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Robin Renitent,  22. November 2006

   

mail 

We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

   
 

Dr. Edmund Schwafler & Co.

Emsdetten ist schon abgehakt, oder? Auf den Blogs, die ich besuche und schätze, habe ich gar nichts zum Thema gefunden, in den Medien köchelt es nur deshalb vor sich hin, weil die Auseinandersetzung mit Wirtschaftsthemen und Deutschlands Talfahrt in den Abgrund schwieriger ist und weniger Leser bringt. Auch ich wollte eigentlich schon zum nächsten Thema gehen, aber nun habe ich noch einmal etliche Berichte und Stellungnahmen in verschiedenen Medien angeklickt. Al s Vater zweier Kinder, die beide Computer besitzen, komme ich an dem Thema schlecht vorbei. Auch deshalb, weil genau dieses Computerspielthema schon zu Konflikten und Kontroversen bei uns geführt hat. Zu Ihrer Beruhigung: Konflikte sind dazu da, dass man sie löst! Wir haben!

 

Da hatten wir gestern den Artikel von Holger Kreitling. So geschrieben, dass er meine Zustimmung fand und ich Parallelen zu meiner eigenen Auffassung entdeckte: Heute, die von mir oft geschätzte Mirjam Lau. Aber natürlich fordert sie staatliche Aufsicht. Nein, damit bin ich nicht einverstanden. Es ist nicht Aufgabe des Staates Kinder zu erziehen. Es ist und bleibt Aufgabe der Eltern. Wir brauchen nicht mehr, wir brauchen weniger Staat. Und wir, das heißt wir selbstständig denkenden und handelnden Bürger, brauchen auch keinen Vormund, der uns Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten abnimmt. Oder wir sind nicht selbstständig und können nicht denken, dann können wir auch nicht zur Wahl gehen und unsere Kreuze machen. Also was denn nun? Nein Frau Lau, Sie liegen falsch.

 

Dann lese ich ein Interview mit Dr. Edmund Schwafler. Der weiß natürlich wieder alles besser und ist im Umgang mit Kindern besonders erfahren. Noch erfahrener ist er im Umgang mit dem PC und Computerspielen. Also fordert er in einem Rundumschlag ein Verbot. Was anderes fällt ihm nicht ein und anstatt seine schwache Potenz in die Klärung wirtschaftlicher Problemfragen zu stecken, versucht er sich als Amateur-Freud, Medienexperte und Sozial- und Erziehungswissenschaftler. „Was zum Töten animiert, gehört verboten“, sagt er völlig durchdacht und protzt mit der Tiefe dieser Weisheit. Und ich frage mich, was mich alles animiert und womit ich töten könnte. Mit der Schraube unseres Motorbootes beispielsweise. Macht wirklich unschönes Hackfleisch aus unschuldigen Schwimmern. Auch das Nudelholz, mit dem ich den Teig für die Weihnachtskekse ausrolle, kann, richtig eingesetzt, absolut tödlich sein. In einem Kultfilm, habe gerade vergessen welcher es war, ersticht, meiner Erinnerung nach, ein durchgeknallter Priester eine Prostituierte mit ihrem Dildo. Will Herr Dr. Laber deshalb Dildos verbieten? Wenn ich eine Weile nachdenke fällt mir sicher noch mehr ein, was wir, in demokratischer Mitarbeit, Herrn Dr. Schwafler zum Verbot vorschlagen können.

 

Die Fragen des SPIEGEL an den Herrn Edmund sind etwa so seicht und schlapp wie PC-Spiele kreiert werden sollen, das Interview führte denn auch Severin Weiland in der allzeit kompatiblen SPIEGEL-Manier. Dr. Schwafler fühlt sich also sehr von der Verantwortung um das geistige Wohl seiner Untertanen in die Pflicht genommen. Dabei setzt er, als CSU-Fritze, in schönster sozialdemokratischer Manier, auf den Staat. Und entlastet damit die Eltern ein weiteres Mal sich um die Freizeitbeschäftigungen Freizeitbeschäftigungen ihrer Kinder zu kümmern. Er lebt den Irrglauben vor, das der Staat Probleme lösen, von Verantwortung befreien und Standards erstellen kann. Ich wäre der Erste, der ein solches Verbot unterlaufen würde. Aus Prinzip. Weil ich nicht ein weiteres Mal entmündigt werden und mir die autonome Wahlentscheidung vorbehalten möchte: Ob oder ob nicht. Ob, oder ob ich nicht PC-Spiele kaufe, ob, oder ob ich nicht in den Puff gehe, ob, oder ob ich nicht zielschieße mit Pfeil und Bogen, der Browning oder der Kartoffelkanone. Ob, oder ob ich nicht Pornos ansehe, „Mein Kampf“ lesen will, die Bibel oder den Talmud. Ob ich, oder ob ich nicht mich mit Trans-Fetten voll stopfe, mein Geld zinspflichtig spare oder ins Ausland bringe. Ja, ich möchte mir auch die Freiheit erhalten wissen das auszuprobieren was abstoßend eklig und widerwärtig ist. Weil es für Neugier keine Grenzen geben darf und weil ich es ja nicht machen muss, wenn ich (selber es) nicht will.

