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Robin Renitent,   25. Februar 2006

   

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Scherzartikel im Kapitalismus. Über Humor 2

Es gibt Menschen die vermarkten alles. Einfach alles. Das ist ihr gutes Recht. Denn es entspricht den Grundregeln der freien Marktwirtschaft und des freien Handels Dinge für einen bestimmten Bedarf zu produzieren oder mit ihnen zu handeln. Ist kein Bedarf da, ist es legitim ihn zu schaffen. Menschen die produzieren und handeln schießen nicht aufeinander oder sprengen sich gegenseitig in die Luft. Sie versuchen Kasse zu machen. Kommt Geld in die Kasse bewahren sie ihre Unabhängigkeit, brauchen keine staatliche Alimentation und können den Gewinn re-investieren und neue Dinge herstellen. Sollte etwas übrig bleiben vom Gewinn, ist Geld für Soziales, für Hilfe zur Selbsthilfe, für Nöte und Unvorhergesehenes vorhanden. Wo kein Gewinn, kein Geld für Soziales. Nur wer das nicht verstanden hat, schreit nach „Vater“ Staat und befürwortet einen reglementierenden Etatismus. Das der etwas hefeartigartiges, ausufernden hat, wissen wir alle. Diejenigen, die trotzdem Zukunftslösungen unter der Fuchtel des Staates versprechen, nennen sich Sozialisten. Denjenigen, die auf die Kraft ihrer Anstrengungen vertrauen und ihre Unabhängigkeit bewahren wollen kann man verschiedene Bezeichnungen anheften. Kapitalist hat einen unlauteren, weil missdeuteten und bewusst verbogenen Beigeschmack. Man könnte sie Freiheitsfreunde nennen.

Nun ist längst nicht alles geschmackvoll oder nötig was produziert wird. Im Gegenteil, vieles ist überflüssig, geschmacklos, gefährlich oder einfach blöde. Wird der Artikel nicht nachgefragt verschwindet er vom Markt weil er sich nicht verkaufen lässt. Waffen zum Beispiel lassen sich in den Hochburgen deutscher Friedensaktivisten schlecht verkaufen. Dafür umso besser in arabischen Ländern. Sprengstoff für Gürtel auch. Aber wir wollen uns nicht der Betrachtung der Notwendigkeit von Waffen widmen, sondern einem anderen Produktionssektor, der Herstellung von Scherzartikeln. Ehrlich, meine Welt ist das nicht, und es geht mir wie bei den Blondinen-Witzen im Beitrag Humor 1. Ich kann darüber selten lachen. Aber nicht alle sind wie ich und viele meiner Zeitgenossen werfen sich einfach weg, wenn ihnen bestimmte Scherzartikel unterkommen.

Dazu einige Erinnerungen aus meiner Erlebniskiste: Ich hatte einen lieben, aber etwas einfach konstruierten Onkel in Magdeburg. Er hatte vom Biertrinken einen Kugelbauch und er war der typische DDR-Kleingärtner. Er kam, als er Rentner wurde, alle 2 Jahre nach Berlin um uns zu besuchen. Er bekam vom Beziksamt 100.-DM Begrüßungsgeld, meine Tante auch. 3 Wochen trugen sie das Geld mit sich rum. Ein Schatz, der überlegt ausgegeben werden wollte. Eines Tages zeigten wir ihnen den Flughafen Tegel und da hing an einem der Souvenirstände ein T-Shirt „Bier formte diesen schönen Körper“. Hin und her. Es wurde gekauft. Er wolle es in seiner Kleingartenkolonie anziehen und damit den DDR-Nachbarn imponieren. Ich konnte es nicht fassen und kritisierte ihn heftig. Meine Tante aber meinte: „Nu lass ihn doch, wir haben doch in der DDR so wenig zu lachen. Sowas gibt’s doch bei uns gar nicht.“ Stimmt. Ich habe nichts mehr gesagt und akzeptiert, daß er 1/5 (in Worten: Ein Fünftel) seines Begrüßungsgeldes dafür ausgab.

Ich hatte auch einen flüchtigen Bekannten, ein vorzeitig pensionierten Polizisten, in Berlin Tegel, der im Tegel-Center ein riesiges Scherzartikelgeschäft besaß. Es gab alles das was man nicht brauchte. Überwiegend geschmacklos, billig im Material, im Aussehen, für den 5 Minutenspaß. Aber teuer im Verkauf, also mit gigantischer Gewinnspanne. Die musste auch sein um die Miete und die Angestellten bezahlen zu können. Von einem Buch mit leeren Seiten „Das Geheimnis meiner Millionen“ und dem Hinweis auf der letzten Seite, das es auch Geheimnis bleiben solle, über Kaffeetassen mit Prinzessin Diana, bis zu einem Haufen Plastikhundescheiße waren in dem Laden um die 80 000 Artikel (für den Sperrmüll) zu finden. Der Laden war immer gut besucht.

