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Die Zivilisation ist eine hauchdünne Schicht
Es gibt in libertären Selbstverständnis
verschiedene Richtungen. Für Andere, nicht für uns, gleichwohl müssen
wir die Fakten zur Kenntnis nehmen. Und da gibt es eben linke
Libertäre. Was unserer Ansicht nach gar nicht geht, denn „links“
heißt staatsvertrauend und Umverteilung akzeptierend. Die
dem Linkssein inhärente Nähe zum Sozialismus schließt eine
Gleichzeitigkeit mit dem Libertarismus aus. Freiheit und
Sozialismus sind wie Wasser und Feuer, nicht, auch wenn es Leute gibt,
die so was behaupten, kompatibel. Das sozialistische Wasser würde
immer die Flamme der Freiheit erlöschen.
Kritiker werden nun kurzschließen und sagen, aah, dann ist
Libertarismus also mit Rechts kompatibel. Auch dem widersprechen wir.
Rechts und links sind austauschbare Ideologien und gerade
heute, wo wir im Islam neue Gefahren für die Freiheit ausmachen
können, sehen wir die Nähe und die Überschneidungen aller 3 sich
unterschiedlich gebenden Richtungen, die doch letztlich so
deckungsgleich sind.

Libertarismus kann also nur dem Konservativismus nahe sein, denn in
der Bewahrung der Werte die ihn ausmachen treffen sich beide
Ismen. Eigentum wird von beiden Richtungen respektiert, Familie und
Primärtugenden sind nicht verteufelte Werte und auch Toleranz ist
nicht ein Wort der Zweckliberalität. Das Libertäre zwar konservativ
aber staatsferner sind ist denn wohl auch der wesentliche Unterschied.
Natürlich sind solche Libertär-Konservativen allen Richtungen
verdächtig, entziehen sie sich doch der Vereinnahmung und Umarmung
großer Bewegungen und pflegen eher einen individualistischen
Separatismus. Es gibt, aus unserer Sicht, kein (gleichwertiges)
Vertragsverhältnis zwischen einem Staat und seinen Einwohnern.
Nach Jahren der Distanz zu der rechten Wochenzeitschrift
Junge Freiheit, und dem
zugegeben heimlichen Lesen der frei verfügbaren Onlineartikel, steigt
in uns immer mehr die Verwunderung darüber, warum diese Zeitschrift
als „rechts“ und nicht konservativ eingeordnet wird. Wenn wir
die Mainstreambemerkungen zu diesem Thema verfolgen, über Jahre, kann
eigentlich immer nur ein Schreiber vom anderen Schreiber abgeschrieben
haben. Unisono die gleiche Kommentierung und Bewertung. Wir, die wir
uns Israel in Freundschaft verbunden fühlen, wir, die wir
überlegen 2008 für ein Jahr dort hinzuziehen, wir, die wir uns
immer gegen nationalsozialistisches Gedankengut gewehrt und in
Rechten (wie in Linken) unsere größten Gegner gesehen haben,
können nicht umhin anzuerkennen, dass gerade in der Jungen Freiheit
kluge und lesenswerte Artikel sehr honoriger Zeitgenossen zu
finden sind. Das die Zeitschrift das Ende der Beobachtung des
Verfassungsschutzes erstritten hat sein nur am Rande erwähnt.

Ein solcher Autor ist, neben etlichen Anderen die uns gefallen,
besonders Roland Baader. Wenn er dort schreibt, als
Verkörperung der Unabhängigkeit und grandioser Verfechter der Freiheit,
kann es um die Zeitschrift so schlecht nicht bestellt sein. Wie auch
immer, wenn es überhaupt jemanden gibt den ich gerne treffen und von
ihm lernen würde, dann wäre es Roland Baader.
In seinem
neuesten Artikel, Die papierne Illusion
(JUNGE FREIHEIT 39/06 22. September
2006) schreibt er:
"Die
Zivilisation ist eine hauchdünne Schicht über dem dicken Lebensteig
unserer Triebe und Instinkte. Sie gehört nicht zur Erbmasse, sondern
muß in jedem neugeborenen menschlichen Wesen durch sorgsame Weitergabe
seitens der zuständigen Erwachsenen neu herangebildet werden. Der
hauptsächliche Ort, wo dies stattfindet, ist die Familie.
Zivilisatorische Hochblüten hat es in der Menschheitsgeschichte schon
etliche und schon vor langer Zeit gegeben, aber das, was den Namen
"moderne Zivilisation" verdient, ist nicht viel älter als hundert
Jahre."
Nicht, das wir dies nicht täglich leben würden, aber wer könnte
es besser formulieren? Es ist genau das, was wir unseren Kindern
täglich vermitteln, ohne Scheuklappen und ohne, im Gegensatz zu
Baader, ein enges christliches Korsett. Unsere Distanz zur Kirche wäre
dann auch das Einzige wo wir Unterschiede zu seiner Auffassung sehen,
ohne zu vergessen, dass unser Atheismus christliche Wurzeln hat.

