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Tut Gutes! Sofort!
Nach dem Kriege hatte man nur ein Ziel:
Etwas Gutes zu tun. Und zwar für sich selbst. Vielleicht noch
für seine Familie. Dieses Tun, das einem zuerst mal selbst zugute kam,
nannte man erst Überleben, dann Wiederaufbau. Jeder hatte Probleme.
Seine Eigenen. Nicht die der Anderen. In dieser Zeit waren die meisten
Menschen umsichtig, motiviert etwas zu tun und ihr Schrei nach
Fremdhilfe war noch nicht entwickelt. Ich erinnere mich als Kind
Kriegsversehrte gesehen zu haben, z.B. einen Mann am damaligen
DEFAKA-Kaufhaus am Tauentzien, der saß, weil er keine Beine hatte, auf
einem Brett mit vier Räderchen, sauste damit durch die Gegend,
bettelte um Geld, aber er putzte den Leuten auch die Schuhe dafür.
Ein klarer Fall von Gegenleistung.
Dann kam der Wohlstand und die Sozialsysteme wurden ausgebaut. Nicht
etwa, das die Menschen dazu angehalten wurden sich um ihre eigene
soziale Sicherheit zu bemühen, nein, es wurde versprochen und „in
Aussicht gestellt“ und von der politischen Schlaukaste verbreitet,
dass es „allen“ eines Tages zugute kommt. (Kam es ja dann später
auch, besonders an die, die nix eingezahlt hatten). Noch später kamen
Oberquatschköppe, studierte Leute natürlich, die sprachen vom „Generationenvertrag“.
Dabei ist ja schon einem Grundschüler klar, dass zu einem Vertrag
immer wenigsten zwei gehören und mit Babys, weil geschäftsunmüdig,
kann man noch gar keinen Vertrag schließen. Norbert Blüm war
einer von diesen Quatschköppen. Heute ist er „Spezialist“ für
Israelfragen und quatscht dort ebenfalls blödes Zeug.
Doch zurück zum Gutestun. Etwa Anfang der 70iger Jahre, nach meiner
Erinnerung, wurde es wichtig auch zu zeigen wie gut man ist. Es
reichte plötzlich nicht mehr etwas für sich selbst zu tun und damit
weiterhin von anderen -guterweise- nichts zu fordern. Nun
musste man auch für andere etwas tun. Und sei es nur verbal.
Mit dem aufkommenden Fernsehen konnte man ja was bewegen, konnte
dickbäuchige hungernde Kinder aus Afrika zeigen, Erdbebenopfer und
Sturmflutgeschädigte. Man konnte sowohl an das Mitleid, wie auch an
das Gewissen appellieren und den Leuten eintrichtern, dass es nicht
reicht etwas für sich selbst zu tun.
Dabei war die Zeit vorher ja nicht ohne Mitmenschlichkeit gewesen. Wer
wirklich in Not war, mit dem teilte der edle Deutsche ohnehin
seinen Mantel wie St. Martin. Aber es war eine Direkthilfe und
keine losgelöste, anonymisierte und aus enteigneten
Umverteilungsmitteln gewährte an Unbekannte.
Als das Fernsehen bunt wurde, konnte man auch sehen, dass Negerkinder
wirklich schwarz sind und Palmen braun, wenn
sie vertrocknen. Das Spendenaufkommen stieg entsprechend. Aber, auch
die Überweisung oder Einzahlung ist natürlich anonym. Und sie blieb
sie den „kleinen“ Leuten vorbehalten. Wer etwas auf sich hielt zeigte,
dass er ein begnadeter Helfer war. Es war die Schiene für
Prominente Betroffenheit ausdrücken zu können, und noch der
schlechteste Schauspieler lernte geschwind entsetzt, zerknirscht oder
eben betroffen in die Kamera zu schauen.
Die entsprechenden Statements dazu kamen auch bald wie vorgestanzt und
konnten nach Beliebigkeit abgerufen werden. Schauspieler,
Schriftsteller, Bildhauer, Popmusiker, Politiker so wie so, jeder
hatte seine Bühne, seinen Auftritt. Wenigstens dann. Aber damit nicht
genug. Es kam der Zweitberuf. Wer jetzt im Gespräch bleiben wollte
musste auch eine helfende Funktion haben. Entweder man gründete
die Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen oder ein Kinderhilfswerk
oder man sammelte TV-wirksam Minen ein, die andere, böse
Menschen, verbuddelt hatten. Nun wenigstens vor der Kamera ausbuddeln
und zwar die, von denen man wusste, dass
sie gerade nicht explodieren würden. Wer jetzt keine Aufgabe hatte war
selber schuld.
Meine Mutter, Ehefrau eines sehr beschäftigten Mannes und mit etwas
exklusiverem gesellschaftlichen Umgang, hatte oft die Frage zu hören:
„Und was machen sie sonst so?“ Es reichte nicht zu sagen:“Oh,
ich habe einen Mann und drei Söhne, ein großes Haus und einen Garten.“
Das war es nicht was der Frager hören wollte. Die Antwort hatte zu
lauten: „Ich bin 1. Vorsitzende des Vereins zum Schutze der Musca
Domestica“. Also eines Vereins der sich zum Ziel setzte die
gemeine Stubenfliege zu schützen. Denn es war egal was man schütze.
Hauptsache man schützte. Und tat Gutes.
Dieser inflationäre Trend Gutes tun zu wollen war und ist nicht
aufzuhalten. Letztlich gibt es nur noch Gutmenschen. Dabei ist der
Einstieg relativ leicht. Zuerst verkündet man jedem der es, und auch
dem, der es nicht hören will, das man „antifaschistisch“ ist. Selbstverständlichkeiten
gehören eben besonders breit ausgewalzt. Dann macht es sich gut
für den „Klimaschutz“ zu sein, man muss aber davon nicht unbedingt
was verstehen. Gegen die Amerikaner zu sein ist populär,
man macht da nicht viel falsch. Auch die armen geschundenen
Palästinenser kann man immer unterstützen ohne das eigene Image zu
beschädigen. Wer wirklich engagiert ist zieht sich aus. Und lässt
sich als Kotlett bei PETA abbilden. Eignet sich besonders für
Schauspielerinnen der 2.und 3. Riege. Und jede Schnulzensängerin und
jede gerade gekürte Schönheitskönigin verkündet mehr oder weniger
lispelnd, das sie ja auch für den Frieden und gegen den Hunger
ist.
Bin ich ja auch. Vorallem gegen den Hunger in meinem Magen und
den Ehefrieden. Deshalb denke ich, das ich ein guter Menschen
bin. Etwa nicht?
Nur eines mache ich vorläufig nicht. Ich fliege nicht nach Afrika und
adoptiere auch keine schwarzen, gelben oder grünen Kinder. Ich gebe
zu, ein schwarzes Kind würde sich zwischen unseren eigenen beiden
Blondschöpfen sehr dekorativ machen.
Aber ich lasse das erst mal. Es gibt ja genug Popsängerinnen und
Schauspielerinnen die am Ticketschalter Schlange stehen. Ich würde
da nur stören. |
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