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Robin Renitent,   15. Februar 2006

   

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Die drohende Islamisierung

Wir haben türkische Freunde. Nette Leute die wir seit Jahren kennen und die wir gelegentlich zum Essen eingeladen haben. Auch sie haben uns eingeladen und es gab nie irgendwelche Probleme. Als ich vor 13 Jahren meine jetzige Frau heiratete waren sie die Ersten, die uns, gemeinsam mit den Eltern meiner Frau zu Tschai und Kuchen einluden. Auch iranische Freunde haben wir. „Alte“ Freunde aus der Generation meiner Eltern und deren Kinder und Kindeskinder und neue Freunde, die wir noch nicht so lange kennen. Wenn wir, was bei uns nicht ohne geht, über Politik sprechen, gab es nie Kontroversen. Es gab unterschiedliche Auffassungen zur Politik und natürlich gab und gibt es unterschiedliche Auffassungen zur Religion. Aber wir waren nie Ungläubige für sie im negativen Sinne des Wortes und meine Ablehnung der Unterwerfung unter die Dogmen einer Religion wurde immer akzeptiert.

Es ist inzwischen selbstverständlich Menschen islamischen Glaubens in unseren Städten zu sehen und, ob uns das nun gefallen mag oder nicht, wir können sie ja nicht zurückschicken. Ich denke es war ein Fehler der Politik künstlich Minderheitenprobleme zu schaffen, ein Blick in andere Weltgegenden hätte genügt um das Konfliktpotenzial zu erkennen. Aber die, die das für nötig hielten und um schnellen Vorteils willen unsere Gesellschaften umgebaut haben, sind heute im Ruhestand und natürlich, wie sollte es bei Politikern auch anders sein, nicht verantwortlich. Ich bin der Überzeugung das nur die Allerwenigsten politische Zuzugsgründe hatten, nur in Ausnahmefällen waren wirklich Leib und Leben bedroht. Aber eine 68er geformte Gutmenschen-Multikultigeneration hat sich dem Zeitgeist unterworfen um ihre Träume ausleben zu können.

Nun haben wir den Salat und wir stellen fest, das der Islam mit unseren Gesellschafts- und Rechtsvorstellungen schlecht kompatibel ist. Natürlich gibt es immer noch Polit-Ganoven die Teilkongruenz zwischen Islam und linker Politik sehen und auch sehr rechte Kräfte fühlen sich, zumindest ideologisch von der Kompromisslosigkeit eines Islamofaschismus angezogen.

Also gibt es Initiativen, zahlreiche, die gegen den Beitritt der Türkei in die Europäische Union angehen, Unterschriften sammeln und Initiativen starten. Ich persönlich glaube nicht, obwohl sonst positiv und zukunftsoptimistisch denkend, daß es wirklich etwas bringt. Eher wird es so sein, daß wieder am Mehrheitswillen der Europäischen Bevölkerungen vorbei entschieden wird. Das Konstrukt Europa ist denn auch kein wirklich demokratisches, eher eine Egalisierungsmaschinerie und Spielplatz von heimatfernen Lobbyisten.

Das Problem ist, wenn man sich innerlich gegen einen Beitritt der Türkei zur EU entscheidet, daß man ganz schnell in einem Boot mit Gruppen sitzt, mit denen man sonst nicht mal an der Würstchenbude gesehen werden möchte.

 

So ist die NPD ganz vehement gegen den Beitritt und bedient sich dabei üblicher übler ausländerfeindlicher Ressentiments. Es ist klar, das hier vor allem an dumpfe Ängste und Neidkomplexe appelliert wird und es ist auch klar, daß bei Menschen, die ihre Sorge um den Arbeitsplatz drückt, solche rechten Anti-Türkei Statements auf fruchtbaren Boden fallen. Der Grund gegen einen Türkeibeitritt zu votieren ist also nicht die die primäre Sorge um die Veränderung unseres Rechts- und Gesellschaftssystems, unserer Moral und der damit verbundenen Verlust unserer individuellen Freiheit, sonder in erster Linie Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes und Einbußen an materieller Sicherheit. Wenn man genauer Hinschaut ist unschwer zu erkennen, das Neonazis einerseits von islamofaschistischen Ideen fasziniert sind andererseits gerade eine Turkophobie schüren um billiger stimm- und Machtvorteile willen. Eine Instrumentalisierung der Diskussion im Hinblick auf ein rechtes Wählerspektrum ist unübersehbar.

