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Dr. Edmund Schwafler & Co.
Emsdetten ist schon
abgehakt, oder? Auf den Blogs, die ich besuche und schätze, habe ich
gar nichts zum Thema gefunden, in den Medien köchelt es nur deshalb
vor sich hin, weil die Auseinandersetzung mit Wirtschaftsthemen und
Deutschlands Talfahrt in den Abgrund schwieriger ist und weniger Leser
bringt. Auch ich wollte eigentlich schon zum nächsten Thema gehen,
aber nun habe ich noch einmal etliche Berichte und Stellungnahmen in
verschiedenen Medien angeklickt. Al s Vater zweier Kinder, die beide
Computer besitzen, komme ich an dem Thema schlecht vorbei. Auch
deshalb, weil genau dieses Computerspielthema schon zu Konflikten und
Kontroversen bei uns geführt hat. Zu Ihrer Beruhigung: Konflikte sind
dazu da, dass man sie löst! Wir haben!
Da hatten wir
gestern den Artikel von
Holger Kreitling. So geschrieben, dass er
meine Zustimmung fand und ich Parallelen zu meiner eigenen Auffassung
entdeckte: Heute, die von mir oft geschätzte
Mirjam Lau. Aber natürlich fordert sie
staatliche Aufsicht. Nein, damit bin ich nicht einverstanden. Es ist
nicht Aufgabe des Staates Kinder zu erziehen. Es ist und bleibt
Aufgabe der Eltern. Wir brauchen nicht mehr, wir brauchen weniger
Staat. Und wir, das heißt wir selbstständig denkenden und handelnden
Bürger, brauchen auch keinen Vormund, der uns Wahl- und
Entscheidungsmöglichkeiten abnimmt. Oder wir sind nicht selbstständig
und können nicht denken, dann können wir auch nicht zur Wahl gehen und
unsere Kreuze machen. Also was denn nun? Nein Frau Lau, Sie liegen
falsch.
Dann lese ich ein
Interview mit
Dr. Edmund Schwafler. Der weiß natürlich
wieder alles besser und ist im Umgang mit Kindern besonders erfahren.
Noch erfahrener ist er im Umgang mit dem PC und Computerspielen. Also
fordert er in einem Rundumschlag ein Verbot. Was anderes fällt ihm
nicht ein und anstatt seine schwache Potenz in die Klärung
wirtschaftlicher Problemfragen zu stecken, versucht er sich als
Amateur-Freud, Medienexperte und Sozial- und
Erziehungswissenschaftler. „Was zum Töten animiert, gehört verboten“,
sagt er völlig durchdacht und protzt mit der Tiefe dieser Weisheit.
Und ich frage mich, was mich alles animiert und womit ich töten
könnte. Mit der Schraube unseres Motorbootes beispielsweise. Macht
wirklich unschönes Hackfleisch aus unschuldigen Schwimmern. Auch das
Nudelholz, mit dem ich den Teig für die Weihnachtskekse ausrolle,
kann, richtig eingesetzt, absolut tödlich sein. In einem Kultfilm,
habe gerade vergessen welcher es war, ersticht, meiner Erinnerung nach, ein durchgeknallter Priester eine
Prostituierte mit ihrem Dildo. Will Herr Dr. Laber deshalb Dildos
verbieten? Wenn ich eine Weile nachdenke fällt mir sicher noch mehr
ein, was wir, in demokratischer Mitarbeit, Herrn Dr. Schwafler zum
Verbot vorschlagen können.
Die Fragen des SPIEGEL
an den Herrn Edmund sind etwa so seicht und schlapp wie PC-Spiele
kreiert werden sollen, das Interview führte denn auch Severin Weiland
in der allzeit kompatiblen SPIEGEL-Manier. Dr. Schwafler fühlt sich
also sehr von der Verantwortung um das geistige Wohl seiner Untertanen
in die Pflicht genommen. Dabei setzt er, als CSU-Fritze, in schönster
sozialdemokratischer Manier, auf den Staat. Und entlastet damit die
Eltern ein weiteres Mal sich um die Freizeitbeschäftigungen
Freizeitbeschäftigungen ihrer Kinder zu kümmern. Er lebt den
Irrglauben vor, das der Staat Probleme lösen, von Verantwortung
befreien und Standards erstellen kann. Ich wäre der Erste, der ein
solches Verbot unterlaufen würde. Aus Prinzip. Weil ich nicht ein
weiteres Mal entmündigt werden und mir die autonome Wahlentscheidung
vorbehalten möchte: Ob oder ob nicht. Ob, oder ob ich nicht PC-Spiele
kaufe, ob, oder ob ich nicht in den Puff gehe, ob, oder ob ich nicht
zielschieße mit Pfeil und Bogen, der Browning oder der
Kartoffelkanone. Ob, oder ob ich nicht Pornos ansehe, „Mein Kampf“
lesen will, die Bibel oder den Talmud. Ob ich, oder ob ich nicht mich
mit Trans-Fetten voll stopfe, mein Geld zinspflichtig spare oder ins
Ausland bringe. Ja, ich möchte mir auch die Freiheit erhalten wissen
das auszuprobieren was abstoßend eklig und widerwärtig ist. Weil es
für Neugier keine Grenzen geben darf und weil ich es ja nicht machen
muss, wenn ich (selber es) nicht will.