Aber, und darauf legen wir besonderen Wert in der Erziehung unserer
Kinder, wir sind mit ihm, Baader, durchgängig einig wenn es um
die Bewertung des Geldes geht. In unserer Familie, die sich ständig,
oft erfolgreich, aber nicht immer, gegen eine Übermaterialisierung
des tägliches Lebens wehrt, (zugegeben auf einem komfortablen Niveau)
kommt aber der Bewertung des Geldes eine besondere Rolle zu. Froh
nicht in einer Gegend zu leben wo der Niketurnschuh bereits im Leben
der Heranwachsenden zum Maß der Dinge geworden ist, vermitteln wir
Sichten wie die Folgende:
Baader: "Nun
stehen Geld und persönlicher Charakter miteinander in engerer
Verbindung, als so mancher wahrhaben will. Sowohl das Selbstwertgefühl
einer jeden Person als auch ihr angestrebter Status in der
Gesellschaft hängen - zwar nicht ausschließlich, aber wesentlich -
davon ab, wie ihre Arbeit von der Gesellschaft und vom näheren Umfeld,
in welchem die betreffende Person lebt, bewertet wird. Und diese
"Bewertung" drückt sich vorwiegend in Geld ("Verdienst") aus. Geld ist
also ein überaus wichtiger Wertmaßstab in der Gesellschaft, nicht nur
für Güter und Dienste, sondern auch für die mit diesen Gütern und
Diensten umgehenden Personen. Das Bewusstsein der Menschen, für
ehrliche Arbeit ehrliches Geld zu bekommen, war noch bis zu Beginn des
20. Jahrhunderts geradezu charakterbildend. Und die Stabilität des
Geldwertes war auch ein Generationen übergreifendes Bindeglied für die
Stabilität und den Zusammenhalt einer jeden Gemeinschaft."
Das ist der Humus aus dem unsere libertären Vorstellungen
erwachsen. Es geht also nicht nur darum den Kindern das Verhältnis von
(ihrer) erbrachten Leistung zum Wert eines Ipod zu vermitteln,
sondern ihnen besonders ins Bewusstsein zu rufen, dass der
möglicherweise erstrebenswerte Besitz seines solchen modischen Gerätes
nicht ohne anerkannte und angemessen bewertete Gegenleistung
möglich ist. Und da wir zwar individualistisch-sezessionistisch
leben, aber nicht abgekoppelt vom Wertverfall der uns umgebenden
Gesellschaft (en) haben wir Anstrengungen zu unternehmen um der
wie folgt beschriebenen Erosion entgegenzuwirken:
"Wird nun
das Geld permanent wertlos gemacht, so löst sich sukzessive auch das
Wertempfinden und das Wertverständnis der Gesellschaftsmitglieder auf.
Inflation ist nicht nur ein Vernichtungswerk für materielle Werte,
sondern auch für ideelle und moralische Werte. Etwas nüchterner
sprechen die Ökonomen von einer "Veränderung der Zeitpräferenz der
Individuen". Weil die Leute wissen, daß in einem inflationären Umfeld
"morgen alles teurer" sein wird und daß Sparen sich nicht lohnt, weil
die Ersparnisse im Zeitablauf immer wertloser werden, schätzen sie den
Konsum in der Gegenwart zunehmend höher ein als den Konsum (und die
Sicherheit) in der Zukunft. Die Zeitpräferenz driftet rasant aufwärts
in Richtung des Heute und Jetzt: "Ich will alles - und zwar sofort!"
Zugleich wird es immer einfacher und lohnender, sich Geld zu leihen,
also Schulden zu machen, weil man erwarten kann, die Schulden später
mit wertloserem Geld zurückzahlen zu können."

