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Robin Renitent22. Januar 2007

   

 

We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

   
 

Begegnungen der seltenen Art 5
Die Suchende - Auntie M.

Wenn ich am Strand von Virginia Beach oder Cocoa Beach sitze werde ich gelegentlich von merkwürdigen Marsmenschen umkreist. Sie tragen Kopfhörer, haben eine lange Stange mit einem Blechteller am Ende in der rechten Hand und eine kleine Tasche in der Linken. Auf dem Handgelenk oder am Oberarm hängt oft noch ein kleines Gerät mit Zeigern. Sie laufen barfuß und in Shorts den Strand auf und ab, um die Badegäste herum und schwenken ständig ihren Blechteller über dem Sandboden. Es sind keine Marsmenschen, sondern Erdbewohner, Sucher. Sie suchen den Strand nach Metall ab. Nein, nicht nach den Tretminen die Terroristen nachts verbuddelten um unschuldige Badegäste in die Luft zu sprengen. Nach Cent oder Dollar, die aus Badetaschen fielen. Armbanduhren oder verlorenen Eheringen. Mir kommt das ja reichlich albern vor und die meisten Sucher sehen denn auch etwas schräg aus. Typ Nerd, also Depp, ohne Freundin im Arm, Einzelgänger, aber dafür sich wahnsinnig über 10 Cent freuend. Alle auf dem Weg zum Multimillionär. Das sind die Sucher nach anfassbarer Materie. Es gibt aber auch Sucher und Sucherinnen nach Geistigem, nee, nicht nach ner Whiskyflasche, nach dem Sinn des Lebens. Die hängen nicht am Strand rum, sondern hängen vorm PC und surfen.

So eine Sucherin habe ich kennengelernt. Ich habe von ihr 300 Emails erhalten und alle brav beantwortet. Macht 600 in meinem Ordner. Ich habe sie sogar getroffen, ihren Mann auch, und wir haben, meine Frau, meine Kinder, die Sucherin und ihr Mann, einen zauberhaften Nachmittag in Zürich verbracht. Sie war klug, sie war hübsch, sie war aufgeschlossen, sie war charmant, sie war hilfsbereit. Wir sind echt angetan.

In ihrer ersten Email, Monate zuvor, befragte sie mich intensiv, nachdem sie auf unsere Webpage gestoßen war, über Libertarismus, Eigenverantwortung, Religion und, Zitat:

„Haben Sie den Eindruck, in den USA besser - freier - leben zu können als in Deutschland? Finden Sie Gleichgesinnte?“

und weiter

„Zusammen waren mein Mann und ich dann auch einige Jahre lang als Unternehmer erfolgreich; wir sind ein glückliches, kinderloses Ehepaar. Wir haben aber ein 'Problem', für welches wir bisher keine Lösung gefunden haben: Wir fühlen uns einsam.“

Das sind komplexe Fragen und natürlich antworte ich entsprechend ernsthaft. Das mit der Einsamkeit tut mir leid, war ich doch in der Zeit zwischen meinen Ehen auch mal einsam und weiß wie schön es ist Gemeinsamkeiten zu teilen. Und natürlich ist es schwerer als Erwachsener eine Freundschaft zu beginnen, Kindern gelingt das schneller: Mein Sohn Alexander, 11:

„Papa ich habe einen neuen Freund.“
„Wie lange kennt Du ihn?“
„Er ist der Neue, er kam heute in unsere Klasse…“


Doch zurück zur Sucherin. Inzwischen sind Monate vergangen, wir haben zig Emails getauscht, uns einmal in Europa getroffen und die wesentlichen Fragen über unsere jeweiligen Lebensauffassungen wurden hinreichend ventiliert. Unsere Sucherin hatte es da leichter als wir, stellen wir uns doch auf unseren Seiten bewusst recht offen dar, weder unsere Auffassungen, noch das was wir so treiben ist ein Geheimnis. Das was wir geheim halten wollen kommt nicht auf die Page, aber dennoch ist es eine offenere (Selbst-) Darstellung als üblich. Von ihr wissen wir im Wesentlichen was sie uns schreibt und wir haben keine Veranlassung dem Geschriebenen nicht zu glauben. Sie hat vieles probiert in ihrem Leben, war immer auf der Suche nach Erfüllung und Erkenntnis. Sie war Mitglied einer Sekte, hat sich für diverse Ideen interessiert und sich ihnen genähert. Also denke ich mir, wir könnten ihr helfen ihre Suche nun zu beenden, schließlich ist sie schon 38, und ihr einen festen spirituellen Ankerplatz vorschlagen um ihrem schlingernden Schiff einen sicheren Hafen zu bieten. So mache ich ihr Vorschläge, sende ihr Bücherlisten, rege an Mises und Hoppe, Lew Rockwell oder Roland Baader zu lesen. Beispielsweise. Ich schreibe von der Untrennbarkeit der libertären Idee mit der Beschäftigung der Austrian School of Economics, vom Goldstandard. Wie man so was praktisch lebt und nicht nur als Kopfwurm mit sich rumträgt. Ich lege mich ins Zeug und komme mir vor wie ein Sportlehrer, der jemandem über den Bock helfen will.

