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Robin Renitent 15. April 2007

   

 

We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

   
 

Wenn man nur einmal Tacheles redet

Als Einleitung auf den Fall Filbinger/Oettinger möchte ich zunächst über eine nordamerikanische Unsitte sprechen die auch in Europa, und hier wiederum in Deutschland, mehr und mehr um sich greift:

Did I hurt your feelings”. (Habe ich, - hat jemand-  Deine Gefühle verletzt?) Eine beliebte und ständig zu hörende Frage hier in Nordamerika. Es ist ein kleines Verbrechen jemandes Gefühle zu verletzten und Schande über den, der es tut. So wächst man schon von klein auf in eine Selbstkontrolle hinein, die, weil alle sich ihr unterwerfen, zu einer absoluten Verhaltens- und Aussagekonformität führen. Das ist in Kanada noch schlimmer als in den USA. Es ist schlicht unerträglich. Provokation um Menschen zum Denken zu bewegen ist verpönt, kontroverse politische Diskussionen im Privatleben auch, und sehr schnell sieht man sich allen möglichen Vorwürfen bis hin zum Rassismus ausgesetzt, wenn man nur einmal Tacheles redet. Oder schreibt. Meine Kinder werden es schwerer haben, halte ich sie doch ständig dazu an ihrem Gewissen (conscience) zu folgen und nicht einem allgemein verbindlichen, zeitgeistabhängigen Meinungsdiktat. Das hier die rotgrünen Gutmenschen seit Jahrzehnten den Rahmen für politisch korrekte Äußerungen vorgeben kann wohl nicht mehr bestritten werden.

Dann fallen mir zum Thema Filbinger/Oettinger zunächst eigen erlebte Beispiele ein die widersprüchliche Gedanken auslösen:

1. Gedanke:

Mein Großvater wurde, als Studienrat am Paulsen Gymnasium in Berlin, wegen nazikritischer Äußerungen zum Schulrat zitiert, gemaßregelt und hatte fortan Nachteile hinzunehmen. Nein, er war nicht im Widerstand, aber er sah, als Deutsch-Nationaler, die Nazis kritisch, hielt seine Freundschaft und Hausmusikabende mit jüdischen Familien aufrecht und wechselte, wie viele seiner Bekannten, nicht die Straßenseite wenn ihm, mit Kollegen verheiratete, Jüdinnen entgegenkamen. Seine in der Schule geäußerte Kritik am System und seine beibehaltenen Freundschaften waren seine kleine, (und zugegeben) bescheidene Form eines persönlichen Protestes. Der hatte keine nachhaltige öffentliche Wirkung, aber er diente, zusammen mit der entsprechenden Erziehung, charakter- stil- und gewissensprägend bei seinen Kindern. Mein Großvater und mein Vater dienen mir auch heute noch als Vorbild und die Nazis, wie die Kommunisten, für die größte Pest zu halten und ihre menschenverachtenden Ideologien hassen zu lernen, habe ich auch ganz wesentlich ihnen zu verdanken.

