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Wenn man nur einmal Tacheles redet
Als Einleitung auf den
Fall Filbinger/Oettinger möchte ich zunächst über eine
nordamerikanische Unsitte sprechen die auch in Europa, und hier
wiederum in Deutschland, mehr und mehr um sich greift:
„Did I hurt your feelings”. (Habe ich, - hat jemand-
Deine Gefühle verletzt?) Eine beliebte und ständig zu hörende Frage
hier in Nordamerika. Es ist ein kleines Verbrechen jemandes Gefühle zu
verletzten und Schande über den, der es tut. So wächst man schon von
klein auf in eine Selbstkontrolle hinein, die, weil alle sich ihr
unterwerfen, zu einer absoluten Verhaltens- und Aussagekonformität
führen. Das ist in Kanada noch schlimmer als in den USA. Es ist
schlicht unerträglich. Provokation um Menschen zum Denken zu bewegen
ist verpönt, kontroverse politische Diskussionen im Privatleben auch,
und sehr schnell sieht man sich allen möglichen Vorwürfen bis hin zum
Rassismus ausgesetzt, wenn man nur einmal Tacheles redet. Oder
schreibt. Meine Kinder werden es schwerer haben, halte ich sie doch
ständig dazu an ihrem Gewissen (conscience) zu folgen und nicht einem
allgemein verbindlichen, zeitgeistabhängigen Meinungsdiktat. Das hier
die rotgrünen Gutmenschen seit Jahrzehnten den Rahmen für politisch
korrekte Äußerungen vorgeben kann wohl nicht mehr bestritten werden.
Dann fallen mir zum Thema Filbinger/Oettinger zunächst eigen erlebte
Beispiele ein die widersprüchliche Gedanken auslösen:
1. Gedanke:
Mein Großvater wurde, als Studienrat am Paulsen Gymnasium in Berlin,
wegen nazikritischer Äußerungen zum Schulrat zitiert, gemaßregelt und
hatte fortan Nachteile hinzunehmen. Nein, er war nicht im Widerstand,
aber er sah, als Deutsch-Nationaler, die Nazis kritisch, hielt seine
Freundschaft und Hausmusikabende mit jüdischen Familien aufrecht und
wechselte, wie viele seiner Bekannten, nicht die Straßenseite wenn
ihm, mit Kollegen verheiratete, Jüdinnen entgegenkamen. Seine in der
Schule geäußerte Kritik am System und seine beibehaltenen
Freundschaften waren seine kleine, (und zugegeben) bescheidene Form
eines persönlichen Protestes. Der hatte keine nachhaltige öffentliche
Wirkung, aber er diente, zusammen mit der entsprechenden Erziehung,
charakter- stil- und gewissensprägend bei seinen Kindern. Mein
Großvater und mein Vater dienen mir auch heute noch als Vorbild und
die Nazis, wie die Kommunisten, für die größte Pest zu halten und ihre
menschenverachtenden Ideologien hassen zu lernen, habe ich auch ganz
wesentlich ihnen zu verdanken.
2. Gedanke
Mir persönlich ist der Fall eines berühmten Berliner Chefarztes
geläufig, der als junger Mann bei den Nazis eintrat. Ein (zu diesem
Zeitpunkt) mitlaufender junger Arzt, der hier seine Chance zum
Aufstieg sah. Nach dem Kriege machte er dennoch weiter Karriere, wurde
weit über Berlin hinaus bekannt und war in vielen ärztlichen
Organisationen in leitender Funktion tätig. Zitat:
„Der Schwerpunkt seiner
Arbeiten und Forschung lag in der Transfusionsmedizin und in der
Schilddrüsenchirurgie. So regte er 1949 die Gründung des Berliner
Blutspendedienstes an und schuf die Berliner Blutbank, die er bis 1966
leitete. Im Jahr 1961 wurde er Honorarprofessor für Krankenhausbau an
der Technischen Universität Berlin. Trotz dieser immensen Belastung
wurde er schon frühzeitig berufspolitisch aktiv. Bereits zur Zeit der
Berliner ärztlichen Sektorenverbände Ende der 40er Jahre hielt er in
"seinem" Krankenhaus Fortbildungsabende ab, die hohes Niveau hatten.
Zeitlebens hat sich Prof. H. der ärztlichen Fortbildung verschrieben.
