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Robin Renitent, 20. Januar 2006

   

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Pelz ja bitte!

Ich erinnere mich noch deutlich einiger Bilder aus meiner Kindheit. Die Fleischerei bei der meine Eltern ihre Fleisch- und Wurstwaren einkauften hieß Geserich und war ein hervorragend geführtes Geschäft im Norden Berlins. Er, der Meister kam aus einer alten Fleischerfamilie, die so glaube ich mich zu erinnern, bereits einige Fleischereigeschäfte gehabt hatte. Sie, die Meisterin, täglich im Laden mitarbeitend, war ebenfalls eine Fleischerstochter. Die Leute waren extrem fleißig. Geserich fuhr jeden morgen um  4 Uhr zum Fleischmarkt und trug anschließend die nicht gerade leichten Schweine- und Rindshälften selbst in den Laden. Unübertroffen frische Ware.

 

Meine Mutter freundete sich mit der Familie an und eines Tages gestand Frau Geserich meiner Mutter, daß sie neben ihrem Opel auch noch einen Mercedes hätten der aber weiter weg in einer Seitenstraße in der Garage stehen würde. Und das sie den Mercedes am Wochenende zu einer Fahrt zum Ku’Damm nutzen würden. Ihren Pelzmantel, und damit wären wir beim Thema, trüge sie in einer großen Tüte zur Garage und zöge ihn  erst dort an. „Damit die Leute nicht sagen, da laufen meine Koteletts durch die Gegend…“ Das war der erste Fall von selbst erlebter Political Correctness dessen ich mich erinnere. Es erschien mir schon damals wie eine Art "vorauseilender Gehorsam", zumindest aber unnötige Konzession an den (nein Zeitgeist gab es noch nicht), an die Erwartungen der Umwelt.

 

Später, als es meinen Eltern etwas besser ging, kaufte mein Vater meiner Mutter ihren ersten Pelzmantel und noch mal 20 Jahre später schenkte er einen zweiten Mantel, eine Pelzjacke und eine wundervolle lange Stola. Der sehr seriös wirkende und gut erzogene Chef des Pelzladens gestand meinen Eltern, daß er demnächst schließen werde, der Druck der Anti-Pelzkämpfer und Tierschützer sei einfach zu groß. Die Politik würde sie, die Pelzhändler und Kürschner, im Stich lassen. Ich kaufte schnell noch eine wundervolle Bibermütze und er schenkte mir einen Gospodin-Kragen dazu. Erste Sahne. Das war vor 15 Jahren.

 

Danach schärfte sich meine Wahrnehmung für die Unbotmäßigkeiten und Anmaßungen bestimmter Mitmenschen, die, unter dem Deckmantel demokratischer Äußerungsmöglichkeiten, ihre Umwelt zu Handlungsänderungen zwingen wollten, die seit Generationen überliefert waren. Kaum lief man durch eine Fußgängerzone wurden einem Zettel unter die Nase gehalten, mit Bitten zu spenden und Unterschrift zu leisten, gegen Tierversuche, gegen Hühnerhaltung, gegen Fleischverzehr und gegen Pelzkleidung. Das Tierheim Lankwitz/Berlin bot Kunstpelze an. Wenn man aus dem Theater oder der Oper kam hatte man Angst, daß das hart erarbeitete gute Stück wärmenden Pelzes von irgendwelchen „Kämpfern für Tierrechte“ besprüht oder mit Säure begossen wurde. Tatsächlich änderte ich meine Verhalten und ließ meine Mutter im Foyer warten und fuhr mit dem Auto direkt vor den Eingang der Oper, so daß sie dann an meinem Arm schnell ins „Auto springen“ konnte.

Mit der Zeit wurden die Tierschützer immer penetranter und aufdringlicher. Ihre Fotos von gequälten Tieren, meisten Hunden und Affen verfehlten bei vielen Mitmenschen ihre Wirkung nicht. Sie zielten von vorne herein auf den Bauch, also die Emotionen, nie aufs Gehirn, eine inhaltliche Auseinandersetzung kam nicht zustande. Hier glichen und gleichen sie dem späteren Michael Moore, der ja ähnlich unseriöse Techniken der Massenbeeinflussung anwendet. Mein einmaliger Versuch, einen solchen Straßenidioten in ein Gespräch zu verwickeln und ihm Informationen darüber zu entlocken wer ihn, der er doch täglich auf der Straße stünde, eigentlich und wovon bezahlt, wurde mit Aggression abgeblockt.

