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Libertäre Kindererziehung
Ein Beispiel:
"Little
House on the Prairie“
Wie interessiert man
Kinder für Geschichte und Politik. Diese Frage, die sich jeder Lehrer
stellt (oder auch nicht), wird vermutlich auch an der PH behandelt.
Ich würde gerne wissen wie. Denn, von einem Lehrer abgesehen, der es
verstand die Themen spannend zu vermitteln, war Geschichtsunterricht
immer langweilig. Lediglich die
Ritterzeit weckte bei den meisten
Kindern vorübergehendes Interesse. Das irgendjemand sich auch privat
und ergänzend dafür interessiert hätte ist mir aus meiner Zeit nicht
bekannt. Aber auch eine Generation später, bei meinen ersten Kindern,
also Mitte der achtziger Jahre, war das offensichtlich nicht sehr
aufregend. Hier in Nordamerika spielt Geschichte, wenn es nicht gerade
um die Entwicklung eines zu etablierenden
kanadischen Nationalgefühls
geht, eine eher nebensächliche Rolle. In den USA ist man da
konsequenter, Amerika hat eine
interessantere Geschichte und
Gettysburg ist auch Schlafmützen ein Begriff.
Wir versuchen unsere
Kinder für Geschichte und Politik zu interessieren. Nicht zwanghaft,
aber durch eine Gesprächsführung mit aktuellen Bezügen und ein
reiches Angebot an Büchern und optisch interessanten Materialien. Auch
unsere
Reisen an geschichtsträchtige Schauplätze soll ihr Interesse
wecken. Bisher klappt das sehr gut, wir erkennen das an Nachfragen, an
Bücherwünschen und an der eigenständigen Suche nach ergänzendem
Material. Das freut uns als Eltern natürlich.

Wie aber bringt man
Kinder spielerisch an eine kompliziertere Materie wie Libertarismus?
Wie bringt man ihnen bei was Freiheit bedeutet, was Marktwirtschaft
ist, wie staatsfernes Leben organisiert wird? Schließlich ist das
Dreh- und Angelpunkt unseres gesamten Selbstverständnisses und
bestimmt ganz klar unsere tägliches Leben. Hier sollen, so die
Wunschvorstellung der Eltern, die Kinder bereits frühzeitig über die
Kompetenz verfügen, die den meisten Erwachsenen abgeht, ja die ganz
überwiegende Mehrheit hat davon schlicht noch nie gehört. Natürlich
gibt es Fragen wie, „Papa, was genau ist eigentlich libertär?“ Aber
die Erklärung, kindgerecht aufzubereiten und auch noch spannend und
spielerisch zu vermittelt ist eine Aufgabe für sich.
Das Alltagsleben bietet
jedoch genug Anschauungsmaterial für nichtlibertäre, marktferne,
staatsnahe und freiheitsfeindliche Ärgernisse. Und so kann bereits
beim Einkaufen praktisch libertäres Denken und Nachdenken gefördert
werden. Warum ist ein Artikel verfügbar, warum nicht, weshalb sind
die Artikel aus China, warum nicht aus den USA, weshalb müssen wir
diese Steuern bezahlen und wie können wir diese Zahlung unterlaufen.
Wenn man Kinder einbindet nehmen sie auch regen Anteil. Aber auch der
Zufall kann Zuhilfe kommen. So haben wir vor 9 Monaten, durch das
Internet (eine Email zu unserer
Webseite), eine sehr engagierte Frau kennen gelernt. Wir haben das
Glück gehabt diese Beziehung intensivieren zu können und ihr
Engagement, mit unkonventionellen Ideen und spontan unsere Ambitionen
zu unterstützen, ist enorm. Wir haben sie auch in Europa getroffen,
ein für uns sich bereits wiederholender Fall von Internetfreundschaft.
Für Menschen die diesem Medium immer noch unwissend und ablehnend
gegenüberstehen, schlicht unvorstellbar. Und in der empfundenen Nähe
einer freiwilligen Wahl der Beziehung, dem annähernden Gleichklang in
den politischen Ansichten, allemal wertvoller als langweilige
Verwandte die man als Zugabe zum Leben bekommt, ob man möchte oder
nicht.
Vor unserer Europareise
hat sie, nennen wir sie hier Auntie M., unseren Kindern bereits
Modellbaubögen passend zu den Reisezielen geschickt. Also z.B. das
Colosseum, das die Kinder dann ja auch total begeistert erkundeten.
Auch Forts am Limes, Burgen und Bürgerhäuser, jeweils zur
Geschichtsphase passend, kamen ergänzend hinzu. So macht Geschichte
Spaß, - basteln, reisen und lernen.