Dabei interessieren mich PC-Spiele nicht die Bohne. Und mit meinem zehnjährigen Sohn, der ganz wild auf Ballerspiele ist, habe ich eine sanfte, aber nachdrücklich Übereinkunft getroffen. Es gibt keinen brutaleren Level als Vice City. Da lacht wahrscheinlich jeder Freak, aber bereits hier können wir Leute sinnlos mit Baseballschlägern töten, überfahren, umlegen mit Pumpguns, oder in die Luft sprengen. „Mir macht das Autofahren in diesem Spiel Spaß und dass ich einen Hubschrauber fliegen kann,“ argumentiert mein Sohn. Da unsere PC direkt neben einander stehen, er also nie so ganz alleine am PC ist, kann ich ja sehen was er macht. Natürlich werden da etliche Leute gekillt. Aber all das ist so albern wie durchsichtig, dass er selber lachen muss. Trotzdem haben wir die Zeit limitiert. Er darf in der Woche 4 Stunden an den PC, davon 2 Stunden Spiel und 2 Stunden was kreatives, sagen wir mal Stellarium, Google Earth, Scetch-up oder Photoshop. Nachdem er die Hausaufgaben gemacht hat.

Der Junge ist PC-begeistert, wie sollte es auch anders sein in diesem Alter. Wir unterstützen das. Auch seine Schwester, mit 7 Jahren noch jünger, hat ihren eigenen PC und kann sich der Faszination nur schwer entziehen. Ich finde diese Begeisterung gut, richtig kanalisiert, macht sie die Kinder mit Sicherheit zukunftsfest.

Mir sind meine eigenen Kindheitserfahrungen noch deutlich in Erinnerung, ich bekam zur Cowboyausrüstung keine Pistole, weil, kurz nach dem Kriege, nie wieder eine Waffe in eines deutschen Kindes Hand sein sollte. Meine Eltern hatten es sicher gut gemeint, aber....Ich tat alles, wirklich alles, um mal beim einem Kumpel schießen zu dürfen, Knallplätzchen natürlich. Ich habe daraus gelernt, dass das Faszinosum Waffe nicht aus dem Bewusstsein verbannt werden kann. Wir leben ja nicht als Eremiten, sondern sind in ein gesellschaftliches Umfeld eingebunden. Unsere Umwelt, die Nachrichten sind voll mit optischer wahrzunehmender Gewalt. Wir können das Faszinosum kanalisieren und sozusagen mental entschärfen. So bieten wir unseren Kindern eben auch noch Outdoor an: Pfeil und Bogen und an unserem Wohnort USA auch richtiges, und nicht virtuelles, Schießen mit der Browning und natürlich unter Aufsicht.

Und so reduziert sich, aus meiner Sicht, die ganze Diskussion auf die eine Frage: Wie begleite ich mein Kind durch die verschiedenen (Lebens-) Phasen. Staatliche Verbote können elterliche Zuwendungen nicht erzwingen, Vernunftentwicklung nicht ersetzen. Wir brauchen keine Klugscheißer à la Dr. Laber, wir brauchen Eltern, die sich kümmern. Denen die Wahlentscheidung bleibt freiwilligen Verzicht auf bestimmte Angebote zu leisten.

Diese freie Entscheidung, diese Erziehung zur autonomen, qualitativen Wahl wird durch staatliche Zwangsmaßnahmen nicht erreicht. Eher das Gegenteil, die Verunselbstständigung des Heranwachsenden. So haben wir auch bewusst keine Filtersoftware auf unseren Computern. Sehen schult. Wenn die Kinder also etwas „Schlechtes“ sehen kann man etwas „Gutes“ dagegensetzen. Geschmacksschulung kann, wie Musik oder Kunstschulung, nicht abstrakt erfolgen, sondern nur an konkreten Beispielen.

Andererseits haben wir kein Fernsehen. Wir haben uns dagegen entschieden, weil der Fernseher zur Passivität verführt, beim PC muss man immerhin aktiv was tun um Informationen zu erhalten und man hat auch hier: Die Wahlfreiheit! Es gibt im PC unterschiedlichere Angebote an Information und Unterhaltung als ein durchgezappter PC sie je bieten kann.

 
   

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