Bei genauerer Betrachtung war es tragisch, die Generation meiner Eltern, die die Aufbauarbeit im Nachkriegsdeutschland geleistet hatte und die, wie mein Vater, Brennnesselsalat vom am Straßenrand gefundenen Brennnesseln bereiten mussten um zu überleben, sollten sich nun ihre hart erarbeiteten Steaks, Rollbraten, Salamiwürste und Pelzmützen und Mäntel von Typen vermiesen lassen, die außer Zettel in Fußgängerzonen zu verteilen noch nichts richtiges gemacht hatten. Das ließ in mir eine tiefe Abneigung entstehen und ich hatte meinerseits Aggressionen gegen diese Unverfrorenheit zu unterdrücken. Schade, daß ich so gewaltfrei erzogen war, ich hätte manchem der Aufdringlinge gerne mal die Fresse poliert.

Ich hatte und habe im Prinzip nichts dagegen Tierhaltung zu verbessern, Hygiene in Stallungen zu überwachen und natürlich auch nichts gegen den Artenschutz vom Aussterben bedrohter Tiere. Über all diese Themen kann man ruhig und zielgerichtet reden und, sollten irgendwo Verstöße vorkommen, wären die zu ahnden. Aber hier ging es um etwas anderes. Es wurde eine politische Zeitgeistbotschaft, also eine Botschaft der gerade politischen Korrektheit, zum Verhaltensdiktat gemacht. Wir erleben das ja auch in anderen Bereichen. Es geht also nicht mehr um die sorgfältige Diskussion eines Für und Wider, sondern es geht um massiven Druck der der Entscheidungs- und Wahlfreiheit eines mündigen Bürgers entgegensteht. Wenn man also am Betreten von Kaufhäusern gehindert wird, oder Läden und Industriezweige zur Aufgabe gezwungen werden, ist das Maß des Zumutbaren erreicht.

Dabei wird das Zerstören von Existenzen in Kauf genommen, ja bewusst angesteuert. Wir haben das, um mal zwei Beispiele herauszugreifen, bei den Robben an Kanadas Ostküste gesehen und bei den Kürschnern. Wissenschaftlich nicht haltbare Thesen werden verbreitet und seriöse, unaufgeregte Forschung unterdrückt. Aus eigener Anschauung weiß ich, daß die Tierlobby in Kanada so aktiv war, daß die Robbenpopulation wieder deutlich zunahm. Nun sind die Fischbestände verwurmt. Davon waren sind tausende von Fischern betroffen, seit Generationen in diesem Gewerbe, die sich dieser massiven „Emotionsindustrie“, denn die Tierlobby produziert Emotionen wie eine Industrie, wenig entgegen zu setzen haben.

Auch bei den Kürschnern ist es ähnlich. Hier kommt noch der Neidfaktor hinzu: Wer einen Pelz trägt ist „reich“, kann man Mitleid mit „Reichen“ haben? Nein, die sozialschmarotzenden Zettelverteiler und Berufsdemonstranten schert das nicht und sie können auf das nicht vorhandene Verteidigungsphlegma der nicht betroffenen Bevölkerung vertrauen.

Die Offensive gegen den Pelzhandel.de im Wortlaut:

"Die Offensive gegen die Pelzindustrie ist eine Kampagnengruppe, die für die Abschaffung des Pelzhandels eintritt. Als Kampagne ist sie auf Pelz bezogen, verfolgt ein bestimmtes Fernziel (Beendigung der Pelzindustrie) und mehrere Nahziele (Pelzverkaufsstopp in einzelnen Waren- und Modehäusern, Schließung von Pelzläden und sog. Pelztierfarmen, gesetzliches Verbot der Pelztierhaltung). Für die Realisierung dieser Ziele entwickelt sie eine bestimmte Strategie (einen Aktionsplan) und verfügt über eine Netzwerkstruktur. Die Offensive gegen die Pelzindustrie - und mit ihr ihre einzelnen Kampagnen gegen den Pelzhandel - versteht sich ausdrücklich als Teil der Tierrechtsbewegung und Tierbefreiungsbewegung. Sie kämpft für die Rechte und die Befreiung der Tiere und stellt sich damit grundsätzlich gegen die systematische und institutionalisierte Gewalt gegen Tiere in all ihren Formen, auch wenn sie sich aus strategischen Gründen hier auf die Pelzindustrie konzentriert. Sie fordert keine Reform der Tierausbeutung und somit zum Beispiel keine Reform der Pelztierhaltung, sondern ihre Abschaffung. Eine friedliche Koexistenz zwischen der menschlichen Gesellschaft und tierlichen Individuen sieht sie in der veganen Lebensweise. In ihrem Selbstverständnis bedeutet diese eine generelle Ablehnung jeglicher Diskriminierung und Ausbeutung von Individuen."


