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Heinz Gess,  10. April 2006

   

mail 

We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

   
 

Der mit den Wölfen heult.

Über die deutsche Kumpanei mit dem Islamismus. Teil 1

Es hat lange gedauert, aber nun endlich hat sich auch Helmut Schmidt, das Plapperorgan der deutschen Ideologie, zusammen mit den ehemaligen sozialistischen Regierungschefs Fraser, Miyazawa, Carlson, Majali, in seiner Hauszeitung zum "Karikaturenstreit" und seinen Folgen geäußert und, wie zu erwarten stand, der dänischen Zeitung und der dänischen Regierung, nicht aber den fanatischen muslimischen Demagogen, die den Mob mit Lug und Trug aufhetzten, "Verantwortungslosigkeit" bescheinigt. Kaum ein Artikel der letzten Zeit gibt den Geist der geistlosen Zustände in Deutschland, das Elend der geistigen Verhältnisse, so trefflich wieder wie dieser Artikel. Deshalb halte ich eine Stellungnahme zu diesem Artikel für geboten. Ich gehe dabei so vor, das in einem ersten die wichtigsten Feststellungen oder "Argumente" Schmidts, die kaum so zu nennen sind, weil der Artikel nirgendwo kritisch prüft und argumentiert, sondern unablässig Setzungen vornimmt, im Einzelnen diskutiere. In einem zweiten Teil, den ich "Religion, Verantwortung und Emanzipation" nenne und als gesonderten Aufsatz im Kritiknetz veröffentliche, werde ich dann allgemeine Erwägungen zu Verantwortung, Verantwortungslosigkeit und die Auffassung des deutschen Mainstreams darüber anstellen.

Gliederung:
1. Bilderverbot
2. Demagogie und antisemitische Hetze in den Medien der "arabischen" und "islamischen Nation". Mangelndes Verständnis für die Prinzipien der liberalen Demokratie bei Schmidt
3. Verkehrung von Verantwortung und Verantwortungslosigkeit
4. Der barmherzige Mohammed

Was tut ein deutscher Ideologe nicht alles, wenn es darum geht, den Bruder im Geiste, in dem er sich wieder erkennt und mit dem er das imperiale Bündnis schmieden will, zu rechtfertigen? Für diesen Zweck ist ihm offensichtlich kein Klischee und keine Verkehrung und Verschiebung zu dumm. "Du bist Deutschland."


1. Bilderverbot
Schmidt wendet gegen die Veröffentlichung der zwölf Karikaturen des Propheten (auf einer trägt er eine Bombe als Turban) ein, dass es einen weit verbreiteten Konsens unter Muslimen gebe, den Propheten niemals abzubilden. Dieser Konsens müsse von verantwortungsvoll Handelnden respektiert werden. Alles andere arbeite der „verhängnisvollen Entwicklung“ der „Krise der Verantwortung“ zu. Richtig an diesem Argument ist nur die Feststellung, dass es diesen weit verbreiteten Konsens gibt. Alles andere und vor allem die Schlussfolgerung, die Schmidt daraus zieht, ist aus mehreren Gründen falsch:
1. Nur weil etwas „weit verbreiteter Konsens“ ist, muss es noch längst nicht wahr oder moralisch richtig ist. Weit verbreiteter Konsens ist heute in der islamischen Welt auch, dass Frauen und Juden mindere Wesen sind, die Aufgabe der Frau darin bestehe, den Herren der Schöpfung zu dienen, jedes Wort der Schrift unmittelbares Wort Gottes sei, deshalb jedwede historische Korankritik unzulässig und der Übertritt vom moslemischen Glauben in eine

1 s „Die Zeit“, Nr. 13, 23. 03.2006, S.12

mindere, unwahre Religion ein schweres Vergehen sei, dass mit dem Tode bestraft werden müsse. Faktisch wahr und moralisch richtig sind diese Setzungen deshalb aber noch lange nicht. Während Schmidt positivistisch dafür plädiert, das Faktum des Konsenses zu akzeptieren, aus keinem anderen Grund als dem, dass das Faktum eben ein Faktum sei, bestünde umgekehrt die Aufgabe jedes Menschen, der sich an den Leitideen der Wahrheit und Gerechtigkeit orientiert, darin, diesen Konsens in Frage zu stellen. Moralisch richtig im Sinne einer universalistischen wäre es, die Unmoral der bestehenden „Moral“ zu bekämpfen, nicht aber sei, weil sie nun einmal, so wie sie ist, hinzunehmen und zu verstärken. Weit verbreiteter Konsens war es im christlichen Abendland auch einmal, dass die Erde eine Scheibe ist, später dass sich die Sonne und alle Gestirne des Alls um die Erde als seinem Zentrum drehe und Gott den Menschen unmittelbar aus einer Handvoll Lehm geschaffen hat.


Doch wahr war das alles nicht, und es war eine ungeheure „Kränkung“ für das „religiöse Gefühl“, dass all das nicht wahr sein sollte. Ginge es nach den Kriterien der Schmidtschen Sklavenmoral, hätten damals alle diejenigen verantwortungslos gehandelt, die das seinerzeitige „religiöse Gefühl“ nicht beachteten und den geltenden Konsens verletzten, verantwortungsvoll hingegen hätten die Hohenpriester gehandelt, die am damals weit verbreiteten Konsens nicht rütteln lassen wollten. Geht es nach der Moral der Karikaturisten von Jylland Posten, zeigen diese Vorgänge nur, dass „religiöse Gefühle“ mit Kognitionen verknüpft sind, die falsch sein können, religiöse Gefühl deshalb nicht sakrosankt sind und ihre Kränkung in Kauf genommen werden muss, wenn die Überzeugungen, die mit dem Gefühlverbunden sind, sich als falsch und unrichtig erweisen.


