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Robin Renitent,  12. Dezember  2007

   

 

We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

 

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Funktionär der Rinderkontrolle

Erwachsene beeinflussen uns. Als Eltern, als Lehrer. Manche mehr, manche weniger. Ab einem gewissen Alter sucht man sich die aus, die einen beeinflussen sollen, denen man womöglich nacheifert. Natürlich nicht generell, doch in Teilaspekten. Ich hatte so einen Lehrer, Stemmer war sein Name. Er wurde mir ein Vorbild in der Ablehnung politisch korrekter Ausdrucksweise. Den Begriff PC gab es damals, also um 1965 noch gar nicht.

 

Er unterrichtete Chemie. Er kam in die Klasse, setzte sich auf den Lehrertisch, sein Kittel war offen. Die Klasse war mucksmäuschenstill. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. Keine Ahnung wie er das machte, er war eine Autorität. Chemie war nicht mein Lieblingsfach, ich bei weitem nicht sein bester Schüler. Eines Tages wandte er sich an mich und meinte: „Du solltest das wissen, Dein Alter ist doch Medizinmann!“ Ich erstarrte. Das jemand, noch dazu ein Erwachsener, so respektlos von meinem Vater sprach war ungeheuerlich. „Alter“ statt Vater, „Medizinmann“ anstatt Arzt.

 

Doch es gefiel mir, ich hörte nun genauer hin, Herr Stemmer verwendete oft Worte in einer Weise, die ich vorher nie gehört hatte. Und eines Tages erklärte er mir auch warum er das machte: „Es weckt die Leute auf“, sagte er, „Du siehst wo Deine Feinde sind. Die Feinde sind die, die sich empören, Deine Freunde, die, die mit Dir lachen!“ Ich verstand, eiferte ihm nach und lernte auch mit seiner Hilfe, wie man korrekte Klippen umschifft und sich nicht verbiegen lässt. In Chemie wurde ich nicht besser, aber was Sprachunabhängigkeit anbelangt wurde ich sein bester Schüler.

 

Heute, Jahrzehnte später, ist der Begriff PC nicht mehr wegzudenken. Wir, als Familie, haben uns offiziellen Sprachregelungen immer verweigert. Ob wir beleidigen interessiert uns nicht. Wer beleidigt sein will ist das ohnehin. Die Verkleisterung mit politisch korrekter Sprache verschafft ein ruhiges Gewissen und entfernt von der echten Anteilnahme und Zuwendung vom Menschen. Wir versuchen in überschaubaren Einzelfällen am Menschen dran zu bleiben. Die ganze Welt retten, oder sie auch nur umarmen, wollen wir nicht. Das überlassen wir Gutmenschen. Und wir schlafen auch ohne Gewissen ruhig!

 

Doch Umberto Eco kann darüber viel besser schreiben, deshalb hier ein Essay von ihm der ein Must Read ist:

 

Vom Cowboy bis zur Glatze:

Für fast alles gibt es inzwischen einen "politisch korrekten" Begriff. Politisch korrekt ist das längst nicht mehr.

Von Umberto Eco


Ich bin der Meinung, dass der Ausdruck "politisch korrekt" inzwischen politisch unkorrekt verwendet wird. Anders gesagt, eine sprachliche Reformbewegung hat abwegige Sprachgebräuche hervorgebracht. Liest man den Artikel der Internet-Enzyklopädie Wikipedia über PC, wie "politisch korrekt" inzwischen auch bei uns abgekürzt wird, wenn keine Gefahr besteht, dass es mit dem Personalcomputer oder den alten Kommunistischen Parteien verwechselt wird, so findet man auch die Entstehungsgeschichte des Begriffs. Zum ersten Mal soll er 1973 in einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten aufgetaucht sein, der befand, es werde zu häufig ein Staat anstelle des Volkes genannt, um dessentwillen der Staat bestehe, und daher sei es "not politically correct", einen Trinkspruch auf die Vereinigten Staaten auszubringen anstatt auf das "Volk der Vereinigten Staaten".

Die Bewegung der PC entstand Anfang der achtziger Jahre in den amerikanischen Universitäten als eine - ich zitiere weiter aus Wikipedia - Initiative zur Veränderung der Sprache mit dem Ziel, wirklichen oder vermeintlichen ungerechten Diskriminierungen entgegenzutreten und Beleidigungen zu vermeiden durch euphemistische Ersetzungen für Sprachgebräuche, die Unterschiede in Rasse, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderungen, Religionszugehörigkeit und politische Meinungen betreffen.