Die Familien der Fischer und Kürschner beispielsweise sind Individuen die nicht interessieren. Sie sind schuldig! Täter wie man sie in den Pelzaktivistenkreisen nennt. Basta! Im Falle der Kürschner handelt es sich um eine seit Jahrhunderten praktizierte und verfeinerte Handwerkskunst, die das Bedürfnis des Menschen nach warmer und modischer Kleidung bediente. In einer Zeit, wo viele Handwerksberufe auf Grund industrieller Massenproduktion einfach verschwinden, sollte Handwerkskünste unterstützt und nicht bekämpft werden.

PETA, als bekannteste Organisation verschließt sich anderen Argumenten gleich völlig. Es gibt nicht mal richtige Ansprechpartner oder Kontaktemails auf den Webpages. Hinzu kommt eine unlautere Verquickung historisch nicht zu vergleichender Sachverhalte. Die Gleichsetzung des Holocaust mit einer eventuell zu kritisierenden Tierhaltung ist unzulässig, weil sie die Einmaligkeit des Holocaust relativiert. Den Holocaust werbemäßig für Zeitgeistkampagnen zu vereinnahmen ist schon ein starkes Stück der Opferverhöhnung.

Es enttäuscht zutiefst, daß große Unternehmen sich dem Druck einer zwar aktiven aber dennoch Minderheitsgruppe kampflos beugen und Pelzprodukte (Quelle, Karstadt, etc) oder beispielsweise Lobster/Hummer (Metro) aus dem Vertriebsprogramm nehmen. Die verantwortlichen Manager haben kein Rückrat und kein Durchhaltevermögen. Die Politik der Geschäftsleitung von C&A kann ich deshalb nur nachdrücklich begrüßen. Wenn wir jetzt bei jeder Forderung irgendwelcher Minderheiten einknicken, keine Pelze mehr tragen dürfen, weil es den Tierrechtlern nicht passt, auch keine Lobster mehr essen, keine Lederschuhe mehr tragen, keine Zeichnungen von Mohammed anfertigen, weil es den Moslems nicht passt, nicht mehr ins Flugzeug steigen um, nach des Jahres Arbeit den Süden zu genießen und am Sonntagnachmittag Tante Frida im Altersheim nicht mehr im Auto besuchen dürfen, weil es den Grünen nicht gefällt, dann ist unserer Freiheit wirklich in Gefahr.

Ich jedenfalls erfreue mich im Winter täglich an meiner warmen und ansehnlichen Pelzmütze und habe auch meinem Sohn eine geschenkt. Insofern bin ich nach der Semantik der Gutmenschen ein Täter. Na mit Vergnügen! Gut, dass es noch Länder gibt, z.B. Russland, wo es schwer vorstellbar ist, daß Pelzmützen abgeschafft werden und wo der lange Arm der selbst ernannten Existenzvernichter (bisher) nicht hinreicht.

 

Links:

Der Standard

http://www.offensive-gegen-die-pelzindustrie.de/

http://www.gan.ca/campaigns/fur+trade/bedo+goes+fur+free.en.html

http://www.peekundcloppenburg.de/puc_neu/de/home/home.html

   

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schutz@schonepelze.de  - Email. 21.01.2006

 

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Ja, wir finden es auch demokratisch fühlende und Leidensfähige Lebewesen lebenslang brutal zu quälen, um sie dann zu vergasen - schließlich wollen Sie ja ihren Pelz tragen. Da haben wir schon Verständnis. Überhaupt sollten wir viel demokratischer werden. So könnten wir z.B. dem Autofahrer, der vor uns so langsam fuhr und nun an der Ampel steht aus dem Auto zerren und erschießen - schließlich wollten wir doch schneller fahren. Das ist Demokratie!

Ihnen ist nicht zu helfen. Typen wie Sie wird es immer geben - und da das so ist, besser Sie als wir. Sie genießen unser Mitleid.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre ESA e.V.

   
                     
 

     

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