Ein Professor der klaut?
Kann denn Klauen Sünde sein? Kann denn Klauen Sünde sein? Ja, kann – allerdings offensichtlich nicht in Bloggerkreisen. Hier wird gemopst, geklaut, gestohlen, was das Zeug hält. Es gibt
einige Blogs die haben überhaupt nur geklaute Bilder und Beiträge und steuern selten was Eigenes bei. Andere machen alles selbst. Bei den meisten Bloggern kann man eine Mischform aus eigenen Beiträgen und „Entliehenem“ beobachten. Meistens sind es Bildbeiträge wo das Copyrightrecht streng besehen unterlaufen wird. Das ist
irgendwie verständlich, zumal reine Textblogs etwas langweilig wirken und der Text schon so fesselnd sein muss, daß man über das Lay-out hinwegschaut. Nun ist es für einen Blogger, der seine Seite privat und selbst finanziert betreibt, schlechterdings unmöglich Herrn Bush selbst abzulichten. Oder Fidel Castro. Also klaut er das
Bild irgendwo. Von einem anderen Blog, von einer Online-Zeitung. Auch die haben das Bild in den seltensten Fällen selbst geschossen, sie kaufen es bei Agenturen. Das kann ein Blogger mit vielleicht 5 – 400 Besuchern auf seiner Seite nicht. Und selbst Politically Incorrect
mit 2000 Besuchern pro Tag wird als nichtkommerzieller Blog keine Agenturhonorare hinblättern können.
Dennoch gibt es Anstandsregeln. So ist es geradezu eine Selbstverständlichkeit, daß man die Herkunft, auch Quelle oder Source genannt, benennt wo man das Bild entnommen hat. Ein © AP oder © DPA oder © Blog XYZ ist unter dem Bildbeitrag denn wohl auch nicht zu viel verlangt. Wir auf Rebellog sind da gleich großzügig und
gestatten die nichtkommerzielle Verwendung aller Bildbeiträge, sofern, ja sofern © rebellog als Quelle benannt wird. Das was bei Bildbeiträgen gilt, sollte bei Textbeiträgen unverzichtbarer Bestandteil eines ordnungsgemäßen Zitierverfahrens sein. Der Verdacht sich sonst wissentlich mit fremden Federn zu schmücken
liegt nahe. So sind wir also auch bei Textbeiträgen großzügig und es sollte dem fremden Blogger ein Leichtes sein, wenn er es sich schon bequem macht, und ganze Beiträge per „Copy und Paste“ entlehnt, noch eben die Herkunft zu posten.
Das, was Katzenliebhaber, Witzerzähler und Tagebuchschreiber, mangels Schulung nicht unbedingt wissen können (oder wollen), sollte aber in seriösen Blogs, die den Anspruch der
Ernsthaftigkeit haben, wirklich Usus sein. Wird der Blog oder die Webseite von einem Wissenschaftler betrieben ist es ein Muss die Quelle zu benennen. Schließlich gehören Zitierregeln zu den ersten Regeln überhaupt die man an einer Uni lernt.
Vor einigen Tagen hatte ich ein schönes Beispiel für absolut unredliches Verhalten. Am 14.03. 2006 bekomme ich von
Hartmut KRAUSS* folgende Email: "Lieber
Robin Renitent,
im Anhang übersende ich Ihnen die aktuelle Liste der Unterzeichner meines Gegenaufrufs sowie einen weiteren Text, der vielleicht in Ihr Textangebot passen könnte.
Mit den besten Grüßen, Hartmut Krauss" Natürlich freue ich
mich über das Textangebot und poste es umgehend auf diesem Blog. Es passt ja auch haarscharf zu meiner Einstellung und zur aktuellen Diskussion. Natürlich schreibe ich über den Beitrag von wem er ist, also Hartmut Krauss, und unten drunter setze ich das © 2006 rebellog/Hartmut Krauss. Hartmut Krauss ist der
Rechteinhaber, er hat den Beitrag verfasst, wir haben ihn gepostet und in unser Lay-out eingepaßt. Um den Beitrag, der sehr lang ist, etwas aufzulockern suchen wir im Internet nach einem Bild einer Moschee, werden fündig, dekorieren damit den Beitrag und benennen auch die Quelle des Bildes, sogar mit
Direktlink. Am 17.03.2006 bekomme ich folgende
Email: "Hallo, sehr geehrte oder liebe Renitente,
heute erst bin Ich auf Ihre/Eure Seite gestoßen, die mir sehr,sehr gut gefällt und habe festgestellt, dass Euch/Ihnen offensichtlich meine Seite und ich selbst nicht bekannt bin, obgleich ich doch auch - und nicht nur Broder - eine Persönlichkeit bin. Ich möchte Sie bitten,
meine Seite auf
rebellog zu verlinken - am besten mehrmals unter Politik, Wissen und Bildung - Ihre Seite werde ich selbstverständlich in den nächsten Tagen auch verlinken lassen.
Den Aufsatz von Hartmut Krauss werde ich in meine Seite einstellen. Er trifft genau meine Intention.
