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Robin Renitent,  11. Oktober 2006

   

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We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

   
 

Sitzplatz im Bus wichtiger als Kopftuchfrage

Kazan, die Stadt hat 1,1 Mio Einwohner und ist Hauptstadt der Republik Tatarstan. Wir sind hier etliche Tage und wohnen bei der Tante meiner Frau. Zunächst fällt auf, dass das Stadtzentrum einerseits zwar fast vollständig  zerfällt, andererseits aber in größerem Umfang saniert wird. Einige Gebäude sind schon fertig und wundervoll restauriert. Sie künden von einer großen Zeit Kazans. Ich nehme die Bauqualität näher in Augenschein. Top, die können, wenn sie wollen. Die Restaurationsqualität ist hervorragend. Allerdings sind so viele Gebäude fast zerstört, dass Kazan noch einen weiten Weg vor sich hat um zu einer neuen Perle der Baukunst zu werden. Bei der neuen U-Bahn hat das schon mal nicht geklappt, Wolgawasser trieft durch die Decken und der Zerfall kündigt sich schon nach 2 Jahren an. Dabei sieht sie gut aus, vermutlich sind aber die Hälfte der Gelder, weil es eben kein Privatprojekt ist,  auf mafiöse Weise versickert und am Material und der Ausführung wurde gespart. An der neuen Wolgabrücke baut man schon 10 Jahre und hat auch nur eine Fahrspur zur 1000-Jahrfeier fertig bekommen.

 

Privat wird gebaut an allen Ecken und Enden und Einfamilienhäuser und Residenzen entstehen, superluxuriös, und man fragt sich wer das Geld aufbringen soll dort zu wohnen. Für eine Wohnung in so einer Residenz muss man gut eine halbe Million US-Dollar hinlegen, offensichtlich aber gibt es Käufer. Dennoch, Immobilienschilder überall, sollte die Housingbubble selbst in Kazan angekommen sein?

 

Kazan ist das Zentrum des Islam in Russland und natürlich gibt es hier die größte Moschee Russlands,  die Kul-Sharif-Moschee,  sie wurde im Frühjahr 2005 eröffnet. Keiner stört sich daran, dass ich die Moschee von allen Seiten fotografiere, innen hängt ein Schild mit der Bitte, jede Aufnahme zu unterlassen. Kein Problem, das kann man respektieren, ebenso, dass wir Operationshüllen über unsere Schuhe streifen müssen. Die Moschee selbst ist fast menschenleer und wenn man auch nicht in den eigentlichen Gebetsraum darf und von einer Galerie herabschaut, Ruhe für ein kontemplatives Aus wäre schon drin. Das Bauwerk selbst erscheint völlig überdimensioniert, angesichts der Leere, aber der einige Wochen später besichtigte Petersdom ist ja auch nicht gerade klein.

 

Also höre ich mich um, in der Familie meiner Frau, über etwaige Konflikte zwischen Moslems und Russen, bzw. Tataren. Ja, da gab’s einige Hardliner vor einigen Jahren die wollten neue Regeln einführen und haben versucht Einfluss auf den Alltag zu nehmen, aber die Russen und Tataren haben denen eine Abfuhr erteilt. Heute spricht davon kein Mensch mehr und es gibt keine wirklichen Konflikte zwischen der russisch-orthodoxen Bevölkerung und den Moslems. Im Straßenbild sieht man unzählige Mädchen und Frauen in kürzesten Kleidern und schicken Highheels, Kopftücher sehe ich nicht und lediglich die Putzfrau in der Kul-Sharif-Moschee trägt eins. Jedenfalls kleiden sich die Frauen hier eleganter und adretter und nicht so schlampig wie in Berlin, Köln oder Frankfurt.

 

Als ich von unseren Problemen und der ständigen Aggressivität der Moslems in westlichen Ländern erzähle, den zahllosen Versuchen unser Leben umzukrempeln, der mangelnden Integrationsfähigkeit und besonders den Problemen an den Schulen, können es unsere Gastgeber kaum glauben. „Vielleicht liegt es daran“, sagt die Tante meiner Frau, „dass unsere Alltagssorgen immer noch groß sind und man sich sein täglich Brot echt verdienen und um die Kleinigkeiten des Lebens sehr bemühen muss. Es gibt keine staatliche Wohlfahrt und Sozialhilfe, die denen Zucker in den Hintern pustet… “ Und nach weiterer Vertiefung kommen wir zu dem Schluss, das es auch keine Multikultigutmenschen gibt, die für Toleranz gegenüber dem Islam werben und als Wegbereiter einer Scharisierung auftreten. Man ist zunächst Tatar und dann Russe oder eben Russe in Tatarstan, der Überlebenskampf hat Vorrang, man genießt die neuen Freiheiten, erfreut sich an den westlichen Konsumgütern, egal ob man Moslem oder Orthodox ist. Die Kul-Sharif-Moschee bewundern alle, auch die Nichtmuslime erkennen sie als Wahrzeichen, und sie steht ja auch im Kremlareal.

 

Einen Platz im Bus zu bekommen ist allemal wichtiger als sich über Idomeneo den Kopf zu zerbrechen. Wenn  es denn solche Diskussionen hier gäbe, was mir nicht vorstellbar ist. Jedenfalls geht man gern in die Oper, einer Kopie der Berliner Staatsoper und ein absolutes Schmuckstück. Wir schauen uns „Carmen“ an und als alter Opernhaase kann ich nur sagen: „Erste Sahne“. Keine an sowjetische Zeiten erinnernde Inszenierungen, steif und gekünstelt, mit Figuren die einen Krückstock verschluckt hatte. Nein, eine lebendige, farbensprühende Aufführungen, ein reiches Bühnenbild und entzückende Kostüme. Die Diva, von der Kiewer Oper, kennt man im Westen nicht, aber mit wunderschöner Stimme und ausdrucksstarkem Auftreten. Ebenso Jose und die weiteren Darsteller, eigentlich das ganze Ensemble. Ein gelungener Abend, die Eintrittspreise übrigens akzeptabel. Hier kann man seine Kinder noch mitnehmen ohne das Gefühl zu haben völlig geneppt worden zu sein.

 

Über Kazan gäbe es noch einiges zu berichten und wir werden darauf zurückkommen. Wichtig ist: Das tausendjährige Kazan und damit die Republik Tatarstan, mit einem wesentlich höheren moslemischen Bevölkerungsanteil als wir das kennen, hat keine Szenen wie wir sie derzeit in London oder Berlin erleben.

 
   

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Sept., 11th  2001

 

 

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