2. Gedanke

Mir persönlich ist der Fall eines berühmten Berliner Chefarztes geläufig, der als junger Mann bei den Nazis eintrat. Ein (zu diesem Zeitpunkt) mitlaufender junger Arzt, der hier seine Chance zum Aufstieg sah. Nach dem Kriege machte er dennoch weiter Karriere, wurde weit über Berlin hinaus bekannt und war in vielen ärztlichen Organisationen in leitender Funktion tätig. Zitat:
„Der Schwerpunkt seiner Arbeiten und Forschung lag in der Transfusionsmedizin und in der Schilddrüsenchirurgie. So regte er 1949 die Gründung des Berliner Blutspendedienstes an und schuf die Berliner Blutbank, die er bis 1966 leitete. Im Jahr 1961 wurde er Honorarprofessor für Krankenhausbau an der Technischen Universität Berlin. Trotz dieser immensen Belastung wurde er schon frühzeitig berufspolitisch aktiv. Bereits zur Zeit der Berliner ärztlichen Sektorenverbände Ende der 40er Jahre hielt er in "seinem" Krankenhaus Fortbildungsabende ab, die hohes Niveau hatten. Zeitlebens hat sich Prof. H. der ärztlichen Fortbildung verschrieben. Er war Mitbegründer der Akademie für ärztliche Fortbildung und deren Vorsitzender von 1958 bis 1975. Er widmete sich dem Austausch von chinesischen und deutschen Ärzten. Als Mitbegründer der Deutsch-Chinesischen Medizinischen Gesellschaft e.V. wirkte er darauf hin, daß zwischen der KaiserinFriedrich-Stiftung und der Jinan-Universität in Kanton ein Partnerschaftsvertrag geschlossen wurde. Nach diesem Vertrag, (…) kommen chinesische Ärzte für ein Jahr zur klinischen Fortbildung an Berliner Kliniken.“ Man kann das fortsetzen, wer es genauer wissen will klickt hier (nach unten scrollen) Prof. H. ist vielfach ausgezeichnet worden. Er hat sich um das Berliner und deutsche Gesundheitssystem sehr verdient gemacht. Entscheidend ist, in diesem Zusammenhang, das der Berliner Senat, für den er ja Jahrzehnte lang tätig war, ihm unter Hinweis auf seine politische Haltung von 1933 – 1945 jegliche Ehrung und Anerkennung verweigerte. Um es klar festzuhalten: Prof H. war weder als Nazi besonders exponiert noch hat er Menschen in Ausübung seiner Parteimitgliedschaft geschadet. Als er 1997 starb haben, und das zu recht, Prominente seine Verdienste gewürdigt.

3. Gedanke:

Ich lese zum Fall Oettinger und surfe im Internet. Meine sehr geschätzte und oft angeklickte Gudrun Eussner schreibt in einem Kommentar auf Fakten und Fiktionen, und zu der dort zitierten Argumentation auf dem Blog Zettels Raum, die folgenden Worte:
„Das ist die typische Argumentation der Nazis nach dem Kriege: wenn ich es nicht getan hätte, ein anderer hätte es getan. Wenn ich den Zug nach Auschwitz nicht gefahren hätte, mein Kollege wäre gefahren usw. Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, sich dem zu entziehen. Aber das wollten Menschen wie Filbinger nicht.“ (Zitat)

Das bewegt zum Nachdenken. Es ist natürlich nicht nur die Argumentation von Nazis. Es ist die Argumentation eines jeden der sich zum Helfershelfer einer Diktatur gemacht hat. Es gibt dann Leute die das nachträglich bedauern und in etwa argumentieren: „Wissen Sie, ich hatte eine Frau und 5 Kinder. Zum Protest braucht man auch eine gewisse existenzielle Unabhängigkeit. Womit hätte ich meine Familie durchbringen sollen!“ Und obwohl ich, glücklicherweise, nie in einer solchen Situation war kann ich mich in sie durchaus gut hineinversetzen. Und ich halte es immer noch für einen Unterschied ob ich als Mauerschütze Menschen wie Hasen abknalle oder (nur) Spiegel unter Westautos schiebe und in Benzintanks stochere; - um mal von einer anderen Diktatur zu reden. Oder aber, als IM, meine Nachbarn zu denunzieren ob winzigster Vorteile willen.

Nun muss auch Gudrun Eussner natürlich sehen, dass nicht jeder Mensch zum Widerständler geboren ist. Wäre es so, hatten wir überhaupt keine Diktaturen. Aber wo fängt Widerstand an, wo ist die Grenze wo das revoltierende Gewissen zum aktiven Widerstand aufrufen darf. Bereits als Sachbearbeiter am Schreibtisch? Sicher auch da. Nicht umsonst gibt es den Begriff Schreibtischtäter. Und Eichmann hat denn ja auch nie einen Juden persönlich in die Gaskammer geschoben. Und wurde dennoch völlig zurecht hingerichtet. Ich stimme ihr zu: Es gibt viele Möglichkeiten sich zu entziehen. Aber nicht alle die es nicht taten haben es verdient das wir sie mit Verachtung strafen.

