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Robin Renitent, 15. Dezember 2006 

   

 

We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

   
 

Libertäre Kindererziehung

Ein Beispiel: "Little House on the Prairie“

Wie interessiert man Kinder für Geschichte und Politik. Diese Frage, die sich jeder Lehrer stellt (oder auch nicht), wird vermutlich auch an der PH behandelt. Ich würde gerne wissen wie. Denn, von einem Lehrer abgesehen, der es verstand die Themen spannend zu vermitteln, war Geschichtsunterricht immer langweilig. Lediglich die Ritterzeit weckte bei den meisten Kindern vorübergehendes Interesse. Das irgendjemand sich auch privat und ergänzend dafür interessiert hätte ist mir aus meiner Zeit nicht bekannt. Aber auch eine Generation später, bei meinen ersten Kindern, also Mitte der achtziger Jahre, war das offensichtlich nicht sehr aufregend. Hier in Nordamerika spielt Geschichte, wenn es nicht gerade um die Entwicklung eines zu etablierenden kanadischen Nationalgefühls geht, eine eher nebensächliche Rolle. In den USA ist man da konsequenter, Amerika hat eine interessantere Geschichte und Gettysburg ist auch Schlafmützen ein Begriff.

 

Wir versuchen unsere Kinder für Geschichte und Politik zu interessieren. Nicht zwanghaft, aber durch eine Gesprächsführung mit aktuellen Bezügen und ein  reiches Angebot an Büchern und optisch interessanten Materialien. Auch unsere Reisen an geschichtsträchtige Schauplätze soll ihr Interesse wecken. Bisher klappt das sehr gut, wir erkennen das an Nachfragen, an Bücherwünschen und an der eigenständigen Suche nach ergänzendem Material. Das freut uns als Eltern natürlich.

 

Wie aber bringt man Kinder spielerisch an eine kompliziertere Materie wie Libertarismus? Wie bringt man ihnen bei was Freiheit bedeutet, was Marktwirtschaft ist, wie staatsfernes Leben organisiert wird? Schließlich ist das Dreh- und Angelpunkt unseres gesamten Selbstverständnisses und bestimmt ganz klar unsere tägliches Leben. Hier sollen, so die Wunschvorstellung der Eltern, die Kinder bereits frühzeitig über die Kompetenz verfügen, die den meisten Erwachsenen abgeht, ja die ganz überwiegende Mehrheit hat davon schlicht noch nie gehört. Natürlich gibt es Fragen wie, „Papa, was genau ist eigentlich libertär?“ Aber die Erklärung, kindgerecht aufzubereiten und auch noch spannend und spielerisch  zu vermittelt ist eine Aufgabe für sich.

 

Das Alltagsleben bietet jedoch genug Anschauungsmaterial für nichtlibertäre, marktferne, staatsnahe und freiheitsfeindliche Ärgernisse. Und so kann bereits beim Einkaufen praktisch libertäres Denken und Nachdenken gefördert werden. Warum ist ein Artikel  verfügbar, warum nicht, weshalb sind die Artikel aus China, warum nicht aus den USA, weshalb müssen wir diese Steuern bezahlen und wie können wir diese Zahlung unterlaufen. Wenn man Kinder einbindet nehmen sie auch regen Anteil. Aber auch der Zufall kann Zuhilfe kommen. So haben wir vor 9 Monaten, durch das Internet (eine Email zu unserer Webseite), eine sehr engagierte Frau kennen gelernt. Wir haben das Glück gehabt diese Beziehung intensivieren zu können und ihr Engagement, mit unkonventionellen Ideen und spontan unsere Ambitionen zu unterstützen, ist enorm. Wir haben sie auch in Europa getroffen, ein für uns sich bereits wiederholender Fall von Internetfreundschaft. Für Menschen die diesem Medium immer noch unwissend und ablehnend gegenüberstehen, schlicht unvorstellbar. Und in der empfundenen Nähe einer freiwilligen Wahl der Beziehung, dem annähernden Gleichklang in den politischen Ansichten, allemal wertvoller als langweilige Verwandte die man als Zugabe zum Leben bekommt, ob man möchte oder nicht.

