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Weihnachtssingen
Weihnachtsfeiern. Adventssingen. Auch in Schulen. Keine Ahnung wie es
da heute in Deutschland zugeht. Wie machen die das? Zum Beispiel mit
einem Migrantenanteil von 95 Prozent. Und wenn’s nur 30 sind? Gehen
dann die Mohammedaner aus der Klasse und stehen auf dem Flur? Oder
rufen sie „Allah ist groß“, während andere Kinder „Vom Himmel hoch, da
komm ich her“ singen?
Als
ich zur Schule ging hatten wir noch Kerzen in den Klassenzimmern. Auch
bei meinen ersten Kindern im Norden Berlins. Das war vor 20 Jahren.
Bei meinen Jüngsten hier in Nordamerika habe ich mehrmals den
Klassen-Weihnachtsbaum spendiert und aufgestellt. Aber wir sind auf dem Lande. In
den Städten mag das anders sein. Jedenfalls steht in der Aula „Merry
Christmas“ und nicht „Happy Holiday“ oder noch bescheuerter: „Greeting
Seasons“.
Schön wäre ja wenn die Musels ähnlich aufgeschlossen wären wie die
Juden. Die laden zum Hanukkah und entbieten auch Grüße. Und es wird
auch schön gebacken. Jüdische Kinder im Klassenverband zu haben ist
überhaupt kein Problem.
Doch darüber wollte ich, obwohl es mich beschäftigt, gar nicht
schreiben. Schreiben wollte ich über die sichtbaren
„Qualitätsunterschiede“ in der Ausgestaltung weihnachtlichen Singens
und Feierns. Der Synchronität des Singens, der Disziplin bei
Aufführungen und der Qualität der Musikausbildung. Da ich das nun
schon in verschiedenen Ländern mitgemacht habe nehmen wir mal eine
Wertung vor. (Alles Grundschule)
Kanada: Absolut unmöglich. Eigentlich unter aller Sau. Die Klassen
trippeln auf die Bühne, einige der Kinder sind festlicher angezogen,
viele nicht. Die Lieder sind simpel, die Bewegungen asynchron. Grade 3
singt wie Grade 1 und Solovorträge wie Gedichtaufsagen gibt es nur in
Ausnahmefällen. Die Musiklehrerinnen gleichen einander wie ein Ei dem
anderen und es reicht ein Weihnachtslied auf dem Klavier zu klimpern.
Das Erstaunliche ist, die Eltern sind begeistert. Meine Kritik würde
nicht verstanden. Sie halten sich für den Nabel der Welt. Da man es
nicht besser kennt ist man kanadisch, also zufrieden.
USA: Das große Vorbild was Gesang und Tanz betrifft.
Hollywood Perfektion lässt
grüßen. Die Eltern sind ehrgeiziger, die Lehrer etwas besser als
ausgebildet als beim nördlichen Nachbarn und das Gefühl für Gesang und
Rhythmus wird frühzeitiger gefördert. Alles läuft ähnlich ab wie in
Kanada, dennoch ist es Teilstriche besser.
Deutschland: Kann ich nur über meine eigenen Erinnerungen sprechen,
mir fehlt der Vergleich zum Heute. Da war es so, dass Gedichte
auswendig gelernt wurden, Theaterstücke einstudiert und aufgeführt.
Wochenlang gelernt, geprobt und von den Müttern Kostüme geschneidert.
Am Tage der Weihnachtsfeier waren alle festlich angezogen, die Schule
geschmückt. In der Aula ein Riesenweihnachtsbaum. Die Qualität des
Singens und Musizierens war gut, der Musiklehrer war ein Kantor. Ich
habe die Grundschule 1961 verlassen. Zusammenfassung: Deutsche
Weihnacht.

Dänemark: Ähnlich wie in Deutschland. Jedenfalls feierlicher als in
Nordamerika.
Polen: Ähnlich wie in Deutschland, natürlich sehr
kirchlich-katholisch. Die Kinder noch festlicher gekleidet, die Eltern
stürzen sich in Kosten für den kleinen Anzug, das kleine Kleidchen,
die neuen Schuhe. Selbst in sozialistischen Zeiten blieb es, wenn auch
vielleicht nicht in der Schule, so doch im kirchlichen Rahmen beim
Weihnachtsfeiern.
Und
nun Russland: Da war ich zwar erst nach Glasnost, aber da solche
Traditionen nicht über Nacht entstehen, muss es auch vorher so
gewesen sein. Natürlich gab es wegen des Kommunismus keine
Weihnachtsfeiern, ohnehin liegt Weihnachten nach dem russischen
Kalender zeitlich anders. Man feiert die Neujahrsfeier. Die aber
richtig und Väterchen Frost kennt man vom Hörensagen auch bei uns. Was
wichtiger ist: Die Disziplin, die Gesangs- und Vortragsqualität der
Kleinen ist umwerfend. Total synchron, lange Texte auswendig, tolle
Kleidchen, die Jungs in Anzügen. Tanz und Musikdarbietungen absolut
erste Sahne. Die Eltern begeistert, wie sicherlich überall, aber doch
von einem besonderen Engagement in der Vorbereitung ihrer Kinder.
Selten hat mich etwas so beeindruckt wie die Qualität der
Darbietungen. |