| |

An dieser Untat ist ganz Deutschland beteiligt?
Kann man Ralph
Giordano widersprechen? Kaum. Man hat seine Bücher gelesen, seine
Stellungnahmen und fast immer war man mit ihm einverstanden und
schätzte seine Aussagen als hilfreich ein. Der Mann ist
Persönlichkeit, Autorität und muss als Mahner ernst genommen
werden.
Nun hat er sich
im
Spiegel geäußert. Zu einem Vorfall der (wieder einmal) „alle“
aufschreckt und ein schlechtes Bild auf Deutschland wirft. Das ist
es, vor allem, wovor wir Angst haben, dass schlechte Bild, die
Wahrnehmung des Auslandes von uns.
Aber so sehr ich
Giordano in seiner Abscheu zustimme so wenig bin ich mit ihm einer
Meinung wenn es um die Schuldzuweisungen geht. Ja, er hat recht:
Hitler ist noch nicht endgültig geschlagen, es scheint gerade so,
als ob es Reanimationsprogramme gibt. Und die kommen übrigens
nicht nur von Baseballschläger schwingenden Dumpfbacken.

Aber er, Giordano,
irrt in seiner Situationsbeschreibung der bundesdeutschen
Nachkriegssituation: Die Worte „Antifaschismus“, „nie wieder“ und
die Schreckgespenste Hitler und „Nationalsozialismus“ wurden uns,
als Schülern, als Heranwachsenden, so oft eingetrichtert, dass wir
sie weit gehend als abstoßend verinnerlicht haben. Damit wurde das
vorgegebene pädagogische Ziel erreicht. Mir jedenfalls ist oft
diese Zeit so nahe, dass ich gelegentlich das Gefühl habe ich
hätte sie selbst durchschritten, die Grausamkeiten selbst erlebt,
die „Erinnerung“ gleicht einem Schwarz-Weiß-Film.
Schließlich wurde,
von den 68igern und ihrer Nachfolgegeneration , so stelle ich
fest, die Fixierung auf diese Worte so zwanghaft, dass eine
inhaltliche Auseinandersetzung schon gar nicht mehr stattfand,
sondern die Reduktion auf Schlagworte reichte um als Programm
gegen alles was „von gestern war“ zu dienen. Gerade die linken,
angeblich progressiven Systemveränderer haben sich dieser
Schlagwortkrücken bedient um ihren Kampf gegen das Establishment
zu begründen und zu führen. Der punktuelle Einsatz, und die
Bereitstellung der finanziellen Mittel gegen den linken Terror mag
optisch beeindruckend gewesen sein, die mentale Schulung und die
Beeinflussung, dass „konservativ gleich rechts und rechts gleich
Nazi“ ist, haben seit 1968 ganze Lehrertausendschaften
undifferenziert weitergeben.
Es mag ja Eltern
geben die ihren Kindern Nazisympathien souffliert haben, aber der
Großteil der Eltern, die heute überwiegend links-liberal sind oder
von Links-Liberalen geprägt worden sind, sind Eltern die sich in
Kinderläden getroffen haben, sich uniform für Birkenstocksandalen,
lila Latzhosen, Sojawürstchen und gegen Grimms Märchen entschieden
haben und nie erkannt haben, dass links gleich rechts ist. Genau
dieser, von diesen Linken initiierte linke Faschismus ist es, der
heute Sprengstoffgürtel tragende Palästinenser zu
Friedenskämpfern hochjubelt und Israel zu einem Nazinachfolgestaat
machen will.
Und wer von Linken
mehr Zivilcourage erwartet, wieso eigentlich, sitz auch nur einer
weiteren Legendenbildung auf, dass „links“ etwa antifaschistisch
sei. Es bleibt also die Frage ob Deutschland damit die Ohrfeige
bekommen hat und nicht viel mehr die Generation der versofteten
Linkspädagogen und amtlich bestallten Therapierer. Zivilcourage
gibt es in Deutschland sowenig oder soviel wie in Texas, Tahiti
oder am Titicacasee.

Nein, das haben nun
alle nicht gewollt, das da so eine Pappe wieder auftaucht,
handgemalt und an das Gestern,überwunden geglaubte, erinnernd.
Diejenigen, die meinten das Filzstifte und Sitzblockaden sie schon
zu Widerstandskämpfern machen würden. Und die doch gleichzeitig
das Heil in einem Ausbau des Staates, seiner allumfassenden
Fürsorgepflicht, einer staatlichen Erziehung, in Beschäftigungs-
und Therapieprogrammen sahen und diese Einstellung an die ihnen
anvertraute junge Generation weitergaben. Diejenigen, die
verhindert haben das junge Menschen autonom zu entscheiden lernen
und die Konsequenzen ihrer Handlungsweise selbst schmerzhaft
erleben. Abgefedert, weich umgarnt, mit immer neuen Programmen
beschäftigt und das Wort „autonom“ nicht im Zusammenhang mit
Verantwortung lernend, sondern als Synonym für das Steinwerfen und
Zerkloppen.
Wer Erlebnistouren
nach Auschwitz anbietet und stereotype Pflichtprogramme nach dem
Curriculum abhakt und für ausreichend hält, ist von einer Gefühls- und
Empfindungserziehung so weit entfernt wie Claudia Roth von den
Menschenrechten.
Es ist, da gebe ich
Giordano recht, nicht die Untat von Jugendlichen. Aber es ist auch
nicht die Untat Deutschlands. Es wird sich wiederholen.
Es ist das Versagen
einer Generation die glaubte alles besser zu wissen und kläglich
gescheitert ist. |
|