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Robin Renitent, 28. Januar 2006

   

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Der braune Dreck von den Experten für angewandte Judäophobie

Ich habe das Buch von Hajo Meyer «Das Ende des Judentums» nicht gelesen. Es ist schwierig hier nach Nordamerika deutsche Bücher zu bekommen. Deshalb sammle ich meine Wünsche immer und lasse sie mir mitbringen. Das Porto bei Amazon.de ist nämlich recht happig und dafür kann man schon wieder andere Bücher kaufen. Aber vermutlich hätte ich es mir auch gar nicht bestellt. Nicht, daß ich andere Gedankengänge nicht interessant finde und mich mit Gegenpositionen auseinander setzen möchte. Aber allein die Zitate die in den letzten Wochen im Internet kursierten reichen im Prinzip aus um sich ein (vorläufiges) Bild über das Buch machen zu können. Jedenfalls ausreichend um die Entscheidung zu treffen: Bestellung JA/NEIN.

Also habe ich mit Aufmerksamkeit die Auseinandersetzungen um die Äußerungen von Henryk M. Broder verfolgt. Dabei interessieren mich die persönlichen Animositäten der beiden Kontrahenten Broder/Melzer eher weniger weil das Privatsachen sind die von Thema ablenken. Aber in der Konzentration auf die Aussagen von Melzer/Meyer muss ich als Leser Position beziehen dürfen. Ja ich kann mich um eine persönliche Urteilsfindung gar nicht drücken. Und da lese ich von dem Urteilsspruch des Frankfurter Landgerichts zu Broders Aussage
„dass Melzer eine von ihm selbst entdeckte Lücke (im Antisemitismus) «fleißig mit braunem Dreck» fülle und gemeinsam mit Meyer als «Kapazität für angewandte Judäophobie» (Judenfeindlichkeit) anzusehen sei“ die Richter hätten befunden, Zitat: "daß sie hiermit in die Nähe nationalsozialistischen Gedankenguts gerückt und in sarkastischer Weise als besonders scharfe Antisemiten gezeichnet werden," und  bestätigten die von Melzer und Meyer erwirkten Verfügungen gegen Broder.

 

Ja, sind sie das nicht? Nun schaue ich, zur Erinnerung, in meinem Programm Content-Saver nach bisherigen Zitaten. Fangen wir mit Melzer an:

 

1.) "Wenn es heute irgendwo Demonstrationen mit Fahnen gibt, dann kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass es Juden sind, die für Israel demonstrieren." (Brief an Arno Lustiger)

Falsch, Lüge: Meine Wahrnehmung ist absolut gegensätzlich. Wenn ich irgendwo Fahnen sehe sind es Pro-Palästinensische-, Nazi- oder Gwerkschaftsflaggen. Zur Dichte der Flaggen auf einer Pro-Israelischen Demo siehe hier, gerade mal 100 Figuren kamen zusammen.

 

2.) "Wie wäre Ihnen zumute, wenn man Sie „Berufsüberlebender“ nennen würde?" (Brief an Arno Lustiger)

"Holo mit Hajo - wie zwei Juden für die Leipziger den Hitler machen" wieder seine primitiven und äußerst unappetitlichen Beleidigungen veröffentlicht, die darin gipfeln, dass der 81-jährige Hajo G. Meyer als ein "Berufsüberlebender" beleidigt wird." (Brief von Melzer an Stefan Aust)

Richtig: Natürlich macht jemand der sich und sein Schicksal vermarktet oder es vorhat zu vermarkten, der bei jeder Gelegenheit seine Botschaft oder sein Schicksal zum Mittelpunkt seiner öffentlichen Auftritte macht, sein Anliegen zum Beruf. Er teilt ja ständig mit sich berufen zu fühlen, seine Umwelt von seinem Wirken in Kenntnis zu setzen. Dabei ist es völlig wurscht ob es sich um einen „Berufsfußballer“ handelt, der sicherlich auch noch Berufselektriker sein kann, oder Berufsboxer wir Dr. Wladimir Klitschko, der auch von Beruf Sportarzt ist, oder Gina Wild, die zwar von Beruf Krankenschwester ist aber eben auch Berufs-Pornostar ist oder zumindest war. Da es Hajo Meyers Mission ist die Tatsache das er (erfreulicherweise) den Holocaust überlebt hat als Schwerpunkt seines Daseins herauszustellen, kann an der Bezeichnung "Berufsüberlebender" nichts falsch sein. Das ist ganz unabhängig davon, daß Meyer außerdem auch Berufstechniker und Berufslaborleiter war. Da ich seit 2 Jahre blogge und Freude daran habe, was wichtiger ist aber täglich etliche Stunden damit zubringe, kann ich mich mit Fug und Recht „Berufsblogger“ nennen. Ich erinnere mich lächelnd an eine Zeit, als ein Franzose nach Polen reisen wollte und er "Unter-den-Linden" im polnischen Konsulat ein Visum beantragen musste. Auf den Fragebogen hatte er unter Beruf "Tourist" geschrieben. Als der Passbeamte das nicht anerkennen wollte klappte er seinen Pass auf und wies ihm an den Stempeln nach, das er einen überwiegenden Teil seines Lebens mit Reisen verbrachte, also Tourist war. Berufstourist, was der Beamte akzeptierte.

