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Robin Renitent,   16. Februar 2006

   

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Die deutsche Erneuerung

geht über die deutsche Frau (Hermann Wirth)

Die Mohammed-Karikaturen, 12 simple Bildchen, machen das Leben zur Karikatur. Während in arabischen und asiatischen Ländern Botschaften brennen und allen die veröffentlichen angedroht wird, sie einen Kopf kürzer zu machen, finden bei uns tief schürfende Diskussionen um Selbstverständlichkeiten statt. Das ist die eigentliche Karikatur, das man geglaubt hatte man wäre in diesem Punkt, 60 Jahre nach der braunen und 17 Jahre nach der roten Diktatur auf endlich sicherem Terrain. Mitnichten. Intellektuelle produzieren neue Kopfgeburten, diesmal wollen sie die Meinungs- und Pressefreiheit „kompatibel“ machen. Und man staunt: So viele Schlaue wollen also Freiheit nur simulieren? Was war ihnen der Freiheitsbegriff denn bisher wert? Nur die Freiheit mit verschwurbelten literarischen oder politischen Ergüssen das Konto zu füllen?

Also gehe ich ins Internet und klappere die Bloggerkollegen ab. Alle gehackt Kommentarfunktion ausgeschaltet. Great. Ein Machmud, eine iranische Flachzange, spammt alles mit Ahmadinejad-Bildern zu. Sense. Also gehe ich in den Keller und räume auf. Wollte das ja schon lange mal machen. Fange also bei den Bücherkisten an. Gerade Bücher sind natürlich meine Achillesferse und ich kann mich von nichts trennen. Diesmal muss es aber sein. Alte Kiste, schön vernagelt, was liegt obenauf: „Elisabeth Bosch – Vom Kämpfertum der Frau“. Also bleibe ich hängen. Mit aufräumen wird’s wohl nichts mehr, denke an Alice Schwarzer und lese:

 

"Von Zeit zu Zeit komme ich in eine Reihe kinderreicher Familien. Jedesmal sind mir die Besuche ein inneres Erlebnis. In Ehrfurcht neigt sich mein Herz vor den Leistungen dieser Mütter, vor ihrer Zufriedenheit und Anspruchslosigkeit. Mit jedem neuen Kind, das sie zur Welt bringen, wächst die Liebe und steigert sich ihr Mutterglück. Keine Mühsal ist ihnen zu schwer, kein Opfer zu groß. Wahrlich, Muttersein, es ist die höchste Leistung, die eine Frau für ihr Volk vollbringen kann, und diese Leistung ist der größten Ehre wahrhaft würdig.

Da der nationalsozialistische Staat sich rückhaltlos zur Mutterschaft bekennt und dieses Bekenntnis sichtbar durch die Tat in beispiellosem Ausmaß in Erscheinung tritt, erwächst daraus andererseits der Mutter im neuen Reich, neben dem freudigen Willen zum Kinde, die verpflichtende Aufgabe zur Erziehung ihrer Kinder ganz im Geiste unserer großen Zeit und ihrer Bedeutung für die völkische Zukunft."

 

Wow, also mal abgesehen davon, daß Muttersein natürlich eine großartige Aufgabe ist, die heute leicht lächerlich gemacht wird oder mit der linken Hand abgetan…. welche Frau gibt denn bitte schön zu, daß sie sich in der Mutterolle glücklich fühlen würde, ist das Pathos dieser Zeilen umwerfend. Ich sehe vor meinem geistigen Auge lauter kleine Hitlerjungen und BDM-Mädchen, die freudestrahlend in Reih und Glied stehen während eine Dame mit blondem Dutt und verkniffenem Gesicht sie kritisch mustert. Ja, sich der Aufzucht (man beachte das Wort Zucht) von Kindern zu widmen ist heute keine Aufgabe mehr die ausfüllen kann, nicht wahr. Allenfalls eine Nebenaufgabe, denn wenn Frau gefragt wird „was sie so macht“ möchte sie wenigstens was anspruchsvolles antworten können: „Meine Kinder“ wäre da die falsche Antwort, „ich studiere, ich bin Logopädin, oder ursprünglich komme ich aus dem Soziolgischen und habe gerade meinen Dipl.Soz. gemacht, erhöht natürlich mehr und macht akzeptabler.

