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Gutmenschliche
Zeitgeistsoldaten
Als ich 14 war gab es
den Film das
Halstuch.
Er war ein Straßenfeger, im wahrsten Sinne des Wortes. Die ganz Nation
saß vor der Glotze, 89% Einschaltquote, heute unvorstellbar. Dennoch
kam niemand auf die Idee diese Spielfilme, oder besser Thriller, für
bare Münze zu nehmen, oder sie etwa als Anleitung zu verstehen. Die
Leichen standen ja auch hinterher auf und gingen in die Cafeteria um
sich zu erfrischen und die Schminke für die nächste Szene
nachzubessern. Zuschauer sahen den Mord noch als Mord, auch wenn es
ein Filmmord war. Und atmeten entsprechend tief durch. Und als der
studentische Mob 1968 Lieferautos vor dem
Springergebäude
umkippte und drohte die Fenster einzuwerfen und es dann auch tat, da
sah ich den Ekel und das Entsetzen in den Gesichtern der Generation
meiner Eltern. Das Benno Ohnesorg erschossen wurde hatte selbst
die geschockt, die sich sonst nicht sonderlich für Politik
interessierten. Jedenfalls waren das alles Tagesgespräche und die
innere Anteilnahme am Geschehen war, egal ob in der Fiktion des
Halstuches oder der Realität der Straße, wesentlich größer als heute.
Kann es sein, dass Menschen abstumpfen? Ich meine jetzt nicht
individuell, wie zum Beispiel Soldaten, denen der Tod der ständige
Begleiter, oder Gewalttäter wie Mario, dem jedes Gefühl, oder
besser Mitgefühl für das Leid eines Menschen abhanden gekommen. Ich
denke mehr an das kollektive Abstumpfen, wenn sich das Empfinden oder
die Empfindsamkeit einer ganzen Bevölkerung wandelt. Wenn sich in
Israel Attentäter selbst pulverisieren und dabei unschuldige
Kinder oder Businsassen mitnehmen, löst das allenfalls noch
Schulterzucken aus. Sicher gewisse politische Kreise
instrumentalisieren den Tod, jedenfalls dann wenn es um
palästinensische Opfer geht. Eine echte innere Anteilnahme,
befreit von der ideologischen Brille, spreche ich auch den „Empörten“
ab. Die Nachrichtenflut, Irak, Palästina, Sri Lanka, Pakistan,
Tschetschenien etc. ist so kompakt, dass das Abstumpfen ein
offensichtlich natürlicher Prozess ist. Lediglich Einzelschicksale
können noch bewegen, dann aber auch nur, wenn sie zu
politisch-ideologischen Konfrontationen genutzt werden können. Nennen
wir als Beispiel mal Schiavo oder Tookie Williams.
Während der Geist der Erwachsenen die, eingebunden in die Probleme
ihrer Arbeitswelt, die Sorgen um den Erhalt des Lebensstandards,
Familienprobleme etc., dann in der Freizeit vollgemüllt mit Big
Brother und Einminutenversatzstücken in „Nachrichten aus
aller Welt“, bereits weitgehend vernebelt ist, kann man Jugendliche
noch erreichen. Hier ist das Hirn zwar mit Schule und Ipod, mit Musik
und PC, mit Boy- oder Girlfriend und den Problemen der Pubertierenden
beschäftigt, dennoch gibt es noch Platz für Themen. Die Schiene auf
der dieser Themenzug läuft ist die der Begeisterung, der jugendlichen
Sensibilität für Ungerechtigkeiten, der Drang etwas positives tun zu
wollen, eben das, was man allgemein mit Idealismus umschreibt.
Der ist etwas Gutes. Aber er gleicht dem Windows-Betriebssystem eines
PC. Es kann intelligent und kreativ die Kräfte bündeln und etwas
konstruktives erreichen. Oder es kann ein Einfallstor für
virengleiche Fehlsteuerungen sein.
Es gibt zahlreiche Beispiel für Fehlsteuerungen des
jugendlichen Idealismus. Ich meine nicht nur die
HJ. Ich
erinnere nur daran wie sich Schüler vor Tankstellen aufbauten um
Autofahrer am Benzintanken zu hindern. Greenpeace hatte das
Einfallstor gefunden und den Virus installiert.
Brent Spar
hieß der Virus. Und da man in diesem Alter zwar über Idealismus
verfügt, aber kritisches Denken weitgehend unterentwickelt ist, im
Curriculum als zu vermitteln auch nicht vorgesehen, kommt es, wie es
absehbar ist. Die Gören, in eigener Recherche noch ungeübt und
bedauerlichweise nicht trainiert, lassen sich vor den Karren einer
NGO spannen, deren Funktionäre diese Kohorten wider besseres
Wissen für ihre Zwecke einspannen.
