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Auf der Suche
nach irgendwas
Der Papst hatte
Parkinson. Meine Mutter hatte Parkinson. Keine Ahnung wer
schlechter dran war. Beide waren bis zuletzt klar im Kopf. Von meiner
Mutter weiß ich es, vom Papst habe ich nichts gegenteiliges gehört.
Das hat mich beruhigt, nicht beim Papst. Aber bei meiner Mutter.
Natürlich hatte sie ihre altersbedingten Wunderlichkeiten. Und
gelegentlich entrang sich meiner Brust ein Seufzer. Es brauchte das,
was man wenn man jünger ist nicht immer hat: Geduld. Dennoch
ich hatte freiwillig die Pflege übernommen. Meine Mutter in meine
eigene Familie integriert. Diese, seit Alters her eigentlich
selbstverständliche Handlung ist heute ein Kunststück ersten Ranges.
Der Spruch, dass ein Elternpaar zwar 10 Kinder großziehen kann, aber
10 Kinder es nicht schaffen ein Elternteil zu versorgen oder zu
pflegen hat durchaus etwas für sich.
Parkinson ist heimtückisch und erfordert vom Kranken wie von
den Angehörigen viel Disziplin. Der die Bewegungsabläufe
torpedierende Dopaminmangel kann nur eine gewisse Zeit durch
Medikamente ersetzt werden. Und die Dosis muss ständig erhöht und
erneut einreguliert werden. Der Patient ist, je nach
Krankheitsfortschritt, beeinträchtigt bis hilflos. Depressionen,
alters- und krankheitsbedingte Depressionen kommen oft hinzu. Einen
derart gezeichneten Kranken in eine Familie zu integrieren, einem
Ehepartner „zuzumuten“ und auf das Leben mit kleineren Kindern
abzustimmen ist eine echte Aufgabe. Wir haben das geschafft.
Der Dank gebührt besonders meiner Frau. Es war ja nicht ihre
Mutter. Und dennoch hat sie mit durchgehalten.

Um den Papst haben sich wahrscheinlich etliche Schwestern und
Brüder gekümmert. Und wenn sie ihm, profan gesprochen, vom Topf
geholfen haben, haben sie das „menschliche“ an ihm gesehen. Sehen
müssen. Der heilige Vater als Mensch, als hilfsbedürftiger Mensch. Man
muss wahrscheinlich ein stark vom Glauben (ver-) geformtes
Bewusstsein haben um in einem bedauernswerten älteren Herren einen
Heiligen Vater zu sehen. Aber es ist wie es ist. Wahre Katholen
sind in ihrem Glauben so, vorsichtig formuliert, intensiv und
konsequent wie wir es den Musels vorwerfen.
Nun möchte man ihn
Seligsprechen. Meine Güte, mal abgesehen davon, dass ich damit
einverstanden bin, wenn eine Gruppe, ein Verein, eine Gemeinschaft
oder eben auch eine Kirche ein Mitglied für besondere Verdienste
würdigt, meinetwegen auch posthum, ihm vielleicht einen Orden
verleiht oder eine Brücke nach ihm nennt, ist es natürlich
ausgemachter Humbug einen Menschen „selig“ zu sprechen. Oder
gar „heilig“. Das kommt mir so schräg vor wie das Versprechen auf
72 Jungfrauen. Es ist im 21. Jahrhundert wirklich schwer zu
vermitteln, dass jemand der Gutes tat, deshalb „heilig“ sei. Danach
hätte auch ich Anspruch darauf.
Aber ihn nun
selig sprechen zu wollen weil eine parkinsonkranke Nonne, deren
altjungfräuliche Verzückung und Hinwendung an einen
„Stellvertreter Gottes auf Erden“ sie plötzlich gesunden ließ,
ist schon Blasphemie. Der Dopaminschub der sie plötzlich
erreichte kann ja nicht durch den heiligen Geist übertragen
worden sein. Sollte das so sein, glaube ich auch an die Eingebungen
Mohammeds die er von Allah empfangen haben soll und schreibe seine
Gewaltfantasien nicht mehr der Wüstenhitze zu.
Aber es ist nicht so. Es ist unwissenschaftlich. Und ob nun 130 delirierende
Glaubensbrüder als Zeugen auftreten oder 1300 macht die Sache
nicht glaubwürdiger. Es bleibt ein weiteres Faszinosum, dass ganze
Heerscharen von studierten Kirchenmännern ernsthaft an einem
Tisch sitzen, bereits seit 2 Jahren, Kommissionen zusammenstellen,
Zeugen verhören, Berichte verfassen und Notare beschäftigen, um etwas
zu verankern was klar denkenden, und nicht vom religiösen Wahn
infizierten, eigentlich klar ist. Es handelt sich um offiziell
sanktionierten Aberglauben. |
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