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Therapiert die Therapeuten

Zu dem Fall Mario. M. ist ja
schon fast alles gesagt, alles geschrieben worden. Und für den
Fortgang der Welt ist der „Sieg“ der Demokraten in den USA allemal
wichtiger. Dennoch Einzelschicksale berühren uns. Besonders dann, wenn
wir selbst Kinder, Töchter haben, und uns das Schicksal, einer aus der
Normalität gerissenen Schülerin, Stefanie, in Dresden berührt.
Als Außenstehender sieht man die Diskrepanz zwischen den Aussagen der
Verantwortlichen und den Kommentaren der Bevölkerung. Zwischen der
medialen Aufmerksamkeit die der Täter erfährt und den Schwierigkeiten,
die die Opferfamilie und das Opfer haben, zu einem normalen Dasein
zurück zu finden.
Volkes Stimme ist nicht automatisch falsch. Bei unserer Vergangenheit
ist es aber verpönt sie zu beachten, geschweige denn, sie sich zu
eigen zu machen. „Das gesunde Volksempfinden“ ist eben ein politisch
missbrauchter Begriff, der, seiner historischen Schuld entkleidet, ja
nichts weiter sagen will, als dass das Volk seine Einschätzungen von
sich geben will ohne in der Formulierung durch „Intellektuelle“
entschärft worden zu sein.
Unser aller Rechtsempfinden wird, angesichts des Verhaltens und
Versagens der Beteiligten, erheblich strapaziert. Natürlich ist „Rübe
ab“ keine qualifizierte Aussage und rechtsstaatlich umzusetzen ist sie
auch nicht. Aber als jemand der sowohl tiefere Einblicke in die
Problemlösungen in Russland hat, beispielsweise, und der seit 10
Jahren in Nordamerika lebt, frage ich mich schon, ob die
lebenserhaltende Zuwendung, die dem Täter zuteil geworden ist, derart
aufwendig sein muss. Letztlich sind es ja die Gelder der Bürger die
für den Aufwand verbraten werden. Und ich weigere mich einzusehen,
dass Steuerzahler sich der Kommentare zu enthalten haben und „den
kompetenten Entscheidern vor Ort“ vertrauen sollen. Die Familie von
Stephanie vertraut, zu recht – nicht mehr. Denn von Kompetenz oder
gar Souveränität, das ist auch dem „Laien“ ersichtlich, konnte
hier in keiner Weise die Rede sein.
Mir fällt zu den Vorgängen ein eigenes Erlebnis ein, dass ich etwa
gegen 1990 hatte und das ein bezeichnendes Licht auf die Verfassung
unserer Gesellschaft wirft. Ich lernte eine diplomierte
Psychotherapeutin der Berliner Haftanstalt Tegel etwas
näher kennen. Wenn ich mich recht erinnere war ihr Name Sylvia Z. Ein
Bekannter brachte sie zum Abendessen mit, wir waren etliche Stunden an
diesem Abend zusammen und auch hinterher habe ich sie noch des öfteren
gesehen und gesprochen. Ihr äußerer Habitus entsprach ihrer inneren
Haltung und verriet schon auf den ersten Blick, ohne, dass sie etwa
hätte sprechen müssen, wie sie gestrickt und unter welchen Einflüssen
sie aufgewachsen und ausgebildet worden war. Gekleidet war sie in
grüne Cordhosen, ihre nackten Füße steckten in ausgelatschten
Sandalen. Ein lila T-Shirt, drei Nummern zu groß, und eine selbst
gestrickte, großmaschige Jacke vervollständigten das Bild, ihre Haare
waren unordentlich, ihre Fingernägel abgeknabbert. Das besonders ist
mir in Erinnerung und ich fragte mich damals (und heute) wie konnte
sie Patienten therapieren wenn sie es nicht schaffte sich selbst unter
Kontrolle zu bringen und ihr (knabberndes) Unterbewusstsein zu
disziplinieren. Aber – sie war recht nett.