 

Vor unserer Europareise hat sie, nennen wir sie hier Auntie M., unseren Kindern bereits Modellbaubögen passend zu den Reisezielen geschickt. Also z.B. das Colosseum, das die Kinder dann ja auch total begeistert erkundeten. Auch Forts am Limes, Burgen und Bürgerhäuser, jeweils zur Geschichtsphase passend, kamen ergänzend hinzu. So macht Geschichte Spaß, - basteln, reisen und lernen.

 

Doch zurück zu der spielerischen Vermittlung grundlegender libertärer Einsichten und absolut autonomer Lebensweise. Auch hier kam uns Auntie M. unterstützend und von sich aus zu Hilfe. Sie hat uns eine amerikanische Fernsehserie geschickt: „Little House on the Prairie, zu deutsch: „Unsere kleine Farm“. In unserer Familie, die bewusst keinen Fernsehempfang hat, also dem gesendeten TV-Müll geschickt ausweicht, deren Kinder weder Soap-Operas, noch Big Brother, noch irgendwelche verflachten Reality-TV-Shows kennen, ist das erstmalige Anschauen einer Fernsehserie von DVD’s, also ohne Werbeunterbrechung, ein fundamentales Erlebnis. Es sind 181 Episoden und also, richtig dosiert, genug TV-Unterhaltung für einen ganzen Winter. Das dies, mit dazu noch mehreren Büchern zum Thema Frontier und Pionierleben, ein ungewöhnlich großzügiges Geschenk ist möchte ich hier auch erwähnen.

 

Was aber hebt diese alte Fernsehserie, sie wurde bereits 1974 produziert, und ihre Protagonisten sind inzwischen in die Jahre gekommen oder bereits tot, aus der Masse der TV-Produktionen heraus? Wir bekamen die Serie im US-amerikanischen Original, eine gute, zusätzliche Sprachschulung für unsere mehrsprachig aufwachsenden Kinder. Die Persönlichkeiten der Darsteller sind beeindruckend, ihre schauspielerische Qualität ist ausgezeichnet. Besonders die mitspielenden Kinder, allen voran Laura Ingalls, sind für Kinder (und Erwachsene) in ihrem überzeugenden Ausdruck faszinierend.

 

Die Serie ist zeitlos und aber was macht sie besonders für Libertäre (Kinder) interessant? Wir sehen hier eine auf sich selbst gestellte und nicht nach staatlicher Autorität fragende Familie. Es werden zahllose Situationen erlebt, wo kein Wohlfahrtsstaat, keine Sozialbehörde, keine Therapeuten, Sozialhelfer, Betreuer, Regulierer in das Leben der Familie eingreifen oder Hilfestellung leisten. Das Leben muss, so oder so, gemeistert werden. Es gibt keine Alimentierung Hilfsbedürftiger. Es gibt eine nachvollziehbare und auch Kindern verständliche Hilfe zur Selbsthilfe. Die sozialen und menschlich warmen Hilfsangebote kommen aus der Familie, der dörflichen Gemeinschaft, uneigennützig und spontan. Es wird weder nach Vergütung gefragt, nach Tarifrecht oder Aufwandsentschädigung. Der Mensch ist auch hier kein Homo Eremitus, und ganz ohne die Hilfe seiner Nachbarn kommt er nicht aus. Aber es gibt keine Anonymisierung der Hilfe, der Mensch hat für seine (sozialen) freiwilligen und notwendigen Verpflichtungen einzustehen.

