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Vorbemerkung:
Natürlich kenne ich nicht
alle Blogs. Am Anfang, als das mit der Blogerei noch neu war, habe
ich Tage damit zugebracht Blogs aller Arten zu durchforsten. Waren es
zunächst noch Photoblogs, änderte sich das sehr schnell und ich
entdeckte politische Blogs und endlich dann auch libertäre
Blogs und Blogs, deren Betreiber eine ähnliche politische
Auffassung wie ich hatten. Doch Zeit ist limitiert und so
reduzierte ich die Anzahl der täglich zu besuchenden Blogs auf eine
kleine übersichtliche Zahl. Hälftig in Deutsch und in
Englisch. Die besuche ich nun zweimal täglich, einige ganz wenige
auch mehrmals. Kommentieren tue ich selten und eigentlich überhaupt
nur auf 3-4 Blogs. Nicht, weil ich nichts zu sagen hätte, eher,
weil mir einfach die Zeit fehlt und ich mit der für den PC zu
Verfügung stehenden Zeit ökonomisch umgehen will. Schließlich und
endlich versuche ich auch noch meinen eigenen Blog täglich
abzudaten.
Doch nun habe ich einen
neuen Blog entdeckt, er hat, so bescheiden ist sein Betreiber,
nicht mal einen Namen. Die Motivation scheint ähnlich wie bei uns zu
sein: Zunächst machen wir es für uns selber und dann für die
anderen. Der neue Blog jedenfalls stimuliert meine Erinnerungen,
bringt Themen, die ich woanders nicht so sehe und ist, jedenfalls für
uns, außerordentlich interessant. Und er ist Anregung eigene
Erinnerungen aufzuarbeiten und zu posten. Danke an
Olaf61.
Damit will ich heute in
lockerer und unchronologischer Folge beginnen. Es sind private
Erinnerungen an meine Eltern, Großeltern und andere
Familienmitglieder die aber so ausgewählt sind, dass man einen
Kontrast zum heutigen Leben erkennt. Um nicht zu persönlich zu
werden, verändere ich nur gelegentlich den Verwandtschaftsgrad oder
den Namen.
Ob Schwester Necla Karabac
singt?
1948.
Universitäts-Frauen-Klinik (UFK) Berlin-Mitte, Ziegelstr.
Ein altes Gebäude, hohe Gänge, großes Treppenhaus. Es ist 19 Uhr, die
Schwestern haben das Abendbrotgeschirr bereits eingesammelt, der Lärm,
ist verebbt. Man hatte gelüftet, eine kühle, angenehme Luft streicht
durch das Haus. Alle Zimmertüren sind offen. Nur gelegentlich hört man
ein Husten aus einem der Räume.

Da, plötzlich wird die Stille
durchbrochen. Aus dem Treppenhaus ertönt Gesang. Ganz leise
beginnen sie, 2 Schwester und 3 Schwesternschülerinnen stimmen ein
Abendlied an. Die Stimmen schwellen, langsam werden sie lauter,
schließlich klingt das Lied laut und klar durch die Gänge der 3
Etagen und verliert sich in den Räumen. So wie es begonnen hat, leise
und zart klingt es aus. Stille.
Es folgt ein zweites und ein
drittes Lied. Als es ausklingt erschallt begeistertes Klatschen
aus den Patientenzimmern. Das war keine Einzeldarbietung, keine
Ausnahme. Die Mädels machen das jeden Abend. Nicht weil sie
müssen, weil es in einem Dienstplan steht, sie es bezahlt bekommen.
Sie machen es freiwillig, den Patienten zuliebe. Und sie haben
selbst Freude daran. Und in der Advents- und Weihnachtszeit ist mit
den sparsamen Mitteln des Jahres 1948 das Haus festlich
geschmückt. Und in den Gängen erschallen allabendlich
Weihnachtslieder.
Eine der
Sängerinnen war meine Mutter.
Blättern wir mal vor, in das
Jahr 2007. Selbst mit allergrößter Fantasie bekomme ich nur
diese Bild zustande. Schwester Elke latscht unwillig und auf
die Uhr schauend zu Patientin B. in Raum 25. Die hat heute schon
zum 2. Mal geklingelt. Nervensäge, na, gleich ist Feierabend. Am
Servicepoint stehen Schwester Kim und Schwester Lee, sie
schnattern auf koreanisch, was sie sagen bleibt uns verborgen. Am Ende
des Korridors taucht Schwester Necla auf, sie ist erst seit 2
Tagen wieder da. 4 Wochen war sie in der Türkei, dort hat sie ihren
Cousin geheiratet.
Und um die Ecke kommen 2
Doctores. Ulli ist aber keiner, er ist Student, hat Ringe im Ohr
und lässt nur den Mantel in Chefarztmanier wehen. Jedenfalls hat er
schon das entsprechende Gehabe. Und Dr. Rafik Hakim aus
dem Libanon tritt gerade seinen Dienst an. Er ist eigentlich
Austauscharzt des Fuad Khoury Hospitals in Beirut für ein Jahr.
Aber seine Gedanken kreisen darum wie er seinen Aufenthalt in Berlin
verlängern kann – auf Lebenszeit.
Aus den Zimmern wabert ein
Soundsalat aus Radio, TV und Computerspielen. |
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