Wir alle wissen, dass die ersten Schlachten des PC geschlagen wurden, um verletzende Bezeichnungen für die Farbigen zu verbannen, nicht nur das infame "Nigger", sondern auch "Negro", ein Wort, das im Englischen "Nigro" ausgesprochen wird, wie ein Lehnwort aus dem Spanischen klingt und an die Zeiten der Sklavenhalterschaft erinnert. Daher wurde es zuerst durch "black" ersetzt und schließlich, nach sukzessiven Korrekturen, durch "African-American".

Die Sache mit den Korrekturen ist interessant, denn sie hebt ein wichtiges Element des PC hervor. Die Schwierigkeit ist nicht, dass "wir" (wir Sprechenden) entscheiden, wie die "anderen" genannt werden sollen, sondern die anderen entscheiden zu lassen, wie sie genannt werden wollen, und wenn der neue Ausdruck sie immer noch irgendwie stört, den Vorschlag eines dritten Terminus zu akzeptieren. Wer sich nicht in einer bestimmten Situation befindet, kann nicht wissen, welcher Ausdruck es ist, der diejenigen stört und beleidigt, die sich in ihr befinden; daher muss man ihren Vorschlag akzeptieren.

Doch oftmals stellt die PC-Entscheidung nur eine Art und Weise dar, ungelöste soziale Schwierigkeiten zu umgehen, indem man sie durch einen höflicheren Sprachgebrauch kaschiert. Wenn man beschließt, die Rollstuhlfahrer in Italien nicht mehr als "handicappati" und nicht einmal "disabili" (Behinderte), sondern als "diversamente abili" (auf andere Art Befähigte) zu bezeichnen, aber nicht die Auffahrtsrampen zu öffentlichen Orten baut, dann hat man heuchlerisch das Wort abgeschafft, aber nicht das Problem gelöst. So erklärt sich, warum eine bestimmte Gruppe einen neuen Namen fordert und nach einer Weile, wenn die oder einige der Ausgangsbedingungen sich nicht geändert haben, eine neue Bezeichnung verlangt, in einer Flucht nach vorn, die endlos weitergehen kann, wenn sich außer dem Namen nichts an der Sache ändert.

In manchen Fällen hat das PC tatsächlich - und ohne allzu viele Traumata - den Sprachgebrauch verändert. Es kommt immer öfter vor, dass man vermeidet, beim Rückbezug auf generelle Substantive im Maskulin zu sprechen, um stattdessen, wo es möglich ist, auf scheinbar neutralere Pluralformen auszuweichen. Viele amerikanische Professoren sagen nicht mehr: "Wenn ein Student mich fragt . . .", sondern sprechen entweder im Plural von "students", was im Englischen keine Schwierigkeit ist, in anderen Sprachen aber nicht so leicht funktioniert, oder variieren, indem sie mal "he" und mal "she" sagen. Aus ähnlichen Gründen ist es inzwischen akzeptabel, "chairman" durch "chairperson" oder einfach "chair" zu ersetzen. Witzbolde haben vorgeschlagen, den Postboten statt "Mail man" in Zukunft "person person" zu nennen, weil ja auch "mail" wie "male" klinge.

Satiren dieser Art spießen die Tatsache auf, dass die PC-Bewegung, nachdem sie sich einmal als demokratische und "liberale" Bewegung durchgesetzt hatte, sehr bald ihre eigenen Degenerationen hervorbrachte. Jenseits einer gewissen Grenze weiß man nicht mehr, ob bestimmte Ausdrücke wirklich vorgeschlagen oder in satirischer Absicht erfunden worden sind. So findet man zum Beispiel neben Ersetzungen, die inzwischen in den Sprachgebrauch Eingang gefunden haben, solche wie "sozial separiert" für eingesperrt, "Funktionär der Rinderkontrolle" für Cowboy, "geologische Korrektur" für Erdbeben, "residentiell flexibel" für obdachlos, "erektional begrenzt" für impotent, "vertikal benachteiligt" für kleinwüchsig, "follikuläre Regression" für Kahlköpfigkeit und sogar "knapp an Melanin" als Bezeichnung für einen weißen Mann.

Im Internet habe ich eine lange Diskussion über die Frage gefunden, wie der Satz "Der Feuerwehrmann hat eine Leiter an den Baum gelehnt, ist hinaufgestiegen und hat die Katze heruntergeholt" ins PC übersetzt werden kann. Die vorgeschlagene Übersetzung braucht viele Zeilen, denn es geht darum, klarzustellen, dass der Feuerwehrmann in diesem besonderen Fall auch sehr gut eine Frau hätte sein können, dass er gegen den Willen der Katze gehandelt hat, die das Recht hatte, sich aufzuhalten, wo immer sie wollte, dass er durch das Anlegen der Leiter das Wohlbefinden des Baumes aufs Spiel gesetzt hat und so weiter.

