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 Canadian Children's Birthday
Heute war meine Tochter zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Eigentlich ja ein schönes Ereignis, das in Erinnerung bleiben soll. Na wenigstens einige Wochen bis vielleicht Monate, im Alter von
6 Jahren haben Feiern dieser Art natürlich einen gewissen Vergänglichkeitscharakter in der Erinnerung. Auch gibt es zu oft Kindergeburtstage die sich in ihren Abläufen gleichen.
Die Einladung lautet auf Kindergeburtstag: Emilie, Ort: Eisarena, Zeit: 5 – 7 Uhr. Nun
versucht sich ein Vater mal in einer fairen Schilderung des Ablaufes eines Geburtstages in Kanada unserem temporären Aufenthaltsort. Der Verfasser hat aber schon zahlreiche Kindergeburtstage in anderen Ländern erlebt, kann sich also auf Erfahrung berufen. Schildern will er diesen hier
um die „Besonderheit“ kanadischer Feiermentalität herauszustellen. 
Also Elaine, meine Tochter, 6, zieht sich nett an. Es soll in der Eisarena stattfinden. Wir kommen an, es stehen ein paar üppige, also figürlich ausladende Frauen herum und einige unbedarft aussehende Typen,
einige Kinder sind bereits auf dem Eis. Begrüßen tut uns keiner, auch andere Eltern werden nicht begrüßt. Man ist halt da. Also erstmal 1 Stunde Eislaufen. Das verbrennt Energie, die Kinder sind sich auf dem Eis selbst überlassen,
die Eltern stehen in der Halle und frieren. Dann geht’s in die erste Etage, da ist ein großer leerer Raum, mit einigen Tischen und Stühlen. Erinnert stark an einen Vereinsraum in der Uckermark vor der Wende. Die Eltern des Geburtstagskindes habe ich immer noch nicht kennen gelernt,
wenn ich mich jemandem vorstelle schaut er mich groß an. Nun dürfen die Kinder toben. Es sind 20 Kinder, alle 6 und 7 Jahre alt. Jedes Kind bringt ein Geschenk im Wert von etwa 20 Dollar. Nachdem alle tobten und hin und her
gerannt sind, natürlich mit einem Höllenlärm, bekommen alle Kinder ein Stück Pizza aus dem Pappkarton, warm geholt vom Supermarkt um die Ecke. Und einen Luftballon. Einige Eltern stehen rum, andere nutzen die Zeit zum
Einkaufen, mehr Stühle als für die Kinder gibt’s nicht. Gespräche kommen nicht in Gang auch zwischen den anderen Eltern kaum. Alle machen Gesichter und sehen auch so aus, daß die Ostdeutschen Trottel aus Torgau oder Hoyerswerder dagegen wie First Class People auf der
5th Avenue wirken. Nach der Torte noch ein Stück Kuchen, dann dürfen alle wieder rumrennen und toben. Nach 2 Stunden ist die Party fast aus. Das Geburtstagskind reißt noch von 20 Verpackungen das Papier ab und hat 18 mal Polly Pocket von Wal-Mart.
„Thank you, bye-bye…“
Ich nehme mein Kind und fahre nach hause. "War’s schön, mein Spatz?" "Ja, war schön Papa!" Aha, muss ja wohl an mir liegen.
 Nun zu einem Geburtstag im Hause Renitent:
Am Tage vorher Torte gebacken. 3 - 4 Stunden am PC verbracht und Liste mit Kinderspielen etc. ausgearbeitet. Im Wald gewesen, Papierschnipsel verteilt und Kiste mit Schatz vergraben.
Tisch feierlich gedeckt. Am nächsten Tag, am Geburtstag die Eltern begrüßt, die Kinder in Empfang genommen, den Eltern was angeboten. Meine Frau kümmert sich um die Eltern, ich um die Kinder. Wir spielen, je nach Alter (bitte
nicht lachen) Topfschlagen, es geht ein Bi-Ba-Butze-Mann, Kartoffelrennen, Sackhüpfen, Tauziehen, Zielschießen. Wir haben auch schon Tische aufgebaut, mit Holzresten, Nägeln, Hämmern etc., Väter dürfen helfen, es werden Autos gebaut und auf einer extra gebauten, 8 m langen Rutsche
ausprobiert. Das Auto, das am weitesten kommt erhält den 1. Preis. Nun geht’s in den Wald, Schnipseljagd. Bei jedem Schnipsel sind Aufgaben zu lösen, altersgemäß, bekannte Dinge aus der Schule, so arbeitet man sich an die
vergrabene Truhe ran. Ausbuddeln, natürlich ist für alle eine Überraschung drin. 
Nun geht’s zu "Kaffee" (Saft), Kuchen und Eis. Der Tisch gedeckt, nicht mit Papptellern - mit Porzellan. Ich setze eine rote Nase auf, serviere, mache Jokes. Die
Eltern, die sonst immer und überall abrauschen und die Zeit zum Lebensmittelkauf nutzen, bleiben und futtern. Nun werden die Kinder mal sich selbst überlassen. Ich hole Bier für die Väter.
Auf kanadischen Einladungen steht grundsätzlich von 1- 3 Uhr oder 3 - 5 Uhr, damit bloß keiner länger bleibt. Bei uns steht immer "open end".
Die meisten Eltern feiern nicht, sie absolvieren das bei MacDonald oder eben in der Eisarena. Bei MacDonald hopst eine Angestellte mit einer Pappkrone rum und macht Trallala.
Das war also ein kanadischer Kindergeburtstag.
Kann sein, daß auch in anderen Gegenden inzwischen diese neue Feierkultur Einzug gehalten hat. Bequem für die Eltern ist es allemal. Schließlich bleibt die Bude sauber.
Meine Tochter war ja auch nicht enttäuscht, - ich war es! |
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