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Zur
Hilflosigkeit verdammt
Zunächst und vorab. Der Amoklauf von
Virginia erschüttert mich, uns, wie jeden anderen auch. Mich
besonders, habe ich doch 4 Kinder. Und natürlich stelle ich mir vor
wie es ist ein Kind in Liebe, mit Engagement und Fürsorge 20, 22 Jahre
groß zu ziehen, es auszubilden, es hoffnungsvoll auf eine Uni zu geben
und es dann so sinnlos zu verlieren. Meine Gedanken kreisen in
diesen Tagen um die Eltern und Geschwister der Opfer, draußen
regnet es und meine Stimmung ist schlecht. Es fällt schwer sich nicht
von Depressionen übermannen zu lassen. Besondere Hochachtung empfinde
ich vor dem israelischen Professor. Der Mann war mutig.
32 Menschen in Virginia, 32 auf einen Streich. In Irak
explodiert eine Autobombe. Es trifft um die 200 Menschen.
Menschenleben scheinen nichts wert. Dabei liebt doch jeder
Einzelne so sehr das Leben. Bis auf die, die es nicht lieben. Cho
Seung-Hui war einer von ihnen. In seinem Kopf war was nicht
richtig. Umgangssprachlich formuliert. Wissenschaftler formulieren
das anders, aber trotz langer Erklärungen bleibt es schwierig. Einen
Armbruch kann man erkennen, Krebs oder Nierenversagen kennen wir und
ist uns erklärlich. Was im Kopf abläuft nicht. Macken gibt es, kleine,
jeder hat welche. Gegen die ganz großen Macken gibt es keine
Vorhersage, keine Gesetze können sie einschränken, kein
Wissenschaftler sie aufhalten.
Keine Freundin soll er gehabt haben. Nur eine imaginäre. Das ist
bitter. Aber kein Grund 32 Leute zu killen. Sollte man meinen. Ein
Spanner war er, Fotohandy mit heimlich geschossenen Mädchenbildern
sind auf die Dauer kein Ersatz. Pornos haben in seinem Fall auch nicht
geholfen. Dennoch möchte ich nicht wissen wie viel Frustrierte
gewalttätig würden wenn es Pornos nicht gäbe. Das den ewigen
Verbotsforderern in Stammbuch geschrieben. Auch eine Kriminologe
hat sich gleich wieder gemeldet und ein Spieleverbot gefordert.
Dabei hat Cho, jedenfalls nach Aussagen seiner Kommilitonen, nur Musik
aus dem Netz geladen. Es schlägt die Stunde der Moralisten,
Besserwisser und „Experten“. Verbote sollen helfen. Dabei weiß
schon meine Tochter mit 7 wie man Verbote umgehen kann.

Und es schlägt die Stunde der Waffengegner. Die, denen es schon
immer ein Dorn im Auge war, dass die amerikanische Verfassung das
Recht auf Selbstverteidigung ausdrücklich garantiert. Diese
Freiheit ist ihnen suspekt, denn, und es sind vor allem
Europäer die sich da dicke tun, so viel Freiheit ist ihnen ungewohnt.
Und deshalb unheimlich. Zwar hat man es geschätzt das Amerika Europa
aus der Tyrannei mit Waffen befreit hat,
(damals, die andere Generation...) gutes Zureden hätte wohl bei
der Landung in der Normandie auch nicht genützt, aber man verdrängt
geflissentlich das Diktatoren zunächst Waffen kassieren. Aus
Angst. Wäre ja noch schöner, wenn sich einer selbst verteidigen würde.
Das deutsche Vertrauen, und erweitert das europäische
Vertrauen, in den Staat (ich wüßte nicht womit
so viel Vertrauen gerechtfertigt wäre...) spricht Bände und ist
entlarvend. „Gun ownership is for responsible government
agencies. Such as GESTAPO, or KGB or STASI. They know better, right?”
Was dabei herauskommt wenn man auf den Staat (und
seine Organe) vertraut, auch dafür ist Virginia ein Beispiel.
Es ist eine Unverfrorenheit von jemandem zu erwarten sich wie ein
Haase abknallen zu lassen. Wenn man schon sterben soll, dann
bitte in Gegenwehr. Die Chance sein Schicksal selbst wenden zu
dürfen darf einem nicht genommen werden. Aber es wird. Und weil
die
Amerikaner am deutschen Wesen noch immer nicht genesen
sind, ergießt sich die Welle der Empörung immer aufs Neue. Der
SPIEGEL ist ein gutes Beispiel scheinheiliger Verlogenheit.
(Der
STERN und andere Mainstreammediennicht minder). Er wird
das als (journalistische) Ausgeglichenheit anerkannt wissen wollen.
Aber kaum war die Nachricht des Massakers publik wusste ich wie es
kommen würde. So sicher wie das Amen in der Kirche. Erst die
moralische Entrüstung, die immer auch als moralische
Überlegenheit verkauft wird. Und dann scheinheilig, just um die
„Ausgeglichenheit“ zu demonstrieren,
einige Protestmails amerikanischer Bürger hinterher. Ich
schäme mich einmal mehr und fühle mich aufgerufen meinen
amerikanischen Freunden zu erklären, das es einige Ausnahmen in
Deutschland gibt, wenige, die aber die Entscheidungsfreiheit
noch zu schätze wissen und für die staatliche Autorität nicht das Non
plus Ultra ist.
Und so fühle ich mich bestärkt in der Erziehung zum Waffengebrauch.
Man kann Fehler beim Klavierspiel machen, und darüber hinweg gehen.
Man kann sich am PC vertippen, im Verkehr falsch abbiegen. Beim
Gebrauch einer Waffe darf man keine Fehler machen. Es wäre der
Letzte. Das zu lernen, diese Disziplin aufzubringen
verantwortlich umzugehen und Verantwortung für den Nächsten zu
empfinden, ist prägend. Nirgendwo kann Disziplin besser erlernt
werden als hier. Es ist nicht der Kadavergehorsam, die Disziplin
von außen. Es ist das, was man gemeinhin Selbstdisziplin
nennt. Und wo eindeutig Erziehungskompetenz und Anleitung zum
Erlernen fehlt.

Ja ich glaube daran. Wären einige der Studenten ausgebildet und
bewaffnet gewesen hätten sie sich verteidigen können. Es hätten sicher
Opfer gegeben – mit Sicherheit nicht so viele. Auch das Bewusstsein
nicht hilflos ausgeliefert zu sein, selbst im Angesicht des Todes,
ist von Wert. Ob das die Schreibtischempörten je verstehen
werden? Ob sie je begreifen werden, dass man bestimmte Rechte
niemals delegieren darf. Etwa an subalterne, staatsbezahlte
Uniformträger? Man putzt sich seine Zähne selber und lässt nicht
putzen. Man kümmert sich selbst um seine Arbeit und wird
nicht abhängig von staatlichen
Wohlfahrtsgaben. Und im Notfall, und nur dann, verteidigt man
sich selbst.
Das die menschliche Gemeinschaft unerkannte Kranke in ihrer
Mitte hat ist nicht zu verhindern. Aber, dass die, die nicht krank
sind
zur Hilflosigkeit verdammt sind
ist schrecklich.
(Ich bin mir darüber im
Klaren, daß einige, mir sonst wohl gesonnene, (Internet-)Freunde hier
eine andere Auffassung haben.) |
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