Er war Mitbegründer der Akademie für ärztliche Fortbildung und deren
Vorsitzender von 1958 bis 1975. Er widmete sich dem Austausch von
chinesischen und deutschen Ärzten. Als Mitbegründer der
Deutsch-Chinesischen Medizinischen Gesellschaft e.V. wirkte er darauf
hin, daß zwischen der KaiserinFriedrich-Stiftung und der
Jinan-Universität in Kanton ein Partnerschaftsvertrag geschlossen
wurde. Nach diesem Vertrag, (…) kommen chinesische Ärzte für ein Jahr
zur klinischen Fortbildung an Berliner Kliniken.“
Man kann das
fortsetzen, wer es genauer wissen will klickt hier (nach unten
scrollen) Prof. H. ist
vielfach ausgezeichnet worden. Er hat sich um das Berliner und
deutsche Gesundheitssystem sehr verdient gemacht. Entscheidend ist, in
diesem Zusammenhang, das der Berliner Senat, für den er ja Jahrzehnte
lang tätig war, ihm unter Hinweis auf seine politische Haltung von
1933 – 1945 jegliche Ehrung und Anerkennung verweigerte. Um es klar
festzuhalten: Prof H. war weder als Nazi besonders exponiert noch hat
er Menschen in Ausübung seiner Parteimitgliedschaft geschadet. Als er
1997 starb haben, und das zu recht, Prominente seine Verdienste
gewürdigt.
3. Gedanke:
Ich lese zum Fall Oettinger und surfe im Internet. Meine sehr
geschätzte und oft angeklickte Gudrun Eussner schreibt in einem
Kommentar auf Fakten und Fiktionen, und zu der dort zitierten
Argumentation auf dem Blog
Zettels
Raum, die folgenden Worte:
„Das
ist die typische Argumentation der Nazis nach dem Kriege: wenn ich es
nicht getan hätte, ein
anderer hätte es getan. Wenn ich den Zug nach
Auschwitz nicht gefahren hätte, mein Kollege wäre gefahren usw. Es
hätte so viele Möglichkeiten gegeben, sich dem zu entziehen. Aber das
wollten Menschen wie Filbinger nicht.“ (Zitat)
Das bewegt zum Nachdenken. Es ist natürlich nicht nur die
Argumentation von Nazis. Es ist die Argumentation eines jeden der sich
zum Helfershelfer einer Diktatur gemacht hat. Es gibt dann Leute die
das nachträglich bedauern und in etwa argumentieren: „Wissen Sie, ich
hatte eine Frau und 5 Kinder. Zum Protest braucht man auch eine
gewisse existenzielle Unabhängigkeit. Womit hätte ich meine Familie
durchbringen sollen!“ Und obwohl ich, glücklicherweise, nie in einer
solchen Situation war kann ich mich in sie durchaus gut
hineinversetzen. Und ich halte es immer noch für einen Unterschied ob
ich als Mauerschütze Menschen wie Hasen abknalle oder (nur) Spiegel
unter Westautos schiebe und in Benzintanks stochere; - um mal von
einer anderen Diktatur zu reden. Oder aber,
als IM, meine Nachbarn zu
denunzieren ob winzigster Vorteile willen.
Nun muss auch Gudrun Eussner natürlich sehen, dass nicht jeder Mensch
zum Widerständler geboren ist. Wäre es so, hatten wir überhaupt keine
Diktaturen. Aber wo fängt Widerstand an, wo ist die Grenze wo das
revoltierende Gewissen zum aktiven Widerstand aufrufen darf. Bereits
als Sachbearbeiter am Schreibtisch? Sicher auch da. Nicht umsonst gibt
es den Begriff Schreibtischtäter. Und
Eichmann hat denn ja auch nie
einen Juden persönlich in die Gaskammer geschoben. Und wurde dennoch
völlig zurecht hingerichtet. Ich stimme ihr zu: Es gibt viele
Möglichkeiten sich zu entziehen. Aber nicht alle die es nicht taten
haben es verdient das wir sie mit Verachtung strafen.
4. Gedanke:

Medienkritisch zu sein heißt auch, die Motivation der Schreibenden zu
hinterfragen. Die mediale Empörung, die ausufernde Berichterstattung
über die Rede von Günther Oettinger und die politische Empörung
erscheint mir zweckorientiert und weit gehend geheuchelt. Sie wäre
dann glaubwürdig wenn sich eine ähnliche Hype auch an anderen
Deutschen, die verstrickt waren, entfaltet hätte. Hat sie aber nicht.