Dabei interessieren mich PC-Spiele nicht die Bohne. Und mit meinem
zehnjährigen Sohn, der ganz wild auf Ballerspiele ist, habe ich eine
sanfte, aber nachdrücklich Übereinkunft getroffen. Es gibt keinen
brutaleren Level als Vice City. Da lacht wahrscheinlich jeder Freak,
aber bereits hier können wir Leute sinnlos mit Baseballschlägern
töten, überfahren, umlegen mit Pumpguns, oder in die Luft sprengen.
„Mir macht das Autofahren in diesem Spiel Spaß und dass ich einen
Hubschrauber fliegen kann,“ argumentiert mein Sohn. Da unsere PC
direkt neben einander stehen, er also nie so ganz alleine am PC ist,
kann ich ja sehen was er macht. Natürlich werden da etliche Leute
gekillt. Aber all das ist so albern wie durchsichtig, dass er selber
lachen muss. Trotzdem haben wir die Zeit limitiert. Er darf in der
Woche 4 Stunden an den PC, davon 2 Stunden Spiel und 2 Stunden was
kreatives, sagen wir mal Stellarium, Google Earth, Scetch-up oder
Photoshop. Nachdem er die Hausaufgaben gemacht hat.
Der Junge ist PC-begeistert, wie sollte es auch anders sein in diesem
Alter. Wir unterstützen das. Auch seine Schwester, mit 7 Jahren noch
jünger, hat ihren eigenen PC
und kann sich der Faszination nur schwer
entziehen. Ich finde diese Begeisterung gut, richtig kanalisiert,
macht sie die Kinder mit Sicherheit zukunftsfest.
Mir sind meine eigenen Kindheitserfahrungen noch deutlich in
Erinnerung, ich bekam zur Cowboyausrüstung keine Pistole, weil, kurz
nach dem Kriege, nie wieder eine Waffe in eines deutschen Kindes Hand
sein sollte. Meine Eltern hatten es sicher gut gemeint, aber....Ich tat alles, wirklich alles, um mal beim einem Kumpel
schießen zu dürfen, Knallplätzchen natürlich. Ich habe daraus gelernt,
dass das Faszinosum Waffe nicht aus dem Bewusstsein verbannt werden
kann. Wir leben ja nicht als Eremiten, sondern sind in ein
gesellschaftliches Umfeld eingebunden. Unsere Umwelt, die Nachrichten
sind voll mit optischer wahrzunehmender Gewalt. Wir können das
Faszinosum kanalisieren und sozusagen mental entschärfen. So bieten
wir unseren Kindern eben auch noch Outdoor an: Pfeil und Bogen und an
unserem Wohnort USA auch richtiges, und nicht virtuelles,
Schießen mit
der Browning und natürlich unter Aufsicht.
Und so reduziert sich, aus meiner Sicht, die ganze Diskussion auf die
eine Frage: Wie begleite ich mein Kind durch die verschiedenen
(Lebens-) Phasen. Staatliche Verbote können elterliche Zuwendungen
nicht erzwingen, Vernunftentwicklung nicht ersetzen. Wir brauchen
keine Klugscheißer à la Dr. Laber, wir brauchen Eltern, die sich
kümmern. Denen die Wahlentscheidung bleibt freiwilligen Verzicht auf
bestimmte Angebote zu leisten.
Diese freie Entscheidung, diese Erziehung zur autonomen, qualitativen
Wahl wird durch staatliche Zwangsmaßnahmen nicht erreicht. Eher das
Gegenteil, die Verunselbstständigung des Heranwachsenden. So haben wir
auch bewusst keine Filtersoftware auf unseren Computern. Sehen schult.
Wenn die Kinder also etwas „Schlechtes“ sehen kann man etwas „Gutes“
dagegensetzen. Geschmacksschulung kann, wie Musik oder Kunstschulung,
nicht abstrakt erfolgen, sondern nur an konkreten Beispielen.
Andererseits haben wir kein Fernsehen. Wir haben uns dagegen
entschieden, weil der Fernseher zur Passivität verführt, beim PC muss
man immerhin aktiv was tun um Informationen zu erhalten und man hat
auch hier: Die Wahlfreiheit! Es gibt im PC unterschiedlichere Angebote
an Information und Unterhaltung als ein durchgezappter PC sie je
bieten kann. |
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