Die PDS machte es genau andersrum. Sie instrumentalisiert die Aufnahme der Türkei um gegen die „konservative“ Koalition unter Kanzlerin Merkel zu opponieren und Kräfte zu mobilisieren die die CDU Stimmen kosten sollen. Man spricht sich für eine Aufnahme der Türkei aus, weil man sich, angesichts gerade beschworener Gemeinsamkeiten aus dem überwiegend sozial schwächeren türkischen Gastarbeiterumfeld, Stimmengewinne erhofft, die der überalterten SED-Nachfolgepartei frisches Blut und junge, eingedeutschte, Wähler zuführen soll.

Die tatsächlichen gegen einen Beitritt vorzubringenden Argumente bleiben in beiden Fällen auf der Strecke. Das die Türkei kein europäisches Land ist, ihr die geschichtliche Erfahrung der Liberalisierung und Säkularisierung europäischer Nationen fehlt wird unterschlagen. Das der überwiegende Bevölkerungsteil eben im asiatischen Teil wohnt und ihm entstammt, also es historisch und kulturhistorisch keine Verbindung nach Westeuropa, sondern eher in den zentralasiatischen Raum hat, sollte zu denken geben. Das die Türkei ein islamisches Land ist, das islamisch regiert wird und für christliche Kirchen und andere Religionen keine Parität besteht. Ein Re-Islamisierung ist in den letzten Jahren zu beobachten und es ist eine Frage der Zeit bis auch die Türkei sich in ein Kalifat oder kalifatähnliches Gebilde verwandelt. Eine Gesellschaft die nachgewiesenermaßen europäische Menschenrechtsstandards, Standards der Meinungs- und Pressefreiheit wie in Europa, dem sie zugehören möchte nicht akzeptiert, hat in dieser Gemeinschaft nichts zu suchen. Die überproportional anwachende Bevölkerung der Türkei wird in Europa eine Gewichtung einnehmen der die unter Geburtenarmut leidenden westeuropäischen und mit zunehmendem Wohlstand auch osteuropäischen Staaten wenig entgegen zu setzen haben. Europa wird durch die Türkei neue Nachbarn erhalten, also Grenzen die noch schwieriger zu kontrollieren sind, sofern ein wirklicher Kontrollwille bei den Türken denn überhaupt vorhanden wäre.

Schaut man sich die westeuropäischen Länder und die neu hinzugekommenen Partner an, gibt es, bei allen Unterschieden, einen Grundkonsens über viele Dinge. Auch die Rechstauffassungen sind so fern einander nicht. Besonders die neuen osteuropäischen Länder, wissen, bei aller wirtschaftlichen Schwäche, dennoch den Wert der Freiheit und individueller Selbstbestimmung zu schätzen. Wer je in der Türkei war und sich von den touristischen Destinations entfernt hat, wird sehen, dass es einen Verlust an Freiheit bedeuten würde, sowohl für unsere Frauen und Töchter als auch für uns und unsere Meinungs- und Enfaltungsfreiheit wenn die Türkei Mitglied der EU wird.

Bereits jetzt ist die Türkei über viele Verträge assoziiert. Gegen eine wirtschaftliche Weiterentwicklung der Beziehungen ist nichts zu sagen. Handel und frei Marktwirtschaft kann den Prozess einer Re-Islamisierung der Türkei verzögern. Ein Alimentation des türkischen Sozialsystems via Europa ist nicht zu verkraften und kann dem europäischen Bürger nicht zugemutet werden. Europa ist schon jetzt eine gigantische Umverteilungsmaschine. Kommt die Türkei hinzu haben wir ein Fass ohne Boden. Der Zwangsenteignung durch Steuern würde eine weitere Abgriffs- und Melkmöglichkeit geöffnet.

Die Freiheit des Einzelnen wäre durch den Beitritt einmal mehr bedroht.

 

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