 

3.) "Ich kann nur hoffen, dass du dich an deinem gift bald verschluckst. Wir haben ja gesehen wie viel länger ein täter wie Goebels gelebt hat und was aus diesem talentierten propagandaminister geworden ist. Du hast es aber bisher nichteinmal zum PROPAGANDAMINISTER gebracht. Bei Hitler wärest du es sicherlich geworden." (aus einem Brief von Melzer an Broder)

Tatsache: Melzer rückt Broder in die Nähe der Nazis reagiert aber empfindlich wenn man ihm Anti-Semitismus vorwirft.

 

3.) "Und wenn Antisemiten gegen die Gesetze dieser Demokratie handeln, dann erwarte ich, dass man sie genauso bestraft, wie jeden anderen Verbrecher oder Kriminellen auch. Ich glaube aber nicht, dass Schmierereien auf einem jüdischen Friedhof oder an einer Synagoge, so widerlich das auch sei, schlimmer und verdammungswürdiger sind, als das Verbrennen eines Hauses in dem eine türkische Familie lebt." (aus einem Brief Melzers an die Süddeutsche Zeitung)

Falsch: Melzer relativiert hier Nazischmierereien und bringt sie in einen unzulässigen Zusammenhang mit Ausländerfeindlichkeit. Sicher, oft finden sich Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus bei den gleichen Gruppen. Dennoch haben angesichts der deutschen Geschichte Nazischmierereien eine andere Dimension. Insbesondere wenn  man die ihnen innewohnende Drohgebärde auf diejenigen berücksichtigt die bereits schlimmste Erfahrungen in Deutschland haben durchleben müssen.


4.)
"Wir halten es deshalb für erforderlich, auch die menschenverachtende, völkerrechtswidrige Politik des israelischen Staates und Anzeichen von Rassismus in Israel zu kritisieren." (Brief von Melzer an Stefan Aust)

Falsch: Es ist eindeutig antisemitisch Israel Menschenverachtung, Völkerrechtswidrigkeit und Rassismus vorzuwerfen. Jeder der Nachrichten aufnehmen kann und nicht ideologisch verblendet ist, kann erkennen, daß Israel sein Verteidigungsrecht, also ein Urrecht zur Bewahrung der Freiheit wahrnimmt. Natürlich kann man über bestimmte Aspekte und Entscheidungen der israelischen Politik unterschiedlicher Meinung sein. Aber die israelische Regierung ist eine aus demokratischen, freien Wahlen hervorgegangene und damit zu Selbstverteidigung des israelischen Staatsgebietes legitimierte Regierung. Die von Melzer behaupteten Verhaltensweisen Israels sind eine böswillige Unterstellung wie sie auch bei Neonazis, Holocaustleugnern und Ewiggestrigen zu finden ist. Melzer muss sich hier zu Recht vorwerfen lassen im gleichen Boot dieser Propagandisten des Israel- und Judenhasses zu sitzen. Insofern ist der Verdacht das er zum Antisemitismus neigt nicht unberechtigt. Die Tatsache, daß er selbst Jude ist schützt ihn vor dieser Dummheit nicht, wie sie ihn auch vor keiner anderen Dummheit schützen würde.

 

5.) "Kein Jude erträgt selbst ein objektives Urteil über "die" Juden, geschweige denn ein abfälliges, auch über einzelne Juden, oder Entartete, sobald das Judentum als solches im geringsten mitbelastet wird. Auch nicht, wenn ein solches Urteil von einem Juden ausgesprochen wird." (Brief von Melzer an Broder)

Richtig: Wenn man Melzers Gang zum Gericht sieht hat er, obwohl er diesen Absatz an Broder gewendet spricht, sich im Grunde selbst beschrieben. Melzer versucht die Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung per Gericht auszuhebeln. Die Declaration of Human Rights ist ihm als Verleger offensichtlich unbekannt.


