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Der 9. April ....
nur noch 266 Tage bis zum Jahresende. Das ist die schlechte Nachricht. Die Zeit läuft mir zu schnell – viel zu schnell. War nicht eben noch Weihenachten, Sylvester, Neujahr? Der Schnee ist weg, der April tröpfelt vor sich hin, aber die Zeit rennt. Nein ich bin nicht angetan, ich möchte sie
aufhalten, die Zeit, mich ihr entgegenstemmen wie einer Kugel die bergab rollt. Sisyphus lässt grüßen. Meine Kinder sind aufgeregt, wenn sie Geburtstag haben. Sie fiebern diesem Tag entgegen. Ich? Ich nicht. Nicht mehr. Natürlich freue ich mich über jeden neuen Tag den ich erlebe.Ja, sogar über diesen. Und ich freue mich auf die Gästen und
das Drumherum. Aber begeistert? Nee, begeistert, unbeschwert begeistert bin ich nicht. Unbeschwert. Das war das Wort. Wer kann heute noch unbeschwert sein, sich der Leichtigkeit des Seins hingeben? Gewalt, Arbeitslosigkeit, HIV, Islamisierung, Etatismus, Freiheitsfeinde aller Orten, man kann das fortsetzen. Und ich erinnere mich der Worte
meiner Oma, die 1933 zu ihrer Tochter, meiner Mutter, gesagt haben soll: „Setzt bloß keine Kinder in die Welt. Es sind schlechte Zeiten…“ Waren die Zeiten nicht immer schlecht – zum Fürchten? Waren sie, waren sie, doch sollen wir deshalb aufs Leben verzichten? Sollen wir depressiv und ergeben durchs Leben gehen? Nicht mit mir. Sicher, ich
glaube nicht mehr daran, daß Menschen lernfähig sind. Und natürlich kann man Erfahrungen nicht vererben. Also fängt alles wieder von vorne an. Die Jungen machen Erfahrungen und rennen sich die Birne ein. Die Alten sterben und nehmen ihre Erfahrungen mit. Die Dummen bleiben dumm und die Schlauen versuchen schlauer zu werden.
Kann man Erfahrungen vererben? Wahrscheinlich nicht. Aber Wissen. Deshalb lohnt ein Blick zurück. Der 9. April was war da noch? Zig Namen von Leuten die man kennt und die man nicht kennt, Ereignisse wie an jedem anderen Tag eines Jahres. Aber heute ist mein Tag uns so schaue ich sie mir an, die Daten. Welche von den vielen bedeuten mir was?
Wo sehe ich eine Verbindung zu mir? Schauen wir sie uns an:

1848: Helene Lange, deutsche Pädagogin und Frauenrechtlerin. Helene Lange unterrichtete als Lehrerin in Berlin. Sie setzte sich für gleiche Bildungs- und Berufschancen für Frauen ein und gilt als eine der
wichtigsten Vertreterinnen des gemäßigten Flügels der frühen deutschen Frauenbewegung. Die Frau, ich habe etliches über sie gelesen, gefällt mir. In dieser Zeit, sich so zu behaupten. Toll, wenn ich da heute einige Feministinnen sehe...gar kein Vergleich...
1865: Die Virgina-Armee der Südstaaten (Konföderation) unter Robert E. Lee kapituliert bei Appomatox Court House vor der Unionsarmee unter Ulysses S. Grant und beendet damit den Amerikanischen Bürgerkrieg.
Gut, das hat den Rassismus zwar nicht beendet aber doch geholfen liberale Vorstellungen auch in den Süden zu bringen. Dennoch, eine gewisse Sympathie für die Konföderierten habe ich, das Sezessionistische vielleicht, das bewahren von Unabhängigkeit. Heute dekorieren meine Nachbarn ihr Haus
mit der Kreuzflagge. Nicht weil sie die Farbigen unterdrücken wollen, weil sie Abstand zu Washington demonstrieren.
1865: Louis Pasteur teilt seine Entdeckung mit, dass Krankheiten durch Mikroorganismen ausgelöst werden können. Erhitzen töte die Keime. Ich bin
überzeugt, daß dies eine der segensreichsten Erfindungen überhaupt war. Ich erinnere mich deutlich, daß es eines Tages, ich war noch Kind, aufhörte, daß meine Mutter die Milch abkochen musste. Noch heute kochen wir die Milch ab, jedes Jahr, wenn wir in Russland sind. Der Pasteurisierungsstandard ist dort offensichtlich noch nicht auf
westlichem Niveau.
1926: Hugh Hefner, Herausgeber des Playboy-Magazins. Steht für mich für Geschäftstüchtigkeit und für eine unverkrampfte Sicht auf das weibliche Geschlecht.
Außerdem finde ich ihn gut, weil er ein Gegengewicht gegen amerikanische Prüderie etablierte. Hefner gehört zu Amerika wie Coca Cola und MacDonald. Gemessen an dem was heute Standard ist bleibt der Playboy ein sehr anständiges Blatt.
