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Von Honecker und Hoppe
"Den Sozialismus in seinem Lauf
hält weder Ochs noch Esel auf." Dieser Ausspruch einer der größten "Lichtgestalten unter den deutschen Kommunisten", der "leider viel zu früh und im Ausland verstorbene Politiker, Dichter und Denker" Erich Honecker ist uns ja allen noch gegenwärtig. Und was haben wir uns im Westen besonders, aber auch im Osten
amüsiert und auf die Schenkel gehauen.
Dann fiel die Mauer, und mit jedem absplitternden Bröckchen des Betons sahen wir nicht nur die Teilung Deutschlands zersplittern, sondern auch den Sozialismus zerbersten. Wir Deutschen waren so besessen davon die Erinnerung an den ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden auszulöschen, daß wir die Mauer so gründlich entsorgten, daß man
Mühe hat den eigenen Kindern oder Enkelkindern seine Jugend zu erklären. Man muss inzwischen nach Dayton Ohio ins Air-Force Museum oder nach Lunenburg, am Allerwertesten der Welt, in Nova Scotia, Kanada fahren um noch ein Mauerelement zu finden.
Die Demokratie in der Deutschen Demokratischen Republik wurde ersetzt durch die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland. Nun, das war eine richtige Demokratie zum anfassen, eine Demokratie mit ihren wirklichen demokratischen Elementen, freien und nicht gefakten Wahlen, Reisefreiheit, Meinungsfreiheit, Mitbestimmung und freiem
wirtschaftlichen Handeln. Und während in den neuen Bundesländern der Exodus ungebrochen weiter in Richtung Westen ging, zahlreiche Nostalgiker dem heimeligen Mief vergangener SED-Zeiten nachtrauerten, kommunistische Altkader zu akzeptablen Talkshowgästen einer „neuen“ PDS mutierten, schwappte die mentale sozialistische Bodendüngung verstärkt
in die alten Bundesländer um sich hier mit der westlich sozialistischen Umverteilungsmentalität zu verbinden.
Die erste große sozialistische Umverteilung im wiedervereinigten Deutschland war denn auch der Geldtransfer von West nach Ost um auf sozialistische Weise den sozialistischen Brüdern unter die Arme zu greifen.
Tatsächlich entwickeln sich Deutschland, wie alle westlichen Demokratien, immer mehr zu einem Staat „sozialistischer Vollkommenheit“. In Anlehnung an Hans Hermann Hoppe kann man feststellen, daß „der Endpunkt aller Demokratien der Sozialismus ist".
Und wenn ich „Ist“ und nicht „könnte“ schreibe, dann meine ich es auch so, der Weg ist nicht nur sichtbar beschritten, er ist weit fortgeschritten. Da ich die moralischen Einlassungen Hoppes hier überspringen will zitiere ich aus seinem Vorwort zu „Demokratie, der Gott der keiner ist“: *
„Demokratie fördert Kurzsichtigkeit, Kapitalverschwendung, Unverantwortlichkeit und moralischen Relativismus. Sie führt zu dauernder zwangsweiser Einkommens- und Vermögensumverteilung
und ständiger Rechtsunsicherheit. Sie ist kontraproduktiv. Sie fördert das Demagogentum und den Egalitarismus. Sie ist nach innen gegenüber der eigenen Bevoelkerung und nach außen hin aggressiv und tendenziell totalitär. Insgesamt führt sie zu einem dramatischen Anstieg der Staatsmacht, erkennbar an der Größe staatlicher - parasitär durch
Steuern und Enteignung eingetriebener -Einnahmen und Vermögensbestände im Verhältnis zur Größe produktiv - im Markt - erwirtschafteter Einkommen und Vermögen, und dem Umfang und der Reichweite staatlicher Gesetzgebung. Sie ist ebenso zum Untergang bestimmt, wie der Sowjetkommunismus zum Untergang bestimmt war.“
Hoppe, der, als Wirtschaftsprofessor an der Universität von Nevada unterrichtend, die Monarchien in ihrer wirtschaftlichen Effizienz im Verhältnis zur
demokratischen Staatsverfassung am Beispiel der Habsburger untersucht hat, kommt zu dem nachvollziehbaren Ergebnis, daß in der Monarchie, weil ein Herrscher langfristiger denkend und orientiert am eigenen Vermögenszuwachs, weniger Enteignung und Umverteilung stattfindet. Auch möchte er seinen Erben ein „gepflegtes“
Erbe hinterlassen, sein Interesse an geringer Staatsverschuldung ist deshalb groß. Der Bürger wird, in seinem wirtschaftlichen Handeln, weit gehend in Ruhe gelassen. Ein permanenter Aderlass zur Finanzierung zahlreicher staatsabhängiger Empfängergruppen ist nicht der Fall. Hoppe wählt das Beispiel der Habsburger und hält