Als Dipl.Soz. kann man dann Migrationsforschung betreiben oder das Bevölkerungswachstum analysieren, um dann erschrocken festzustellen: „Wir Deutschen sterben aus- es will ja auch keiner mehr Kinder haben!“ Dann weist man, natürlich je nach politischer Disposition, darauf hin, daß erschreckend viele Migrantenkinder unsere Städte unsicher machen oder aber, daß erfreulicherweise unser Straßenbild durch die kleinen Migranten jetzt so fröhlich bunt ist....

 

Elisbeth Bosch: " In den Tempeln der Kunst, im Reiche des Märchens und des Volksliedes, in der Dichtung und Musik sehen wir immer wiederkehrend zwei Gestalten verherrlicht. Sie sind von Anmut und Schönheit, von Güte und Würde umstrahlt und heißen Mutter und Kind. Die entartete Kunst des Liberalismus ging auch hier Irrwege. Sie drückte diesen beiden Gestalten das Wahrzeichen ihrer Zeit auf, und diese Zeit hat, wie wir wissen, alles echte Weibtum, alles sich gegen den zersetzenden Vernichtungswillen bewusst auflehnende wahre Muttertum in den Schmutz gezerrt, sie hat das Muttersein mehr und mehr missachtet und entrechtet. Der Nationalsozialismus, der die Neu- und Umgestaltung alles Lebensgebiete unseres Volkes umfasst, gab uns die diesen beiden Begriffen innewohnende naturhaften Werte zurück. Er bekennt sich zum Muttertum. Er grüßt in ihm das wiederauferstehende Leben eines Volkes, das Leben einer großen deutschen Zukunft bis in die fernsten Geschlechter hinein. Mutter und Kind stehen im neuen Staate unter dessen besonderem Schutz. Sie werden seiner bevorzugten Unterstützung teilhaftig und stehen im Mittelpunkt bevölkerungspolitischer Gedankengänge, weil sie, wie Goebbels sagt, das Unterpfand für die Unsterblichkeit eines Volkes sind. "
 

Ich setze mich erstmal hin. Schaue mir das Buch genauer an. Eine Karte fällt raus. Sie ist handschriftlich an meine Mutter geschrieben: "Ihnen liebe Kollegin, viele herzliche Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag von Ihren Kollegen der Abteilung E1“. Ich bin platt. Schenkte man so was zum Geburtstag? Wie alt wird meine Mutter, lange vor meiner Geburt, gewesen sein? Ich schätze irgendwas zwischen 18 und 24 Jahre. Das Buch selbst ist 1938 beim Alemannen Verlag Albert Jauß, Stuttgart, broschiert erschienen. Erste Seite: DEN DEUTSCHEN IN ALLER WELT. Das Vorwort hat ein gewisser Dr. Georg Schott geschrieben der in religiös-mythischem Erguß die deutsche Frau und das „ewig Deutsche“ besingt, was immer das ist. Dem Inhaltsverzeichnis entnehme ich das „Ausländische Dichter und Denker“ etwas über Deutschland zu sagen haben und tatsächlich ist das Büchlein gespickt mit Zitaten von Langewiesche, Ernst Moritz Arndt, Friedrich dem Großen, Goethe, Hitler und dem Reichsärzteführer Dr. Wagner. Hitler fällt mit dem großartigen Satz auf „Luft, Licht und Sonne schenken uns ein neues Ideal!“ Spätestens jetzt weiß ich, das man natürlich zurecht von Deutschland als dem "Land der Dichter und Denker" spricht. Auch Frau Bosch übertrifft sich mit Kapiteln wie „Das kulturelle und erzieherische Aufbauwerk der Mütter“ oder „Das Muttertum der Kinderlosen“ (? Häh?) oder „Vergesst die Väter nicht“. (Sehr nett). Auch „Liebe und Ehe – Frau und Kunst“ ist sicher sehr lesenswert. Genauso wie „Unser Verhältnis zum Tier“ (Au weia – ein Schelm der Schlimmes dabei denkt…). Na, „Schönheit und Gerechtigkeit – Charakter und Persönlichkeit“ und „Unser Weg zu Gott“ sind weitere Kapitel.