Doch zurück zu der
spielerischen Vermittlung grundlegender libertärer Einsichten und
absolut autonomer Lebensweise. Auch hier kam uns Auntie M.
unterstützend und von sich aus zu Hilfe. Sie hat uns eine
amerikanische Fernsehserie geschickt: „Little House on the
Prairie“, zu deutsch: „Unsere kleine Farm“. In unserer
Familie, die bewusst keinen Fernsehempfang hat, also dem gesendeten
TV-Müll geschickt ausweicht, deren Kinder weder Soap-Operas, noch Big
Brother, noch irgendwelche verflachten Reality-TV-Shows kennen, ist
das erstmalige Anschauen einer Fernsehserie von DVD’s, also ohne
Werbeunterbrechung, ein fundamentales Erlebnis. Es sind 181 Episoden
und also, richtig dosiert, genug TV-Unterhaltung für einen ganzen
Winter. Das dies, mit dazu noch mehreren Büchern zum Thema Frontier
und Pionierleben, ein ungewöhnlich großzügiges Geschenk ist möchte ich
hier auch erwähnen.
Was aber hebt diese
alte Fernsehserie, sie wurde bereits 1974 produziert, und ihre
Protagonisten sind inzwischen in die Jahre gekommen oder bereits tot,
aus der Masse der TV-Produktionen heraus? Wir bekamen die Serie im
US-amerikanischen Original, eine gute, zusätzliche Sprachschulung für
unsere mehrsprachig aufwachsenden Kinder. Die Persönlichkeiten der
Darsteller sind beeindruckend, ihre schauspielerische Qualität ist
ausgezeichnet. Besonders die mitspielenden Kinder, allen voran
Laura
Ingalls, sind für Kinder (und Erwachsene) in ihrem überzeugenden
Ausdruck faszinierend.

Die Serie ist zeitlos
und aber was macht sie besonders für Libertäre (Kinder) interessant? Wir sehen hier eine auf
sich selbst gestellte und nicht nach staatlicher Autorität fragende
Familie. Es werden zahllose Situationen erlebt, wo kein
Wohlfahrtsstaat, keine Sozialbehörde, keine Therapeuten, Sozialhelfer,
Betreuer, Regulierer in das Leben der Familie eingreifen oder
Hilfestellung leisten. Das Leben muss, so oder so, gemeistert werden.
Es gibt keine Alimentierung Hilfsbedürftiger. Es gibt eine
nachvollziehbare und auch Kindern verständliche Hilfe zur Selbsthilfe.
Die sozialen und menschlich warmen Hilfsangebote kommen aus der
Familie, der dörflichen Gemeinschaft, uneigennützig und spontan. Es
wird weder nach Vergütung gefragt, nach Tarifrecht oder
Aufwandsentschädigung. Der Mensch ist auch hier kein Homo Eremitus,
und ganz ohne die Hilfe seiner Nachbarn kommt er nicht aus. Aber es
gibt keine Anonymisierung der Hilfe, der Mensch hat für seine
(sozialen) freiwilligen und notwendigen Verpflichtungen einzustehen.
Man hat dieser Serie
vorgeworfen sie sei sentimental, sie sei Kitsch. Das mag aus
dramaturgischen Gründen in Einzelfällen gewollt sein. Sterben auf der
Glasfläche des Fernsehers hat immer etwas kitschiges, solange es sich
nicht um Fakten einer Nachrichtensendung oder um eine Dokumentation
handelt. Aber auch der tatsächliche, also der erlebte Tod kann
kitschig sein, und ich selbst habe durchaus den Kitsch des Sterbens
schon erlebt. Der erzieherische Effekt der Serie, sofern man ihn mit
Kommentaren und ergänzender Literatur begleitet, ist jedenfalls enorm.
Kinder lernen vorbildhaft autonomes Handeln, denn diese Serie reizt
zum Nachspiel geradezu an. Seit wir den Ingalls zuschauen essen wir
abends beim Schein zweier Petroleumlampen. Das hat Stimmung,
schließlich ist ja Adventszeit, bereitet aber auch mental auf eine
kommende Weltwirtschaftskrise vor. Zu lernen sich vorzubereiten, den
Gürtel mal enger zu schnallen, kann kein Fehler sein und wenn es denn
so fantasieanregend und spielerisch erfolgt geriert es zur Freude
aller.