4. Gedanke:

Medienkritisch zu sein heißt auch, die Motivation der Schreibenden zu hinterfragen. Die mediale Empörung, die ausufernde Berichterstattung über die Rede von Günther Oettinger und die politische Empörung erscheint mir zweckorientiert und weit gehend geheuchelt. Sie wäre dann glaubwürdig wenn sich eine ähnliche Hype auch an anderen Deutschen, die verstrickt waren, entfaltet hätte. Hat sie aber nicht. Im Gegenteil, es scheint eine Frage der Farbe zu sein wo und bei wem es opportun erscheint sich durch Empörung in den Vordergrund und ins Bewusstsein drängen zu dürfen. Herr Krenz zum Beispiel erfreut sich ebenso gewisser wohlwollender Anerkennung wie Herr RA Wolf oder Herr Gysi. Rolf Hochhuth nehme ich seine Empörung schon deshalb nicht ab, weil sie nicht selbstlos daher kommt. Wäre sie selbstlos, würde er korrekt und sauber historische Untersuchungen zitieren und nicht ins polemische abgleiten. Und die Berufsempörten aus der Meinungsbildnerecke, die roten und grünen einäugigen Heuchler, halten es schon für Widerstand auf einer Trauerfeier NICHT zu erscheinen. Was für erbärmliche Kreaturen.

5. Gedanke:

Es gibt eine Lebenswaage. Auf ihr kann man sicherlich gutes gegen schlechtes Handeln, und umgekehrt, aufwiegen. Auch in der Religion kennen wir das. Es muss nicht so pervers ausarten, wie im katholischen Ablasshandel, wo man sich von seinen Sünden freikauft. Aber am Sarg eines Menschen kann man durchaus ein Fazit ziehen. Mit anderen Worten: Bei einer solchen Plus-Minus-Rechnung würde es, im Fall von Adolf Eichmann, nicht reichen, dass er auch nett und freundliche zu seinen Untergebenen gewesen wäre (war er?), seine Frau auf Händen getragen und seine Kinder in den Schlaf gesungen hätte (hat er?). Seine Schuld wäre so schwer, dass seine Waagschale nicht vom Boden gekommen wäre. Aber schauen wir den Fall des Berliner Chirurgen an. Sein positives Wirken für die Gesellschaft und die Menschen hat seine (schuldhafte) Unterstützung einer menschenfeindlichen Ideologie aufgewogen. Wahrscheinlich würde seine positive Waagschale weit höher hängen als im Gleichgewicht der Zunge.

Und Filbinger? Wenn er, wie die Historiker glauben beweisen zu können, im Falle Gröger keine Verhinderungsmöglichkeit hatte, ihm ein Gnadenakt oder ein anderes, als das bereits vorbereitete, Urteil nicht möglich war, dann hat er dennoch Schuld auf sich geladen. Aber in der Waagschale hat er, zum Zeitpunkt des Verfahrens war er 30 Jahre alt, in den folgenden 35 Jahren aktiven politischen Lebens, durch positives Handeln einen Teil seiner Schuld abtragen können. Es gibt sicher viele Menschen die weniger für die Gesellschaft getan haben. Von den Schreihälsen, die sich politisch einseitig in Empörung üben kenne ich keinen, dessen politisches Wirken über den Tag hinaus von Relevanz wäre.

Die Empörung über Hans Filbinger ist also ein alter, aber neu aufgebürsteter Hut. Die Schmäh die sich über Günther Oettinger ergießt, die Rücktrittsforderung etc. sind so unaufrichtig wie durchsichtig. Sie ist das Benzin im Motor meinungsbildender Gutmenschen die solche Anlässe brauchen um von ihnen unliebsamen Themen abzulenken.

6. Gedanke:

Ich war immer dafür das man NS-Täter aufs Härteste bestraft. Jedes Mal wenn man ihrer habhaft wurde habe ich mich gefreut. Und ich war immer beschämt wie lange es dauerte und wie schwer sich die deutsche Justiz damit tat sie zur Rechenschaft zu ziehen. Ich bedauere heute noch, dass, nach den in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilten, nur noch Adolf Eichmann mit dem Leben bezahlen musste. Jedem der Täter hätte ich den Tod gewünscht. Wenn sie denn Täter waren.

