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Zum Wohle aller ?
Eigentlich wollte ich als absoluter
Nichtraucher etwas über das drohende Rauchverbot schreiben.
Aber dann vernebelte mir der Qualm der Erinnerung das Hirn:
Wann setzt das Gefühl ein älter zu werden? Mit 7, wie bei meiner
Tochter, die sich freut, dass sie nicht mehr 6 ist? Oder mit dem
Schritt in die Volljährigkeit. Dann wenn man zwar ein Auto lenken
kann, aber keinem über 30 traut. Oder wenn man das erste Kind in den
Armen wiegt? Oder das erste Enkelkind? Vielleicht auch, wenn man nicht
mehr so schnell aus dem Sessel kommt, längere Aktivitäten der Frau
oder Freundin nötig sind um Härte zu erzeugen oder man von ersten
gestorbenen Klassenkameraden hört?
Ich glaube Älterwerden fängt an, wenn man in die belächelte Sprüche
der Großeltern übernimmt. Besonders diesen: „Früher war alles
besser.“
An diesem Spruch und dem damit verbundenen Empfinden gemessen, werde
ich tatsächlich älter. Aber es ist nicht die Rückbesinnung auf die
subjektiv empfundene gute alte Zeit, es ist die objektive
Analyse dessen was noch vor wenigen Jahren möglich war, wo es
Freiräume gab, was erlaubt oder zumindest machbar war. Vielleicht gab
es diese Spielräume individueller Freiheit nicht in Kötzing oder
Unteruhldingen. Dann aber nicht auf Grund restriktiver Verbote,
sondern mangels Möglichkeiten oder mangels Angebot.
In Berlin gab es sie.
Klar es gab schon früher durchgeknallte Staatsanwälte, wie den Namens
Finger in Berlin, der „Je t'aime... moi non plus“ von
Jane Birkin verbieten wollte und alle Platten aus dem Handel zog.
Solche Spinner gab es schon immer, die mit ihrem missionarischen
Eifer, zum Wohl des Bürgers glaubten eingreifen zu müssen. Entweder
schützten sie unsere Moral oder unsere Gesundheit, oder Beides.
Wenn ich das schon höre: „Zum Wohl…“, dann ist es immer klar, es ist
nicht zu meinem Wohl. Und zu dem Ihren auch nicht.
Oder die bodenlos freche Bemerkung eines subalternen drittklassigen
Mitarbeiters der Reinickendorfer Bauaufsicht, der mir meinen
Regenschutz über der Hintertür als Vordach deklarierte, für das eine
Baugenehmigung einzureichen sei. Meinen Hinweis, das nur ich dort ein-
und ausgehe, also nur mir das lächerliche Dächlein auf den Kopf fallen
könne, abschmetterte mit der Feststellung: „Der Staat hat den
Einzelnen vor sich selbst zu schützen!“ Welch eine Anmaßung.
Sowohl sachlich falsch, als auch weder durch Gesetze noch
Rechtsprechung gedeckt. Außerdem habe ich mit dem Staat keinen
Schutzvertrag geschlossen.
Objektiv gesehen gab es vor 30 Jahren tatsächlich mehr Freiräume.
Gegenüber dem Theater des Westens gab es
Peepshows,
nach dem Alter der Girls wurde nicht so genau gefragt, was für die
Mädels Möglichkeiten bot und für die Spanner auch. Man konnte im
Tiergarten übernachten, ob als Penner, als Abenteurer oder als
„Spätheimkehrer“. In der U-Bahn wurde man nicht alle naselang
kontrolliert, in der S-Bahn konnte man richtig knutschen oder mehr.
Wenn man sich manierlich anzog, also Schlips und Kragen hatte, konnte
man mit 16 bis morgens in nem Nachtklub bleiben, oder in
Käpt’n
Bilbos Hafenspelunke und über Politik philosophieren. Die Luft
konnte man schneiden, als Nichtraucher konnte man sich
vergiften. Es gab keine Warnhinweise, man war nicht versichert. Man
konnte Verträge auf Bierdeckel unterschreiben und einen Anwalt
brauchte man überhaupt nicht, oder nur wenn man „echt Scheiße“
gebaut hatte oder sich (mal wieder) scheiden lassen wollte. Man kann
das endlos weiterführen.
Es gab also Autoritäten die Regeln erstellten: Zunächst die Eltern,
dann ein Rahmenwerk, naja halbwegs durchgesetzt ("kein
Verkauf von Spirituosen an Jugendliche unter…"),
die Polizei die Streife fuhr, sonst aber nur kam wenn man sie rief.
Man konnte bei Hütchenspielern sein Geld verlieren, auf dem
Pflaster Bilder malen, auf den Stufen der
Gedächniskirche sitzen und gammeln. Man hatte vielleicht ein
Hausratversicherung und wenn’s hochkam noch eine Haftpflicht, aber man
sicherte sich trotzdem nicht ständig ab. Man konnte mit 17 nach Paris
fliegen und am Abend zurück sein. Tickets gab’s in Tempelhof. Man
schob der Kassiererin im Beate
Uhse Kino an der Joachimstalerstr. einen „Fünfer“ extra
zu und konnte
Lasse Brauns „Body Love“sehen und die tolle Musik von
Klaus
Schulze hören. Nachts lag man im Bett und hörte den
verrauschten
Soldatensender 904 und lachte sich kringelig über die
Sprechweise der Kommunisten von den „Bonner Ultras“.