 

Man hat dieser Serie vorgeworfen sie sei sentimental, sie sei Kitsch. Das mag aus dramaturgischen Gründen in Einzelfällen gewollt sein. Sterben auf der Glasfläche des Fernsehers hat immer etwas kitschiges, solange es sich nicht um Fakten einer Nachrichtensendung oder um eine Dokumentation handelt. Aber auch der tatsächliche, also der erlebte Tod kann kitschig sein, und ich selbst habe durchaus den Kitsch des Sterbens schon erlebt. Der erzieherische Effekt der Serie, sofern man ihn mit Kommentaren und ergänzender Literatur begleitet, ist jedenfalls enorm. Kinder lernen vorbildhaft autonomes Handeln, denn diese Serie reizt zum Nachspiel geradezu an. Seit wir den Ingalls zuschauen essen wir abends beim Schein zweier Petroleumlampen. Das hat Stimmung, schließlich ist ja Adventszeit, bereitet aber auch mental auf eine kommende Weltwirtschaftskrise vor. Zu lernen sich vorzubereiten, den Gürtel mal enger zu schnallen, kann kein Fehler sein und wenn es denn so fantasieanregend und spielerisch erfolgt geriert es zur Freude aller.

 

Man merkt dieser Serie an, dass das ihr zugrunde liegende Buch nicht am grünen Tisch von Drehbuchschreibern verfasst wurde. Laura Ingalls Wilder, geboren 1867 und gestorben 1957 schrieb ihre Bücher in Erinnerung an ihre eigene Kindheit. Sie wuchs auf einer Farm auf, aber erst später mit ihrem Mann James Wilder konnte sie das Pionierleben verwirklichen, von dem sie stets geträumt hatte. Für ihre Zeit war Laura eine bemerkenswert progressive Frau die unkonventionell an Problemlösungen heranging. Ihre Tochter Rose Wilder Lane, 1886-1968, eine überdurchschnittlich intelligente Frau, wurde Schriftstellerin und bereiste viele Länder. Entsprechend ihrer Anregung veränderte ihre Mutter ihre Erinnerungen kindgerechter um leichter einen Verleger zu finden. Die Forschung ist sich unklar, wie groß der gestalterische Einfluss auf ihre Mutter war und in welchem Umfang Rose die Erinnerungen libertär beeinflusst hat.

 

Ihr Einfluss auf die libertäre Bewegung der USA ist unumstritten. Sie schrieb Essays und Beiträge libertären Inhalts und sie weigerte sich Steuern zu zahlen und unterlief die steuerliche Veranlagung in dem sie ihr Einkommen auf ein Minimum reduzierte. (Schon hier ist sie für uns vorbildhaft….) Praktisch kehrte sie zu den Pionierwurzeln ihrer Vorfahren zurück. Sie lehnte Sozialismus vehement ab und warnte stets vor den Gefahren des Kommunismus, den sie in der Sowjetunion kennen gelernt hatte. Ihr Einsatz für individuelle Freiheiten war umfassend und sie sah ihre Wurzeln in einem konservativem Libertarismus, der auch heute noch als Orientierung dienen kann.

 

Diese Haltung kommt ebenfalls an vielen Stellen in den Erinnerungen ihrer Mutter zum Ausdruck. Die späteren Macher der Serie haben es verstanden diese Ansätze aufzunehmen und massenkompatibel, also ohne Mehrheiten zu verschrecken, umzusetzen. Wer bereits eine gewisse libertäre Vorbildung mitbringt wird diese Ansätze erkennen, einem breiten Publikum bleiben sie möglicherweise verschlossen.

 

Ich halte die Serie deshalb für wertvoll. Sie bringt auf interessante, spannende und unterhaltsame Weise Kindern amerikanisches Pionierleben näher. Das auch deutsche Kinder sich in diese Welt hineinversetzen können steht außer Frage. Begleitet man die Kinder beim Sehen und macht ihnen libertäre Zusammenhänge bewusst, hat man die Möglichkeit einerseits auf lebendige Weise Geschichte und andererseits Varianten heutiger libertärer Lebensgestaltung zu erklären und sie zur Nachahmung zu animieren. Natürlich ersetzt das Schauen einer Fernsehserie keine Kindererziehung, aber in einer bisher TV-abstinenten Familie ist das eine erfreuliche Abwechslung.

 

Insofern ist kam für uns dieses Geschenk zur richtigen Zeit und ergänzt unsere ohnehin libertäre Lebensweise hier in Nordamerika auf unterhaltende Weise. Dank an Auntie M.  

 
   

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