Unterstützer von Diktaturen rufen Ekel hervor. Jedenfalls bei mir. Mir fehlt die Gabe ihnen eine Mitgliedschaft in der NSDAP oder der SED verzeihen zu können. Wie man (überhaupt)  Organisationen wie NSDAP, SS, SA, SED oder STASI beitreten konnte fehlt mir jedes Verständnis. Und Gudrun hat recht. Es gab immer Möglichkeiten sich zu entziehen wenn man sich in der Unauffälligkeit versteckte. Es wäre auch nicht nötig mit ihnen an einem Tisch zu sitzen, freundschaftliche Gespräche zu führen oder ihnen die Hand zu schütteln. Eine knappe Verbeugung würde ja reichen.

Aber ich bin andererseits auch bereit anzuerkennen wenn jemand seine Leistung, sein Wissen, sein Talent und seine Fähigkeiten in eine Demokratie eingebracht hat und auf der Waage seine Schuldschale damit in Richtung Zunge bewegte. Wäre wir dazu nicht bereit müssten wir uns fragen, ob wir nicht ähnlich verbohrt sind wie diejenigen die Mühe haben sich offen zu ihrer schuldhaften Verstrickung zu bekennen.

7. Gedanke:

Wenn verlangt wird wir sollten nur nach unserem Gewissen handeln, ich schließe mich dieser Forderung unbedingt an, muss das aber immer und zu jeder Gelegenheit gelten. Das Gewissen ist so wenig“ teilbar wie die Menschenrechte“, um mal einen häufig zitierten Spruch zu wiederholen. Gewissen kann ja nicht nur auf die Vergangenheit bezogen sein, können wir nur von den Vorgängergenerationen (nachträglich) einfordern. Wenn lokale SPD-Größen und andere Berufsempörte, bei einer Einladung zu einer Trauerfeier plötzlich ihr (politisch gefärbtes) Gewissen entdecken haben, werden wir das (kopfschüttelnd) akzeptieren. Aber dann haben wir auch das Recht (nicht nur als Reaktion auf die SPD-Pfeifen, sondern generell) unserem Gewissen zu gehorchen und uns der Mitarbeit (das seltener) und der Mitfinanzierung (das sehr häufig) von Terrorgruppen zu verweigern. Das wir das tun, stößt selbst bei intelligenten Leuten, die ständig mit ihrem „Gewissen“ brillieren, auf Unverständnis. Wie wäre es sonst möglich, dass Steuerverweigerung aus Gewissensgründen nicht anerkannt wird? Mein Gewissen weigert sich standhaft die Hamas, die Palästinenser etc., via europäischer Steuerumlage zu finanzieren. Es gäbe der Beispiele mehrere...

Abschluß:

Günter Oettinger „had hurt somebodies feelings“ auf einer Trauerrede. Und das macht man nicht. Nicht in einem Land in dem nur noch ein egalisiertes Denken und Äußern möglich ist. Ohne Differenzierung. Und wo es bestimmten politischen Kreisen nicht passt, wenn ein Mann, der, bei aller Schuld, auch positive wirkte, ehrenvoll zu Grabe getragen wird.

Denn Filbinger mag alles gewesen sein. Ein schwacher Mensch, unaufrichtig sich selbst gegenüber, ein Marinerichter am falschen Ort. Ein Karrierist. Ein Kriegsverbrecher, ein Mörder, war er nicht.

 

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Der ganze Text zu Prof. Heim: (als Zitat entnommen hier.

Deutsches Ärzteblatt 95, Ausgabe 3 vom 16.01.1998, Seite A-109 / B-92 / C-89 )

 