Allmählich hat sich das PC, besonders in Amerika, von einem bloß sprachlichen Thema zu einer Frage der Minderheitenrechte verschoben. Man versteht ohne weiteres, dass in bestimmten Universitäten die Studenten nichtwestlicher Herkunft auch Kurse über ihre eigenen kulturellen und religiösen Traditionen und ihre Literatur im Angebot sehen wollten. Weniger selbstverständlich wird es, wenn zum Beispiel afroamerikanische Studenten verlangen, dass die Kurse über Shakespeare durch Kurse über afrikanische Literaturen ersetzt werden sollen. Wenn und wo diesem Wunsch entsprochen wurde, respektierte man scheinbar die Identität der Afroamerikaner, aber faktisch entzog man ihnen nützliche Kenntnisse für das Leben in der westlichen Welt. Mit anderen Worten, man ist so weit gegangen, zu vergessen, dass die Schule den Schülern nicht nur das beibringen soll, was sie wollen, sondern manchmal auch gerade das, was sie nicht wollen, oder von dem sie gar nicht wissen, dass sie es wollen könnten - andernfalls würde man in der Mittelstufe nicht mehr Mathematik und Latein unterrichten, sondern nur noch Computerspiele.

Immer öfter wird als PC jede politische Haltung bezeichnet, die das Verständnis anderer Rassen und Religionen privilegiert oder gar bemüht ist, die Gründe des Gegners zu verstehen. Der signifikanteste Fall war der einer amerikanischen Talkshow, in welcher der Talkmaster Bill Maher im Zusammenhang mit dem 11. September einem Satz von Präsident Bush widersprach, der die Attentäter auf die Twin Towers als "Feiglinge" bezeichnet hatte. Maher hatte erklärt, man könne über Kamikazeflieger alles Mögliche sagen, nur nicht, dass es ihnen an Mut fehle. Lieber Gott! Die Werbeaufträge für die Sendung sanken jählings auf null, so dass sie schließlich abgesetzt wurde. Dabei hat der Fall Maher gar nichts mit PC zu tun, weder von rechts noch von links gesehen. Maher hatte nur eine Meinung geäußert. Man konnte ihm höchstens vorwerfen, es vor einem Publikum getan zu haben, das noch an der schrecklichen Wunde des 11. September litt, man konnte über den Unterschied zwischen moralischer Feigheit und physischer Feigheit diskutieren, wie es getan worden ist, man konnte sagen, dass ein Kamikazeflieger dermaßen verbohrt in seinen Fanatismus ist, dass man nicht mehr von Mut oder Angst sprechen kann . . . Jedenfalls hatte Maher eine eigene Idee ausgedrückt, wie provokant auch immer, aber er hatte keine politisch unkorrekte Sprache gebraucht.

Desgleichen wird bei uns manchmal über einen Exzess an politischer Korrektheit bei denen gespottet, die Sympathie für die Palästinenser bekunden, den Rückzug unserer Truppen aus dem Irak verlangen oder sich zu nachsichtig gegenüber den Forderungen der zugewanderten Minderheiten verhalten. In all diesen Fällen spielt das PC überhaupt keine Rolle, es handelt sich um ideologische oder politische Positionen, die anzufechten jeder das Recht hat, aber die nichts mit falschem oder richtigem Sprachgebrauch zu tun haben.

Eine komplizierte Geschichte, wie man sieht. Bleibt nur festzuhalten, dass es politisch korrekt ist, die Begriffe, einschließlich dessen der politischen Korrektheit, in ihrem eigentlichen Sinn zu gebrauchen und, wenn man in diesem Sinne politisch korrekt sein will, es nach dem gesunden Menschenverstand zu sein - ohne Berlusconi eine "vertikal benachteiligte Person im Kampf mit einer follikulären Regression" zu nennen. Man braucht sich bloß an das Grundprinzip zu halten, dass es human und zivilisiert ist, aus dem gängigen Sprachgebrauch jene Ausdrücke zu eliminieren, die unseresgleichen weh tun.

Auszug aus Umberto Eco: Im Krebsgang voran. Heiße Kriege und medialer Populismus. Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. © 2007 Carl Hanser Verlag, München.

Hinweis von der THEO VAN GOGH SOCIETY - LIBERTÄRE GESELLSCHAFT IN DEUTSCHLAND - Kronberg im Taunus

 
   

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