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Emanzen by
doing
Die meisten Diskussionen
leiden an ihrer Theorielastigkeit. Das hat uns immer gestört.
In der Zeit, in der andere theoretisieren, spintisieren und sich in
endlosen Diskussionen verzetteln, haben wir es schon gemacht.
Oder wenigstens versucht.
Deshalb sind unsere
Einlassungen und Berichte festgemacht an unseren eigenen Erfahrungen,
also praktisch gelebt. Ob das für Sie glaubwürdiger ist müssen
Sie selbst entscheiden. Wenn nicht, Ihre örtliche Bibliothek hat
bestimmt zahlreiche (unnütze) Bücher zum Thema
Emanzipation
und Feminismus
vorrätig.
Mit dem Feminismus ist es wie
mit dem Pazifismus. Er schafft keinen Frieden. Deshalb
weisen wir auch weit von uns Pazifisten zu sein. Wir leben gern
friedlich. Klar ablesen können das Sie zum Beispiel im Nahen Osten.
Pazifisten sind Freunde der Hamas, der Hisbollah, all derer, die
Israel von der Landkarte putzen wollen. Pazifisten sind auch
Freunde von Ahmadinejad, und regen sich fürchterlich auf, wenn
man dagegen spricht mit den Mullahs zu handeln. Das das
nichtpazifistische, in Selbstverteidigung wehrhafte Israel seit
Jahren die Hand zum Frieden ausstreckt, wird von pazifistischen
Friedensfreunden gern verdrängt.
Doch zurück zum Feminismus.
Der spaltet sich in so viele Varianten, das seine Anhänger/Innen schon
echte Friedensliebe zeigen müssen um noch miteinander reden zu können.
Weil wir denken das Feminismus von der Freiheit entfernt, vom
friedlichen Zusammenleben mit dem (männlichen, ach so viele
Feministinnen sind ja lesbisch, ach je…) Partner auch, wäre, wenn
überhaupt, nur so eine Art
Individualfeminismus akzeptabel. Aber das brauchen wir, für
uns, nicht tief schürfend zu erforschen. Wenn das Ziel des Feminismus
„Gleichheit, Menschenwürde und Entscheidungsfreiheit von Frauen,
die Selbstbestimmung über deren Leben und ihren Körper zu erreichen“
(Wikipedia)
ist, klappte das in unserer Familie schon, lange bevor der
Begriff im Umlauf war. Denn niemand hat bei uns den Kapitalismus in
Frage gestellt und patriarchalisch haben sich die
männlichen Mitglieder unserer Sippe auch nicht gebärdet.

So waren sie denn alle
emanzipiert, die Urgroßmütter, Großmütter, Mütter, Tanten,
Schwestern und Frauen in unserer Familie. Sie haben nicht lange
gequatscht, EMMA haben sie, die Jüngeren, schnellstens in die
Altpapierablage gelegt, und eine „By-Doing-Emanzipation“
gelebt, der mehr Freiheiten und Unabhängigkeit inhärent war und
ist, als den in ihrem feministischen Korsett gefangenen bedauernswerten
Superemanzen.
Blättern wir mal zurück und
picken einige Familien- Damen heraus:
Da war
zunächst mal meine Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großmutter X, geborene Maria
Dorothea Rossow . Nachdem mein Großvater nächtens von Napoleon
verhaftet und in den Stettiner Kerker geworfen wurde, brachte sie
die 5 Kinder allein durch und, nachdem der Großvater
3 Tage nach seiner Entlassung an Entkräftung verstarb, auch danach.
Aus allen Kindern ist etwas geworden, für meinen Großvater übernahm,
auf Betreiben der Großmutter, Baron von Puttkamer die
Ausbildung. Großvater (5xUr) wurde ebenfalls Jurist und Bürgermeister.
Ich
bin mir nicht sicher, ob die akademischen Quatschtanten, die heute bei
EMMA schreiben oder in der Genderforschung labern, diese
Aufgabe bewältigt hätten. Emanzipation by doing.