Prof. Dr. med. Dr. med. h. c. Wilhelm Heim starb am 15. Dezember 1997 im 92. Lebensjahr in Berlin.
Wilhelm Heim wurde am 2. November 1906 in Berlin, Bezirk Kreuzberg, geboren. Nach dem Medizinstudium an den Universitäten in Berlin und Innsbruck erhielt er 1955 die Anerkennung als Facharzt für Chirurgie; 1931 Promotion an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin, 1941 Habilitation ("Klinische und experimentelle Studien zum Blutkonservierungsproblem"); 1942 Privatdozent für Chirurgie an der Charité zu Berlin; 1959 apl. Professor an der Freien Universität Berlin; 1997 Ehrendoktorwürde der Jinan-Universität in Kanton (Volksrepublik China).
Nach Oberarzttätigkeit im Städtischen Krankenhaus Am Urban und Robert-Koch-Krankenhaus Moabit wurde Wilhelm Heim 1948 Chefarzt der Chirurgischen Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses, des größten Berliner Krankenhauses (damals 2 000 Betten), und ab 1949 bis zu seiner Pensionierung (1971) Ärztlicher Direktor.
Der Schwerpunkt seiner Arbeiten und Forschung lag in der Transfusionsmedizin und in der Schilddrüsenchirurgie. So regte Heim 1949 die Gründung des Berliner Blutspendedienstes an und schuf die Berliner Blutbank, die er bis 1966 leitete. Im Jahr 1961 wurde Heim Honorarprofessor für Krankenhausbau an der Technischen Universität Berlin.
Trotz dieser immensen Belastung wurde Wilhelm Heim schon frühzeitig berufspolitisch aktiv. Bereits zur Zeit der Berliner ärztlichen Sektorenverbände Ende der 40er Jahre hielt er in "seinem" Krankenhaus Fortbildungsabende ab, die hohes Niveau hatten. Zeitlebens hat sich Wilhelm Heim der ärztlichen Fortbildung verschrieben. Er war Mitbegründer der Akademie für ärztliche Fortbildung und deren Vorsitzender von 1958 bis 1975.
Die Kaiserin-Friedrich-Stiftung zu Berlin verdankt ihm ihre Wiedergeburt im Jahre 1972. Es war ihm vergönnt, seinen größten Wunsch in Erfüllung gehen zu sehen: die Wiederinbesitznahme des 1906 eingeweihten KaiserinFriedrich-Hauses am Robert-Koch-Platz nahe der Charité. Hier hatte er als junger Dozent Vorlesungen und Vorträge gehalten, hier konnte er 1991 seinen 85. Geburtstag feiern. Bis zum Jahr 1985 war er Geschäftsführer der Stiftung, gehörte dem Kuratorium weiter bis zu seinem Tode als Ehrenmitglied an. Die Stiftung verdankt Professor Heim maßgebliche Impulse. Insbesondere bei der Gestaltung von Kursen in klinischer Fortbildung zur Wiedereingliederung von Ärztinnen in ihren Beruf, die Heim als erster in den siebziger Jahren einführte.
Mit besonderer Liebe widmete er sich dem Austausch von chinesischen und deutschen Ärzten. Als Mitbegründer der Deutsch-Chinesischen Medizinischen Gesellschaft e.V. wirkte er darauf hin, daß zwischen der KaiserinFriedrich-Stiftung und der Jinan-Universität in Kanton ein Partnerschaftsvertrag geschlossen wurde. Nach diesem Vertrag, der heute seit mehr als zehn Jahren noch besteht, kommen chinesische Ärzte für ein Jahr zur klinischen Fortbildung an Berliner Kliniken.
Neben seinen Fortbildungsaktivitäten - auch als Vorsitzender der Hans-Neuffer-Stiftung der Bundesärztekammer in Köln - engagierte sich Wilhelm Heim aber auch in der eigentlichen ärztlichen Berufspolitik. Nachdem er viele Jahre dem Vorstand der Ärztekammer Berlin angehört hatte, war er von 1975 bis 1983 Präsident der Ärztekammer Berlin und Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer.
Für sein Engagement in der ärztlichen Fortbildung wurde Professor Heim 1962 mit der Ernst-von-BergmannPlakette der Bundesärztekammer ausgezeichnet. 1983 erhielt er beim Deutschen Ärztetag in Kassel die höchste Auszeichnung, die die deutsche Ärzteschaft vergibt: die Paracelsus-Medaille.
Der Senat von Berlin ließ Heim keine Auszeichnung zuteil werden - unter dem nicht nachvollziehbaren Hinweis auf seine Haltung in der Zeit nach 1933.
Mit Wilhelm Heims Tod ist ein bedeutendes Kapitel der Nachkriegsgeschichte der Berliner Ärzteschaft zu Ende gegangen. Die Berliner Ärzte und die deutsche Ärzteschaft schulden ihm großen Dank.
Dr. med. Wolfgang Schmidt, Berlin

 
   

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