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Zeitdiebstahl
Das Leben ist ein Kampf der müde
machen kann. Es ist der Kampf um die Existenz, die Harmonie in der
Ehe, die Kinder auf den richtigen Weg zu bringen. Beispielsweise.
Jeder dieser Bereiche hat wieder Unterbereiche in denen ebenfalls
gekämpft werden muss. Gegen den Chef oder den ignoranten Mitarbeiter.
Die Steuerbehörde, den Hauswirt. Ohne Kampf geht es also nicht.
Dennoch kann man festhalten, dass viele Kämpfe überflüssig sind
und, neben Kraft und Nerven, vor allem eins kosten:
Zeit.
Das Kämpfe Zeit kosten, Lebenszeit ist das wahrhaft tragische. Denn
Zeit ist der nicht regenerierbare Rohstoff. Und viele der Zeit
kostenden Kämpfe sind reine Schikanen. Beispiel? Die Steuererklärung.
Das Ding ist eine Frechheit. Das sind die Kämpfe denen man kaum
ausweichen kann. Kaum ausweichen heißt aber auch man kann, wenn man
will, nicht immer, aber manchmal. Dem Kampf mit ihrer Ehefrau können
Sie vielleicht nicht ausweichen, der Steuerklärung schon. Insofern
können sie die aufgewendete und für Kämpfe sinnlos verplemperte
Lebenszeit auf ein erträgliches Maß reduzieren.
Aber dann kommen andere Menschen und greifen in
unser Leben ein. Versuchen uns ihre Vorstellungen aufzuzwängen. Der
Abwehrkampf gegen diese Besitznahme unserer Zeit ist doppelt
ärgerlich. Denn wir haben den Kampf nicht gesucht, wollen keine
wertvolle Lebenszeit dafür vergeuden und müssen ihn dennoch
bewältigen. Ich denke an politische Kämpfe. Die Zeit raubende ständige
Abwehr der Ideen deren, die uns ungefragt beglücken wollen. Sicher,
manche Zeitgenossen lassen das alles fatalistisch über sich ergehen.
Aber wer seine Freiheit liebt und wem seine Lebenszeit etwas bedeutet
setzt sich zur Wehr. Und das ist ein Kampf, der kostet eben
Kraft und Zeit.
Unserer Urgroßeltern haben viel Lebenszeit verloren, 1914-1918 und in
den Jahren danach, als sie ihre zerstörten Existenzen erneut aufbauen
mussten. Noch schlimmer traf es unsere Großeltern, die, sofern sie den
Krieg überlebt hatten, für sich und ihre Kinder völlig von vorne
beginnen mussten. Auch die Generation unserer Eltern hatte ständig im
Kampf zu bestehen. Mit dem Opfern ihrer Lebenszeit haben sie nicht
nur ihre Existenzen wieder aufgebaut, sondern auch Deutschland.
Dann kam meine Generation. Sie bleibt mir ein Rätsel. Bis heute
habe ich viele meiner Altersgenossen nicht verstanden. Denn unsere
Generation zerfiel in 2 Gruppen. Die erste Gruppe wählte freiwillig
den Zeit raubenden Kampf und versuchte unsere Freizeitgesellschaft
umzukrempeln. Es sind ja nicht nur die einige Hundert RAF-„Kämpfer“,
sondern etliche Zehntausend ihrer aktiven Unterstützer gewesen.
Angetreten sind sie, aus meiner Sicht, als Freiheitsfeinde. Sie haben
das, was mir (und nicht nur mir) Freiräume verschaffte und uns
zusätzliche Lebenszeit und damit Lebensqualität versprach, zerstören
wollen. Den Kapitalismus und das Schweinesystem wollten sie
zerschlagen. Ohne von irgendjemandem darum gebeten worden zu sein.
Von mir jedenfalls nicht. Die Zeit und die Kräfte die es verzehrt hat
sich gegen diese Anmaßungen zur wehren ist ebenfalls unwiederbringlich
verloren. Womit wir bei der 2. Gruppe wären. Der Gruppe derer, die die
angerichteten gesellschaftlichen Schäden geradebügeln und mit Zeit
raubendem Arbeitsaufwand finanzieren musste. Jawohl, sie musste
es, andernfalls hätte die Gruppe der Gesellschaftsveränderer ihr Ziel
erreicht. Das hat sie auch, finanzierst aber von denen die im und für
den Kapitalismus arbeiteten.
Es war also sinnlos
aufgewendete, oder besser verplemperte Zeit. Sowohl die Gruppe der
linken Systemveränderer hatte nicht, jedenfalls nicht gewaltsam, ihr
Ziel erreicht. Und die Gruppe der Freiheitsfreunde, die, die kein
linkes, sondern ein selbstbestimmtes Leben führe wollte, hatte
ständig Zeit aufzuwenden um sich gegen die linken Freiheitsfeinde zu
wehren.