2. Die unter islamischen Imanen herrschende Meinung, dass der Prophet niemals abgebildet werden darf, ist im Islam selbst aus guten Gründen sehr umstritten. Das Bilderverbot kommt aus dem Judentum und besagt, dass man sich von Gott kein Bild machen darf, weil Gott der schlechthin mit menschlichen Begriffen nicht Fassbare, Unerkennbare, nicht Definierbare und in diesem Sinne Ferne ist. Die Kluft zwischen dem Menschen und Gott gilt im Judentum und Islam als unüberbrückbar, und jeder Versuch, die Kluft mit Begriffen und Bildern zu überbrücken, gilt als Versuch, Macht über Gott zu gewinnen, sich ihm ebenbürtig zu machen, als unakzeptable Vergöttlichung des Menschen und Rückfall in die überwundene Magie der Naturreligionen. Nun war aber der Prophet bekanntlich nicht Gott, sondern ein arabischstämmiger Scheich, der Bekehrungskriege führte, in diesen Kriegen sehr viele Menschen ermorden ließ, unter anderen die in Medina ansässigen jüdischen Stämme ausrottete, die sich nicht bekehren ließen und nicht unterwarfen. Mohammed gilt im Islam auch nicht wie Jesus Christus als Mensch gewordener Sohn Gottes, der gleich ursprünglich mit dem Vater ist. Das zu behaupten wäre dort wohl eher eine Gotteslästerung. Wenn er aber nicht Gott ist und auch nicht Gottes Sohn, sondern ein Mensch wie Du und Ich, ein ausgezeichneter Mensch zwar, weil Gott ihn nach islamischem Glauben für die letzte endgültige Offenbarung auserwählt hat, aber doch ein Mensch, der selbst durch die Erwählung nicht gottgleich wird. Ist das aber so, kann das Bilderverbot in Bezug auf Mohammed keine Geltung haben. Vielmehr ist umgekehrt richtig: Jene Imame, die das Bilderverbot auf den Menschen Mohammed ausdehnen, betreiben jene Idolatrie, die sie zu bekämpfen vorgeben. Sie vergotten den Menschen Mohammed, verabsolutieren das Endliche und wollen damit die Kluft zwischen Gott und den Menschen überbrücken, die das Bilderverbot doch gerade als unüberbrückbar zu respektieren anmahnt. Sie machen aus Mohammed einen vergotteten Magier. Dass dergleichen geschieht, das Bilderverbot von jenen, die sich darauf berufen, ins Gegenteil verkehrt wird, indem es dazu benutzt wird, das Endliche (Mohammed) zu verabsolutieren und das Absolute (Allah) umgekehrt dem Endlichen anzunähern, lässt sich erklären. Indem man Mohammed vergottet, wird der Koran selbst, jedes Wort und jede Silbe, unmittelbar zum Wort Gottes umfunktioniert und damit jeder historischen Kritik entzogen. Die Verabsolutierung des Menschen Mohammeds durch Ausdehnung des Bilderverbots auf ihn ist mit anderen Worten Mittel der Verabsolutierung des von Mohammed Aufgeschriebenen. Es wird dadurch zur unbezweifelbaren, absoluten Gewissheit gemacht, zu jenem fanatischen Glauben, der glaubt, indem er vergisst, dass er glaubt. Der so durch Vergottung des Propheten zum absoluten Heil verhärtete Geist wird zum Feind des lebendigen Geistes. Er wird unansprechbar, dogmatisch, zum Toten. Das Tote, das wie ein Alp auf dem Gehirn der Lebenden lastet, gewinnt die Herrschaft über den lebendigen Geist, den es verbieten und zunichte machen will - es sein denn, dieser unterstelle sich von vornherein den toten Gewissheiten und der schlechten Herrschaft, die sie verwaltet, und macht sich zu ihrem Helfer, zur „heiligen Hure Vernunft“, wie bereits Luther es forderte, und verrät sich damit selbst. Wer den freien Dialog will, wie Schmidt es vorgibt, und zwar den Dialog innerhalb der Religionen als auch zwischen ihnen, kann deshalb gar nicht wollen, dass das Bilderverbot von Gott auf seinen menschlichen Propheten ausgedehnt wird, weil dieser damit vergottet und dadurch der freie Dialog, Kritik und Gegenkritik unmöglich werden.