6.) 
"Ich erhebe Einspruch gegen den widerwärtigen und heuchlerischen Beitrag des notorischen Hetzer und selbstgerechten Moralprediger Ralph Giordano, der nicht müde wird sein Gift in Ihrer Zeitung zu verspritzen, Hass zu predigen, Lügen zu verbreiten und so zu tun, als ob die deutschen Medien Israel „scharf kritisieren.“ Das Gegenteil ist der Fall. Ich wünschte, die deutschen Medien würden Israel tatsächlich scharf kritisieren und nicht mit Glacehandschuhen anfassen " (Melzer in einem Leserbrief an die Jüdische Allgemeine)

Tatsache: Melzer, die Mimose, die vor Gericht zieht um die Meinungsfreiheit einzuschränken, teilt selbst gern aus. Wenn Giordano empfindlich wäre hätte er Melzer wegen dieser Äußerungen ebenfalls vor Gericht zerren können. Mir ist unbekannt ob er es tat. Zu vermuten ist aber, daß ein international so anerkannter Mahner, eine Persönlichkeit dieses Ranges eher souverän reagiert und sich mit einem Kleinverleger und Kläffer wie Melzer nicht auseinander setzen wird. Melzer ist im Vergleich ein Zwergrehpinscher der einer Dogge an die Wade pinkeln will.

 

7.) Hallo Herr Stawski, ihr unsympathisches Gesicht und ihr blödes Grinsen hat mir neulich so gut gefallen,..." (Email an Sascha Stawski)

"Herr Laster, ich gratuliere Ihnen, dass endlich auch Sie auf das Kot-Niveau von Broder gelandet sind. Wenn man Ihre „Jüdische“ ein wenig liest, dann muß man sich schämen Jude zu sein und bekommt langsam auch Verständnis für Menschen, die solche Juden wie Sie hassen oder besser noch, verachten." (Brief an Samuel Laster den Herausgeber der Jüdischen)

Äußerungen einer beleidigten Leberwurst die zum Gericht rennt und gerne Anwälte beschäftigt...

 

Zusammenfassung über Abraham Melzer: Nimmt ein Verleger einen Autor in sein Programm auf muss er sich fragen ob das Buch der Wahrheit entspricht. Ein guter Verleger muss innerlich zu dem Werk seines Autors stehen. Sicherlich, merkantile Aspekte bestimmen seine Entscheidung. Aber Lügen zu verlegen ist eines guten Verlegers Sache nicht. Wenn Melzer Hajo G. Meyers Buch "Das Ende des Judentums" ankündigt mit den Worten  „Meyer beschreibe seine Abscheu vor dem moralischen Verfall der heutigen israelischen Gesellschaft“, dann muss er sich fragen lassen ob er wirklich glaubt, daß die israelische Gesellschaft vom Verfall bedroht ist, oder ob da jemand seinen Hass auf Israel austoben möchte. So was kann man natürlich verlegen. Nur sollte man dann nicht mit zweierlei Maß messen und empfindlich auf Zurückweisungen reagieren. Melzer muss sich bei diesem Buch, wenn ich die Rezensionen richtig verstanden habe, bewusst sein, daß er den Nazis und Antisemiten eine Steilvorlage liefert. Das riecht tasächlich nach durchschwitztem Braunhemd. Melzer macht sich Meyers Positionen zu eigen. Warum sollte ihn  die Tatsache dass er Jude ist vor dieser Kritik schützen? Schauen wir uns andere Bücher aus seinem Programm an und denken uns die gleichen Titel in einem Frey-Verlag, würde es uns nicht wundern:

1. Usama Abu-Gosh, Der Jude der Juden, Das Buch schildert den täglichen Rassismus der israelischen Gesellschaft 

2. Oswald Le Winter & Abraham Melzer (Hrsg), Semit, Vor allem die erbitterte Kritik am grausamen Vorgehen gegen die palästinensische Intifada polarisiert die Leserschaft.
3. Gideon Levy, Schrei geliebtes Land, ...Journalisten, die über das Leben der Palästinenser unter der israelischen Besatzung berichten...
4.
Anja Zückmantel/Salah Kanaan (Hrsg), Palästina- Alltagsleben unter Besatzung, ...die unmittelbaren Auswirkungen der israelischen Militärpräsenz sowie des Siedlungs- und Mauerbaus.
 