Dann fiel die Mauer und die Menschen standen in Dreierreihen um ihre 100.- DM West ausgehändigt zu bekommen. Was werden sie glauben welcher Mangel zuerst damit ausgeblichen wurde? Dichtungsscheiben für tropfende Wasserhähne, Medikamente für Tante Frieda, Obst und Frischgemüse? Vielleicht auch, aber der Scherzartikelladen war brechend voll. Und der Pornoshop auch.

Die Menschen waren glücklich und wollten sich totlachen. Und es wäre arrogant sie einfältig zu nennen und die Nase zu rümpfen. Es bestand eine enorme Nachfrage und der Scherzartikelfritze hat sie befriedigt. Nun lebe ich einige Jahre in Nordamerika. Und war bei Nachbars eingeladen. Und was erlebe ich? Der gleiche Effekt. Die Gesellschaft ist prüde, prüder als wir Europäer. Aber ein Slip mit Elefantenrüssel über dem erigierten Penis, eine Männlein das sich bückt und Seifenblasen pupst oder eine Handwaschbürste in Muschiform kann alle Gäste brüllen lassen. Nicht vor Schmerz -  vor lachen.

Diese Artikel haben also offensichtlich eine Ventilfunktion. Nach der Tristesse des DDR-Allags konnte man statt West-Cola-Dosen nun Dianatassen in die sozialistische Einheitsschrankwand stellen. In Nordamerika die allen bewusste, aber trotzdem gelebte, Prüderie der Gesellschaft unterlaufen und im kleinen Kreis mit Penisfeuerzeug dagegen lachend protestieren. Eine neue Dimension des kommerzialisierten Protestes erlebt nun die Auseinandersetzung mit dem Islam. Auch hier haben wir, besonders aber die Moslems, damit zu leben, daß längst nicht alles geschmackvoll ist. Ja eher das Gegenteil der Fall sein wird. Auch und gerade als Protest wollen diese Scherzartikel und die, die sie nachfragen  sie verstanden wissen, gegen die Starrheit und Tristesse dieser sich als Religion verkaufenden Ideologie.

Und wir werden „Kapitalisten“ haben die diese Bedürfnisse, oder, ökonomisch formuliert, diesen Bedarf, befriedigen wollen. Das werden keine Großkapitalisten sein. Also keine amerikanischen Konzerne!!! Es sind kleine Produzenten und kapitale Scherzkeks die diese Wegwerfartikel in Taiwan oder China produzieren lassen werden. Um Geld zu verdienen, ihre Mieten zu bezahlen, ihre Kinder zu ernähren.

Ja, es erfordert eine gewisse Souveränität die Schamlosigkeit von Kitsch ertragen zu lernen. Dem kommerzialisierten 3-Tage-Produkt entspannt zu begegnen. Lieber moslemischer Mitbürger bleiben Sie ruhig und vertrauen Sie einem alten Marktgesetz:

 

Was sich nicht verkauft verschwindet aus dem Angebot!

 

 

Quellen:

Alle Scherzartikel als Beispiel für schlechten Geschmack aus dem Angebot der Firma: Racheshop - Europas verrücktester Scherzartikel-Onlineshop

Bild 1: Beispiel für schlechten Geschmack, Mohammed auf Klorolle, aber kein Grund für Verfolgung oder Randale

Bild 2: Unterhosen für den zu kurz gekommenen Mann

Bild 3. T-Shirt mit türkischer Flagge, für Türken mit unterentwickeltem Selbstbewußtsein

Bild 4: Backform oder Puddingform in Penisgestalt für weibliche Gäste frustrierter Junggesellen

Bild5: Nagelmaske für Menschen denen das Erlebnis umherfliegender Metallteile nach einem Sprengstoffanschlag bisher versagt blieb

Bild 6: Penisbrille, besonders geschmackvoll für Schnauzenerotiker

Bild 7: Furzendes Männeken. Die Zierde für jeden Schreibtisch.

Bild 8: Die Krönung, ein Haufen Plstikscheiße. Besonders dekorativ auf dem nachmittäglichen Kaffeetisch

 

Die Klorolle via Blog telegehirn

   

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