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Frau
muss sein zuhause...
Unsere
Sommerreise beinhaltete auch 33 Hotelwechsel. Noch immer
sind die USA das bequemste Reiseland. Mit 2 Kindern fragt man
einfach nach einem Hotelzimmer. Die enthalten, von ganz wenigen
Ausnahmen abgesehen, 2 Kingsize-Betten, also genug Platz für die
Eltern und die Kinder. Die wollen, weil das im täglichen Leben ja
nicht vorkommt, mal bei Papa, mal bei Mama schlafen. So ist für
ständige Abwechslung gesorgt. Nur Teile des Ehelebens sind in diesen
70 Tagen schlecht realisierbar….
Unsere Preisklasse schwankt, je nach Gegend zwischen 55 und 140 Dollar
die Nacht. Wobei es vorkommen kann, das ein Zimmer für 69 Dollar
hervorragend ist und eins für 120 Dollar total mies. Es hängt halt von
der Gegend ab und davon, wie überlaufen sie touristisch ist. Wenn man
länger als 4 Nächte bleibt ist es schon ungewöhnlich, Amerikaner
kennen keine langen Urlaube. Jedenfalls nicht vor der
Pensionierung und auch dann nur maximal 14 Tage. Und das wir insgesamt
18 000 km mit 4 Fahrrädern und einem Zodiac Boot auf dem Dach, und dem
Motor dazu im Kofferraum, fahren erregt schon Aufmerksamkeit. Die
Leute freuen sich, dass wir Interesse an ihrem Land zeigen und wir
treffen auf keine Ressentiments. Man ist interessiert zu hören wie wir
über Amerika, den Irakkrieg und Bush denken. Wir sagen viel wahres und
freundliches, aber auch manches kritische. Wir kritisieren die
Abkoppelung des Dollars vom Goldstandard und die Housing
Bubble. Über Bush sagen wir nichts schlechtes, das tun ja schon
alle anderen Deutschen und es würde langweilig. Erstaunlich viel
Menschen stimmen uns zu. Und vom Goldstandard, man höre und staune,
haben fast alle schon mal gehört. Oft gibt es anregende, längere
Konversationen und manches Mal tauschen wir Visitenkarten.
Was uns aber auffällt ist, das die Roommates , also die Zimmermädchen,
früher alle, fast ausnahmslos, Schwarze waren. Jetzt sind es
ganz überwiegend Russinnen, Ukrainerinnen und (deutlich
weniger) andere Osteuropäerinnen. Wir kommen natürlich gut ins
Gespräch, denn meine Frau spricht fließend russisch. Alle Mädchen
sind, (davon abgesehen, dass sie überwiegend auch sehr hübsch sind),
ausnahmslos Studentinnen. Sie kommen mit einem speziellen Visum
und inzwischen hat sich der ganze Genehmigungsablauf an den
Universitäten von Minsk bis Chabarowsk, von Moskau bis Komsomol an
Amur hervorragend eingespielt. Auch als Serviererinnen findet man sie
sehr häufig, neben weißen Amerikanerinnen. Da sieht man den
Unterschied, die Amerikanerinnen sehen abgearbeitet aus, Unterschicht,
die Russinnen sind Studentinnen gepflegt und schlank.
Wir konnten nicht herausfinden wo all die schwarzen Zimmermädchen
und Serviererinnen geblieben sind.
In Pigeon Forge,
einer Vergügungsstadt für den 2 Tage-Urlaub des Proletariats, gehen
wir ins „Golden Corral“.
Das ist eine Fresskette mit „All-You-Can-Eat-Buffet“ und einem
Einheitspreis. Entsprechend dick und überfressen sind die Gäste. Man
isst hier nicht, man frisst. Man schaufelt in sich hinein, bis die
Unterhose platzt. Die Getränke werden serviert, die Teller
abgeräumt. Unsere Serviererin heißt Jana und ist, natürlich, Russin.
Hinreißend
hübsch, charmant und aufgeschlossen. Wir kommen ins Gespräch. Am Ende
frage ich sie, was sie von der „amerikanischen Esskultur“ hält.
Immerhin sieht sie ja Schicht für Schicht, nur fressende Menschen. „There
is no culture“ sagt sie etwas irritiert und leise. Das ist wahr,
und ich bedaure, dass sie nichts anderes in den Monaten ihrer
Sommerarbeit kennen lernen wird. Denn, gelegentlich, ganz ganz
gelegentlich, kann man sie doch finden: Die amerikanische Esskultur.
Übrigens auf den 80m hohen "Screaming Swing",
einer Kotzschleuder (siehe Foto) auf dem Nachbargrundstück, kann man
sich gleich anschließend erleichtern...
Mexikaner sind sehr präsent, und je weiter südlich man kommt um so
mehr gibt es. Manche freut das, die lassen sie für sich arbeiten,
manche ärgert es. Man findet sie inzwischen auch in den Nordstaaten.
In Kanada leben unzählige Großfamilien von der Sozialhilfe und
sind zu nichts zu bewegen. In der Erntesaison, z.B. in Leamington der
Tomatenstadt, in der HEINZ -
ja die Ketschupfritzen - ihre Fabrik haben, fehlt es trotzdem an
Erntehelfern. So bringt man Off-Shore-Erntehelfer rein. Von wo? Aus
Mexiko. Die arbeiten wie verrückt und senden ihr Geld nach
Hause. Wir kennen das aus Deutschland bei der Spargel und Weinernte
und den helfenden Polen. Deutsche Sozialhilfeempfänger sind ja dazu
nicht zu bewegen.
So gibt es durchaus Parallelen. Und mir kommt das kalte Kotzen,
wenn ich Aussagen wie diese von
Naomi
Klein im Spiegel
lese.
Vor zwei Wochen in Deutschland dann. Ein Hotel am Bahnhof. Ausnahmslos
alle Zimmermädchen aus Kroatien. Am zweiten Morgen macht ein
Mann mein Zimmer sauber. Ich frage ihn woher er kommt.
„Ich aus Pakistan.“
Und auf meine Nachfrage:
„Ich fünf Jahre hier. Nein ich nicht verheiratet, ich gehen immer zu
Freunde, Kartenspielen.“
Er ist sehr nett und freundlich und strahlt, weil ich mich mit ihm
unterhalte. Seine Zähne sprießen in alle Himmelsrichtungen. Vermutlich
ist er noch nicht dahintergekommenen, wie man die deutsche
Krankenkasse da mit einbinden kann. Er zeigt auf mein Laptop und
das Desktopbild:
„Das Deine Frau?“ Ich bejahe. „Wo ist sie“ will er wissen. „Zuhause“
sage ich und denke dabei eher daran, dass sie im Moment wahrscheinlich
im Hause ist, bei den Kindern als in der Uni. Er greift das begeistert
auf:
„Das richtig so. Frau muss sein zuhause, muss kochen und Wohnung
machen. Nix gut, wenn Frau nicht zuhause, nix gut wenn Frau
arbeiten.“
Was sagte er, wie lange ist er in Deutschland? 5 Jahre?
Wann wird er hier ankommen? |
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