Melzer der sich als Neuordner sieht und damit zunächst verrät das er Deutscher ist und deutsche Hobbys pflegt: "Um das Übel im Heiligen Land zu beseitigen, bedürfe es mehrerer Schritte. Bevor man über die „Rückgabe von geraubtem Land und neue Grenzen verhandele, müsse Israel den Palästinensern die ebenfalls geraubte Ehre und Würde zurückgeben“. Das würde nichts kosten und könnte ganz schnell gehen. „Dann sollte Israel unisono aufstehen, seine begangene Schuld und entstandenes Unrecht eingestehen und das palästinensische Volk um Vergebung bitten.“ Dann muss Israel die palästinensische Identität anerkennen. Vorher könne man nicht über Wiedergutmachung und endgültige Grenzen verhandeln. Wenn all dies geschehen sei, dann, ja dann sei der Frieden kein Märchen mehr. Und dann könne sich die derzeitige „Hölle“ des Heiligen Landes endlich in das „Paradies“ wandeln, für das Israel und Palästina im Grunde alles mitbringen."

 

Ich will nicht alle Internetfundstücke dokumentieren. Jeder kann ja selber surfen. Aber ich gewinne ein Bild von einem unfertigen Menschen der erhebliche Selbstbewusstseinsprobleme hat. Es scheint ihm auch an Souveränität zu mangeln. Jemand der nicht bereit ist Kritik zu ertragen und meint Anwälte beschäftigen zu müssen, hat sich für mich schon von vorne herein ins Abseits gestellt. Diesen Konflikt hätte man bei einem Bier, mit einem Tritt gegen das Schienenbein oder durch ignorieren lösen können.

 

Schauen wir uns nun Hajo G. Meyer an und suchen uns zunächst Informationen über das zur Diskussion stehende Buch:

"Das Ende des Judentums
Hajo G. Meyer beschreibt in seinem Buch »Das Ende des Judentums« seine Abscheu vor dem moralischen Verfall der heutigen israelischen Gesellschaft. Meyer ist ein prominentes Mitglied von »Eine andere Jüdische Stimme«, eine Bewegung, die die jüdische Loyalität zu Israel dazu benutzt über Israel kritisch nachzudenken. In seinen sehr persönlich eingefärbten Betrachtungen über sein eigenes Leben — Meyer ist ein Überlebender von Auschwitz —, vergleicht er Israel mit Nazi-Deutschland. Er erklärt, dass wir bei Nazi-Deutschland nicht nur an den Mord an sechs Millionen Juden denken sollen, sondern auch den langen Weg, der bis zu diesem Ende geführt hat. Man sollte aber die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg betrachten, als die Juden bereits zu Parias reduziert wurden und aus dem tagtäglichen Leben der Bevölkerung zu verschwinden begannen. Hajo G. Meyer vergleicht die Situation der Juden damals mit der Lage der Palästinenser heute."
(Melzer Verlag)

 

Ein Mensch der schreibt verrät sich durch seine Worte. Ein Schriftsteller muss sich messen lassen an dem was er schreibt, über wen er schreibt und wie er schreibt. Er kann sarkastisch schreiben, er kann unflätig schreiben, er kann wütend schreiben, er darf FourLetterwords benutzen, er darf angreifen und beleidigen wenn es die Sache rechtfertigt und der Wahrheit dient. Die Wahrheit ist die einzige Messlatte, sofern es sich nicht um eine fiktive Geschichte handelt, die man anlegen darf. Die ich anlegen will. Es ist völlig wurscht ob es sich um einen literarisch anspruchsvollen Stil handelt oder nicht. Das ist eine Frage der Perspektive, der Fachbewertung berufener Geister, das entscheiden die Käufer an der Kasse. Aber wahr muss es sein. Und selbst die Fiktion darf  nicht so aufgebaut sein, daß sich der Autor von seinem Werk etwa distanzieren müsste.