Als nächstes Fräulein
X.. Fontane hat ihr ein Denkmal gesetzt in seinem Roman
Frau Jenny Treibel. Sie ist eine ihrer Erzieherinnen. Ja, sie
war ledig, das sie aus kleinbürgerlichen Verhältnissen kam, wird heute
gern in der Literaturwelt so beschrieben, aber nach den Aufzeichnungen
meines Ur-Ur-Ur-Großvaters Paul stimmt das nicht. Sicher, die
Familie war nicht reich. Aber um den Kindern eine exzellente Erziehung
zu geben musste ein gewisser Wohlstand vorhanden sein. Richter
und Anwälte hatten, mangels Abmahnmöglichkeiten, das dicke
Absahnen noch nicht gelernt. Was wichtiger ist in diesem Zusammenhang:
Das Fräulein war gebildet, selbstständig, war eben Hauslehrerin
und, heute würde man sagen, ein Single. Die Interpretation „sie
hätte keinen abbekommen“ deutet eher auf eine
unemanzipatorische Literaturbeschreibung als auf ein Mangel an
Emanzipation des Fräuleins. 
Die Tochter meines
Ur-Ur-Ur-Großvaters Herrman, Marie, ging als Lehrerin nach
London, verliebte sich in einen jungen Advokaten der nach Melbourne
wollte. Sie fuhr zurück nach Stettin, verabschiedete sich von den
Eltern und schiffte allein nach Melbourne ein. 14 Tage nach der
Ankunft heiratete sie ihren Anwalt und bekam etliche Kinder. Der Mann
war viel beschäftigt, denn Australien brauchte Anwälte, sie managte
also das ganze Familienleben und war außerdem noch berufstätig.
Noch Fragen Frau Schwarzer?
Ein weitere Dame der Familie,
(ich will hier jetzt absichtlich nicht zu genau werden), ging nach
Afrika und gründete dort in den Fünfziger Jahren des letzten
Jahrhunderts ein Krankenhaus. Lange bevor Albert Schweizer das
machte. Die Stiftung gibt es bis heute.
Meine Ur-Ur-Urgroßmutter war
eine sehr gebildete Dame, die einen Berliner Salon unterhielt,
auch meine Ur-Urgroßmutter machte das. Daneben hatten sie zahlreiche
Kinder die sie durch die verschiedenen Kriege brachten
(Deutsch-Französischer 1871 und 1. Weltkrieg). Und auch meine
Großmutter, eine mehrere Sprachen sprechende und unterrichtende
Hauslehrerin brachte alle ihre Kinder, nachdem mein Großvater als
Volkssturmmann drei Tage vor Kriegsende gefallen war, durch und in
„anständige“ Berufe. Unemanzipiert? Die Frau legte sich
Mannesmannaktien an und war wirtschaftlich-politisch in
Topform.
Meine Mutter hat die
Diskussionen um die Emanzipation immer albern gefunden. Sie
war, per se, emanzipiert. Und, nur an die Adresse derer die auch über
sexuelle Emanzipation reden (ohne Ahnung zu haben), mein
Vater hatte einen 18 Stundentag. Ohne ins Detail zu gehen: Sie
kamen beide auf ihre Kosten. Lediglich Matratze zu sein wäre für meine 5
Jahre ältere Mutter nichts gewesen.
Ich lasse mal etliche Damen
aus und komme zu meiner eigenen Frau. Die ist Russin. Da
versteht man solche abgehobenen Diskussionen gar nicht erst. Nee,
anders formuliert: Man will sie nicht verstehen. Denn dafür hat
man keine Zeit. Der Kampf ums Dasein der russischen Frau entspricht
dem unserer Mütter in den Aufbaujahren. Und die Russinnen, denen
der Wohlstand etwas reichlicher zufiel, freuen sich an
Stringtangas und Pelzen ohne deshalb gleich zum
geistlosen Sexkätzchen zu mutieren.
Jedenfalls würde ich, würde
ich meine Frau behindern bei ihrer, nein nicht schon wieder das
abgelutschte Wort Selbstverwirklichung, ----
bei der
Umsetzung ihres Wollens und ihrer Kreativität, bekäme ich
Zunder. Aber gewaltig. Denn Emanzipation heißt bei uns:
MACHEN, aber nicht gegeneinander. |
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