Aber auch unsere Sucherin ist nicht ohne. Sie entdeckt unsere Kinder und macht auf Tante. Sie sendet unseren Kindern einige zig DVD’s, Süßigkeiten, Bastelbögen, Bücher. Für unsere Kinder, die so was nie erlebt haben, brechen wonnige Zeiten an. Es ist nicht der materielle Wert, der ist erheblich, es ist die Geste und die löst im ganzen Haus Freude aus.

Nur in den Libertarismus vertieft sie sich nicht, sie liest nicht Mises, nicht Hoppe und Baader legt sie schnell beiseite. Das EF-Magazin kündigt sie wieder. Alle Argumente der vorgeschlagenen Libertären zerpflückt sie, der Goldstandard überzeugt sie nicht, sie ärgert sich über libertäre Foren. Sie sucht und surft und schwenkt ihren Blechteller über den libertären Boden oder was sie dafür hält. Sie zieht sich die modische Jacke „libertär“ an, aber sie füttert sie nicht mit Inhalt. Sie bleibt auf der Suche.

Inzwischen ist sie für unsere Kinder zu Auntie M. mutiert. Wir Erwachsenen werden skeptisch. Angesichts der Geschenkfülle, aber der Widersprüchlichkeit in ihren schriftlichen Äußerungen, ihrer herauslesbaren Ruhelosigkeit, ihren Sprunghaftigkeit bei der Entwicklung neuer Ideen, erwarte ich schon nach wenigen Monaten einen Crash. Es wird immer mehr offensichtlich, dass Auntie M. unfähig ist dauerhaft soziale Bezüge herzustellen, Freundschaften zu pflegen, die Kanten und Ecken anderer, vielleicht trotzdem liebenswerter Menschen zu ertragen. Sie ist, das ist aus ihren Schilderungen ersichtlich, hyperkritisch, sie findet garantiert die Erbse unter der 7. Matratze.

So kommt mir ihre Monate zuvor gestellte Eingangsfrage immer plausibler vor:

„Finden Sie Gleichgesinnte? Wir fühlen uns einsam“.

No wonder. Ihre ständige Suche nach Tiefgang, ihre Sehnsucht nach Gewichtigem wird von angesteuerten Freunden nicht ausreichend erwidert. Nicht jeder will dauernd in höheren Spähren schweben. Gleichzeitig verhindert ihre eigene spirituelle Oberflächlichkeit den Gang in die Tiefe, die sie sich so sehnlich wünscht.

So kommt es, für mich vorhersehbar und erwartet, nach 10 Monaten zu Aus. Ein flapsiger Beitrag auf diesem Blog macht ihr schlagartig klar:


„Warst Du nüchtern beim Verfassen? - Wie auch immer: Er ist zutiefst beleidigend gegenüber jeder Frau. Er vermittelt den Eindruck, als sei Dein Frauenbild auf dem Stand der 1950er-Jahre stehen geblieben, als die Frau etwa auf der Stufe eines Haustieres stand und unter Männern noch darüber diskutiert wurde, ob eine Frau überhaupt ein Gehirn besitzt oder bloß eine Scheide.“ …. „Du merkst offensichtlich nicht, dass Du Dich selbst als abgrundtief primitiv hinstellst, wenn Du solche Dinge schreibst.“

Selbst der ungeübteste Leser kann ja merken, und ohne mich zu kennen, dass im Gesamtzusammenhang mit "Fleischeinlage", "Soßenkelle statt Hände" etc. es sich um eine humorige Rezeptvariante handelt. Die ja im Grunde genau das Gegenteil von meiner tatsächlich gedachten, täglich vorbildhaft vorgelebten, und lebenslang praktizierten Verhaltensweise darstellt. Es ist SATIRE. Wenn ich aber an SATIRE erst "Satiren an" und Satire aus" schreiben muss ist es keine mehr. Das schreibe ich ihr und denke mir, solche Flapsigkeiten sollte eine Freundschaft schon aushalten. Und denke an die Freunde die wir bereits seit 20 Jahren haben und die es bisher geschafft haben mich zu ertragen. Aber nein, sie schreibt:

„Das Thema Libertarismus war die Basis, über die wir uns ursprünglich kennen gelernt haben. Seit diese Basis entfallen ist, hat sich für mich herauskristallisiert, dass es sehr schwierig ist, nur über E-Mail eine persönliche Beziehung zu unterhalten. Und dass auch wenig Gemeinsamkeiten vorhanden sind. Ich möchte deshalb auf einen weiteren Kontakt verzichten.“

Auntie M. wird eine Suchende bleiben. Sie wird surfen, Emails schreiben und posten. Sie wird 10 Cent Stücke finden, aber der Schatz wird ihr versagt bleiben: Eine in der Tiefe erfasste Idee und eine wirklich nahe und verbindende Freundschaft. Sie wird einsam bleiben, eine Gefangene ihrer Intoleranz, ihrer Humorlosigkeit und ihres Unvermögens andere Menschen in ihrer Unvollkommenheit zu akzeptieren. Und so bleibt mir nichts, als ihr zu schreiben:

Wir werden, nein, wir können uns ja nicht austauschen. Wir können nur versuchen das Beste für uns als Individuen zu machen. Und das machen wir. Mit geradezu lustvoller Ungezwungenheit, Unkonventionalität und unbändiger Freude am Leben.“

Und zu meiner Frau sage ich:

 

Hoffentlich findet sie nicht eines Tages einen Koran und konvertiert zum Islam.

 
   

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