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Über Pannenhäufigkeit und
Doppelnamen
Meine Mutter
sagte immer, wenn ich als Kind einen Namen lustig fand: „Hör auf.
Niemand kann sich seinen Namen aussuchen.“ Und so sollte ich nicht
lachen über den Namen des Lehrers meins Bruder, der Niedergesäß
hieß. Oder Herrn Piepenbrink, dem der Milchladen an der Ecke
gehörte. Als ich dann zur Schule ging und auf dem Nachhauseweg die
Schilder der Arztpraxen an den Hauswänden las, galoppierte meine
Fantasie mit mir ab: Frau Dr. Pampe-Babst hieß eine. Und einige
Häuser weiter: Frau Dr. Giering-Gunkel. Und da stellte ich mir
vor, wie es wäre, wenn sich der Sohn der Giering-Gunkel in die
Tochter von Pampe-Babst verlieben würde. Wie würden sie sich, wie
würde SIE sich, nach der Hochzeit nennen? Pampe-Babst-Giering-Gunkel?
Oder wegen des besseren Klanges Pampe-Giering-Gunkel-Babst? Über
Namensrecht wusste ich noch nichts.
Ich war etwa in
der 5. Klasse, also 1970. Da fing die Doppelnamenmacke an. Und meine
Mutter hatte fortan unrecht: Man konnte doch was für seinen Namen.
Jetzt konnte man ihn sich aussuchen. Fortan hatten wir
Leutheuser-Schnarrenbergers en masse. Später machte ich mir
Gedanken darüber ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der
Doppelnamenmacke, der politischen Position der Trägerin und ihrer
Kompetenz. Untersuchungen scheint es zum Thema nicht zu geben und so
bleibe ich auf Vermutungen angewiesen. Einer politischen Richtung ist
der Trend nicht mehr zuzuordnen. Auch die mehr rechts zu verortenden
Damen sind dem Modetrend erlegen. Aber – und das bleibt eine
Aufgabenstellung, ein Forschungsobjekt, für das es unbedingt
staatliche Fördermittel geben sollte: Gibt es einen Zusammenhang
zwischen Kompetenz, Souveränität, Pannenhäufigkeit und Doppelnamen?
Vermutlich ist bisher kein beschäftigungsloser Akademiker auf die Idee
gekommen, aber ein Projekt: "Doppelname und Kompetenz" oder
"Doppelname und Führungsposition – eine feministische Strategie"
wäre Erfolg versprechend.
Wie auch immer.
An diese Zusammenhänge fühlte ich mich heute erinnert als ich las,
dass Frau Ministerin Roswitha Müller-Piepenkötter eine erneute
Justizpanne zugeben musste und Frau Staatsanwältin Monika
Nostadt-Ziegenberg keine Anhaltspunkte dafür sah. Und so schiebt
sich der Moment der Namensgebung in den Hintergrund und die
wesentlichere Frage wird vorrangig:
Wieso hören
wir eigentlich alle paar Tage von Pannen? Und wie kann es zu
sterotypen Aussagen kommen wie:
-
Leider ist es uns
nicht gelungen das zu verhindern...
-
Wir bedauern...
-
Über Konsequenzen
wird entschieden...
-
Wir prüfen das
noch...
-
Wir werden die
Mitarbeiter sensibilisieren...
-
Wir werden die
Sicherheit erhöhen...
Warum immer erst
hinterher? Denn nicht nur die Namenswahl ist ja wichtig, auch die
Kompetenz. Schön wäre, wenn sie sich mit der Namensverdoppelung
ebenfalls verdoppeln würde!
SPON |