Solange Mohammed dagegen als ein ausgezeichneter Mensch in einer bestimmten Zeit und gesellschaftlichen Phase der Entwicklung mit bestimmten für diese Phase der Entwicklung typischen gesellschaftlichen Problemen gesehen wird, ein Menschen, von dem und von dessen Umgang mit den Problemen seiner Zeit man sich selbstverständlich ein freilich immer für die Korrektur offenes Bild machen darf, solange ist der Dialog möglich. Menschen, auch von Gott ausgezeichnete, können irren. In die Vermittlung des von Gott Offenbarten können, ja müssen, eben weil Mohammed ein Mensch seiner Zeit war, der Menschen seiner Zeit und nicht des einundzwanzigsten Jahrhunderts etwas vermitteln wollte, das ihm nach islamischen Glauben offenbart wurde, Vorstellungen seiner Zeit und Reaktionen auf Probleme seiner Zeit eingegangen sein. Wie anders hätten ihn die Menschen seiner Zeit verstehen können? Dieses aber, das zur Vermittlung des „Offenbarten“ durch den menschlichen Geist Beigebrachte, ist von dem unfassbaren Gehalt der Offenbarung zu unterscheiden. Es wäre außerdem möglich, dass Mohammed bei der Vermittlung der Offenbarung manches vielleicht nicht adäquat in Worte gefasst hat. Denn Irren, auch bei der Vermittlung der angeblich ewigen Wahrheit, ist menschlich. Das eben macht den Dialog möglich und notwendig. Aber selbst wenn wir die unakzeptable Ausdehnung des Bilderverbots auf den Menschen Mohammed hinnehmen würden, wäre das Argument von Schmidt und den anderen vier ehemaligen Regierungschefs falsch. Es unterstellt nämlich, es ginge den Karikaturisten in der Tat darum, ein Bild von der Person Mohamed zu entwerfen. Das aber ist nur ein von interessierter Seite gestreutes Gerücht, um sich unter Berufung auf das Bilderverbot empören zu können, während es in Wirklichkeit um anderes geht, nämlich darum, die öffentliche Diskussion der in den Karikaturen an den Pranger gestellten Sachverhalte, dass unter Berufung auf die Religion mit Massenmorden gedroht und Massenmorde veranstaltet, Frauen massiv unterdrückt werden und Menschen, die das Menschenrecht auf freie Religionsausübung in Anspruch nehmen, mit dem Tode bedroht werden, zu unterdrücken. Es geht den Karikaturen nicht darum, ein Bildnis von Mohamed oder irgendjemand anderen zu entwerfen. Sondern es geht ihnen darum, Sachverhalte, die kritisiert werden sollen, durch bewusste Überzeichnung in aller Schärfe herauszustellen. Die Figur des „Mohammed“ steht in den Karikaturen nur als Chiffre oder Symbol für jenen Islam, der diese skandalöse Realität rechtfertigt. Dass fanatisierte Imame und Demagogen, die selbst keine Kritik an der mörderischen Praxis zulassen wollen, das nicht wahrhaben wollen, sondern durch Verschiebung des Sinnes der Karikaturen, sich die Rechtfertigung für ihren der Unterdrückung dienenden Protest geben wollen, kann ich begreifen. Es ist eine sehr
durchsichtige Rationalisierung, und es ist ihr herrschaftliches Interesse, das sie sich die Sache so zurecht legen lässt. Das ist bedrohlich, aber für den, der die „Pfaffennatur“ (Marx) kennt, nicht weiter verwunderlich. Sehr viel bedrohlicher ist dagegen, dass Schmidt, nahezu die gesamte deutsche Linke und deutsche Presse diese dreiste Rationalisierung ohne jede Prüfung des Wahrheitsgehalts der Karikaturen und ohne jede Prüfung der Richtigkeit des behaupteten Verbots, diese dummdreiste Rationalisierung, die der Unterdrückung der Kritik mitten in Europa dient, übernehmen. Bedrohlich ist das deswegen, weil Schmidt einer jener von sich überzeugten Quälgeister ist, die es immer mit der Macht und den Großkopfeten der Welt halten, und der schon lange das Ziel verfolgt, Kerneuropa im Bündnis mit den islamischen Ländern zum imperialen Gegenspieler der USA zu machen. Würde er die Stärkeverhältnisse anders einschätzen, dann würde er die von ihm gewünschten Verbündeten um Verständnis für die emanzipatorische Errungenschaft der politischen Emanzipation des Staates von der Religion und um Verständnis für die Freiheit der Kritik bitten Da er dies aber gerade nicht tut, sondern mit den anderen Quälgeistern, die es immer mit der Macht halten, im Bunde auf die Redaktion des Jylland Posten einschlägt, können wir umgekehrt daraus entnehmen, wie sein Machtinstinkt die Machtverhältnisse einschätzt und wo er mittlerweile die stärkeren Bataillone sieht. Das Ergebnis seiner Einschätzung ist bedrohlich. Er stimmt mit dieser seiner Einschätzung im übrigen mit einem anderen Quälgeist, nämlich dem für seine fremdenfeindliche und antisemitische Haltung berüchtigten Chef der Nationalen Front Jean-Marie Le Pen völlig überein. Hatte dieser jahrelang Zwangsrepatriierung aller in Frankreich lebenden Einwanderer zu seinem politischen Credo erhoben, so lässt er 13 Monate vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich, zu denen er erneut kandidieren möchte, vernehmen, er könne in der Islamisierung Frankreichs könne er "keine wirkliche Gefahr" erkennen. Offensichtlich sieht auch dieser Quälgeist mittlerweile die stärkeren Bataillone woanders stehen und glaubt - womit er Recht hat – seine autoritären Großraumpläne besser im Bündnis mit dem Islam als ohne ihn oder gegen ihn verwirklichen zu können.