"Bemerkenswert ist, dass er mit dem Abstand der Jahre und auf Grund seiner Beobachtungen der jüngsten Zeit zu dem Schluss kommt, dass die israelische Propaganda gegen alles Arabische - und insbesondere die Palästinenser - mit dem antisemitischen Diskurs des frühen Nationalsozialismus durchaus vergleichbar ist." ( Sabine Schiffer in einer Rezension)

 

Wenn man weitere Zitate und Textstellen aus Meyers Buch sucht, wird offensichtlich, daß Meyer Israel und Nazideutschland auf eine Stufe stellt. Das kann man einem jungen verblendeten Menschen, der linker antisemitischer Propaganda in irgendwelchen Friedenskreisen selbsternannter Friedenskämpfer aufgesessen ist vielleicht noch nachsehen. Einem 82 jährigen aber eben nicht. Es interessiert mich in diesem Zusammenhang doch überhaupt nicht ob er Jude ist oder Patagonier. Seine Aussagen müssen und sollen ja auch, so seine Absicht, ablesbar auch an seinen Vorträgen, junge Menschen erreichen. Da halte ich es, als Vater von vier Kindern, schon bedenklich die Singularität der Naziherrschaft gleichzusetzen mit der sich, in steter demokratischer Willensbildung stets erneuernden israelischen Gesellschaft. 

 

"Daß die meisten Juden in Israel und der Diaspora wieder zurückgreifen auf die nationalistische, rachsüchtige Seite des Judentums, ist eine große Enttäuschung... Ich, aufgewachsen mit den moralischen Prinzipien, die für die Reformer in den achtzig Jahren vor Hitler so wichtig waren, bin davon überzeugt, daß das Judentum Verrat an sich selber geübt hat." (Hajo Meyer in seinem Buch, Zitat via Achse des Guten)

 

"Heute will man, daß die Juden sich von Israel distanzieren," schreibt Emanuele Ottolenghi, in einem Beitrag für die WELT, und natürlich sollen das auch die Deutschen. Dafür hat Meyer offensichtlich sein Buch geschrieben, denn die über Jahrzehnte erlernte und empfundene Solidarität mit Israel, geboren aus einem berechtigten Schuldgefühl (nicht Komplex) gegenüber den Juden, scheint die Linke, die latent antisemitische Linke in Deutschland zu stören. Meyer:

 

"Es steht außer Frage, daß die Deutschen aus der NS-Vergangenheit eine Lehre gezogen haben. Sie haben nach dem Zweiten Weltkrieg bewiesen, die demokratischen Prinzipien begriffen und in hohem Maße internalisiert zu haben."

 

Das ist richtig und trifft etwa bis 1968, nach meiner Erinnerung, auch zu. Tatsache ist aber, daß die Linke ein neues Feindbild brauchte und sich, möglicherweise in Opposition zu Teilen der etablierten Nachkriegsgesellschaft, mit den Palästinensern solidarisierte. Die Pali-Tücher, mit denen einige meiner beknackten Klassenkameraden in der Schule erschienen sind unvergessen. Das war 1968! So wurde über den "unverdächtigen" Hebel Israelkritik die Abneigung gegen "jüdisches" wieder salonfähig. Emanuele Ottolenghi fährt fort:

 

"Einige Juden jedoch wählen einen anderen Weg. Sie suchen Gunst und Zustimmung, indem sie jede Anstrengung unternehmen, um sich anzupassen. Der heutige Antisemitismus erwartet von Juden nicht, daß sie von ihrem Glauben abfallen. Der aufgeklärte Teil des heutigen Europa hätte aber doch gern, daß die Juden im Tausch für die vollwertige Mitgliedschaft im Kreise der herrschenden Meinung ein Kernstück ihrer Identität aufgeben: ihr Selbstverständnis als jüdisches Volk, wie sie es durch ihre Bindung an den demokratischen Staat Israel und das zionistische Projekt ausdrücken. Vor wie nach der Aufklärung ist es dabei geblieben, daß Europas Eliten sich ihre guten und ihre schlechten Juden leisten."

 

Melzer und Meyer möchten die guten Juden sein, Sie buhlen um die Anerkennung der  Claqueure auf linker Seite von denen sie glauben, daß sie im Kreis dieser Gutmenschen besser akzeptiert werden. Es sind die Steinbergs und Arendts die ihnen ihre Portale anbieten und die Pazifisten die diese Vokabel wie einen Schild vor sich hertragen. Von Frieden durch Freiheit verstehen sie nichts.

