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Robin Renitent31. Januar 2007

   

 

We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

   
 

Gutmenschliche Zeitgeistsoldaten

Als ich 14 war gab es den Film das Halstuch. Er war ein Straßenfeger, im wahrsten Sinne des Wortes. Die ganz Nation saß vor der Glotze, 89% Einschaltquote, heute unvorstellbar. Dennoch kam niemand auf die Idee diese Spielfilme, oder besser Thriller, für bare Münze zu nehmen, oder sie etwa als Anleitung zu verstehen. Die Leichen standen ja auch hinterher auf und gingen in die Cafeteria um sich zu erfrischen und die Schminke für die nächste Szene nachzubessern. Zuschauer sahen den Mord noch als Mord, auch wenn es ein Filmmord war. Und atmeten entsprechend tief durch. Und als der studentische Mob 1968 Lieferautos vor dem Springergebäude umkippte und drohte die Fenster einzuwerfen und es dann auch tat, da sah ich den Ekel und das Entsetzen in den Gesichtern der Generation meiner Eltern. Das Benno Ohnesorg erschossen wurde hatte selbst die geschockt, die sich sonst nicht sonderlich für Politik interessierten. Jedenfalls waren das alles Tagesgespräche und die innere Anteilnahme am Geschehen war, egal ob in der Fiktion des Halstuches oder der Realität der Straße, wesentlich größer als heute.

Kann es sein, dass Menschen abstumpfen? Ich meine jetzt nicht individuell, wie zum Beispiel Soldaten, denen der Tod der ständige Begleiter, oder Gewalttäter wie Mario, dem jedes Gefühl, oder besser Mitgefühl für das Leid eines Menschen abhanden gekommen. Ich denke mehr an das kollektive Abstumpfen, wenn sich das Empfinden oder die Empfindsamkeit einer ganzen Bevölkerung wandelt. Wenn sich in Israel Attentäter selbst pulverisieren und dabei unschuldige Kinder oder Businsassen mitnehmen, löst das allenfalls noch Schulterzucken aus. Sicher gewisse politische Kreise instrumentalisieren den Tod, jedenfalls dann wenn es um palästinensische Opfer geht. Eine echte innere Anteilnahme, befreit von der ideologischen Brille, spreche ich auch den „Empörten“ ab. Die Nachrichtenflut, Irak, Palästina, Sri Lanka, Pakistan, Tschetschenien etc. ist so kompakt, dass das Abstumpfen ein offensichtlich natürlicher Prozess ist. Lediglich Einzelschicksale können noch bewegen, dann aber auch nur, wenn sie zu politisch-ideologischen Konfrontationen genutzt werden können. Nennen wir als Beispiel mal Schiavo oder Tookie Williams.

Während der Geist der Erwachsenen die, eingebunden in die Probleme ihrer Arbeitswelt, die Sorgen um den Erhalt des Lebensstandards, Familienprobleme etc., dann in der Freizeit vollgemüllt mit Big Brother und Einminutenversatzstücken in „Nachrichten aus aller Welt“, bereits weitgehend vernebelt ist, kann man Jugendliche noch erreichen. Hier ist das Hirn zwar mit Schule und Ipod, mit Musik und PC, mit Boy- oder Girlfriend und den Problemen der Pubertierenden beschäftigt, dennoch gibt es noch Platz für Themen. Die Schiene auf der dieser Themenzug läuft ist die der Begeisterung, der jugendlichen Sensibilität für Ungerechtigkeiten, der Drang etwas positives tun zu wollen, eben das, was man allgemein mit Idealismus umschreibt. Der ist etwas Gutes. Aber er gleicht dem Windows-Betriebssystem eines PC. Es kann intelligent und kreativ die Kräfte bündeln und etwas konstruktives erreichen. Oder es kann ein Einfallstor für virengleiche Fehlsteuerungen sein.

Es gibt zahlreiche Beispiel für Fehlsteuerungen des jugendlichen Idealismus. Ich meine nicht nur die HJ. Ich erinnere nur daran wie sich Schüler vor Tankstellen aufbauten um Autofahrer am Benzintanken zu hindern. Greenpeace hatte das Einfallstor gefunden und den Virus installiert. Brent Spar hieß der Virus. Und da man in diesem Alter zwar über Idealismus verfügt, aber kritisches Denken weitgehend unterentwickelt ist, im Curriculum als zu vermitteln auch nicht vorgesehen, kommt es, wie es absehbar ist. Die Gören, in eigener Recherche noch ungeübt und bedauerlichweise nicht trainiert, lassen sich vor den Karren einer NGO spannen, deren Funktionäre diese Kohorten wider besseres Wissen für ihre Zwecke einspannen.