2. Demagogie und antisemitische Hetze in den Medien der „arabischen“ und „islamischen Nation“. Mangelndes Verständnis für die Prinzipien der liberalen Demokratie bei Schmidt
Nachdem Schmidt die Karikaturen ohne jede Begründung zu „Klischees“, und zu „sinnlosen Beleidigungen“, die sie beides nicht sind, erklärt hat, stellt er die Frage: Was wäre denn die westliche Reaktion, wenn Karikaturisten Afrikaner als »kleine schwarze Sambatänzer« oder Juden mit langen Hakennasen abbildeten? Mit dieser Frage will er den Lesern seines Hausblattes weismachen, dass dergleichen in arabischen Medien nicht vorkäme. Das Gegenteil ist freilich der Fall, wie ich in meinem Aufsatz „das gekränkte religiöse Gefühl bereits nachgewiesen und mit reichem Material belegt habe.3 Seit Jahren und nahezu tagtäglich werden in arabischen Medien hasserfüllte Juden-Karikaturen veröffentlicht, auf denen Juden immer lange Hakennasen haben. Es wäre für Helmut Schmidt ein Leichtes gewesen, sich davon zu überzeugen, denn einer seiner Mitautoren ist Abdul Salam Majali, der frühere Präsident Jordaniens, eines jener Länder, in denen die antisemitische Hetzpropaganda permanent erscheint. Aber offensichtlich will Helmut Schmidt von dieser Hetzpropaganda nichts wissen? Denn es ist für ihn und seinesgleichen sehr viel bequemer, nichts zu wissen und sich als Moralapostel aufzuspielen, obwohl man doch nur mit den Wölfen heult.


2 s. „Die Welt“ http://www.welt.de/data/2006/03/24/864184.html
3 s. Heinz Gess, Das verletzte religiöse Gefühl. Religion als Herrschaftsform. Gedanken zum Karikaturenstreit. Im Kritiknetz. http://www.kritiknetz.de/position=artikel&aid=208. Ich dokumentiere darin zahlreiche antisemitische Karikaturen aus arabischen Medien und Fotoaufnahmen von Protestplakaten auf Demonstrationen gegen die dänischen Karikaturen, die belegen, dass es sich bei der Hetzpropaganda gegen die Karikaturen um faschistische Propaganda handelt.

Diese Sätze dürfen nicht so verstanden, als wolle ich damit die arabische und islamische  Hetzpropaganda gegen Juden und das Judentum mit den dänischen Karikaturen gegen schlechte islamische Herrschaftspraktiken gleichsetzen, wie Schmidt es tut, wobei er freilich irreführend unterstellt, es gäbe die antisemitische Hetze in den arabischen Ländern nicht wirklich. Vielmehr möchte ich den qualitativen Unterschied herausstellen. Denn während die dänischen Karikaturen gegen die schlechte islamische Herrschaftspraxis, jene Karikaturen also, die Schmidt „sinnlose Beleidigungen“ schimpft, sich auf nachprüfbare, Sachverhalte beziehen, einen nachprüfbaren Wahrheitsgehalt und mit ihrer Kritik an der schlechten Herrschaftspraxis eine befreiende Wirkung haben, ist das bei der islamischen Hetze gegen Juden und das Judentum ganz und gar nicht der Fall. Hier werden in der Tat nach der Manier
des Nazikampfblattes gegen die Juden, des „Stürmer“, unentwegt nur die alten hasserfüllten antisemitischen Klischees aus den „Protokollen der Weisen von Zion“ bedient und Juden mit langen Hakennasen endlos als raffgierige Weltbeherrscher, aggressive, krieglüsterne Monster, fette Kapitalistenschweine, Kindermörder, Brunnenvergifter, Lügner und Betrüger dargestellt.


