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Atheistisch-Christlich-Muslimisch-Jüdische Weihnachten
Ich kann nicht sagen,
dass ich sehr viele Sympathien für den Islam habe, soweit er sich als
freiheitsfeindliche Ideologie präsentiert. Ohne islamophob zu sein
sehe ich ihn als Bedrohung aller der Werte die uns lieb und teuer sind
und für deren Verwirklichung in vergangenen Revolutionen Menschen ihre
Freiheit und ihre Leben gelassen haben. Wenn Menschen, die Trost
suchen, ihn als Stütze oder zum Zwiegespräch nutzen und das mit sich
im privaten Kämmerlein abmachen, ist es für mich o.k.
Wir haben jedenfalls
auch schon Muslime kennen gelernt die das ähnlich kontemplativ
handhaben wie es auch Christen tun. Ich sage das als überzeugter
Atheist mit christlichen Wurzeln bzw. christlicher Herkunft, und ich
bin immer noch der festen Überzeugung, dass wir in Punkto Toleranz und
der Fähigkeit zuhören zu können, und wie wir gelernt haben uns
argumentativ auszutauschen, vielen, wenn nicht den meisten Muslimen
überlegen sind. Wir sollten diesen qualitativen Vorsprung nicht
leichtfertig verspielen und uns auf ein ähnliches, von uns ja ständig
kritisiertes, Niveau begeben.
Wir können z.B.
glaubhaft versichern, dass unsere exiliranischen, muslimischen Freunde
über ein Kommunikationsniveau verfügen, dass man hier und dort und
dort drüben, bei vielen unserer Diskutanten (und auch Kommentatoren
auf den Blogs) vergeblich sucht.
Wir werden immer und zu
jeder Zeit anmaßende Raumnahme von Muslimen zurückweisen, aber wir
werden uns auch zur Wehr setzen gegen ungerechte und arrogante
Abendländer, die außer diesen beiden Negativeigenschaften sonst
ebenfalls nicht viel aufzuweisen haben.
Wir wollen also dieses
Jahr, erstmals, unser Weihnachtsfest mit unseren iranischen Freunden
feiern. Sie werden einige Tage bei uns wohnen. Es ist auch für sie das
erste Mal, ein christliches Weihnachtsfest kennen sie nur vom
Hörensagen. Nun ist unser Weihnachtsfest nicht sehr christlich, aber
natürlich haben wir einen geschmückten Baum, und der Weihnachtsmann
kommt persönlich. Wenn man Kinder hat, kann man deren
Erwartungshaltung schlecht enttäuschen, und so liegt das Schwergewicht
in diesen Tagen mehr auf feierlich-harmonischem Zusammensein, der
Freude an aufwendig zelebriertem Essen, der Beschäftigung mit
ausgetauschten Liebesgaben und anregenden Gesprächen denn auf einer wirklich christlichen
Festprägung.
Wir reden
wahrscheinlich, wie immer wenn wir mit ihnen zusammen sind, frei über
alle Themen, auch unsere Ablehnung des Islam. Sie verstehen das und
lehnen selbst islamische Fundamentalisten ab: „Any radical religions
sucks“ sagt sie und markiert damit den Rahmen. Er kann auch deutsch
lesen und liest meine Webpage und die ist ja ausgesprochen deutlich.
Sie haben ihr Gästezimmer im anderen Stockwerk, ob sie da beten, was
sie da sonst machen, interessiert mich nicht. Bei ihnen zu hause liegt
der Koran auf dem Nachttisch, na und, bei vielen Christen liegt da die
Bibel.
Alkohol mögen sie
nicht, weil es ihnen nicht schmeckt, schmecken tut es nicht, weil sie
es nicht gewohnt sind. Sie haben aber schon mal mit uns angestoßen.
Heute rufe ich an:
„Sagt mal, was mögt ihr
essen? Oder anders gefragt, was sollen wir auf keinen Fall machen?“
frage ich und füge hinzu: „Keine Sorge, auf Schweinefleisch verzichte
ich…“
„Mach Dir keine
Sorgen“, sagt sie, „wir essen was ihr esst und was auf dem Tisch ist.
Wir essen alles!“ Das ist Erziehung wie ich sie mag, so bin ich selbst
erzogen worden. Schließlich hat die Hausfrau, oder der Hausmann,
einige Stunden in der Küche gestanden, sich Mühe gegeben und sich was
dabei gedacht. Wenn wir dort eingeladen sind, gibt es alles, na fast
alles, jedenfalls kaufen sie nie Halal, sondern ganz normal im
Supermarkt, wie wir auch. Als eine andere, verschleierte Muslimin
unsere Freundin zum Halal-Einkauf überreden wollte, hat sie dankend
abgelehnt. Wie auch immer, wir haben andere Freunde, Amis, die sind
Ökofuzzis, da muss ich für die Kinder jedes Mal extra Sojawürstchen
besorgen und Tofukrempel und wenn eine Gen-Tomate im Salat ist dreht
unsere Freundin durch. Das stinkt mir weit mehr.....
Wir sehen also ganz
gespannt entspannt einer Folge schöner Tage entgegen. Bei uns ist das
Weihnachtsfest ohnehin länger, eigentlich feiern wir gleich zweimal,
denn meine Frau ist Russin und da ist Weihnachten, entsprechend dem
julianischen Kalender, am 7. Januar. Da kommt dann Väterchen Frost mit
seiner Snegurotschka, seinem Schneemädchen. Und er kommt mit seiner
Troika, einem von 3 Pferden gezogenen Schlitten.
Vielleicht kommt ja auch noch ein Freund für einige Tage. Der ist
Jude.
Dann wird es richtig gemütlich und wir können uns über die
Idioten, da draußen, nur wundern…. |
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