Auch die Aktion gegen "Rassismus und Fremdenfeindlichkeit"
nutzt Einfallstore im Betriebssystem Idealismus von Jugendlichen. Wer,
so darf man fragen, kann sich mit diesem Verballogo nicht
einverstanden erklären? Aber mit welchen Zutaten wird diese
Begriffshülse angereichert? Wer steuert sie, wer schöpft seinen
Vorteil daraus? Werden wir konkret:
Eine Schule,
Martin-Luther-Schule in Herten, ruft zu einer Demo auf. „Diskriminierung
und rechte Gewalt“ heißt das Bündel, das man für die 380 Schüler
geschnürt hat. Da der Selbstdarstellung der Schule nicht zu entnehmen
ist, dass die Kinder im Recherchieren geschult werden und das
Erlernen und Üben kritischer Distanz gegenüber Mehrheiten eine
Unterrichtspriorität ist, ist der Prozentsatz der „Begeisterten“
entsprechend hoch. Wer bitte würde sich in dem Alter, 10. Klasse,
ausschließen wollen, wenn ihm nicht der Weg zu einem stabilen
Selbstwertgefühl gewiesen wurde?

Rückblende: Mein Großvater war Studienrat am
Paulsen-Gymnasium in
Berlin Steglitz. Es ist aktenkundig, das er während der dunkelsten
Jahre Deutschlands mehrmals zum Schulrat zitiert wurde, Verweise
erhielt und beamtenrechtliche Konsequenzen zu tragen hatte, weil er
die ihm anvertrauten Schüler zu einer kritischen Distanz
gegenüber der
Hitlerjugend, den Nazis und ihrer Ideologie anhielt. Er
versuchte Vorwände zu finden, und hat sie auch gefunden, um seine
Schüler von Massendemonstrationen fernzuhalten. Die Erziehung
seiner Schützlinge war eine Erziehung wider den Zeitgeist. Das
war nicht ungefährlich, aber was wichtiger war: Bei einigen Schüler
hatte es durchaus die Wirkung, daß sie zu erklärten Gegner der
Nazis wurden. Sie haben sich, dank der feinfühligen Führung meines
Großvaters, der ideologischen Indoktrination entziehen können.
Da klingt die Forderung nach einer Vertragsunterzeichnung an
der Martin-Luther-Schule in Herten geradezu pervers. Was
bilden sich die Verantwortlichen eigentlich ein, Vierzehnjährige
bereits zu Verträgen zu nötigen. Das geht noch über Bekenntnisse zur
HJ hinaus. Selbst meiner Frau als kindlichem Mitglied der
jungen Pioniere in der SU wurden solche schriftlichen Bekenntnisse
nicht abverlangt. Darüber hinaus ist es pädagogischer Unfug Kindern
Vertragsunterschriften abzuverlangen, sind doch Unterschriften
Minderjähriger ohnehin ungültig.
Außerdem ist es ein Blankoscheck. Die Wischi-Waschi-Formulierung „werden
keine abfälligen Bemerkungen über Religionen, Sprachen, Kleidung oder
Musik gemacht“ lässt keine
wirklich kritische Auseinandersetzung mit den genannten Themen
mehr zu. Wer bestimmt denn, wann eine ablehnende Stellungnahme
gegen eine Musikrichtung oder eben eine Religion als abfällig
anzusehen ist. Das Zwangskorsett der Akzeptanz alles Andersartigen als
hinzunehmende Gegebenheit ist eine Zumutung und eine Verformung
künftiger Staatsbürger zu gutmenschlichen Zeitgeistsoldaten und
appeasenden Dhimmis.
Wer sich also dem Mehrheitsdiktat nicht unterwirft, erfährt bereits in
der 1O. Klasse ein Ausgrenzung die in etwa der gleicht, die meine
Mutter erleben musste als sie nicht in den
BDM
wollte. Es wundert mich inzwischen nicht mehr, daß das im
Deutschland des beginnenden Jahrtausends möglich ist. Sind doch die
Lehrer eben Kinder eines linken Gutmenschentums, dessen Nähe zu den
autoritären Strukturen der rechten Vergangenheit unübersehbar sind.
Fast könnte man von
Kongruenz sprechen.
Westdeutsche Allgemeine PI
PI Westline
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