 

Zurück zum Streit Melzer gegen Broder: Das Gerichtsurteil erscheint mir unverständlich. Es widerspricht meinem Rechtsempfinden. Die Richter haben Broders Buch "Der ewige Antisemit" offensichtlich nicht gelesen. Der Stil Broders ist brodertypisch und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Insofern stellt er ein Markenzeichen dar, wäre es anders geschrieben wäre es nicht Broder. Broder muß also als literarisches Gesamtkunstwerk gesehen werden. Sein Buch "Der ewige Antisemit" ist Teil, vielleicht wichtigster Teil seines mahnenden Schaffens. Typisch für Broder ist, das er Dinge beim Namen nennt und nicht lange um den heißen Brei redet. Darin unterscheidet er sich wohltuend von Politikern, zum Beispiel. Ich, als Leser, habe die Erwartung, daß ein Antisemit als Antisemit benannt werden darf, ein Mensch wie Melzer, wenn Broder zu der Auffassung kommt, ein "stinkendes Braunhemd", das eine "selbstendeckte Lücke mit braunem Dreck füllt" muss er so nennen dürfen. Ja, füllt er sie denn nicht, die Lücke? Und natürlich sind Juden genau wie Patagonier, Pygmäen oder Deutsche eben auch nicht generell immun gegen Judäophobie.

 

Es geht, für mich, nicht nur um die Frage, ob Broder im Einzelnen recht hat, ob und wie er unter literaturkritischen Gesichtspunkten angemessen formuliert hat. Wer sich in der Öffentlichkeit exponiert äußert wie Meyer und Melzer, zumal zu entzweienden Themen, muß sich auch harsche Kritik gefallen lassen. Nicht weniger als die Ausdrucksfreiheit und damit das Recht auf freie Meinungsäußerung steht auf dem Spiel. Die Persönlichkeitsrechte von Privatpersonen sind zu schützen. Bei Personen die sich selbst ins Rampenlicht begeben muß die Ausdrucksfreiheit auch in Form von negativer Kritik Vorrang haben

 

Bleibt die Frage: Ist der Richterspruch, also die Aufrechterhaltung der einstweiligen Verfügung, nur auf Deutschland beschränkt? Muß ja wohl. Der Geltungsbereich deutscher Rechtsprechung endet an seinen Grenzen. Hoffentlich! Also sollte Broder auf einen ausländichen Server oder eine im Ausland angesiedelte Webpage ausweichen um der Wahrheit letztlich doch zum Durchbruch zu verhelfen.

 

 


 

Hier kann man sich selbst ein Urteil bilden. Wenn Melzer schreibt entlarvt er sich selbst:

 

Links:

ABRAHAM MELZER: Leserbrief an die Jüdische Allgemeine

Offener Brief von Ralph Giordano

Melzer: Kritik an Ralph Giordano

http://www.henryk-broder.de -Melzer

Emanuele Ottolenghi

S. Schiffer - Meyer - Ende des Judentums

http://www.stoertebeker.net/blog/?p=2454

http://groups.yahoo.com/group/Honestly-Concerned-Mailingliste/message/1622

FAZ

Achse des Guten mit folgenden Links:

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1750&ref=0

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1749&ref=0

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1744&ref=0

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1734&ref=16

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1719&ref=32

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1702&ref=48

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1700&ref=48

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1693&ref=56

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1691&ref=56

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1690&ref=56

http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1689&ref=56

   

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Anonyme Email von rpg24.12.10.09.cg@t-online.de

 

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Ich bin immer von dem Mut einiger Leute beeindruckt wenn Sie mir Emails schreiben. Besonders anonyme Emails, die sonst eigentlich in den Trash-Bin verschoben werden:

Broder ist ein Mensch, der sich alle Rechte herausnimmt, vor allem das
Recht, alle, deren Meinung er schlecht findet, aufs Übelste zu
beschimpfen, seien das nun offen antisemitische Mailschreiber oder Leute
wie Paul Spiegel, Iris Berben etc. Die Überheblichkeit in Person, ein
selbsternannter Großinquisitor, der alleinig feststellen darf, wer
gefälligst Antisemit ist (etwa alle, die Israel auch nur irgendwie
kritisieren, natürlich alle, die ihn kritisieren). Jetzt ist er vor
Gericht endlich unterlegen, aber meinte vorher noch charmant, dass es
schon pikant sei, wenn "die Erben der Firma Freisler" in einer
innerjüdischen Sache entscheiden würden. Er stellte also mal schnell ein
deutsches Gericht in die direkte Nachfolge des berüchtigten
NS-Gerichtshofes unter Freisler. Eine Mimose, wer das eklig findet? Dass
du Broder und seine Beleidigungen gut findest, sagt einiges aus - über dich.

   

 

                     
 

     

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