Der Kampf und die vertane Zeit unserer Großeltern und Elterngeneration
währte nach den 12 Jahren Dunkelheit noch lange nach. Aber der Kampf
gegen den freiheitsfeindlichen Einfluss der Linken währet nun schon
40 Jahre. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die heutigen,
linksbürgerlichen Linken, also die geistigen Kinder der militanten
RAF-Aktivisten beweisen eine ausgesprochene Lernresistenz. Sie,
können und wollen nicht begreifen, dass es immer noch Menschen gibt,
die sich ihrem Gesellschaftsentwurf versagen, mit ihrer Ideologie
nichts am Hut haben, und denen andere Lebensformen vorschweben.

Der
Ausspruch von Inge Viett, einer besonders verbohrten
Ex-Terroristenkuh: „Natürlich
bedauere ich. Ich bedauere, dass wir damals nicht besser waren, keinen
Durchbruch erreicht haben“,
als sie nach ihrem Bedauern für die Opfer der sinnlosen linken
RAF-Gewalt gefragt wurde, spricht Bände. Die Wünsche der Menschen,
ihre Zeit, ihre Freiheit ihr Leben autonom zu gestalten, interessiert
nicht. Nicht die Bohne. Die Idee ist der Weg zum Ziel, was ist da der
Mensch? Und immer noch ruft sie die Menschen auf
„zum Widerstand gegen das
„kapitalistische System“ und
dazu, „immer einen
Schritt weiter zu gehen, als erlaubt ist“.
Was ist mit denen die das nicht wollen? Wollen gibt’s in diesem
Weltbild gar nicht. Sie müssen wollen. In nichts, in gar nichts
unterscheiden sie sich von den Nazis oder von den kommunistischen
Genickschussakrobaten. Die Freiheit des Einzelnen ist für Menschen
dieses Schlages nicht relevant.
Natürlich bleibt der Kern der mehr oder weniger Militanten klein. Die
Kraft ist ihnen genommen, die RAF zerschlagen, 24 Jahre sind eine
lange Zeit. Dennoch, die ideologische Saat die sie säten sitzt
eingewachsen in fast allen Köpfen meiner Generation und, was besonders
schlimm ist, in den Köpfen der Generation unserer Kinder. All die
Ströbeles, die Roths, die Vollmers, Wieczorek-Zeuls, Ulla Schmidts
und Comical Alis, die Großen, die
Kleinen, sie die geistigen Kinder der RAF, sie alle sägen und sägen,
nicht nur an unseren Nerven, unserer Zeit, sondern an den Festen
unserer Freiheit. Täglich. Und stehlen uns die Zeit, die wir aufwenden
müssen uns gegen sie zur Wehr zu setzen. Ihre Denke hat eine ganze
Gesellschaft infiziert. Ihre Vorstellungen sind in der Mitte
angekommen, die CDU ist heute fast links, die FDP setzt, statt auf den
Menschen, auf den Staat. Und ihr autoritäres, gutmenschliches Diktat
ist deckungsgleich mit den autoritären Strukturen der Rechten.
Beides ist für einen selbstbestimmten Freiheitsfreund inakzeptabel.

So haben sie mit Militanz ihr Ziel nicht erreicht. „Da waren sie nicht
gut genug,“ wie Inge Viett feststellt. Aber am Ziel sind sie
dennoch angekommen. Sie haben die Menschen staatshörig gemacht und in
Abhängigkeiten gebracht, mehr als je zuvor in der Geschichte. Sie
haben Selbstbestimmung, Motivation, Risikofreude und Enthusiasmus
torpediert. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen zu Masochisten
gemacht. Die, von eingeredeten Schuldgefühlen geplagt, jeden Penner,
aus jeder Ecke der Welt aufnehmen ohne zu fragen was er als
Gegenleistung mitbringt oder für unsere Gesellschaft zu tun gedenkt.
Die Begriffshülsen wie Antisemitismus, Faschismus, Nazi,
neuerdings „Islamophobie“, nach Belieben einsetzen um
Andersdenkende oder Kritiker zu markieren und zum Kuschen zu bringen.
Und andererseits genau diese Worthülsen benutzen um sich selbst
moralisch zu erhöhen.
Nein, militant bräuchte die RAF heute nicht mehr sein. Sie
haben, bzw, ihre geistigen Kinder, manche nennen das den „Marsch durch
die Institutionen“, das zuwege gebracht was sie immer benannt haben:
Einen repressiveren Staat. Und eine nachhaltige Aushöhlung eines
Kapitalismus (der genau genommen nie ein „reiner“, sondern immer ein
sozialer war), der den Menschen Freiräume, Freizeit, Lebenszeit, und
die Möglichkeit zur Selbstentfaltung gab.
Möglichkeiten die keiner der bisherigen Sozialismen den
Menschen in diesem Umfang einräumte. Und auch der, an dem jetzt
wieder, diesmal europaweit, gebastelt wird nie wird einräumen können.
So wird der Abwehrkampf also weitergehen. Und wertvolle Lebenszeit,
die man durchaus konstruktiv nutzen könnte, auf beiden Seiten
verplempert.
Schade drum! |
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