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"Der mit dem Schröder tanzte"
"Wer in diesen Tagen das widerwärtige Berlusconi-hafte Gehabe von Gerhard Schröder sieht, dieses geradezu obszöne Nicht-loslassen-Wollen, der erkennt den Unterschied. Es ist der Unterschied zwischen groß und Gernegroß.“
Das ist der vorletzte Satz in einem Nachruf des Sternreporters Tilman Gerwien auf Joschka Fischer. Sicher, in Bezug auf Schröder gefällt mir der Satz, denn Schröders Verhalten ist wirklich nicht von Souveränität und Größe gekennzeichnet. Aber, wer hatte etwas anderes erwartet? Wer beobachten konnte, dem war klar, daß Schröder Schröder ist.
Und das erklärt bereits alles.
Die übrigen Absätze in Gerwiens Artikel über Fischer vermittelt dagegen nur die Freude eines kleinen Jungen der mal beim Häuptling ins Zelt darf. Er gehört offensichtlich zu der Journaille die an dem Wappen: „Fischer der beliebteste Deutsche“ kräftig mitgehäkelt hat. Das ist für Gerwien als persönliche Lebenserinnerung vielleicht noch
verständlich und entschuldbar. Als Beschreibung der Persönlichkeit Fischers ist es eher einseitig und distanzlos. Der Mann vergisst, oder will vergessen, vermutlich weil er im gleichen politischen Äppelkahn wie Fischer rudert, wie nachhaltig Fischer und Konsorten unsere Republik umgekrempelt haben und wie dauerhaft sie Deutschlands Ansehen im
Ausland beschädigt haben. Mit Ausland meine ich jetzt nicht etwa unsere neuen palästinensischen Freunde. Deren Anerkennung und Applaus sollte uns zunächst mal wurscht sein. Aber unsere amerikanischen Freunde, unser Verhältnis zu den anderen Bündnispartnern, unser Gesicht in der Gemeinschaft der Länder die westlichen Werten verpflichtet sind
hat so dauerhaft gelitten, daß es Jahre dauern wird, das wieder zu reparieren.
Darüber hinaus war an der Errichtung einer illiberalen Meinungsdiktatur, die in ihrer Nachhaltigkeit an den Tunnelblick von 1933 erinnert, wenn natürlich auch ohne die Konsequenzen für den Einzelnen, Fischer maßgebend beteiligt. Die im 68iger Sinne pseudosozial instrumentalisierte Freiheit der Fischers hat mit Freiheit in Selbstverantwortung
nicht zu tun. Man kann sogar sagen, daß die Protagonisten dieses Umbaues zur Staatshörigkeit Deutschland nicht weniger prägten als die Verfechter nationalsozialistischer Ideen. Die haben dann aber, von Ausnahmen abgesehen, nur 12 Jahre gehalten. Die Turnschuhs wandeln auf ihren verdörrten Böden schon 37 Jahre.
In dem Bemühen die linken, grünen, rotgrünen Eiferer noch zu überholen, haben auch konservative CDU-ler und bedauerlicherweise auch gelbliberale Freiheitsfreunde viel dieser grünen Nebeltröpfchen eingeatmet. Geprägt von der staatsnahen Denke vergangener Dekaden ist eine Umkehr hin zu liberaler Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit und
Eigenverantwortung nicht zu erwarten.
Diejenigen die schon immer gerne an der Staatsschürze hingen, sich gierig auf die almosenhaft hingeworfenen Brocken der Umverteilung stürzten, können sich bei den Fischers bedanken. Ihnen wird der Artikel von Gerwien aus der Seele sprechen. Sein leicht angemüdeter, (positiv gesehen vielleicht auch souveräner) Abgang bleibt denn auch das
einzig Positive dessen ich mich erinnern werde.
Ist es nicht merkwürdig? Deutschland windet seinen Politikern zu gerne Kränze. Zumal wenn sie als Postkartenmaler oder Fotografen angefangen haben. Das der Kranz des Postkartenmalers heute nur von verblendeten Irren gewunden wird ist dabei der einzige Trost.
Der Kinderladenkindergenerationsikone Fischer werden hoffentlich auch nicht allzu lange Kränze geflochten. Man muss optimistisch bleiben und hoffen, daß eine neue Generation ihr Leben wieder in die Hand nimmt und vertrocknete Kränze da ablegt wo sie hingehören: Auf dem Friedhof der Geschichte!
Stern-Artikel http://www.stern.de/politik/deutschland/546842.html?nv=nl_hp_tt |
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