Das Investment in Bildung und Erfahrung wäre also ein
dauerhafteres, weil nicht durch Inflation bedrohtes. Wenn wir jährlich
drei Monate reisen bieten wir den Kinder zwar etwas
vergängliches aber dennoch verankerbares. Wohingegen der Ipod
bereits morgen schon wieder überholt ist. Was zu verkraften wäre, aber
bei gleicher Arbeitsleistung ein mehrfaches für einen im
Prinzip nur technisch geupdateten Artikel ausgeben zu müssen, macht
des ganzen Wahnsinn der Entwertung deutlich.
„Inflation "geschieht" nicht einfach,
sondern wird gemacht.“ schreibt
Baader uns gibt uns damit die Handlungsweise vor wie wir
versuchen können uns der Enteignung zu entziehen. Zunächst ist
unsere Ablehnung der Politiker und der Regierungen (en) also
pädagogisch gerechtfertigt. Denn
„Staat und Regierung leben den Bürgern
in großem Stil vor, wie man endlos Schuldenberge anhäuft und
Verschuldung zur Tugend macht.“
Können verantwortungsbewusste Eltern ihre Kinder also zu Teilnehmern
am Sozial- und Wohlfahrtsstaat erziehen? Mitnichten. Und so ist
es der tägliche Balanceakt den Kindern klar zu machen, das gerade das,
was ihnen in Schule und Gesellschaft gelehrt und vorgelebt wird,
kritisch zu hinterfragen ist.
„Zum Zweck des Machtgewinns und Machterhalts redet er den Leuten ein,
sie könnten sich stets und für alle Zukunft auf sein "soziales Netz"
verlassen, wenn beim Konsumrausch und bei der Schuldenmacherei mal
etwas schiefgehen sollte. Auch die Vorsorge fürs Alter sei ziemlich
überflüssig, denn die Rente sei "sicher".“ (Baader)
Jeder unserer, die Kinder unterrichtenden Lehrer ist Teil dieses
Systems und die vermittelte Sicht ist entsprechend. Es ist nicht immer
einfach dem entgegen zu wirken. Aber es bleibt DIE Aufgabe,
gerade bei unseren Kindern jede Anhängigkeit
vom Staat und seinen Institutionen zu verhindern und sie zu lehren
sich seiner Umarmung zu entziehen. „Mit
dem staatlichen Papiergeld und seiner beliebigen Vermehrbarkeit aus
"heißer Luft" läßt sich das kranke Spiel lange betreiben. Aber
irgendwann endet jeder Rausch, auch der von der Droge Falschgeld
(Papiergeld) erzeugte.“

Es ist Fakt, dass niemand, den wir im öffentlichen Leben bisher
getroffen haben, niemand unserer Banker, die uns schon deshalb
keine Aufmerksamkeit zukommen lassen, weil wir bei ihnen keine
Schuldner sind, und auch niemand unserer westlichen Freunde
mit dem Thema Werterhalt auseinander setzen will. Wenn wir auf das
Thema Gold- oder Goldstandard kommen wird müde abgewinkt. Die
Beschäftigung mit dem drögen Thema erscheint mühsam, der ausgelatschte
Gang bequemer. Resonanz erleben wir nur bei unseren russischen und
iranischen Freunden. Sie haben Inflation noch selbst erlebt.
In uns ist das Bewusstsein für die Gefahr verloren gegangen und
die Erinnerungen unserer Großeltern sind verblasst.
Noch einmal Baader:
"In dieser umgekehrten Scheren-Falle wird alles
zermalmt, was sich heute noch Mittelstand nennt. Und weil sich das
alte Tugendgerüst der Gesellschaft im Konsum- und Kreditrausch
aufgelöst hat, zeigen sodann schlangenköpfige Erinnyen ihre Häupter -
und sie tragen die Namen Revolution, Diktatur und (Bürger-) Krieg." |
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