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Der Angriff auf die Mittelklasse
1949, ich
werde geboren. Meine Großeltern väterlicherseits ausgebombt, meine
Großeltern mütterlicherseits, ohnehin arm und Großvater wird von
den Kommunisten in ein Bergwerk gesteckt. Meine Eltern starten mit
nichts. Vater Student, Mutter Säuglingsschwester. Wirtschaftsgeld
pro Woche erst 6 Mark, später 9 Mark. Manchmal sammelt Vater
Brennnesseln für einen Salat. 90 Prozent aller Deutschen gehören
zur „Unterschicht“, einigen wenigen geht’s besser, Dr. Oetker zum
Beispiel, Cleverle hatte mehr als die 40.-Mark Startgeld.
Ludwig Ehrhardt
kommt, der Mann hat Verstand und die Eingriffe des Staates in den
Gestaltungswillen des Einzelnen beim Aufbau (s-) einer Existenz
sind noch überschaubar.
Uns geht’s auch
etwas besser, vom Erstgehalt meines Vaters an wird ein
Bausparvertrag abgeschlossen. Der Spargedanke hat noch was, auch
pädagogisch, ich wachse mit ihm auf und lerne warum Hamster
überleben.
Die Farben der
Regierungen wechseln, es tritt eine (meine) Generation von
Besserwissern an. Sekundärtugenden werden gekippt, Großeltern
unisono zu Nazis erklärt und in Erklärungszwänge gebracht. Eltern
zu Idioten erklärt. Den Staat bekämpft man als repressiv,
gleichzeitig hält man die Hand auf.
Das Bewusstsein
wird verändert, manipuliert, die Eltern- und Aufbaugeneration
traut sich nichts zu sagen, ist mit sich und der Existenzsicherung
noch rundum beschäftigt und muss/will außerdem die
Ausbildungserwartung der Kinder befriedigen. Die ist inzwischen
gestiegen, schließlich soll auch ein Müllkutscher Abi haben.
Die Migranten
kommen, ackern mit und sind gern gesehene "Kanaken", solange sie die
Klappe halten. Noch einen Zeitschritt weiter und alle haben raus
wie man das System schröpfen kann. Ali’s Söhne haben das
inzwischen auch gelernt. Die, durch die Instanzen marschierten
Veränderer, verändern nochmal die Erwartungshaltung und erkennen,
wenn sie auch sonst wenig erkannt haben, wie sehr sie sich ihre
Zukunft sichern können, indem sie durch Zuwendungen und
Alimentationen neue Wählerschichten erschließen. Die Hand
aufzuhalten wird nun schon im Kindergarten erlernt und das Wissen
um die Technik nicht, wie in den Generationen davor, als Ausdruck
kindliches Verhaltens wieder abgelegt, sondern praktischerweise
beibehalten.
Wenn es nicht genug
Gruppen gibt, die man alimentieren kann, schafft sich die
herrschende Enteignerklasse, also die temporär Regierenden, eine
neue Gruppe. Genug Wegbereiter haben sie inzwischen, Lehrer,
Hochschulangehörige, Therapeuten, Soziologen untersuchen ja alles
ganz genau und helfen die Richtung der Machtabsicherung
beizubehalten.
25 Jahre zurück
finden dann auch solche, aus Steuermitteln bezahlten, Untersucher
ein neues Wort, das sie, wie viele andere, zur
Zustandsbeschreibung verwenden können: Prekariat. So kommt eines
zum anderen: ein akademisches Proletariat, das untersucht,
untersucht und untersucht und das Prekariat, also infantilisierte
Handaufhalter, die seit den Kindergartentagen nicht gelernt haben
autonom zu entscheiden und sich für ihr Schicksal zunächst selbst
verantwortlich zu fühlen. Ja klar doch, der Weg in die
Unterschicht ist kürzer als der Weg in den Reichtum. Und solange
dieser erste Weg immer neu geteert wird ist es bequemer auf ihm zu
laufen, als auf dem steinigen Weg der individuellen Mühsal.