Die, die „Bonner Ultras“ erstellten die Lehrpläne nach denen wir
demokratisch erzogen wurden. Als sich mit dem Wort Demokratie noch
der Geruch des Wertvollen verband und der Glaube an die Mitwirkung
des Volkes an Entscheidungsprozessen noch vorhanden war.
Das war früher. Man konnte entscheiden. Man war für sein Tun
weit gehend selbst verantwortlich. Und wenn man besoffen auf die
Fresse fiel, tat es weh. Aber man verklagte nicht den
Getränkehersteller, die Straßenbaufirma wegen der unebenen Wegeplatte,
oder den Barbesitzer. Es gab das Wort libertär nicht und nur
ausgesprochene Amerikafreaks, deren Begeisterung über Mickey Mouse
oder Indianer hinausging, hatten schon mal was von
Henry David Thoreau
und Walden gehört. Dennoch ging es libertärer zu als heute.
Die, die nicht Lasse Braun sahen, sondern stattdessen darauf sannen wo
sie braune Flecken bei ihren Eltern und Großeltern ausmachen konnten,
wie sie die Elterngeneration schmähen konnten, machten auch was sie
wollten und nutzten noch vorhandenen Freiräume aus. Sie machten auf
Lasse legten Kommunen mit Matratzen aus, hielten „antiautoritär“
für Freiheit, überlegten wie man Freiräume für sich selbst erweitern
konnte. Randale und Demos hielten sie für Klassenkampf. Gleichzeitig
versuchten sie die „Befreiung der Massen“, die das gar nicht wollten.
Einige waren da ziemlich konsequent und beendeten die Freiheit zu
Leben von Leuten wie Ponto, Buback, Rohwedder, Schleier und
anderen gnadenlos. Heute betteln sie um Freiheit und möchten begnadigt
werden. Ihre Spießgesellen, die nicht so blöde waren zu morden,
machten lieber auf Anwalt und sitzen heute im Bundestag, (Ströbele,
Schily, etc. ) in den Universitäten, in den Verwaltungen oder in
„Europa“. Andere halfen in Mittelamerika und probierten
Dschungelsozialismus bei Ortega.
Che als T-Shirt,
Palituch am Hals. Identifikation mit Mord und Totschlag.
Und nun gleichen sie der geschmähten Elterngeneration immer mehr. Ihre
Vorhaben, ihre Gesetze, ihre Erlasse und Verordnungen beschränken
immer mehr die Freiheit. Sie entfernen den Bürger von
Eigenverantwortung und befreien ihn vom Nachdenken. Sie etablieren
erbarmungslos, aber zu unser „aller Wohl“, autoritäre Strukturen,
autoritärer als sie zur Zeit ihres Aufbruchs je waren. Sie schaffen
eine Diktatur des Wohls. Nicht eine nationalsozialistische
Gesellschaftsordnung, wir sind auf dem Weg in schlimmeres: Eine
europasozialistische Gesellschaftsordnung. Das "wir
Deutsche", abgelöst von "wir
Europäer".
Egalisiertes, systemkonformes Denken und Sprechen. „Nazi, Rassismus,
Rechts“ als zur Worthülse verkommene Krücken bei der
Feindmarkierung die die eigenen Reihen schließen soll. Europaweit.
Wenn’s nicht klappt, noch hakt und stockt wird nachgeholfen. Mit
Behörden und
Gesetzen.
Nach den belächelten und noch als EU-Spleen abgetanen Erbsengrößen,
der Normierung der Kondome, nun also die EU-Rauchverodnung.
Wenn wir Deutschen nicht spuren, wird mit der EU gedroht. Wir
werden schon auf Linie gebracht werden. Keine Sorge.
Nicht das mich Rauchluft nicht völlig fertig machen würde. Ich mir
nach einem Kneipenbesuch die Unterwäsche vom Leibe reiße und unter die
Dusche hopse und auch die Haare wasche. Ich
Raucher nicht verstehen kann. Nicht verstehen kann wie man vor
Gentomaten
Angst haben kann, über Atomkraft diskutiert und dabei den Aschenbecher
voll müllt. Dennoch, als Libertärer kann ich mich selber
wehren, ausweichen, mein Grundstück von Rauchern freihalten oder auch
nicht. Mich mit ihnen auseinander setzen, mich konfrontieren oder
sie rausschmeißen.
Ich brauche dafür kein Gesetz. Keine nationales, keins von der
EU. Denn ich will weder die deutschen Gesetzesbruthennen bezahlen,
noch die EU-Gesetzesmacher.
Denn heute ist’s das
Rauchverbot. Und morgen ?
Natürlich zu unser aller Wohl!
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