Man merkt dieser Serie
an, dass das ihr zugrunde liegende Buch nicht am grünen Tisch von
Drehbuchschreibern verfasst wurde.
Laura Ingalls Wilder, geboren 1867
und gestorben 1957 schrieb ihre Bücher in Erinnerung an ihre eigene
Kindheit. Sie wuchs auf einer Farm auf, aber erst später mit ihrem
Mann James Wilder konnte sie das Pionierleben verwirklichen, von dem
sie stets geträumt hatte. Für ihre Zeit war Laura eine bemerkenswert
progressive Frau die unkonventionell an Problemlösungen heranging.
Ihre Tochter
Rose Wilder Lane, 1886-1968, eine überdurchschnittlich
intelligente Frau, wurde Schriftstellerin und bereiste viele Länder.
Entsprechend ihrer Anregung veränderte ihre Mutter ihre Erinnerungen
kindgerechter um leichter einen Verleger zu finden. Die Forschung ist
sich unklar, wie groß der gestalterische Einfluss auf ihre Mutter war
und in welchem Umfang Rose die Erinnerungen libertär beeinflusst hat.
Ihr Einfluss auf die
libertäre Bewegung der USA ist unumstritten. Sie schrieb Essays und
Beiträge libertären Inhalts und sie weigerte sich Steuern zu zahlen
und unterlief die steuerliche Veranlagung in dem sie ihr Einkommen auf
ein Minimum reduzierte. (Schon hier ist sie für uns vorbildhaft….)
Praktisch kehrte sie zu den Pionierwurzeln ihrer Vorfahren zurück. Sie
lehnte Sozialismus vehement ab und warnte stets vor den Gefahren des
Kommunismus, den sie in der Sowjetunion kennen gelernt hatte. Ihr
Einsatz für individuelle Freiheiten war umfassend und sie sah ihre
Wurzeln in einem konservativem Libertarismus, der auch heute noch als
Orientierung dienen kann.

Diese Haltung kommt
ebenfalls an vielen Stellen in den Erinnerungen ihrer Mutter zum
Ausdruck. Die späteren Macher der Serie haben es verstanden diese
Ansätze aufzunehmen und massenkompatibel, also ohne Mehrheiten zu
verschrecken, umzusetzen. Wer bereits eine gewisse libertäre
Vorbildung mitbringt wird diese Ansätze erkennen, einem breiten
Publikum bleiben sie möglicherweise verschlossen.
Ich halte die Serie
deshalb für wertvoll. Sie bringt auf interessante, spannende und
unterhaltsame Weise Kindern amerikanisches Pionierleben näher. Das
auch deutsche Kinder sich in diese Welt hineinversetzen können steht
außer Frage. Begleitet man die Kinder beim Sehen und macht ihnen
libertäre Zusammenhänge bewusst, hat man die Möglichkeit einerseits
auf lebendige Weise Geschichte und andererseits Varianten heutiger
libertärer Lebensgestaltung zu erklären und sie zur Nachahmung zu
animieren. Natürlich ersetzt das Schauen einer Fernsehserie keine
Kindererziehung, aber in einer bisher TV-abstinenten Familie ist das
eine erfreuliche Abwechslung.
Insofern ist kam für
uns dieses Geschenk zur richtigen Zeit und ergänzt unsere ohnehin
libertäre Lebensweise hier in Nordamerika auf unterhaltende Weise.
Dank an Auntie M. |
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