die Zerschlagung dieser Monarchie für einen Fehler. Das Beispiel der Habsburger ist natürlich geschickt gewählt, denn deren Herrscher waren keine Tyrannen. Hoppe ist denn auch kein Monarchist, er stellt den Staat an sich in Frage und hält fest:
„Die Existenz eines jeden Staates führt so zum einen zur Entwicklung und Förderung des Schmarotzertums. Als Steuerempfängern ist es den Inhabern des Staates
möglich, zu leben ohne zu arbeiten, d. h. ohne eine den Steuerzahlern annehmbar erscheinende Gegenleistung erbringen zu müssen. Entgegen der immer noch weit verbreiteten marxistischen Mythologie sind es nicht die Unternehmer, die ihre Arbeiter ausbeuten. Vielmehr sind es die Staatsinhaber: der König und sein Hof im Fall der Monarchie, und der
Präsident, das Parlament und der so genannte öffentliche Dienst im Fall der Demokratie, d. h. diejenigen die lauthals für das so genannte "öffentliche Wohl" arbeiten, die tatsächlich auf Kosten anderer - ausbeuterisch, parasitär - leben. Je höher die Steuereinnahmen, umso besser geht es den Schmarotzern und/oder umso mehr Schmarotzer gibt
es.“ Von meinem libertären Ansatz her gibt es viele Positionen in Hoppes Buch mit denen ich mich identifizieren kann. Die Einsicht, daß der
überbordende demokratische Staat zunehmend individualitätsfeindliche und unfreiheitliche Elemente enthält ist nicht zu übersehen. Die gestern wieder in populistischer Weise ins Gespräch gebrachte „Reichensteuer“, eine Neidsteuer, die zwar von der SPD gewünscht wurde, aber im
Koalitionsgeschacher von der CDU/CSU Zustimmung erfuhr, ist ein grandioses Beispiel dafür, daß unserer Demokratie nicht nur die tatsächliche Opposition fehlt, sondern sie sich unter dem Schirm ausnahmslos aller in Deutschland vertretenen Parteien auf die Endform des Sozialismus zubewegt. Schon der Slogan "Reichensteuer". Er soll die
SPD besänftigen, zeigt das wir in einer Staatsverfassung leben in der ständig jemand besänftigt werden muss, der politische Gegner, die die Kollegen, die Kabinettsmitglieder, die religiösen Minderheiten, die sexuellen Außenseiter, die Kindergärtnerinnen, Terrorversteher, Biolatschenträger, Kopftuchverteidiger und
Joghurtesser.
Das was Reichtum ist oder ausmacht ist eine von Launen und populistischen Einschätzungen abhängige Enteignungsschraube die jederzeit angezogen werden kann. Erinnern wir uns zurück, bei der mehrfach umbenannten Quellensteuer galt bereits ein Zinsertrag von 6000.- DM als "Reichtum".
Insofern kann man berechtigt die Frage stellen, inwiefern respektiert eine Demokratie den individualistischen, eigenverantwortlichen Bürger. Inwieweit achtet sie sein Eigentum. Die Freiheit in Verantwortung zu entscheiden, zu handeln und zu nachprüfbaren Ergebnissen zu kommen,
wird, im „Namen der Allgemeinheit“, unterlaufen. Die grundgesetzlich verankerte soziale Bindung des Eigentums kann nicht per Enteignung umgesetzt werden. Die liberale Idee, am Diesseits orientiert, und nicht an einem religiösen oder sozialistischen Zukunftsversprechen, ist ständig in der Gefahr gerade auch von
„demokratischen“ Politikern und Heilsversprechern permanent ausgehebelt zu werden.
Das Demokratie, so wie wir in ihr erzogen, als unantastbarer Gott, im Gegensatz zu Diktaturen, begriffen und verinnerlicht, bei nüchterner Betrachtung, aber unter dem Eindruck des bereits mehrwöchigen unwürdigen Programmgekungels und Postengeschachers einerseits, der in Aussicht gestellten weiteren legalen Enteignung,
der Krawalle in Frankreich (und der damit verbundenen Folgekosten aus erneuter „Ruhigstellung“ von Minderheiten) andererseits, nicht eine wirklich freie, libertäre und autonome Entwicklung des Einzelnen ermöglicht, dürfte auch dem letzten, nicht sozialistisch indoktrinierten, Beobachter klar
geworden sein. Der wirkliche Schaden sowohl für die Volkswirtschaft als auch für die Motivation des Einzelnen, ist der permanente Diebstahl und Zugriff auf erarbeites und ererbtes Eigentum.
