Papa - dein Sohn - wünscht sich eine Eisenbahn Nun kann
Herr Müntefering wieder mit seiner Heuschreckenbeschimpfung kommen, diese taube Nuss in allen Fragen der Wirtschaft die er seinem spätmarxistischen Weltbild unterordnet. Die „Heuschrecke“ heißt diesmal Goldman Sachs ist eine
US-Investmentbank und will zusammen mit der britischen Private-Equity-Firma Kingsbridge Capital Advisors bei MÄRKLIN einsteigen. MÄRKLIN schreibt nämlich schon lange rote Zahlen. Nun ist das natürlich nicht gerade erfreulich für ein deutsches Familienunternehmen wenn Mehrheitsanteile in ausländische Hände fallen. Andererseits ist so
vielleicht die Chance gegeben ein geschrumpftes Haus in Göppingen zu behalten. Überraschend käme ein Verkauf nicht. Denn:
„Zuletzt verblasste der Märklin-Mythos. Vor allem Sammler und Mitarbeiter hegen seit langem Angst um das Überleben von Deutschlands wohl bekanntester Spielzeugmarke. Handarbeit und beispiellose Liebe zum Detail, einst die großen Stärken von Märklin, werden im Zeitalter der Globalisierung zur Last.“
MÄRKLIN, zuletzt groß in der Presse nach einem spektakulären Einbruch in die Museumsräume, der gesamte Bestand wurde gestohlen, später aber wieder beschafft, ist der größte Arbeitgeber in Göppingen. Ich erinnere mich meines letzten Besuches hier. Schon das Werksgelände sieht schwäbisch sauber und aufgeräumt aus.

Allerdings machen Elektronikspielzeug wie Game-Boy oder Playstation der Marke schwer zu schaffen. Das gleiche Problem hat ja auch LEGO. Erstens endet die Kindheit immer früher, zweitens sind Lokomotiven um die 350 € wirklich nur was für erwachsene Sammler und drittens ist, so eine Vermutung von mir, der Anteil an Zeit, die Väter (und es sind
überwiegend Väter) bereit sind mit ihren Sprösslingen in den Aufbau einer Anlage zu investieren, weiter geschrumpft. Aus eigener Erfahrung kann ich auch sagen, daß ein Einbinden der Kinder in den Aufbau schwierig ist. Der Spielwert ist hoch, wenn man Verständnis und Reife mitbringt. Viele Kinder bringen aber diese Geduldsleistung in unserer
stakkatozerhackten Zeit nicht mehr auf. Wo Wortbeiträge auf eine Minute begrenzt werden, wo Filme ständig durch Werbung in Portiönchen zerhackt werden, fällt die Konzentration auf eine sich über Wochen und Monate hinziehende Aufbauarbeit schwer.
Außerdem:
„Die Modellbauer stehen im Wettbewerb mit Konkurrenten, die ihre Waren billig in China fertigen.“ (…) Aber die wirklich aufwendigen Modelle werden weiter in Göppingen kreiert. Da finden sich selbst unter dem Chassis noch beeindruckende Details, wie das Beispiel des neuen Schienenbusses zeigt. So ruht das Gehäuse des Triebwagens auf
einer gefederten Dreipunktlagerung, damit immer alle Räder auf dem Gleis liegen. Den Sound haben die Märklin-Techniker an einem Originalfahrzeug aufgenommen. So hören die Modellbahnliebhaber das typische Geknatter der Motoren, selbst die Drehzahländerung beim Gangwechsel und sogar die Hupe."

Ich habe unsere Anlage verkauft. So wundervoll diese Zeit war, man kann mit einer solchen Anlage schlecht umziehen. Der Unterhaltungs- und Pflegeaufwand ist hoch. Irgendwo ist immer gerade ein Problem. Keine Frage: Ich bin nach wie vor von diesen technischen Meisterwerken der Präzision fasziniert. Aber ich kann mich heute an
Museumseisenbahnen erfreuen. Selber unter den Tisch krabbeln will ich nicht mehr. Ich hoffe dennoch, daß diese wundervolle Marke erhalten bleibt und die kleinen Wunderwerke künftige Generationen erfreuen.
Mehr aktuelle Information hier im Handelsblatt
http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=tt&sfn=go&id=1215101 Unsere
Anlage MÄRKLIN |