wurde allerdings bis heute nicht
eindeutig geklärt.
Khaled
el-Masri wurde innerhalb eines Jahres von der Krankenkasse gleich
viermal eine Psychotherapie bewilligt und aus dem Beiträgen der
Mitglieder bezahlt.
Khaled
el-Masri hatte an einer von der Arbeitsagentur finanzierten
Weiterbildung zum Kraftfahrer teilgenommen. Als er wegen
Fehlzeiten abgemahnt wurde schlug er den Projektmanager
krankenhausreif.
Danach
hat Khaled el-Masri hat einen Elektronikmarkt angezündet
nachdem er Probleme mit dem Umtausch eines iPods hatte. Eine
Mitarbeiterin hatte er ins Gesicht gespuckt und Hausverbot bekommen.
Der Schaden beträgt über 300 000 Euro.
Khaled
el-Masri und sein Verteidiger argumentieren vor Gericht, dass (Zitat)
„Er nach seiner Rückkehr ohne Hilfe und Therapie allein
gelassen worden
sei“
und „seine Taten seien Folgen seiner Entführung“.
Zusammenfassend möchte ich feststellen: Als es noch keine von
Krankenkasse bezahlten Therapeuten gab, keine Umschulungen
bezahlt von Arbeitsagenturen, als sich Opfer noch selbst um
ihre Belange und die Wiedereingliederung ins Normalleben bemühen
mussten, kam niemand auf die Idee Geschäftshäuser anzuzünden
und Verkaufspersonal zu drangsalieren. Es kam niemand auf die Idee
so anmaßend zu sein und staatliche Hilfe als RECHT zu beanspruchen
und nachzufragen. Der Zwang sich den Widrigkeiten des Alltags zu
stellen hatte eine ausreichende therapeutische Wirkung deren
Erfolg in der Wiederaufbauleistung der Nachkriegsgeneration
ablesbar war.
Meine Familie wußte zu
diesem Zeitpunkt nicht mal "wie man Therapeut schreibt." Und
Anwälte nutzten Fälle nicht zur Profilierung!
Khaled el-Masri hat, obwohl aus einem Land kommend wo Therapeuten
und staatliche Unterstützung vermutlich seltener sind als Nadeln im
Heuhaufen, schnell gelernt. Gelernt wo Deutschlands Schwächen
sind und wie man die Mitleidsklaviatur spielt.
Ein kluges Kerlchen!
Links:
FAZ
WELT
Die Zeit
Khaled
el-Masri's Anwalt
Manfred R. Gnjidic
Gnjidic & Aehle
Karl-Schefold-Str. 9, 89073 Ulm Telefon (0731) 6022678
Update:
Masri hatte während des Prozesses teils unter Tränen
seine Leidensgeschichte geschildert.
Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Masri
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