Dagegen wäre nun wirklich lautstark zu protestieren. Denn mit dieser immer neu wieder aufgelegten Hetze wird eine Mentalität erzeugt, die Menschen zum Judenmord bereit und zu ihren willigen Helfern macht, wenn sich die Gelegenheit zu einem neuen Auschwitz bietet. Am lautesten sollte dagegen in Deutschland protestiert werden. Wäre das so, es zeigte, dass Deutsche aus ihrer Geschichte gelernt hätten. Denn dieselbe antisemitische Hetze, die in der Gegenwart in den arabischen Massenmedien betrieben wird, wurde Jahre ja Jahrzehnte lang auch in den deutschen Massenmedien betrieben und damit jene Mentalität erzeugt, die den Umschlag der verbalen und karikaturistischen Hetze in die massenmörderische Tat möglich machte. In Deutschland aber schweigt man dazu so laut, dass man das Schweigen bis in die hintersten Winkel der „islamischen Nation“ vernehmen kann und sich dort ermutigt fühlt weiter zu machen. Man schweigt nicht nur, sondern entschuldigt sich sogar für Karikaturen, die diese üble Herrschaftspraxis an den Pranger stellen und unterstützt so aktiv jene Kräfte, die ein zweites Auschwitz ermöglichen. Schmidt schweigt nicht nur, sondern er dreht den Spieß dann sogar um, indem er der dänischen Regierung vorwirft, sie habe mehrere Chancen zum Gespräch verpasst, um das es den fanatischen Imanen nie ging. Er schreibt „Sie (die dänische Regierung) ignorierte die Großdemonstration dänischer Muslime in Kopenhagen; sie weigerte sich, die Botschafter von elf muslimischen Nationen zu empfangen, die um ein Gespräch gebeten hatten; sie hat die Brisanz der Reise führender Muslime nach Kairo, um Hilfe ihrer Glaubengenossen zu erlangen, nicht erkannt.“ Diese Feststellungen gehen an der Sache völlig vorbei. Sie lassen auf der einen Seite ein mangelndes Verständnis für die liberale Demokratie und ihre Grundprinzipien erkennen und verharmlosen auf der anderen Seite völlig, was in Kairo wirklich geschah. Sie verharmlosen die religiösen Demagogen, die statt über Vorurteile und pathische Projektionen aufzuklären, sie noch verstärken und ganz bewusst manipulieren, um den Mob zum Angriff auf freiheitliche Errungenschaften aufhetzen, zu armen, Hilfe suchenden Glaubensbrüdern, die sich einer feindlichen westlichen Übermacht zu erwehren haben, und die dänische Regierung, die nichts anderes getan hat als das freiheitliche Prinzip der Trennung von Kirche und Staat und das der Freiheit der Kritik, die die Freiheit der Religionskritik mit einschließt, einzuhalten, allein wegen ihrer demokratischen Gesinnung zum Bösewicht erklärt. Aus Schmidt spricht der alte deutsche autoritäre Geist, der von der liberalen Demokratie noch nie viel gehalten hat, und sich im Ernstfall immer den Ukas von Oben wünscht. Gerade dem aber hat die dänische Regierung, an die von muslimischer Seite dieses Ansinnen nach dem Ukas von Oben gestellt wurde, sich verweigert, und sie hat recht
daran getan. Nachdem sie sich dem Ansinnen verweigert hatte, sollte sie mit Druck dazu erpresst werden, dem falschen, unakzeptablen Ansinnen nachzugeben. Nachdem auch das bei der Regierung nicht verfing, sie sich auch dann noch nicht für die Veröffentlichung der Karikaturen entschuldigte und immer noch keinen Ukas gegen die Redaktion erließ, wie es die Imame verlangten, folgte die Reise der religiösen Demagogen nach Kairo, die einzig und allein Agitation, Volkverhetzung und Aufstachelung des Mobs zum Ziel hatte. Dieses Ziel wurde nachgewiesenermaßen mit Lug und Trug erreicht. Den Menschen in den ägyptischen Medien wurden Karikaturen und Bilder gezeigt, die nie in Jylland Posten erschienen waren und die auch nicht auf den Islam bezogen waren, sondern aus ganz anderen Kontexten stammten, von den Demagogen nach üblicher Demagogenmanier aber bewusst falsch ausgelegt und auf den Islam bezogen wurden, um den Mob in Rage versetzen zu können. So etwas eine ‚Bitte um Hilfe’ zu nennen, wie Schmidt es tut, ist eine bewusste Irreführung und Verdummung der Leserschaft der Zeit. Der richtige Name dafür wäre Demagogie von der Art der faschistischen Propaganda.


3. Verkehrung von Verantwortung und Verantwortungslosigkeit.
Etwa in der Mitte seines Artikels kommt Schmidt schließlich auf die „allgemeine Erklärung der menschlichen Verantwortlichkeiten“ des „InterAction Council“ zu sprechen, um die es ihm in seinem Artikel hauptsächlich geht, den er ja deshalb auch mit „Krise der Verantwortungslosigkeit“ überschrieben hat. Er schreibt dazu: Ziel der allgemeinen Erklärung ist es, „Freiheit und Verantwortung auszubalancieren. Wenn eine Person, eine Zeitung, ein Geistlicher oder eine Regierung Freiheit zu maximieren oder Religion zu verteidigen sucht, dies aber auf Kosten der anderen tut, wird eine große Zahl von Menschen darunter leiden. Genau dies ist im Karikaturenstreit geschehen.“ Und weiter: „Die Erklärung hat auch den drei Hauptakteuren der Karikaturkrise […] etwas zu sagen. Artikel 14 erklärt, dass die Freiheit der Medien eine besondere Verantwortung für genaue und wahrheitsgemäße Berichterstattung mit sich bringt. Sensationsberichte, welche die menschliche Würde erniedrigen, müssen stets vermieden werden.’ Den Propheten zu erniedrigen dürfte unter dies Definition fallen.“


