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KING KONG
Irre was weiße Frauen so aushalten. Besonders wenn sie in England geboren wurden und in Australien aufgewachsen sind und Naomi Watts heißen. Und natürlich für Peter Jackson arbeiten. Bei ihm schlüpft sie in die Rolle der Ann Darrow und hat eine echte Romanze mit King Kong. Leicht bekleidet rennt sie barfüßig über Stock
und über Stein, jeder andere Mensch müsste wenigstens Outdoorsandalen von Lowe haben. Auch ihr weißes Kleid wird nicht richtig schmutzig obwohl sich King Kong selten die Hände wäscht. Der absolute Hammer aber ist wie sie im Kleidchen auf Stöckelschuhen im verschneiten New York durch die Straßen hastet, schulterfrei und hauchdünn angezogen.
Nichts wird da rot, nichts friert, nicht mal die Nase. Selbst in 200 m Höhe wird ihr nicht kalt, bleibt sie nicht am Metall kleben. Besonders gefallen hat mir aber, daß sie diesen Film ohne Schleudertrauma überstanden hat. Während mein Genick nach 3 Stunden sitzen schmerzte wurde Ann von King Kong hin und her geschleudert wie meine Tochter es
ihrer Barbi-Puppe aus humanen Erwägungen nie zugemutet hat. 
Am Sonntag habe ich mich breitschlagen lassen und bin mit meinem Sohn ins Kino gegangen. KING KONG stand ganz oben auf der Wunschliste. Nun bin ich eigentlich gegen Remakes, ich erinnerte mich an so nichts sagendes Abkupfern wie „Mein Vater der Held“, „Drei Männer und ein Baby“ oder „Psycho“. Aber in diesem Fall wurde ich nicht
enttäuscht. Natürlich hatte ich KING KONG von 1933 gesehen, vor Jahren, und auch noch deutlich in Erinnerung. Aber was Jackson hier aufgeboten hat ist Hollywood vom Feinsten. Mein lieber Schwan, das ist atemberaubend in zweierlei Hinsicht. Man kann sich zurücklehnen und mal den ganzen Technikfirlefanz vergessen und einfach eine
Fantasie-Farb-Action-Orgie genießen. Oder man denkt darüber nach und staunt was heute per Kombination aus „herkömmlicher“ Aufnahmetechnik, Blue-Screen-Technik und Computeranimation möglich ist. Jackson hat uns das ja schon eindrucksvoll bei der „Lord of the Rings“- Trilogie demonstriert. Bei solchen Großprojekten läuft der schwergewichtige
Filmmagier offensichtlich zur Höchstform auf. Meinen Sohn, 10 Jahre alt und wahrlich filmerfahren, musste ich jedenfalls daran hindern in die Fingernägel zu beißen. Herrje ich hab in dem Alter einen „Prinz Eisenherz“-Film gesehen und mir blieb fast das Herz stehen als der von seinem galoppierenden Pferd in einen Tümpel sprang und per Röhricht
unter Wasser Luft holte.

Jackson hat KING KONG noch mal erheblich gestretcht. Das bekommt dem Film nicht mal schlecht. Die Urwaldszenen mit den Dinosaurien, den Riesenmaden, Käfern und anderem Viechzeug sind erste Sahne und man duckt sich unwillkürlich um nicht von einem stürzenden Dino erschlagen zu werden. Wäre wirklich fatal wenn der mit seinen 60-70 Tonnen in den
Zuschauerraum fällt. Tote gibt’s auch reichlich, aber das sind unbedeutende Nebenfiguren und ich habe Sohnemann, schon vor Jahren, in den Universalstudios beigebracht, daß die, kaum daß sie erschossen wurden, wieder aufstehen und in der Kantine Kaffee trinken.
Später, als KING KONG sich befreit und erst durchs Theater und dann die New Yorker Straßen tobt, denke ich kurz daran wie teuer eine Leuchtreklame ist und ob die Geschäftsleute oder Taxifahrer wohl versichert sind und die Versicherung KING-KONG-Schäden übernimmt oder wieder was kleingedrucktes in den Verträgen stehen hat. Aber solche Gedanken
sind nur kurz, dann gebe ich mich wieder dem optischen Vergnügen hin und freue mich wenn der KING ein paar Flugzeuge von Himmel holt. Warum müssen die Idioten auch gleich schießen? Hätte die Verantwortlichen nicht Günter Grass rufen können? Der hätte verstehend und besänftigen auf KING KONG einreden können. Ich bin sicher er wäre
herabgestiegen und wäre zu Naomi und ihrem Freund gezogen. Aber Günter war nicht da, PETA auch nicht, die gehen lieber zu Victoria Secrets, und so schießen sie ihn endgültig ab. Vermutlich werden sich später alle auf Notwehr herausreden. Der Filmfritze, gespielt von Jack Black, kann kein großes Geschäft machen obwohl er gefilmt hat bis zum
Umfallen. New York muss repariert werden und Naomi bekommt ihren dunkeläugigen Drehbuchschreiber und Lover (Adrian Brody).
So endet ein großartiges Gorillaleben. Und wenn er nicht so groß wäre, wäre wir auf die Insel gefahren und hätten uns seinen Bruder geholt. Aber so bleibt uns nur darauf zu warten, daß bald die DVD rauskommt. Nur im Pantoffelkino wird auch KING KONG schrumpfen und das hat er nun wirklich nicht verdient.
Fazit: Absolut ansehenswert – aber auf Breitwand!
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