Im Gegenteil, es scheint eine Frage der Farbe zu sein wo und bei wem
es opportun erscheint sich durch Empörung in den Vordergrund und ins
Bewusstsein drängen zu dürfen.
Herr Krenz zum Beispiel erfreut sich
ebenso gewisser wohlwollender Anerkennung wie Herr RA Wolf oder
Herr
Gysi. Rolf Hochhuth nehme ich seine Empörung schon deshalb nicht ab,
weil sie nicht selbstlos daher kommt. Wäre sie selbstlos, würde er
korrekt und sauber historische Untersuchungen zitieren und nicht ins
polemische abgleiten. Und die Berufsempörten aus der
Meinungsbildnerecke, die roten und grünen einäugigen Heuchler, halten
es schon für Widerstand auf einer Trauerfeier NICHT zu erscheinen. Was
für erbärmliche Kreaturen.
5. Gedanke:
Es gibt eine Lebenswaage. Auf ihr kann man sicherlich gutes gegen
schlechtes Handeln, und umgekehrt, aufwiegen. Auch in der Religion
kennen wir das. Es muss nicht so pervers ausarten, wie im katholischen
Ablasshandel, wo man sich von seinen Sünden freikauft. Aber am Sarg
eines Menschen kann man durchaus ein Fazit ziehen. Mit anderen Worten:
Bei einer solchen Plus-Minus-Rechnung würde es, im Fall von Adolf
Eichmann, nicht reichen, dass er auch nett und freundliche zu seinen
Untergebenen gewesen wäre (war er?), seine Frau auf Händen getragen
und seine Kinder in den Schlaf gesungen hätte (hat er?). Seine Schuld
wäre so schwer, dass seine Waagschale nicht vom Boden gekommen wäre.
Aber schauen wir den Fall des Berliner Chirurgen an. Sein positives
Wirken für die Gesellschaft und die Menschen hat seine (schuldhafte)
Unterstützung einer menschenfeindlichen Ideologie aufgewogen.
Wahrscheinlich würde seine positive Waagschale weit höher hängen als
im Gleichgewicht der Zunge.

Und Filbinger? Wenn er, wie die Historiker glauben beweisen zu können,
im Falle Gröger keine Verhinderungsmöglichkeit hatte, ihm ein
Gnadenakt oder ein anderes, als das bereits vorbereitete, Urteil nicht
möglich war, dann hat er dennoch Schuld auf sich geladen. Aber in der
Waagschale hat er, zum Zeitpunkt des Verfahrens war er 30 Jahre alt,
in den folgenden 35 Jahren aktiven politischen Lebens, durch positives
Handeln einen Teil seiner Schuld abtragen können. Es gibt sicher viele
Menschen die weniger für die Gesellschaft getan haben. Von den
Schreihälsen, die sich politisch einseitig in Empörung üben kenne ich
keinen, dessen politisches Wirken über den Tag hinaus von Relevanz
wäre.
Die Empörung über Hans Filbinger ist also ein alter, aber neu
aufgebürsteter Hut. Die Schmäh die sich über
Günther Oettinger
ergießt, die Rücktrittsforderung etc. sind so unaufrichtig wie
durchsichtig. Sie ist das Benzin im Motor meinungsbildender
Gutmenschen die solche Anlässe brauchen um von ihnen unliebsamen
Themen abzulenken.
6. Gedanke:
Ich war immer dafür das man NS-Täter aufs Härteste bestraft. Jedes Mal
wenn man ihrer habhaft wurde habe ich mich gefreut. Und ich war immer
beschämt wie lange es dauerte und wie schwer sich die deutsche Justiz
damit tat sie zur Rechenschaft zu ziehen. Ich bedauere heute noch,
dass, nach den in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilten, nur
noch Adolf Eichmann mit dem Leben bezahlen musste. Jedem der Täter
hätte ich den Tod gewünscht. Wenn sie denn Täter waren.

