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Abhängigkeit vom Sozialstaat Nicht nur ich, andere Leute machen sich auch Gedanken. Einer der die Situation Deutschlands und Europas auf den Punkt bringt ist
Mark Steyn. Der hat eine eigene sehr gut gemachte Webpage, und bietet gelegentlich auch Artikel in deutscher Übersetzung an. Die werden dann in verschiedenen Medien nachgeduckt, z.B. „Die Welt“. Auf meinen Lieblingsseiten könnte ich den
ganzen Tag lesen, aber dann käme ich nicht mehr dazu selber was zu schreiben. Der Tag ist halt zu kurz jedenfalls für mich. Ich kenne aber einige faule Säcke persönlich, denen Vater Staat das Kissen untern Hintern gerade rückt. Die, bei einem Bierchen (Getränkesteuer!) fürchterlich auf Steuern, von denen sie fast keine zahlen und Angela
Merkel fluchen und ein Schreckensszenario über die zu erwartende Eiseskälte aufbauen. Nee, die sprechen nicht vom Klima, die haben Angst, daß sie mal wieder was machen, müssen, wovon sie seit langem entwöhnt sind. Nämlich nachdenken! Auch über sich selbst. Mir kommt dauernd die Galle hoch (dabei wurde mir die 2001 entfernt) wenn ich diese
wahnsinnige Anspruchshaltung sehe, die viele meiner Mitmenschen auszeichnet. Chlodwig Poth der im letzten Jahr zu früh verstorbene unvergleichliche Satiriker bundesdeutscher Zustände hat einmal gesagt: „Du wachst morgens auf, bist eigentlich guter Laune, es ist ein schöner heller Tag - und dann
musst du dich hinsetzen und dich über irgendwas ärgern.“ So geht’s mir auch. Andererseits kann man nur als Sanguiniker überleben und ich werde es auch.
Mark Steyn jedenfalls hat es auf den Punkt gebracht:
"Mit anderen Worten: die Lage muss noch viel schlimmer werden, bevor die Deutschen anfangen, über ernsthafte Veränderungen
nachzudenken. Und dann ist immer noch die Frage, ob die Union der Träger dieser Veränderungen sein wird, oder nicht eher die Ex-Kommis oder Neo-Nazis oder irgendeine andere Randgruppe. Deshalb sollte eine ernsthafte "Reformpartei" nicht den Status quo stärken. Die CDU hat nichts zu gewinnen bei einem Zusammenschluss mit der SPD zur großen
Koalition der Unbegabten. Alles, was dabei herauskommen kann, ist, daß man sie, statt Gerhard Schröder, verantwortlich macht für die anhaltende Sklerose. Nur die Grünen und die Linkspartei wären die Opposition; und das Letzte, was Deutschland jetzt braucht, ist eine politische Dynamik zwischen dem Status quo und der Linken."
Da ich hier in Nordamerika lebe und auch Bekannte habe die hier zwei- dreimal im Jahr in ihr Cottage düsen, als Ergebnis intensivster Arbeit, also eines 18 Stunden Tages und überdurchschnittlichen Engagements, sehe ich natürlich glasklar, was möglich ist, wenn man nicht (vom Staat) ausgebremst
oder gesponsert wird. Beispiel: Mein Freund ist Rechtsanwalt. Von seiner Sekretärin hat er sich getrennt, (das macht jetzt seine Frau) die Forderungen der Dame waren nämlich total daneben. Nicht, daß er sie nicht hätte bezahlen können, das war im üblichen Rahmen, aber "nur soundsoviel Stunden, und außerdem noch einen steuerfreien Zweitjob,
und natürlich Sondervergünstigungen extra, damit der Kindergarten nicht mehr berechnet wird und, und und." Die Abgaben waren letztlich so hoch, daß er das "Linken des Systems" nicht noch unterstützen wollte. Aber hier im sozialistischen Kanada ist es genauso: Mein Nachbar zur Linken arbeitet bei Vater Staat und feilscht um jede Minute, aber
jede Minute erfeilschte Freizeit düst er in die Wälder um Holz zu schneiden. Verkauft es dann schwarz, läßt sich krank schreiben, genauso, daß er nicht gefeuert werden kann. Kinder, das kann kein System verkraften.
Also entweder Anspruchsdenken aufgeben und sich nicht mehr aushalten lassen und Steuern dramatisch runter, oder wir verplempern unsere letzten Ressourcen und vergraulen die, die noch Engagement haben.