Neugierig bin ich noch auf
„Das Muttertum der Kinderlosen“. Auf Seite 34 geht zur Sache: „Das junge Frauengeschlecht möge es dem neuen Staate danken, daß überall im Reich Aufklärungsmöglichkeiten geschaffen worden sind, die unsere heranreifende Jugend frühzeitig die tiefe völkische Sinndeutung der Ehe klar machen und die ihr in verständlicherweise die zur Bejahung der nationalsozialistischen Weltanschauung unerlässlichen notwendigen Erkenntnisse der Vererbungslehre und Erbgesundheitsgesetze vermitteln, die nunmehr ausschlaggebend sein müssen bei der Wahl des Ehegatten, wodurch sehr viel späteres Leid und namenloses Unglück von Grund auf verhütet bleibt."

 

Na also, das ist der wahre Ratgeber für die junge Familie: Aufklärung wird auch getrieben, wenn auch natürlich nicht über verschiedenen Formen des Petting oder „wie verwende ich ein Kondom“. Dafür soll Frau aber bei der Annäherung an das andere Geschlecht an die Erbgesundheit denken.

Verschiedene Gedanken streichen mir ungeordnet durch den Kopf: Mein Amüsement über den schwülstigen pathosbeladenen Schreibstil, wie ein Eheratgeber doch in den Dienst einer Ideologie gestellt wurde und heute wieder, schauen wir zum Islam, wird, wie das Bild der Frau sich erfreulicherweise gewandelt hat und wie gut es ist, daß Frauen heute ausgebildet sind und nicht nur Gebärmaschinen. Wie sich faschistische Ideologie nun wiederholt, wie mit „Kinderkriegen“ wieder Politik gemacht und Expansionsträume geträumt und angestrebt werden. Wie andererseits unsere westlichen Gesellschaften immer mehr altern. Welche Zukunft meine Kinder haben werden. Wie unser eigenes Familienleben organisiert ist und meine Frau z.B. nur studieren kann weil wir eine ganz andere Rollenverteilung haben. Was wohl Frau Bosch gesagt hat, wenn sie den Krieg überlebt hat, was aus der deutschen Frau nach dem Kriege geworden ist, wie sie zunächst Trümmerfrau war und dann Sekretärin und heute Dipl. Soziologin, Friedenskämpferin oder Migrationsforscherin wurde. Wie unverständlich es mir ist das sich jemand hinsetzt und ein Buch schreibt in spürbarer, oder besser lesbarer, Hingabe an einen Führer.

Ich sitze auf meiner Kiste und denke, daß das ganze Leben eine Karikatur ist. Das ich in einem riesigen Cartoon hin- und herlaufe. Bin ich vielleicht nur gezeichnet worden. Bin ich nur Teil eines Bildes, eines Leporellos oder Daumenkinos, das im Zeitraffer den Irrsinn der Zeiten durchläuft, um am Ende, wenn man das Ding umdreht, wieder von vorne, nur mit anderer Grundfarbe zu beginnen?

Ich habe die Nase voll vom aufräumen. Weit gekommen bin ich nicht. Ich halte das Heftchen in der Hand. Was mache ich damit? Es gibt drei Möglichkeiten:

  • Ich schicke es an Alice Schwarzer damit sie nicht so verkniffen guckt und was zu lachen hat…

  • Ich schicke es an Horst Mahler, er kann es im Flugzeug lesen wenn er nach Teheran fliegt…

  • Ich werfe es in unseren Kamin.

Ich habe das Letztere getan. Nächstens räume ich weiter auf.
 

   

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