An dieser Passage ist aber auch alles verkehrt und auf den Kopf gestellt. Dass Sensationsberichte, welche „die menschliche Person oder die Würde erniedrigen“ vermieden
werden müssen, darüber möchte ich mit Helmut Schmidt nicht streiten. In diesem Punkte hat
er Recht. Falsch ist es freilich, die dänischen Karikaturen gegen die schlechte islamische Herrschaftspraxis in vielen Ländern der Erde Sensationsberichte zu nennen, die Menschen, erniedrigen. Falsch ist es ferner, das Verbot der Erniedrigung der menschlichen Person und seiner Würde nur auf die Berichterstattung über religiöse Herrschaftspraxen einzuschränken und die Religion selbst davon auszunehmen. Richtig ist vielmehr, dass alles zu unterlassen ist, was die menschliche Person und ihre Würde erniedrigt, und dass nicht nur Berichterstattungen über die Religionen, sondern auch religiöse oder religiös legitimierte Praktiken selbst die menschliche Person und ihre Würde zutiefst verletzen können. Dass im Namen Allahs und seines Propheten zu Massenmorden an Juden (und Christen) aufgefordert wird und junge Menschen dazu gebracht werden, ihren Leib selbst als Waffe im einer von islamischen Würdeträgern zum „heiligen Krieg erklärten Vernichtungsorgie einzusetzen, ist solche eine tiefe Erniedrigung der menschlichen Person und ihrer Würde, in diesem Fall der Juden und der Selbstmordattentäter, auch wenn diese von ihren religiösen Führern so abgerichtet wurden, dass sie die Erniedrigung als solche nicht mehr wahrnehmen, weil sie sie zu ihrer eigenen Sache gemacht haben. Dagegen und gegen die massenhafte antisemitische Hetze in den arabischen Medien, die die eliminatorische Mentalität der Selbstmordattentäter zu erzeugen helfen, ist zu protestieren, nicht aber gegen die Boten und Kritiker solcher schlechter Zustände. Indem Schmidt aber gerade umgekehrt verfährt, paktiert er mit der üblen, erniedrigenden, die Würde des Menschen mit Füssen tretenden Herrschaftspraxis und verrät mit seiner hochstapelnden Pseudomoral diejenigen, die darunter leiden, und diejenigen, die die unangenehme Wahrheit sagen, zugleich. Die Behauptung, durch die dänischen Karikaturen gegen die schlechten islamischen Herrschaftspraktiken sei vielen Menschen Leid zugefügt worden, ist eine Lüge. Niemandem ist durch die Karikaturen ein Leid zugefügt worden. Keiner wurde in seinem Recht auf freie Religionsausübung behindert und in seinem Recht auf freie Kritik behindert. Diese Freiheit einzuschränken versuchten nur die Imame und sie haben, um das durchzusetzen, bewusst vielen Menschen Leid zugefügt oder billigend in Kauf genommen, dass viele Menschen erniedrigt wurden und ihn Leid zugefügt wurde. Denn bei den Demonstrationen des aufgehetzten Mobs sind mindestens vierzig Menschen getötet und eine noch viel größere Zahl verletzt worden. Von denen, die beschimpf, bespukt, geschlagen und anderweitig erniedrigt wurden, gar nicht zu reden. Davon, von dem wirklichen Leid und seinen wirklichen Verursachern schweigt Helmut Schmidt. Er ist ein Meister der Verdrehung aus Deutschland. Was tatsächlich zu kritisieren wäre, erleben wir, während dieser Aufsatz geschrieben, wieder neu. In Afghanistan wird Herr Rahmann, weil er vor vielen Jahren zum Christentum übergetreten ist, mit der Todesstrafe bedroht, weil der Übertritt nach islamischem Recht als Hochverrat an der einzig wahren Religion gilt. Kaum erheben sich die ersten zaghaften Proteste konservativer Politiker aus dem Westen, darunter auch Frau Merkel, und schon empören sich die dortigen Imame und ihre willigen Helfer bereits wieder gegen den „westlichen Protest“. Wieder einmal erklären sie ihr “religiöses Gefühl“ für tief „gekränkt“, weil sie ihren totalitären Herrschaftsanspruch, der jede Individualität und jedes Recht auf Nicht-Identität mit der herrschenden Meinung und Religion negiert, in Frage gestellt fühlen und nennen den so zaghaften, so bescheidenen „Protest“ der wenigen Politiker im Westen, die doch nur einmal anfragen wollen, ob es nicht doch auch anders gehe, eine Einmischung in die „inneren Angelegenheiten Afghanistans“ und das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“, als seien sie „Afghanistan“ und als habe ihr totalitärer Herrschaftsanspruch irgendetwas mit Selbstbestimmung zu tun und als sei er nicht umgekehrt die völlige Pervertierung jedes vernünftigen Begriffs von Selbstbestimmung, der einmal die freie kommunistische Assoziation meinte. Sie bekunden damit vor aller Welt wie schon so oft, dass „Selbstbestimmung der Völker“, „Völkerrecht“ und „kulturelle Identität“ für sie nichts anderes meint, als das Recht der Herrschenden zu definieren, was „afghanisch“, „islamisch“, „arabisch“, „palästinensisch“ und „moralisch“ ist, wer zur „moralischen Gemeinschaft“ dazu gehört und wer nicht und darum liquidiert werden muss. Zu Letzteren gehört immer „der Jude“, der sich politisch emanzipiert und auf Gleichberechtigung pocht und die Frau, die dasselbe Recht für sich in Anspruch nimmt wie die muslimischen Herren es für sich tun.Sie werden in islamischen Medien dementsprechend behandelt. Hohn und Spott wird über sie ausgegossen. Derselbe Geist stand hinter dem Ansinnen der Imame, der Staat Dänemark müsse sich offiziell von den Karikaturen in der Zeitung Jylland Posten distanzieren und für sie entschuldigen. Er duldet schlichtweg die Trennung von Staat und Religion und das Recht der freien Religionsausübung nicht. Weil er diese Trennung und dieses Recht nicht wirklich duldet, versuchten die Imame die dänischen Politiker durch die Aufhetzung des Mobs in Angst und Schrecken zu versetzen und dazu zu pressen, sich ihrem Ansinnen doch noch zufügen. Es ist ein Jammer, dass ihnen das sogar mit Hilfe westlicher Staatsmänner und´Journalisten mit einer Dhimmi-Moral halbwegs gelang und damit Helmut Schmidt mit seiner Einschätzung der Kräfteverhältnisse Recht behält.