Unterstützer von Diktaturen rufen Ekel hervor. Jedenfalls bei mir. Mir
fehlt die Gabe ihnen eine Mitgliedschaft in der NSDAP oder der SED
verzeihen zu können. Wie man (überhaupt) Organisationen wie
NSDAP, SS, SA, SED oder STASI beitreten konnte fehlt mir jedes
Verständnis. Und Gudrun hat recht. Es gab immer Möglichkeiten sich zu
entziehen wenn man sich in der Unauffälligkeit versteckte. Es wäre
auch nicht nötig mit ihnen an einem Tisch zu sitzen, freundschaftliche
Gespräche zu führen oder ihnen die Hand zu schütteln. Eine knappe
Verbeugung würde ja reichen.
Aber ich bin andererseits auch bereit anzuerkennen wenn jemand seine
Leistung, sein Wissen, sein Talent und seine Fähigkeiten in eine
Demokratie eingebracht hat und auf der Waage seine Schuldschale damit
in Richtung Zunge bewegte. Wäre wir dazu nicht bereit müssten wir uns
fragen, ob wir nicht ähnlich verbohrt sind wie diejenigen die Mühe
haben sich offen zu ihrer schuldhaften Verstrickung zu bekennen.
7. Gedanke:
Wenn verlangt wird wir sollten nur nach unserem Gewissen handeln, ich
schließe mich dieser Forderung unbedingt an, muss das aber immer und
zu jeder Gelegenheit gelten. Das Gewissen ist so wenig“ teilbar wie
die Menschenrechte“, um mal einen häufig zitierten Spruch zu
wiederholen. Gewissen kann ja nicht nur auf die Vergangenheit bezogen
sein, können wir nur von den Vorgängergenerationen (nachträglich)
einfordern. Wenn lokale SPD-Größen und andere Berufsempörte, bei einer
Einladung zu einer Trauerfeier plötzlich ihr (politisch gefärbtes)
Gewissen entdecken haben, werden wir das (kopfschüttelnd) akzeptieren.
Aber dann haben wir auch das Recht (nicht nur als Reaktion auf die
SPD-Pfeifen, sondern generell) unserem Gewissen zu gehorchen und uns
der Mitarbeit (das seltener) und der Mitfinanzierung (das sehr häufig)
von Terrorgruppen zu verweigern. Das wir das tun, stößt selbst bei
intelligenten Leuten, die ständig mit ihrem „Gewissen“ brillieren, auf
Unverständnis. Wie wäre es sonst möglich, dass Steuerverweigerung aus
Gewissensgründen nicht anerkannt wird? Mein Gewissen weigert sich
standhaft die Hamas, die Palästinenser etc., via europäischer
Steuerumlage zu finanzieren. Es gäbe der Beispiele mehrere...
Abschluß:
Günter Oettinger „had hurt somebodies feelings“ auf einer Trauerrede.
Und das macht man nicht. Nicht in einem Land in dem nur noch ein
egalisiertes Denken und Äußern möglich ist. Ohne Differenzierung. Und
wo es bestimmten politischen Kreisen nicht passt, wenn ein Mann, der,
bei aller Schuld, auch positive wirkte, ehrenvoll zu Grabe getragen
wird.
Denn Filbinger mag alles gewesen sein. Ein schwacher Mensch,
unaufrichtig sich selbst gegenüber, ein Marinerichter am falschen Ort.
Ein Karrierist. Ein Kriegsverbrecher, ein Mörder, war er nicht.
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Der ganze Text zu
Prof. Heim: (als
Zitat entnommen hier.
Deutsches Ärzteblatt
95, Ausgabe 3 vom 16.01.1998, Seite A-109 / B-92 / C-89 )
Prof. Dr. med. Dr. med.
h. c. Wilhelm Heim starb am 15. Dezember 1997 im 92. Lebensjahr in
Berlin.
Wilhelm Heim wurde am 2. November 1906 in Berlin, Bezirk Kreuzberg,
geboren. Nach dem Medizinstudium an den Universitäten in Berlin und
Innsbruck erhielt er 1955 die Anerkennung als Facharzt für Chirurgie;
1931 Promotion an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin, 1941
Habilitation ("Klinische und experimentelle Studien zum
Blutkonservierungsproblem"); 1942 Privatdozent für Chirurgie an der
Charité zu Berlin; 1959 apl. Professor an der Freien Universität
Berlin; 1997 Ehrendoktorwürde der Jinan-Universität in Kanton
(Volksrepublik China).