Viel Hoffnung habe
ich nicht, dass sich etwas ändern wird. Solange Kapitalismus madig
gemacht wird und niemand erkennen will, dass nur er die Mittel
erwirtschaften kann die anschließend von seinen Schmähern verteilt
werden, gibt es auch keinen Grund sich anzustrengen und ein
kapitale Unabhängigkeit zu erstreben. Weder in der Politik, noch
in der Lehre sind wirklich Interessierte, die bereit sind einen
anderen Gedankenansatz zu entwickeln. Das Laborieren mit der
157igsten Variante des Sozialismus ist allemal bequemer. Außerdem
sichert er den eigenen Drehstuhl.
Und so sieht sie
denn aus, unsere Unterschicht, Pardon unser Prekariat:
Infantilisiert, mit Unterschichtenmüll medial unterhalten und
abgelenkt von den Möglichkeiten eines selbstbestimmten Daseins.
Alimentiert, auch dort wo die eigene Dussligkeit der Vater des
Zustandes ist, denken wir an die „allein erziehende“ (welch
anmaßendes Wort) Mutter mit ihren 5 Kinder - von 5 Vätern.
Oder überschult, fünffach umgeschult und nach
44 Semestern schließlich
bei der Altenpflege das Kreuz verbogen und vorzeitig in die Rente
verabschiedet. Politikwissenschaftler als Bleistiftverkäufer,
Therapeuten, die alles, nur nicht sich selbst, therapieren können. Und
motivationslose Baseballkeulenschwinger, die sich selbst so
ankotzen, dass sie auch alles rundum zu kotzen finden.
Schuld ist niemand,
natürlich nicht. Nicht Herr Müntefering und nicht
Herr Lafontaine,
nicht die Trittins, und Ulla Schmidts, Engelen-Käfers nicht und
auch nicht Petra Pau. Niemand. Schuld ist jeder, der Versprechen
glaubt, in diesem Glauben verharrt, derweil er schon hätte etwas
machen können, ohne sich deswegen gleich dafür entschuldigen zu
müssen ein Macher zu sein.
Weiter so. Was sind
8 Prozent Unterschicht. Warten wir doch ab, bis es 16 Prozent sind
oder 24 Prozent. Bis dahin haben wir noch genügend Zeit einige
neue schlaue, zustandsbeschreibende und wissenschaftlich klingende
Vokabeln zu finden, Vokabeln die aus der Unterschicht auch keiner
versteht (verstehen soll). Bauen wir den Staat noch mehr aus und
bringen noch mehr Menschen in die Abhängigkeit.
Und drucken wir
noch etwas mehr Papiergeld, mit dem wir uns, die herrschende
politische Klasse bezahlen können. Das dieses weitere Gelddrucken
ein unverschämter Angriff auch auf die letzten
Mittelstandsersparnisse ist wissen wir, aber wir ignorieren es.
Denn unsere Fleischtöpfe sind sicher. NOCH!
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Da kam eine Email.
Der Schreiber meinte "ich hätte kein Recht mich so zu äußern und
ich wäre schon ins gemachte Bett geboren usw." Nur zum besseren
Verständnis: Mein Vater lehnte es ab uns alles zum finanzieren:
O-Ton: "Ein geschenktes Auto zerfährt man leichter. Spar die
selbst eins zusammen dann achtest Du es..." So war das auch
mit anderen Dingen. Wenn ich auch nicht immer mit ihm einer
Meinung war, in diesem Falle halte ich es genauso (fast) mit
meinen Kindern. Es ist der pädagogisch richtige Ansatz. Die
schwarz-rot-grünen Knalltüten haben das leider nie verstanden.
Deshalb müssen sie jetzt nach Worten und Schuldigen suchen, die
sie für das "Unterschichtenproblem" verantwortlich machen können. |
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