Mit freundlichem Gruß, xxx
Soweit, so nett. Es fällt mir aber auf, daß Herr Prof. xxx mich nicht fragt, ob ich was gegen seine Entnahme des Textbeitrages hätte, sondern es einfach, als gegeben, ankündigt.
Ich schaue mir seine Seite an, sehe, daß Herr xxx, Dr. xxx ist und ein Professor. Aha. Abgesehen davon, daß meine Erwartung an seine Kenntnisse des Zitierwesens nun höher sind als bei besagten Katzenliebhabern antworte ich aber freundlich noch am
17.03.2006 wie folgt:
"Sehr geehrter Herr Prof. xxx, danke für Ihre freundlichen Worte und das Lob, daß ich da herauslesen kann. Natürlich
unterscheiden sich Ihre und unsere Seite gewaltig. Ihre Seite ist eine wissenschaftliche Seite, auf der alles Persönliche (zu Recht) fehlt. Auch sind Sie fachwissenschaftlich gebildet und mir fehlen die Voraussetzungen da mithalten zu können. Andererseits war das auch nie das Ziel, als wir die Webpage initiierten. Wir wollen (…es folgt
eine Beschreibung unserer Motivation) Ich werde Ihrer Anregung folgen und
Sie bei uns verlinken. (…es folgt eine technische Bemerkung) Das Sie
den Artikel von Hartmut Krauss übernommen haben ist o.k. Allerdings hatte Herr Kraus ihn mir persönlich geschickt und es wäre angemessen, wenn Sie als Source "© 2006 rebellog/Hartmut Krauss "
angeben würden. Übrigens funktioniert Ihr PDF-File Link dazu auch nicht. Auch würde ich mich, ganz gelegentlich, vielleicht mal zitat- oder auszugsweise bei Ihnen bedienen wollen/dürfen. Ich würde aber natürlich immer zu Ihnen bei jedem Zitat verlinken, auch sind unsere Zitate farblich (braun) abgesetzt.
Vielen Dank und ganz herzlich, Ihr R.R."
Dann schaue ich ab und zu auf seine Webpage. Den Link hat er repariert, die PDF-Datei ist jetzt zu laden. Und - es haut mich vom Sockel: Er hat den Artikel samt unserem Lay-out so von der Seite kopiert wie wir es gepostet haben. Einschließlich des Bildes von der Moschee.
Alles, alles ohne Quellenangabe. Nirgends wo er es entnommen hat, nirgends ein Hinweis auf Rebellog und natürlich auch nicht auf das Photo der Baitul-Momin Moschee Münster © 2006 Ahmadiyya Muslim,
wie ich es korrekterweise vermerkt hatte.
Lieber Herr Dr. xxxx, es ist zu vermuten, daß Sie im Dienst peinlich darauf achten, daß Ihre Studenten die Quellen der in ihren Arbeiten erwähnten Texte aufführen. Das was sie mühsam Ihren Studenten beibringen und dann zu Recht erwarten dürfen, sollte Ihnen inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen sein.
Sonst müssten wir unseren rund 400
Besuchern täglich leider die Überschrift zu diesem Artikel nicht in Frageform präsentieren, sondern als Feststellung!
UPDATE, 21. März 2006 Heute bekam ich folgende Email:
"Sehr geehrter Herr
es lag nicht in meiner Absicht zu klauen. Ich habe den Artikel ordentlich verlinkt. Damit war deutlich erkennbar, dass er nicht für meine Seite geschrieben war. Außerdem habe ich eigens bei ihnen nachgefragt, ob ich ihn veröffentlichen dürfe. Ich finde den Artikel gut und hätte mich gefreut, wenn ich etwas hätte dazu tun können, ihn
zu verbreiten. Aber meine Zeit ist mit zu schade, mich bei dem kleinbürgerlichen Gehabe um Eigentumsrechte aufzuhalkten, vor allem wo ich nicht einmal weiss, was ich falsch gemacht habe. Denn es lag mir die Absicht, bei Ihnen oder irgend jemand anderes etwas zu klauen völlig fern und ich habe den Artikelm, wie gewünsccht, ordentlich
verlinkt (im übrigen bin ich ein technischer Laie und weiss nicht was ich noch anderes hätte zun sollen.) Deshalb habe ich den Artikel nun aus dem Netz genommen. Schade. Denn von der Sache her hätte ich seine Verbreitung gewünscht.
Mit freundlichen Grüßen, xxx" Schade, schade, der liebe Professor hat gar nicht verstanden worum es ging. Er
weiß immer noch nicht was er falsch gemacht hat. Natürlich hätte er den Artikel auf seinem Blog lassen können, denn natürlich wünschen auch wir dem Artikel eine weite Verbreitung. Wirklich schade, denn ansonsten finden wir die Seite XXX
nämlich sehr lehrreich und gut...
__________________________________________________________ *Hartmut KRAUSS
geb. 19951 in Lengerich (Westfalen), Sozial- und Erziehungwissenschaftler, ist Redakteur der in Osnabrück erscheindenden Zeitschrift HINTERGRUND und Initiator des Arbeitskreises Kritischer Marxistinnen und Marxisten. (Source
Glasnost Archiv)
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