Nach Oberarzttätigkeit im Städtischen Krankenhaus Am Urban und
Robert-Koch-Krankenhaus Moabit wurde Wilhelm Heim 1948 Chefarzt der
Chirurgischen Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses, des größten
Berliner Krankenhauses (damals 2 000 Betten), und ab 1949 bis zu
seiner Pensionierung (1971) Ärztlicher Direktor.
Der Schwerpunkt seiner Arbeiten und Forschung lag in der
Transfusionsmedizin und in der Schilddrüsenchirurgie. So regte Heim
1949 die Gründung des Berliner Blutspendedienstes an und schuf die
Berliner Blutbank, die er bis 1966 leitete. Im Jahr 1961 wurde Heim
Honorarprofessor für Krankenhausbau an der Technischen Universität
Berlin.
Trotz dieser immensen Belastung wurde Wilhelm Heim schon frühzeitig
berufspolitisch aktiv. Bereits zur Zeit der Berliner ärztlichen
Sektorenverbände Ende der 40er Jahre hielt er in "seinem" Krankenhaus
Fortbildungsabende ab, die hohes Niveau hatten. Zeitlebens hat sich
Wilhelm Heim der ärztlichen Fortbildung verschrieben. Er war
Mitbegründer der Akademie für ärztliche Fortbildung und deren
Vorsitzender von 1958 bis 1975.
Die Kaiserin-Friedrich-Stiftung zu Berlin verdankt ihm ihre
Wiedergeburt im Jahre 1972. Es war ihm vergönnt, seinen größten Wunsch
in Erfüllung gehen zu sehen: die Wiederinbesitznahme des 1906
eingeweihten KaiserinFriedrich-Hauses am Robert-Koch-Platz nahe der
Charité. Hier hatte er als junger Dozent Vorlesungen und Vorträge
gehalten, hier konnte er 1991 seinen 85. Geburtstag feiern. Bis zum
Jahr 1985 war er Geschäftsführer der Stiftung, gehörte dem Kuratorium
weiter bis zu seinem Tode als Ehrenmitglied an. Die Stiftung verdankt
Professor Heim maßgebliche Impulse. Insbesondere bei der Gestaltung
von Kursen in klinischer Fortbildung zur Wiedereingliederung von
Ärztinnen in ihren Beruf, die Heim als erster in den siebziger Jahren
einführte.
Mit besonderer Liebe widmete er sich dem Austausch von chinesischen
und deutschen Ärzten. Als Mitbegründer der Deutsch-Chinesischen
Medizinischen Gesellschaft e.V. wirkte er darauf hin, daß zwischen der
KaiserinFriedrich-Stiftung und der Jinan-Universität in Kanton ein
Partnerschaftsvertrag geschlossen wurde. Nach diesem Vertrag, der
heute seit mehr als zehn Jahren noch besteht, kommen chinesische Ärzte
für ein Jahr zur klinischen Fortbildung an Berliner Kliniken.
Neben seinen Fortbildungsaktivitäten - auch als Vorsitzender der
Hans-Neuffer-Stiftung der Bundesärztekammer in Köln - engagierte sich
Wilhelm Heim aber auch in der eigentlichen ärztlichen Berufspolitik.
Nachdem er viele Jahre dem Vorstand der Ärztekammer Berlin angehört
hatte, war er von 1975 bis 1983 Präsident der Ärztekammer Berlin und
Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer.
Für sein Engagement in der ärztlichen Fortbildung wurde Professor Heim
1962 mit der Ernst-von-BergmannPlakette der Bundesärztekammer
ausgezeichnet. 1983 erhielt er beim Deutschen Ärztetag in Kassel die
höchste Auszeichnung, die die deutsche Ärzteschaft vergibt: die
Paracelsus-Medaille.
Der Senat von Berlin ließ Heim keine Auszeichnung zuteil werden -
unter dem nicht nachvollziehbaren Hinweis auf seine Haltung in der
Zeit nach 1933.
Mit Wilhelm Heims Tod ist ein bedeutendes Kapitel der
Nachkriegsgeschichte der Berliner Ärzteschaft zu Ende gegangen. Die
Berliner Ärzte und die deutsche Ärzteschaft schulden ihm großen Dank.
Dr. med. Wolfgang Schmidt, Berlin |
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