4. Der barmherzige Mohammed
Zum Schluss seines Artikels kriecht Helmut Schmidt der Macht geradezu zu Kreuz. Er schreibt: Wir „müssen die Glaubensgrundlage der großen Religionen verstehen. Viele wären erstaunt zu hören, dass der Prophet ein barmherziger Mann war, der sich für eine bessere Behandlung von Frauen zu seiner Zeit in seinem Land eingesetzt hat. Also das genaue Gegenteil vom heutigen Islamklischee.“ Si tacuisset! Dann könnte man wenigstens noch der Beteuerung Schmidts, er sei gegen Klischees, Glauben schenken. So aber ist selbst das nicht einmal mehr möglich. Denn was ist das, was er tut, anderes als der Ersatz des eines durch ein anderes, devotes Klischee vom Propheten, das den Herren Agitatoren gewiss gut gefällt. Gegen dieses Bildnis werden sie gewiss keine Einwände haben und keine Demonstration veranstalten. Außerdem hätte es mir erspart, mich auch noch zu Mohammed äußern zu müssen. Denn ob Mohammed nun so oder anders war, ist mir wirklich gleichgültig. Ich rechne das auch nicht zu den Glaubensgrundlagen des Islam. Aber wenn man schon gegen Klischee und Bildnisse wettert, dann sollte man wenigstens nicht selbst Klischees produzieren, und auch noch so beschämend devote und falsche dazu. Mohammed ein "barmherziger Mann“, der Frauen gut behandelte? Nach meinen Kenntnissen ehelichte Mohammed ein neunjähriges Kind, das ihm im Alter von sieben Jahren versprochen wurde. Das war damals erlaubt, aber besonders barmherzig gegenüber dem jungen Mädchen und einfühlsam in die Würde des Menschen wohl nicht. Im Übrigen tat Mohammed gerade das, was nach Schmidt, worin ich ihm zustimme, Religionsführer niemals tun sollten: Er stiftete nämlich unablässig Glaubenskriege an und legitimierte sie. Mit jenen, die sich nicht bekehren ließen, sich auch nicht unterwarfen und zu Dhimmis machen ließen, machte er durchweg „kurzen Prozess“. So auch mit den Judenstämmen in Medina, die beim Judentum blieben und sich nicht unterwarfen. Sie wurden ausgerottet. Ob „Barmherzigkeit“ dafür die richtige Beschreibung ist? Aber was tut ein deutscher Ideologe nicht alles, wenn es darum geht, den Bruder im Geiste, in dem er sich wieder erkennt und mit dem er das imperiale Bündnis schmieden will, zu rechtfertigen? Für diesen Zweck ist ihm offensichtlich kein Klischee und keine Verkehrung und Verschiebung zu dumm. „Du bist Deutschland.“


Anlage: „Die Zeit“, Nr. 13. 23. März 2006, S. 12
»Krise der Verantwortungslosigkeit«
Fünf ehemalige Regierungschefs äußern sich zum Karikaturenstreit
© dpa; Montage: ZEIT online


Der jüngste Karikaturenstreit, bei dem weltweit 48 Menschen während Protesten gegen die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Muhammad in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten umkamen, zeigt überdeutlich, dass die Welt unter einer Krise der Verantwortungslosigkeit leidet. Die Zeitung löste die verhängnisvolle Entwicklung im September 2005 aus, als sie zwölf Karikaturen des Propheten (auf einer trägt er eine Bombe als Turban) veröffentlichte, trotz des weit verbreiteten Konsenses unter Muslimen, dass der Prophet niemals abgebildet werden soll. Solche Klischees sind sinnlose Beleidigungen. Was wäre denn die westliche Reaktion, wenn Karikaturisten Afrikaner als »kleine schwarze Sambatänzer« oder Juden mit langen Hakennasen abbildeten? Die dänische Regierung hat mehrere Chancen zum Dialog verpasst: Sie ignorierte die Großdemonstration dänischer Muslime in Kopenhagen; sie weigerte sich, die Botschafter von elf muslimischen Nationen zu empfangen, die um ein Gespräch gebeten hatten; sie hat die Brisanz der Reise führender Muslime nach Kairo, um Hilfe ihrer Glaubensgenossen zu erlangen, nicht erkannt. Richtig ist, dass die Karikaturen für radikale Islamistenorganisationen und einzelne Regierungen eine willkommene Bestätigung ihres Zerrbildes vom gewalttätigen und unmoralischen Westen darstellen. Wie die Folterbilder von Abu Ghraib, wo Menschenrechte und Schamgefühl der Muslime bewusst verletzt wurden, können sie genutzt werden, um den Volkszorn zu instrumentalisieren. Die tragische Entwicklung dieser Affäre zeigt, dass es vielen Medien, religiösen Führern und Politikern an Verständnis und Verantwortlichkeit fehlt. 1997 hat der InterAction Council ein Treffen von Denkern aller Glaubensrichtungen und Weltanschauungen, von Gelehrten und politischen Entscheidungsträgern einberufen, um das Verhältnis zwischen Freiheit und Verantwortlichkeit – Epizentrum des Karikaturenstreits – zu erörtern. Das Resultat war der Vorschlag einer »Allgemeinen Erklärung der menschlichen Verantwortlichkeiten«, die der Council als begleitende Charta zur Unterstützung der berühmten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 ansieht. Ihr Ziel ist es, Freiheit und Verantwortung auszubalancieren. Wenn eine Person, eine Zeitung, ein Geistlicher oder eine Regierung Freiheit zu maximieren oder Religion zu verteidigen sucht, dies aber auf Kosten von anderen tut, wird eine große Zahl von Menschen darunter leiden. Genau dies ist im Karikaturenstreit geschehen. Die Erklärung hat auch den drei Hauptakteuren der Karikaturkrise – Medien, Religionsführern und Politikern – etwas zu sagen. Artikel 14 erklärt, dass »die Freiheit der Medien eine besondere Verantwortung für genaue und wahrheitsgemäße Berichterstattung mit sich bringt. Sensationsberichte, welche die menschliche Person oder die Würde erniedrigen, müssen stets vermieden werden.«