Auch die Aktion gegen "Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" nutzt Einfallstore im Betriebssystem Idealismus von Jugendlichen. Wer, so darf man fragen, kann sich mit diesem Verballogo nicht einverstanden erklären? Aber mit welchen Zutaten wird diese Begriffshülse angereichert? Wer steuert sie, wer schöpft seinen Vorteil daraus? Werden wir konkret:

Eine Schule, Martin-Luther-Schule in Herten, ruft zu einer Demo auf. „Diskriminierung und rechte Gewalt“ heißt das Bündel, das man für die 380 Schüler geschnürt hat. Da der Selbstdarstellung der Schule nicht zu entnehmen ist, dass die Kinder im Recherchieren geschult werden und das Erlernen und Üben kritischer Distanz gegenüber Mehrheiten eine Unterrichtspriorität ist, ist der Prozentsatz der „Begeisterten“ entsprechend hoch. Wer bitte würde sich in dem Alter, 10. Klasse, ausschließen wollen, wenn ihm nicht der Weg zu einem stabilen Selbstwertgefühl gewiesen wurde?

Rückblende: Mein Großvater war Studienrat am Paulsen-Gymnasium in Berlin Steglitz. Es ist aktenkundig, das er während der dunkelsten Jahre Deutschlands mehrmals zum Schulrat zitiert wurde, Verweise erhielt und beamtenrechtliche Konsequenzen zu tragen hatte, weil er die ihm anvertrauten Schüler zu einer kritischen Distanz gegenüber der Hitlerjugend, den Nazis und ihrer Ideologie anhielt. Er versuchte Vorwände zu finden, und hat sie auch gefunden, um seine Schüler von Massendemonstrationen fernzuhalten. Die Erziehung seiner Schützlinge war eine Erziehung wider den Zeitgeist. Das war nicht ungefährlich, aber was wichtiger war: Bei einigen Schüler hatte es durchaus die Wirkung, daß sie zu erklärten Gegner der Nazis wurden. Sie haben sich, dank der feinfühligen Führung meines Großvaters, der ideologischen Indoktrination entziehen können.

Da klingt die Forderung nach einer Vertragsunterzeichnung an der Martin-Luther-Schule in Herten geradezu pervers. Was bilden sich die Verantwortlichen eigentlich ein, Vierzehnjährige bereits zu Verträgen zu nötigen. Das geht noch über Bekenntnisse zur HJ hinaus. Selbst meiner Frau als kindlichem Mitglied der jungen Pioniere in der SU wurden solche schriftlichen Bekenntnisse nicht abverlangt. Darüber hinaus ist es pädagogischer Unfug Kindern Vertragsunterschriften abzuverlangen, sind doch Unterschriften Minderjähriger ohnehin ungültig.

Außerdem ist es ein Blankoscheck. Die Wischi-Waschi-Formulierung „
werden keine abfälligen Bemerkungen über Religionen, Sprachen, Kleidung oder Musik gemacht“ lässt keine wirklich kritische Auseinandersetzung mit den genannten Themen mehr zu. Wer bestimmt denn, wann eine ablehnende Stellungnahme gegen eine Musikrichtung oder eben eine Religion als abfällig anzusehen ist. Das Zwangskorsett der Akzeptanz alles Andersartigen als hinzunehmende Gegebenheit ist eine Zumutung und eine Verformung künftiger Staatsbürger zu gutmenschlichen Zeitgeistsoldaten und appeasenden Dhimmis.

Wer sich also dem Mehrheitsdiktat nicht unterwirft, erfährt bereits in der 1O. Klasse ein Ausgrenzung die in etwa der gleicht, die meine Mutter erleben musste als sie nicht in den BDM wollte. Es wundert mich inzwischen nicht mehr, daß das im Deutschland des beginnenden Jahrtausends möglich ist. Sind doch die Lehrer eben Kinder eines linken Gutmenschentums, dessen Nähe zu den autoritären Strukturen der rechten Vergangenheit unübersehbar sind.

 

Fast könnte man von Kongruenz sprechen.

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