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Einfache
Wahrheiten 1
Ich kenne ihn nicht.
Ich habe nur seine Äußerungen im
Spiegel, in der Welt und anderen Online Magazinen gelesen. Die
fand ich soweit, auch wenn es sich nur um 2 Sätze gehandelt hat die
wiedergegeben wurden, absolut in Ordnung. Klare Sprache ist verpönt
und Henry
Nitzsche scheint klare Worte zu mögen. Deshalb, und weil sofort
ein Sturm der Entrüstung losbrach wurde meine Neugier geweckt und ich
habe mir seine Webpage
angeschaut. Die ist so bieder und unaufregend wie eine Töpferwerkstatt
der fünfziger Jahre und wirklich aktuell ist sie auch nicht. Trotzdem
habe ich dort gelesen: Henry Nitzsches Reden, über Vertriebene, über
einige Bemerkungen zu Polen, Empfänge im Nudelcenter, Abschaffung des
Steuerprivilegs für Geländewagen, gegen Spätabtreibungen und für
Schüleraustausch in den USA. Seine Besuche bei kinderreichen Familien,
typischen Ossis, und in Firmen. Wenn man einen Eindruck von der
Austauschbarkeit der politischen Arbeit an der Basis gewinnen will,
diese Seite ist ein gutes Lehrbeispiel, anders sieht es bei
anderen Angeordneten, egal welcher Partei, auch nicht aus:
Ernüchternd. Absolut ernüchternd.
Dennoch: Henry
Nitzsche, 47 Jahre alt, verheiratet, 4 Kinder, scheint ein Mann zu
sein, der, und das imponiert mir, sich jedenfalls schon mal die
Hände schmutzig gemacht hat, im Volk, d.h. im arbeitenden Volk seine
Wurzeln hat und von der intellektuellen Abgehobenheit anderer
Abgeordneter und Politiker wohltuend weit entfernt ist. Er war
fleißig, hat sich nach oben gearbeitet und scheint dennoch
bodenständig geblieben zu sein. Wer soll bei seinen kleinbürgerlichen
Wählern sonst ankommen, wenn nicht einer wie er? Diese Klientel sucht
immer nach einfachen Wahrheiten und Nitzsche ist Mann, der sie auch
liefern kann. Das muss nicht negativ sein, und das mokante Belächeln
derberer Ausdrucksweise kann so unehrlich sein, wie die bornierte
politisch-korrekte Politikerklasse eben ist. Nein, nicht das ich
einfachen Wahrheiten den Vorzug gebe. Hitler war ein Beispiel, LePen,
Haider, alle Bauernfänger jonglieren mit versimpelten Wahrheiten.
Aber, eine klare Sprache, das ungeschönte Benennen von Zuständen
kann kein Fehler sein und verdient Respekt.
Henry Nitzsche sagt:
"Die rot-grüne Regierung hat Deutschland in eine tiefe
wirtschaftliche, soziale und moralische Krise gestürzt." (Henry
Nitzsche, am 27.Juni 2005) Ja, hat sie das nicht, darf man so was
nicht aussprechen? Aber wer hört das? Die Wähler des Wahlkreises
Hoyerswerda? Wenn man hier gehört werden will, die von Soap-Operas und
Reality-Shows vernebelten oder, freundlicher, die mit
Arbeitsplatzsorgen belegten, Gehirne erreichen, vielleicht auch über
den Wahlkreis hinaus gehört werden will, muss man die Wahrheiten
kristallklarer benennen.
Nicht mehr und nicht
weniger hat Nitzsche getan. Er sagte: „Deutschland dürfe
nie wieder von
Multi-Kulti-Schwuchteln in Berlin regiert werden." Damit hat
Nitzsche das ausgesprochen, was viele denken. Auch diejenigen die
nicht unbedingt nach einfachen Wahrheiten und Antworten suchen,
sondern denen durchaus anspruchsvolle Modelle einer
verantwortlicheren Gesellschaftsgestaltung vorschweben. Und er
hat, und das imponiert, in einer Zeit wo jeder sich sofort dem
PC-Diktat unterwirft und zu Kreuze kriecht, gestern hinzugefügt:
"Ich würde erneut den Trend benennen, dass Multi-Kulti-Schwuchteln
unser Vaterland heruntergewirtschaftet haben." Dann ist er aus der
CDU ausgetreten.
Wenn Nitzsche
jetzt nicht nach rechts abrutscht, und törichterweise in die NPD
eintritt oder seine politischen Freunde aus Frust rechtsaußen sucht,
sondern seinen konservativen unbeeindruckten Weg fortsetzt, gehört er
zu den politischen Persönlichkeiten, von denen sich alle Appeaser und
in das PC-Korsett Eingebundenen, eine Scheibe abschneiden können.
Denen fällt
nämlich, und so was nennt sich Parteifreund, nicht anderes ein als:
Sehr geehrter Herr Renitent,
die Äußerungen
von Herrn Nitzsche sind für die CDU Sachsen inakzeptabel. Sie sind
deshalb nicht akzeptabel, weil Sie im sprachgebrauch eines
anständigen und zivilisierten Menschen nicht vorkommen und auch
nicht die Gedanken der Christlich Demokratischen Union
wiederspiegeln. Herr Nietzsche spricht nicht für die CDU und daher
hat sich die Sächsische Union von diesen Äußerungen distanziert.
Für jeden Demokraten sind die Äußerungen ein Schlag ins Gesicht.
Er schadet dem Anliegen einer sachlichen Patriotismusdebatte in
der Sächsischen Union. Das Präsidium der Sächsischen Union hat
daher den Beschluss des CDU Kreisverbands Kamenz/Hoyerswerda
begrüßt. Herr Nietzsche ist von seinem Amt als Kreisvorsitzender
zurückgetreten und hat damit die notwendige Konsequenz aus
seinen inakzeptablen Äußerungen gezogen. Die Landesleitung der CDU
erwartet von Henry Nitzsche das sich derartige Entgleisungen in
der Zukunft nicht wiederholen.
Mit freundlichen
Grüßen
Michael
Kretschmer, MdB
Meine Güte, ich bin
also weder anständig, noch zivilisiert (Herr Nitzsche sowieso nicht).
Das muß ich doch gleich mal meiner Frau und meinen Kinder vorlesen,
damit sie wissen, mit wem sie da zusammenleben.....
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