1940: Deutschland besetzt Dänemark und überfällt Norwegen um sich die Lieferung der schwedischen Erzvorräte über den norwegischen Hafen Narvik zu sichern. Es kommt dabei den Engländern, die gleiche Interessen haben, nur um Stunden
zuvor. Ich liebe Dänemark und habe zwei meiner Kinder dort und zwei Enkelkinder. Das man mich nie auch nur eine Sekunde irgendwelche Ressentiments hat spüren lassen und ich immer willkommen war werde ich nie vergessen. Auch gilt meine ganze Sympathie Dänemark im Karikaturenstreit.

1945: Dietrich Bonhoeffer, deutscher evangelisch-lutherischer Theologe. Sein früher Kampf gegen den Nationalsozialismus und sein Erkennen des unheilvollen
Weges, seine Parteinahme für die Juden und sein Einfluss auch auf nichtreligiöse Menschen kann jedem Menschen nur ein Vorbild sein. Selbst in den Tod ging er, nackt und aufrecht. An ihm sollten sich heute, in einem aufkommenden neuen Faschismus, diesmal islamischer Prägung und Intoleranz besonders junge Menschen orientieren.
1949: Robin Renitent geboren. War ein Samstag, 21 Uhr. meine Mutter hatte kurze kräftige Wehen. Eine Woche später war es so warm. daß sie mit mir ohne Jäckchen spazieren gehen
konnte. Cheers. Heute ist es 57 Jahre später...
1966: Der Vatikan gibt die Abschaffung des Index bekannt. Dieser listete Bücher, die Katholiken nicht lesen durften. Na endlich. Spät, fast zu spät. Wie kann man lesen und darüber nachdenken verbieten? Die katholische
Kirche ist auch heute noch ein Beispiel extremer Intolaranz. Wie können wir über Menschen urteilen, die sich dem Koran unterwerfen, wenn wir nicht sehen, das auch Katholiken von Dogmen in ihrem Denken und Handeln gesteuert werden.
1982: Robert Havemann, deutscher Chemiker und DDR-Regimekritiker. Nicht das ich auch nur einen Funken Sympathie für Kommunisten hätte. Und Havemann war
Kommunist. Aber er war gegen die Nazis und er war ein Kritiker des Unrechtssystems DDR und bereit jederzeit Nachteile in Kauf zu nehmen. In seiner Haltung ein Vorbild auch heute noch und ein unvergessener Stachel im Leib einer Menschen verachtenden Diktatur.
1989: In der georgischen Hauptstadt Tiflis versammeln sich Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude und fordern den Austritt Georgiens aus der UdSSR. Die sowjetischen Streitkräfte lösen die Kundgebung mit äußerster Brutalität auf.
16 Menschen werden erschlagen oder durch das eingesetzte Giftgas getötet. Mehr als 100 Menschen werden teils lebensgefährlich verletzt. Ein Beispiel, daß man der den Machthabern der UDSSR nie und zu keinem Zeitpunkt trauen konnte. Aber auch den Nachfolgern in Russland, kann man nicht
eine Sekunde trauen. Das was Demokratie ausmacht und den Respekt vor anders Denkenden wissen auch die jetzigen Kremlherren nicht. Da kann Exkanzler Schröder seinen Freund Putin noch so oft loben.
2003: Einmarsch der von den USA geführten Truppen in Bagdad, Irak. Well, das hat auch die Menschen in den westlichen Ländern entzweit. Mag sein, daß die Abwicklung der
Vorbereitung, das Hin- und Her der Begründungen nicht immer korrekt und ganz ehrlich war. An der Tatsache, daß dort ein brutaler Diktator mehrere hunderttausend Menschen auf dem Gewissen hat kann man nicht vorbei. Man hat die Amis kritisiert, daß sie trotz der Luftaufnahmen von Ausschwitz nicht früher Hitler in den Arm gefallen sind. Wie
lange hätten sie Saddam gewähren lassen sollen?
2005: Als erster afrikanischer Staat beendet Benin in einer öffentlichen Zeremonie offiziell das Zeitalter der weiblichen Genitalverstümmelung. Es bleibt unfassbar das
solch Brauch bis ins 21. Jahrhundert praktiziert wird. Noch unfassbarer ist, daß es noch in zig weiteren Staaten praktiziert wird. Höchste Zeit, dass man diesen Hinterwäldlern in den Arm fällt und sie zwingt dem Beispiel Benins zu folgen. Um der Frauen willen. Denen, die unseren Schwestern, Frauen und Töchtern gleich.
Wünsche für die Zukunft?
Weniger Dummköpfe, Gutmenschen, Etatisten, Freiheitsfeinde.
Meinen Kindern eine lebenswerte, eigenverantwortliche, selbstbestimmte, freiheitliche Zukunft!
Photos: © 2006 rebellog/Robin Renitent - Ich in der Waschschüssel 1950. Ich in meinem Kaufmannsladen 1955. Mein Vater und ich 1955. |
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