Entscheidenden für
unsere Zusammenhänge hier zum Thema war ihr Therapieansatz. Sie
therapierte mehrere, (in jedem Fall mehr als einen), Vergewaltiger,
einsitzend in Tegel. Ihre neue Theorie, über die sie auch an der Uni
Vorträge hielt, etwas veröffentlicht und im Rundfunk referiert hatte,
war, das Vergewaltigungsopfer und seine Familie und den
Vergewaltiger zusammenbringen um das Geschehen aufzuarbeiten. Also
im Klartext:
Stefanie und ihre Eltern sollen sich jetzt mit Mario M. in Ruhe bei
einer Tasse Tee zusammensetzen und das Geschehen erneut durchkauen.
Das würde beiden Seiten helfen, denn, so Sylvia Z., man würde
Einsichten über die Motive der anderen Seite gewinnen und das
Vergewaltigungsopfer wurde die Erlebnisse danach besser verarbeiten
können. Auch der Täter hätte nun die Chance mehr über das Leiden
seines Opfers zu erfahren. Natürlich sollte die Sitzung unter der
fachkundigen Leitung eines/einer erfahrenen Psychtherapeutin
ablaufen, die „moderierend“ Hilfestellung leisten würde.
Bitte, es ist 16 Jahre her, ich mag einige unwichtige Details
vergessen haben. Aber das war der Kern der Aussage und Fachleuten mag
der Ansatz ja bekannt sein.
Ich habe mir schon damals an den Kopf gefasst, und als Vater meiner
ersten, damals 14 jährigen, Tochter
vorzustellen versucht, wie wir mit einem potenziellen Täter
„diskutieren“ würden. Ich halte mich für sehr kontrolliert, aber ich
könnte erstmals vielleicht doch für nicht garantieren…..
Zusammengefasst kann man dazu folgendes sagen:
-
Wir Deutschen
machen alles hundertprozentig. Wir waren 12 Jahre hundertprozentig
braun und danach sind wir bis heute hundertprozentige 68iger
Gutmenschen. Wir fallen von einem Extrem ins andere, und mit der
gleichen Begeisterung mit der Deutsche Täter wurden und an Opfern
forschten (Mengele) therapieren heute „Forscher“ Täter.
-
Wir haben, weil es
uns zu gut ging und der existenzielle Ernst durch bundesdeutsches
wirtschaftliches Wohlergehen etwas in den Hintergrund rückte, einer
Generation viel Zeit gegeben sich auf Nebenkriegsschauplätzen zu
vergnügen. Politologie, Psycho-Berufe, Therapeuten, alles
Traumberufe dieser Zeit. Ganz „harte“ Burschen und ihre
feminisierten Begleiterinnen verließen auch das bürgerliche und
zahlende Elternhaus um Daniel Ortega in Nicaragua zu helfen und auf
Revolutionär zu machen (mir fällt gerade der Sohn von Björn Engholm
ein). Was danach tun mit diesen zahlreichen unproduktiven
„Intellektuellen“? So viel Praxen brauchte niemand und so kam es,
wie es im staatshörigen Deutschland üblich ist: Anstellung in
Forschung und Lehre, staatsbezahlt nach Forschungsaufgaben forschen,
Knete für neue Projekte fordern und, wie in unserem Fall, besonders
Täter therapieren.
Roland Baader
sagt dazu: „auch die „weicheren“
Varianten eines latenten Totalitarismus – wie Wohlfahrtsstaat,
Multikulturalismus und Political Correctness – wurden und werden aus
dem Schoß der Intelligenzia und sind mit Millionen von Schriften und
Reden zu mächtigen Zeitgeistströmungen geworden.“
Und weiter: „Dahinter stecken
Gesetzmäßigkeiten und psychologische Muster, die dem Denken und Fühlen
vieler Intellektueller fast „milieuspezifisch“ zuzuordnen sind.“
(totgedacht-Warum Intellektuelle
unserer Welt zerstören, Resch, 2002)
Also. Therapieren wir Mario M., es wird sich doch wohl ein
staatsbeschäftigter und unterbeschäftigter Therapeut finden lassen?
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