| |
Gewissen
nach Bedarf
Ich
hatte nicht nur die Gnade der späten Geburt, sondern auch die
Gnade der Geburt am richtigen Ort. Westberliner Jungen
mussten nicht zur Bundeswehr; der Viermächtestatus bewahrte sie
davor. Die westliche Seite hielt sich daran, Ostberlin nicht:
So weit so schön, und der einzige Kontakt zu einer Armee war denn
meine ganze Kindheit und Jugend auch eine Freifahrt in einem
Mannschaftspanzer der Franzosen nach dem deutsch-französischen
Volksfest am Kurt-Schumacher-Damm. Als die ersten Bundeswehrsoldaten
und Offiziere nach dem Fall der Mauer nach Berlin kamen nahm ich sie
erstmals richtig wahr. Allerdings auch nur im Theater des
Westens. Dort stolzierten sie, passend zum Operettenhaus, in
grauen Uniformen umher. Uniformen haben mich immer zum Lachen gereizt
und Männer in einer Uniform kamen und kommen mir immer irgendwie
albern und eitel vor.
Aber das sind Äußerlichkeiten. Mein Großvater wurde als
Volkssturmmann 3 Tage vor Kriegsende in Biesdorf bei Berlin
erschossen. Und der zweite Weltkrieg hat auch in unsere Familie
schmerzhafte Schneisen geschlagen. Noch schlimmer war der erste
Weltkrieg, hier fielen hoffnungsvolle Jungen unserer Familie gleich
reihenweise. Insgesamt kann einem jungen Menschen alles
militärische da nicht sonderlich attraktiv erscheinen und meine Freude
darüber, eben nicht zum BUND zu müssen war echt und tief.
Als es zu den ersten, noch kinderhaften, später jugendlichen
Überlegungen einer Berufswahl kam, ventilierte ich natürlich vieles
durch. Soweit es was mit Uniform zu tun hatte, vom Postboten
bis zum General war ich schnell mit mir einig. Meiner Erinnerung nach
bereits nach wenigen Wochen, war mir eins klar. In eine Uniform wollte
ich nicht gesteckt werden, noch wollte ich sie freiwillig
anziehen. Es kam mir unindividualistisch vor und das Tragen
machte die Masse Mensch in meinen Augen noch gleicher. Es
eliminierte die Persönlichkeit schlechthin.
Als ich mich dann eher mit den Inhalten als mit den Äußerlichkeiten
der betreffenden Berufe auseinandersetzte, wurde mir noch mehr klar:
Uniformberufe liegen mir nicht. Und später hatte ich, bis
heute, Probleme zu verstehen wie Menschen bestimmte Aufgaben, die zur
Pflichterfüllung ihres Berufes gehören, mit ihrem Gewissen
vereinbaren können. Solche Fragestellungen hatte ich zum Beispiel bei
Demonstrationen. Wie konnte ein Polizist, z.B., Demonstranten
verprügeln, also im Auftrag des Staates handeln, wenn er innerlich
möglicherweise die Positionen des oder der Demonstranten teilte?
Inzwischen ist mein bester Freund Polizist. Er ist
Polizeioffizier in Moskau und ein menschlich herausragende
Persönlichkeit. Ich weiß, das er diesen Weg gewählt hat um seine Frau
und seine Kinder abzusichern. Ich akzeptiere das natürlich, aber ich
vermeide auch weitere intensive Grundsatzdiskussionen um unsere
Freundschaft nicht zu verschatten. Es würde ja auch nichts bringen.
Es bleibt für mich die Frage weswegen ich dieses Posting schreibe:
Kann man
Soldat in
der Bundeswehr sein und sein Gewissen partionieren?
Kann man sich für die Bundeswehr entscheiden, also eine Armee, eine
Einheit, die, in letzter Konsequenz, zum Kämpfen da ist (und
nicht zum Brückenbauen), die den Auftrag hat das (Vater-) Land und die
Freiheit seiner Einwohner zu verteidigen, auch wenn diese
Freiheit am anderen Ende der Welt verteidigt wird? Man kann, und
ich verstehe das und halte es auch für notwendig. Ich komme da auch
nicht in Konflikt mit libertären Positionen. Denn es spricht
nicht, ich habe das schon früher geschrieben, gegen libertäre
Haltung, wenn man sich, auch präventiv, selbst verteidigt. Oder
die, die einem teuer sind, die Gemeinschaft, ja das „Volk“.
Wer sich also entscheidet zur „Armee“ zu gehen, sollte sich dieser
Konsequenz bewusst sein. Es ist ja nicht mehr so, dass ein Monarch
seine langen Kerls aussucht und in die Armee presst. Wer heute
in der Bundeswehr dient hat alle Bürgerrechte und eben noch
einige mehr. Sich auf sein „Gewissen“ berufen zu können und
seine Bezüge weiter zu erhalten bietet kaum eine Firma. Ich kenne
keine. Wer zur Firma nicht passt wird, zurecht, gefeuert. Der
Bürger hat also die Wahl sich auch innerlich für die Armee
seines Landes zu engagieren. Oder eben nicht.
Diese Gewissensfragen stellt sich ein erwachsener Mensch
eigentlich bevor er eine solche Lebensentscheidung
herbeiführt. Tut er das nicht, fehlt ihm die Reife. Das die
Reife heute durch Richterspruch ersetzt werden muss ist nicht
neu, aber die erneute Erkenntnis umso deprimierender. So hat denn der
klagende Soldat meine ganze Antipathie. Und die Richter die das
Urteil gefällt haben auch. Wer sich eine Uniform anzieht und einem
Verein beitritt hat seine Ziele zu übernehmen. Oder er
bleibt draußen. Im Falle des Oberstleutnants kann
ich zwei Dinge unterstellen. Entweder er ist bein Drückeberger, der,
via Gewissen, eine elegante Möglichkeit gefunden hat sich versetzen zu
lassen, oder aber, und darauf tippe ich, er ist jemand der seine
politische Position via Gericht in die Öffentlichkeit drücken will.
Das sichert ihm zumnidest eins: Aufmerksamkeit.
Die Sicherheit eines staatsbezahlten Jobs haben, es sich wohlsein
lassen, frei von der Hektik die der freien Wirtschaft eigen und dann
seinem Arbeitgeber den Stinkefinger zeigen und sich auf sein
„Gewissen“ berufen ist nicht. Das Gewissen ist ja schließlich kein
Kissen, das man bei Bedarf aus der Bettkiste zieht.
Eine Rechtsprechung die das Selbstverständnis und die Wehrfähigkeit
durch solche Irrsinnsurteile von innen aushöhlt, kann sich nicht
wundern, wenn sie eines Tages nicht mehr Recht sprechen kann.
Man stelle sich
diese Frage in Israel vor....
______________________________________________________________________
http://www.arlesheimreloaded.ch/article/legale_meuterei_in_der_Bundeswehr
http://www.politicallyincorrect.de/2007/03/die_bundeswehr_die_wahrscheinl.html#more
http://www.nzz.ch/2007/03/17/al/articleF0R7B.html
|
|