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Die
Unterwerfung
Ich
bin ja so naiv. Ich hatte immer geglaubt, dass Mut etwas
besonderes sei. Das zum Beispiel
Oskar Schindler
mutig war als er Juden rettet in dem er ihnen in seiner Firma Arbeit
gab. Immerhin gefährdete der Mut sein eigenes Leben. Oder das
Angeklagte
Roland Freisler die Stirn boten und zu dem standen was man
ihnen vorwarf. Oder das Menschen, mutige Menschen, Tunnel gruben
und nach Ostberlin gingen um anderen zur Flucht zu verhelfen. Auch
Hannes
Lindemann ist ein mutiger Mann gewesen als er vor etwa 30
Jahren in einem Klepperfaltboot den Atlantik überquerte um im
Selbstversuch Überlebenstechniken zu probieren.
Amundsen
und
Scott waren mutig auf dem Wege durch die Antarktis.
Heute ist man schon mutig wenn man jemanden zur Ordnung ruft.
Zitat: „Merkel hatte mit
ähnlichen Worten schon am vergangenen Freitag eingegriffen. Das war
mutig - nie zuvor hatte sie einen Ministerpräsidenten öffentlich so
vorgeführt.“
Ich bin beeindruckt. Weniger beeindruckt mich ein Umfaller wie
Oettinger. Ich habe zwar kürzlich vertreten und gepostet, dass
in der Kommentarsektion eines Blogs nicht alles druckreif sein
muss. Es würde die Spontaneität darunter leiden und letztlich gleicht
ein Kommentieren in einem Blog einem Gespräch, einer Konversation
mit großer geografischer Distanz. Aber wer eine Trauerrede verfasst
sollte das vorher durchdacht haben und dazu stehen. Ein
Ministerpräsident ist ja auch kein Konfirmand, also einer der
sich in der Sprache, in der freien Rede, im Ausdruck, noch in der
Such- und Findephase befindet und noch bewähren muss. Ein
Ministerpräsident ist soweit fortgeschritten, sollte man meinen – aber
wir sehen, dass wir uns hier irren, dass ein jedes Wort, welches er
(zusammen mit seinen Redenschreibern) letztendlich verfasst und
vorgetragen hat von Dauer ist. Die Dauer heute währt gerade 3 Tage.
Das hat nichts mit der Schnelllebigkeit der Zeit zu tun, sondern mit
einem Mangel an Standhaftigkeit der heute als politisches
Zeichen und als Einsichtigkeit verkauft wird. Auch in pädagogischer
Hinsicht, als Signal an unsere Jugend, ein Desaster. Es geht nämlich
nicht darum Fehler zu überdenken und Fehlverhalten zuzugeben zu
lernen. Es geht darum in der politischen Diskussion einerseits den
Kotau zu erzwingen und andererseits mit Unterwerfungsgesten
eigenes Überleben zu sichern.
Dieses Verhalten führt zu genau der Austauschbarkeit und
Beliebigkeit die unsere politischen Eliten so unerträglich
machen. Der Verlust von Charakter und Stil ist offensichtlich und
mit jeder Wendung rutscht die Persönlichkeitsdecke weiter fort und es
wird mehr Blöße sichtbar.
Im Fall Oettinger gibt es genau zwei Möglichkeiten.
Die Erste: Er hat seine Rede nicht durchdacht/durchgelesen und
sie trotzdem gehalten. Das wäre fatal. Bei Aussagen dieser Tragweite
sollte man genau überlegen.
Die Zweite: Er glaubte das was er sagte und hat sich
dann dem öffentlichen Meinungsdiktat
unterworfen. Das wäre noch fataler. Denn es signalisiert uns seinen
Mangel an Standfestigkeit.
Die denkbare dritte Möglichkeit, dass er
in 3 Tagen zu der Einsicht
gekommen ist, dass Filbinger doch kein NS-Gegner war, schließe
ich aus. Hatte Oettinger nicht gesagt er wolle in keinen
Historikerstreit eintreten?
Es ist derzeit gar nicht wichtig ob oder wie viel innere Ablehnung
Filbinger gegen die Nazis letztlich empfand, warum er dann überhaupt
bei ihnen eingetreten war und wie viel er an Schuld als Marinejurist
auf sich geladen hat. Filbinger liegt ja unter der Erde, hat auch 35
Jahre positives für sein Land geleistet und die Auf- oder
Abrechnung muss nicht gerade am Grabe stattfinden. Oettinger hatte
ihn ehrenvoll zu „verabschieden“. Das hat er getan und
zu seinen Zuhörern gehörte ja auch die Witwe, was
offensichtlich vergessen wird. Es wäre ja unangemessen ausgerechnet
bei einer Trauerfeier eine Filbingerbeschimpfung zu starten.
Wichtig ist, wie schnell einerseits unsere Ministerpräsidenten
einknicken und wie schnell andere politische „Persönlichkeiten“
sich als Vertreter eines moralischen Gewissen verkaufen. Beide
Seiten sind unehrenhaft, beiden Seiten ist nicht zu trauen.
Beide Seiten haben ein Defizit an
Charakter. |
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