| |
Die Scham ist weg
Eine Gesellschaft muss mit Mördern
leben. Sie ist nicht in der Lage, weder durch Erziehung, noch durch
Gesetze, sich vor Mördern zu schützen. Diese Erkenntnis ist
bitter. Also tun wir alles um vorzubeugen. Wir halten unsere
Kinder dazu an nicht mit Fremden mitzugehen. Und doch ist der
Täter oft ein Bekannter, ein Nachbar, ja ein Familienmitglied.
Wir vermeiden als gefährlich bekannte Gegenden und gehen gewalttätigen
Menschen aus dem Weg. Manche suchen natürlich die Gefahr, sie reisen
nach Pakistan oder in den Irak. Und wundern sich dann, wenn sie
erschossen wiederkommen.
Aber Ausweichen, dauerhaft ausweichen können wir nicht. Denn das Böse,
das Leben Verachtende wohnt unter uns. Unerkannt. Bis zu dem
Moment wo farblose, harmlose,“nette“ Mitmenschen zu Bestien werden.
Cho
Seung-Hui war so einer. Er war sicher ein netter Junge. Aus
einer netten Familie wie wir inzwischen wissen. Bis sich etwas in
seinem Kopf veränderte, so vor 2 bis 3 Jahren. Diese Veränderung war
nicht die übliche des Erwachsenwerdens. Sie war krankhaft, unnormal.
Der Mann wurde zum Killer. Er tötete 32 Menschen. Aber er war ein
Kranker. Und, obwohl sich alles in uns sträubt, er sollte uns leid
tun. Wer sucht sich seine Krankheiten schon aus? Ich bin sicher, wäre
er gesund geblieben würde er mit Abscheu auf seine eigenen
Amoklauf schauen. Aber er war nicht gesund, er war krank. Sehr krank
sogar. Ein Nichtkranker wird ja nicht in Friedenszeiten 32 Menschen
töten.

Markus Gäfgen war nicht krank. Er war geldgierig. Und er tötete
nicht am Ende oder Ausbruch eines Leidens. Er tötete um sich einen
Mercedes kaufen zu können. Wäre die Steigerung von Mörder doch
Mistkerl. Er ist einer. Er hat einen elfjährigen Jungen kaltblütig
ermordet - Jakob von Metzler, so alt wie
mein Sohn
jetzt ist war er. Gäfgen hat Bekannte beschuldigt, getrickst
und gelogen um sein bisschen schäbige Haut zu retten. Als der
Kleine gefunden wurde hat er keine Reue gezeigt, ist nicht in sich
gegangen. Hat nicht in Demut und Scham geschwiegen. Weil
sich, und das ist ein Zeitzeichen, heute niemand mehr schämt.
Die Scham ist weg, perdü, flöten gegangen. Als meine Großmutter
Anfang der 50iger, aus Not, ein Pfund Butter in einem
HO-Laden stahl und erwischt wurde, da hat sie sich geschämt.
Geschämt bis an ihr Lebensende. Also weitere 30 Jahre tiefe Scham
empfunden.
Markus Gäfgen schämt sich nicht. Er will im Gespräch bleiben,
er ist laut und medienpräsent. Er beschäftigt Anwälte,
Gerichte, Behörden. Er sitzt nicht in seiner Zelle, er residiert.
Und er hat willfährige Schranzen. Deren Charaktere so schlecht
sind wie der ihres Mandanten. Die die Öffentlichkeit suchen,
RECHT einfordern. RECHT für den Täter, eine zweite Chance.
Jakob von Metzler hat keine zweite Chance. Er ist zur Nebenfigur
verkommen. Er hat keinen Anwalt.
Markus Gäfgen ist ein Mörder. (Mal sehen wie
lange wir ihn so nennen dürfen...Guten Tag Frau Mohnhaupt) Das
ist schlimm. Aber schlimmer ist: Er ist ein Mistkerl. Und seine
geldgierigen, medien- und
karrieregeilen Anwälte auch. Sonst würden sie ihm mal sacht
auf die Schulter klopfen und ihm den zarten Hinweis geben, dass in
seinem Fall vor allem Demut, Scham und Schweigen angesagt wäre.
Und keine große Fresse. |
|