In diesen Zusammenhang und im Angesicht des gerade gehörten Lamentos paßt dann auch diese Meldung: „6000 junge deutsche Forscher arbeiten nach Angaben der German Scholars Organisation (GSO) derzeit in den USA. "Ein Viertel der Forscher, die in die USA gehen, kommt nicht nach
Deutschland zurück", sagt GSO-Gründer Professor Eicke Weber.“ Warum? Neben der finanziell besseren Ausstattung ist es besonders die Freiheit der Forschung die deutsche Wissenschaftler reizt. Ein Professor Hoppe beispielsweise, würde in Deutschland nicht mal seinen Fuß in die Universitätstür bekommen.
Hoppe selbst bietet in seinem Denkmodell eine natürliche Ordnung an, die, ähnlich wie auch David Friedman uns gelehrt hat, ein Lebens- und Gesellschaftsmanagment auf freiwilliger Vertragsgrundlage vorsieht. Rechts- und Sicherheitsleistungen werden von spezialisierten Dienstleistern erbracht, (der Leistungsnehmer zahlt die Leistung deren
er bedarf) ein autonomes wirtschaftliches Handeln ermöglicht, eine Zwangsenteignung durch den Staat ist nicht mehr möglich. Hoppe ist keiner der zum Steineschmeißen auffordert, eine blutige Revolution herbeipredigt. Aber eine Bewegung zu initiieren, die radikal neue liberale und libertäre Wege aufzeigt,
könnte und sollte aus seinen Überlegungen schon erwachsen.
Gebundene
Ausgabe - 547 Seiten - Manuscriptum
Erscheinungsdatum: Oktober 2003
ISBN: 3933497868 € 24.80
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Hans-Hermann Hoppe, an Austrian school economist and libertarian/anarcho- capitalist philosopher, is
Professor of Economics at UNLV, Distinguished
Fellow with the Ludwig von Mises Institute,
and Editor-at-Large of the Journal of Libertarian Studies.
http://www.hanshoppe.com/ http://www.unlv.edu/Colleges/Business/Economics/facultypages/hoppe.htm
http://www.mises.org/ http://www.hanshoppe.com/jls/index.php
http://www.lewrockwell.com/
Update, November, 22nd, 2005
Heute erschien ein interessanter Artikel auf Der Achse des Guten "Die Irrtümer des Hans-Hermann Hoppe" eingestellt von Michael Miersch. Da setzen sich Bijan Nowroussian, Staatsanwalt in Kiel und Dr. Oliver Marc Hartwich, International Policy Network, London sehr kritisch mit Hoppes Thesen
auseinander. siehe Direktlink: http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=1361&ref=0
Sie kommen in ihrer Aanlyse zu dem Schluß, das ein so radiakal anarchistsich-libertärer Ansatz wie Hoppe ihn verfolgt letztlich freiheitsfeindlich ist. Dieser Artikel ist unbedingt empfehlenswert. Und in der Tat führen die beiden Autoren Beispiele auf die das Rechtskonstrukt in den Hoppe'schen Theorien
auf schwachen Füssen erscheinen lassen. Allerdings hat auch David Friedman ähnliche Thesen vertreten, wenn auch nicht in dieser Radikalität. Ich werde, wenn ich Zeit habe noch näher auf den nicht konstruktiven Teil der Hoppe'schen Staatsablehnun eingehen. Nach meiner Auffassung und im Gegensatz zu Hoppe, aber auch im Gegensatz zu den beiden Autoren
ist doch möglich eine praktizierbare Lösung für diesen Theoriekonflikt zu finden. Die beiden Verfasser stellen jedenfalls am Ende ihrer langen Ausführungen fest:
"Hoppes Irrtümer halten wir in zweierlei Hinsicht für bedauerlich: Zum einen ist Hoppe ein hochintelligenter und hochgebildeter Ökonom, der aber - aus welchen Gründen auch immer - nicht bemerkt, wo er den von ihm vertretenen Werten der Freiheit und des Eigentums durch seine Argumentation schweren Schaden zufügt. Dies ist die persönliche Tragik des
Hans-Hermann Hoppe. Zum anderen ist es aber auch für die gesellschaftspolitische Diskussion tragisch, denn in einer Zeit, in der wir von krakenhaft um sich greifenden Wohlfahrtsstaaten umgeben sind, täte es gut, wenn Denker wie Hoppe konstruktive Beiträge zur Behebung der drängenden Probleme der Gegenwart lieferten, statt sich in ein
anarchokapitalistisches Wolkenkuckucksheim zu flüchten. Aufgrund der aufgezeigten argumentativen Schwächen und Irrtümer des Hans-Hermann Hoppe ist dabei anzunehmen, dass seine Ideen eine Fußnote der sozialphilosophischen Ideengeschichte bleiben werden. Eine effektive Strategie der Befreiung sähe anders aus."
Das ist wohl war. Aber Anarchokapitalismus muß kein Wolkenkuckucksheim sein. Es gibt, wie ich bereits teilweise vorgelebt habe, sehr wohl Möglichkeiten radikal-libertär zu leben und dennoch den Sinn für das Gemeinwohl nicht zu
verlieren. |
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