Den Propheten zu erniedrigen dürfte unter diese Definition fallen, wiewohl viele Muslime die Sache für noch sehr viel ernster halten. Artikel 15 umreißt die besondere Verantwortung von Religionsführern, »Hass, Fanatismus oder Glaubenskriege weder anzustiften noch zu legitimieren«. Die (freilich wenigen) Imame, die Massen zu Hass aufhetzen, fallen mit Sicherheit in diese Kategorie. Friedliche Demonstrationen gegen die Karikaturen sind jedoch akzeptabel. Artikel 13 besagt, dass »keine Politiker, Beamte, Wirtschaftsführer, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Künstler von allgemeinen ethischen Maßstäben entbunden sind«, und Politiker, die Kopfgelder auf Fremde aussetzen, verletzen definitiv Artikel 5, der besagt, »jede Person hat die Pflicht, Leben zu achten«. Der Karikaturenstreit bestätigt auf dramatische Weise die Nützlichkeit und Notwendigkeit einer »Allgemeinen Erklärung der menschlichen Verantwortlichkeiten«. Regierungen weltweit sollten dieses Dokument aufnehmen und ins UN-System einbringen. Eine Debatte in der Vollversammlung über die notwendige Balance zwischen Freiheit und Zügellosigkeit, Rechten und Verantwortlichkeiten ist eine dringende öffentliche Notwendigkeit. Seit der Überreichung des Vorschlags einer »Allgemeinen Erklärung der menschlichen Verantwortlichkeiten« am 1. September 1997 an UN-Generalsekretär Kofi Annan haben sich wichtige neue Entwicklungen abgespielt: ein wachsender globaler Konsens über die notwendige Verbindung von Rechten und Verantwortlichkeiten hat sich herausgebildet; Die derzeitige sehr ernste Weltlage zeigt, wie wichtig es wäre, ein neues Bewusstsein für ethische Standards in der Weltpolitik zu erreichen Die Debatte der UN-Vollversammlung über den Dialog der Kulturen am 8./9. November 2001 beweist, dass eine solche Debatte nicht spalten muss, sondern zu einem Konsens unter den Nationen führen kann; Die Vollversammlung hat mit ihrer Resolution A/RES/56/6 vom 9. November 2001 eine »Globale Agenda für den Dialog der Kulturen« angenommen, deren zweiter Artikel die Entwicklung eines besseren Verständnisses auf der Basis von gemeinsamen ethischen und universellen menschlichen Werten konkret einfordert. Dieser Wunsch wird auch von Religionsführern weltweit geteilt. Zum Beispiel hat Papst Benedikt XVI. zu einer erneuerten Anerkennung der wesentlichen moralischen Werte der Menschheit im Dialog der Religionen wie in der Begegnung mit der säkularen Vernunft aufgerufen. Er betonte, dass der Einsatz für ein erneuertes Bewusstsein der das menschliche Leben tragenden Werte auch ein wesentliches Anliegen seines Pontifikats darstelle. Um Stereotypen zu überwinden, um einen Kampf der Kulturen zu verhindern, müssen wir die Glaubensgrundlagen der großen Weltreligionen verstehen. Viele wären erstaunt zu hören, dass der Prophet selbst ein barmherziger Mann war, der sich für eine bessere Behandlung von Frauen zu seiner Zeit in seinem´Land eingesetzt hat. Also das genaue Gegenteil vom heutigen Islamklischee. Für den InterAction Council: Helmut Schmidt, Ehrenvorsitzender (früherer Bundeskanzler); Malcolm Fraser, Ehrenvorsitzender (früherer Premier Australiens); Kiichi Miyazawa, Vorsitzender (früherer Premier Japans); Ingvar Carlson, Vorsitzender (früherer Premier Schwedens); Abdul Salam Majali, Vorsitzender des Organisationskomitees für die 24. Jahresversammlung vom 2. bis 4. Mai 2006 am Toten Meer (früherer Premier Jordaniens)
 

der 2. Teil folgt am 10.April 2006  hier (im Archiv)



Dies ist ein  Gastbeitrag von Prof. Heinz Gess.  Wir bedanken uns bei Prof. Gess für diesen Beitrag, machen aber ausdrücklich darauf aufmerksam, daß unsere Auffassung in Einzelpunkten von der Auffassung von Prof. Gess abweichen kann. Veröffentlicht mit seiner freundlichen Genehmigung und im Original ebenfalls nachzulesen auf  der Webpage von Prof. Gess http://www.kritiknetz.de . Das Copyright liegt bei Heinz Gess/ kritiknetz.de

 
   

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