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Natascha
Kampusch – ein Nachtrag
Während wir offline waren ist viel geschehen. Krieg in Nahost,
Wahlen in einigen Bundesländern und im Regenbogenbereich eben
Natascha Kampusch. Sie, Frau Kampusch, schwappte tatsächlich um
die Welt und bis ins letzte kanadische Walddorf. Und sie und ihr
Schicksal wurden thematisiert. Jede Elementary-Lehrerin warnte die
Kinder, die Eltern waren (wieder mal) „concerned“ und, obwohl
jedes Kind vor der Haustür vom Schulbus abgeholt und zurück
gebracht wird, gab es zahlreiche Ermahnungen. Man sprach mich
darauf an, mich, man stelle sich das vor, als ob ich mehr wüsste,
denn das was ohnehin verbreitet wurde und zudem bin ich nicht mal
Österreicher. Außerdem berührte mich das Kampusche Schicksal zwar
(schließlich habe ich auch kleine Kinder) interessierte mich aber
die breitgewalzten Familienumstände nicht die Bohne. Aber es gab
doch etwas, was mich nachdenklich stimmte und was ich, bei
genauerem Hinsehen, für entlarvend fand.
Natascha wird mit Sicherheit ein gutes Studienobjekt für
Linguisten sein, irgendwo hatte ich ja auch bereits gelesen, dass
ihre Sprache mediengestelzt sei, Fernsehbildung verrate und ihre
Allgemeinbildung deshalb gut sei, weil sie sich nicht nur
Sopa-Operas und Big-Brother angesehen habe, sondern (auch) das
„Bildungsfernsehen“ der 3. Programme. Ja das ist beachtlich und so
ist dieses Retortenmädchen schon interessant. Wo, gibt es
vergleichbare Studienobjekte? Aber nicht ihre Sprache ist es was
mich so interessiert, ich bin ja auch kein Linguist, viel
interessanter noch finde ich den inhalierten Zeitgeist. Also den
politischen Geist, der, via TV, das Gehirn und die
Vorstellungskraft dieses isolierten Mädchens über Jahre geprägt
hat. Allein die Aussage, sie möchte eine „Stiftung gründen und
Gutes tun“ ist entlarvend. Nicht, dass ich ihr nicht abnehme, dass
sie es nicht ehrlich meint und tatsächlich motiviert ist etwas
positives zu leisten. Aber das ist gar nicht die Frage.
Die entscheidende Frage ist
• Wie verformt werden wir
vom Zeitgeist, wie intensiv hat dieser Zeitgeist unser Denken
geprägt.
• Wie wurde dieser Zeitgeist geprägt von der 68iger
Gutmenschengeneration.
• Wie transportieren die Medien diesen Zeitgeist und wie nehmen
wir diese Botschaft auf.
• Halten wir dieses „gutmenschliche“ Verhalten bereits für eine
zivilisatorische Errungenschaft?
• Ist Natascha Kampusch ein Zeugnis für unsere Verformung
Aus meiner Sicht ist dieses Verhalten unnatürlich, wenn der
Begriff nicht einen missverständlichen Beigeschmack hätte, würde
ich sagen „biologisch“ unnatürlich. Wäre es nicht „natürlicher“,
wenn einem schon 8 Jahre des Lebens gestohlen wurden, dass man
zunächst mal an sich denkt? Daran denkt, dass man noch keine
Ausbildung hat, seine Lebensumstände finanzieren muss, ja auch
daran, entschädigt zu werden für die Jahre des Verlustes und der
Qualen des Eingesperrtseins. Ist unser „egoistisches“
Überlebensverhalten bereits soweit eliminiert und unser
„gesellschaftliches“ Bewusstsein bereits so deformiert, dass wir
es nicht mehr wagen uns zu einem Egoismus, sagen wir ruhig, im
Sinne Ayn Rands, zu bekennen? Oder anders gefragt, ist die via TV
in das Verlies der Kampusch geschwappte Erwartungshaltung an die
Gesellschaft und ihre Wohlfahrtsinstitutionen bereits so prägend,
dass man seinen Überlebensegoismus „begräbt“? Zugunsten einer zu
erwartenden Rundumfürsorge des Staates der eben auch seine Hand
über Natascha halten wird.
Natascha Kampusch ist an dieser Prägung unschuldig. Ja, aber ist
ihr Bewusstsein nicht, und damit beispielhaft für unser aller
Bewusstsein, vergewaltigt worden im Sinne einer unnatürlichen
Zurücknahme unseres Überlebenswillens und des Vertrauens auf die
„Fürsorge“ des Staates? Sind wir schon so weit, dass wir uns
selbst kasteien um des Allgemeinwohls willen? Oder anders: Ist die
„empfundene“ Öffentlichkeitserwartung an unser „positives“ Handeln
so groß, dass, vermeintlich, gar nichts anderes übrig bleibt als
dieser Erwartungshaltung zu entsprechen?
Ich weiß, wenn ich die Worte Aussteuer im Zusammenhang mit einer
jungen Frau verwende, hält man mich für einen konservativen
Trottel, der Frauen verheiratet im Heim und am Herd sehen will.
Nein, dem ist nichts so, aber einer materiellen Aussteuer, (einer
Aussteuer die nicht aus Nachthemden, Tischdecken und
Porzellanvasen besteht,) also eine Rücklage für die Unwägsamkeiten
des Lebens darstellt, sollte doch der erste Gedanke gelten. Egoismus,
das an sich selbst denken und nicht das Kalkül auf die unbekannte
Allgemeinheit, der „garantierten“ Sicherheitsleistung des Staates,
sollte unser Denken bestimmen. Und das Freiheitsgefühl, das einen
freien Menschen trägt, wenn er nicht von den Wohltaten anderer und
der „Gesellschaft“ abhängig sein will , sollte unser
Handeln bestimmen.
Natascha Kampusch ist nichts vorzuwerfen. Aber wir müssen uns
fragen wie groß der Einfluss ist. den die Medien prägenden
Gutmenschen auf uns ausüben. Und ob die Aufgabe unserer Autarkie
und die Unterdrückung unseres gesunden Egoismus und
Überlebenswillen wirklich ein sozialer oder zivilisatorischer
Fortschritt ist. Können und wollen wir uns diesem
prägenden Einfluss entziehen? |
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