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Organisierte Kultur - Staatskultur Man muß einfach öfter Biographien lesen. Wie sich Spitzenkünstler erinnern, wenn sie von ihren Auftritten in Berlin sprechen, sich ihrer und der Erfolge ihrer
Kollegen entsinnen, lernt man mehr über die (Kultur-)Geschichte der Stadt als in allen verteilten Broschüren Tourismusförderungsprogrammen und grandiosen Internetauftritten zu lesen ist. Die Iniativen für ihre Auftritte, für ein reiches Kulturleben ging von den Künstlern und ihren Agenten aus. Wenn Max Reinhard, Yehudi Menuhin oder
Fritz Busch in Berlin auftraten hatten sie ihr Publikum und ihre Aufführungen oder Darbietungen hatten internationalen Rang. Man erinnerte sich ihrer noch nach Jahren und Maßstab war allein ihre Qualität. Niemand schrie nach Vater Staat und eine Beauftragte für Kultur und Medien im Range einer Staatsministerin brauchte auch
niemand. Wenn ich heute lese, daß an der (staatlichen) Kulturförderung unter der derzeitigen Kultur-Staatsministerin (allein schon das Wort...) Christina
Weiss eine Behörde mit 190 Mitarbeitern werkelt und "der Haushalt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien für das Jahr 2005 Ausgaben in Höhe von rund 1,041 Milliarden Euro vor sieht" kommt mir die Galle hoch. Zitat:
Seit Oktober 2002 ist Christina Weiss die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Ihr Anliegen ist es, Kultur- und Medienpolitik nachhaltig zu gestalten und die
Voraussetzungen für ein kulturfreundliches Klima in Deutschland zu schaffen. (...) Deutschland hat ein reiches musikalisches Erbe - und eine starke zeitgenössische Musikszene. Um die Pflege der Musik vom Barock bis zur Moderne zu fördern und um die aktuelle Szene von Neuer Musik bis Pop zu unterstützen, engagiert sich
die BKM finanziell bei ausgewählten Einrichtungen, Organisationen und Projekten, die im In- und Ausland Bedeutung erlangt haben. Na toll. Lassen wir mal, nur so
und beispielsweise Hubert Giesen, einen der berühmtesten Pianisten und Klavierbegleiter des letzten Jahrhunderts zu Wort kommen: "Man kann ohne
Übertreibungen sagen: Berlin war in den zwanziger Jahren der Maßstab für die ganze Welt; wer hier Erfolg hatte, war in wenigen Tagen berühmt und bekannt."
Ja eben. Das kann man heute, trotz eines Etats von über 1 Milliarde € wohl nicht behaupten. Und wer per Deklaration oder Schönreden Berlin dennoch aufwertet schwindelt sich und uns die Hucke voll. Schickt die Staatsministerin und ihre 190 Bleistifthalter nach hause, laßt die Künstler sich selbst durchsetzen. Das
schafft Qualität und trennt die Spreu vom Weizen. Aber wie sagte "uns Gerhard" gestern abend: "Wir brauchen viel Staat!" So ein Hirni. |