Der ganze Artikel vom Mark Stey hier und im Archiv/Permalink
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Gestank des Todes
Debatte Deutschland nach den Wahlen
von Mark Steyn
Wer den Zustand Europas auf den Punkt gebracht haben will, kann die Wahlen in Deutschland einfach überspringen und sich die kleine Nachricht aus Südfrankreich zu Gemüte führen: Ein Bursche aus Marseilles wurde wegen Betrugs verklagt, weil er fünf Jahre lang mit dem Körper seiner toten Mutter gelebt hatte, um weiterhin ihre Pension von 700
Euro pro Monat kassieren zu können. Ein perfektes Bild Europas: Abhängigkeit vom Sozialstaat statt demographischer Realität. Stellen Sie sich Deutschland als die Wohnung in Marseille und die Regierung Schröder als die Leiche vor, die Sozialleistungen als die Rente der Mutter dieses Knaben. Deutschland ist am Ende, demographisch und
ökonomisch. Nehmen Sie jeden beliebigen Indikator einer gesunden Industriegesellschaft: Arbeitslosigkeit? Die höchste seit 70 Jahren. Immobilienpreise? Im Keller. Registrierte Neuwagen? 15 Prozent weniger als 1999. Allgemeiner Irrsinn? Ein Drittel der unter Dreißigjährigen glaubt, die amerikanische Regierung stecke hinter den Anschlägen vom
11. September.
Arbeitslosigkeit und so weiter mögen reversibel sein, aber die letzte Zahl signalisiert, daß die Deutschen nicht das Wahlvolk sind, dem man mit rationalen Argumenten kommen kann. Im Wahlkampf gab es endlose Hinweise auf "notwendige Reformen" und "schmerzvolle Veränderungen" - aber darauf hatten die Wähler keine Lust.
Für Angela Merkel stand der Verlust dieser Wahlen auf dem Spiel, und genau das hat sie getan. Sie war großartig darin, sich im Ausland als die Radikalreformerin zu präsentieren, die das Land brauche. Aber als es darum ging, das auch den eigenen Leuten klarzumachen, hat sie gekniffen. Am Ende hat sie wenig mehr als kleine Korrekturen
gefordert, und sogar das war großen Teilen Ost- und Mitteldeutschlands zuviel.
Im Sommer war ich mit einigen Euro-Granden wegen meiner finsteren Sicht des Kontinents aneinandergeraten. Wart's nur ab, sagten sie, Frau Merkel wird "Deutschlands Thatcher", und dieser smarte Sarkozy wird "Frankreichs Reagan", und in einem Jahr ist die gesamte politische Landschaft umgepflügt. Ich sah das überhaupt nicht. Frau Thatcher und
Herr Reagan waren sicher mächtige Persönlichkeiten, aber sie hatten es auch mit Wählern zu tun, die einsahen, daß der Status quo unhaltbar war. Die Deutschen sind noch lange nicht an diesem Punkt.
Wenn es überhaupt einen Trend gab, dann den, daß die Wähler Gerhard Schröder sogar für die paar moderaten Reformen bestraft haben, die er gewagt hat. Einigen aktuellen Umfragen zufolge wollen 70 Prozent der Deutschen keine weiteren Kürzungen der Sozialleistungen, befürworten aber eine Steuererhöhung für die Reichen. Im April sagten nur 45
Prozent der Deutschen, daß Konkurrenz gut für Wachstum und Beschäftigung sei.
Mit anderen Worten: die Lage muß noch viel schlimmer werden, bevor die Deutschen anfangen, über ernsthafte Veränderungen nachzudenken. Und dann ist immer noch die Frage, ob die Union der Träger dieser Veränderungen sein wird, oder nicht eher die Ex-Kommis oder Neo-Nazis oder irgendeine andere Randgruppe. Deshalb sollte eine ernsthafte
"Reformpartei" nicht den Status quo stärken. Die CDU hat nichts zu gewinnen bei einem Zusammenschluß mit der SPD zur großen Koalition der Unbegabten. Alles, was dabei herauskommen kann, ist, daß man sie, statt Gerhard Schröder, verantwortlich macht für die anhaltende Sklerose. Nur die Grünen und die Linkspartei wären die Opposition; und das
Letzte, was Deutschland jetzt braucht, ist eine politische Dynamik zwischen dem Status quo und der Linken.
Deshalb würde ich den Christdemokraten empfehlen, das jetzt einfach auszusitzen. Man kriegt nur eine Chance, das Land in Ordnung zu bringen, und ein Wahlausgang ohne klares Votum für irgendwas ist keine solche Chance.
Womit wir wieder bei dem Mann mit seiner toten Mutter wären. Wie bringt man die Bürger einer "aufgeklärten" sozialen Demokratie dazu, die Stütze vom Staat aufzugeben? Linke verteidigen sie mit dem moralischen Argument, alles andere wäre so egoistisch. Aber nichts macht einen Bürger egoistischer als Sozialhilfe. Am Sonntag haben die deutschen
Wähler entschieden, daß sie - wie der Franzose in Marseille - mit dem Gestank des Todes leben können, solange der Scheck von der Regierung nur pünktlich eintrifft.
Vom Kolumnisten Mark Steyn erschien zuletzt "Mark Steyn from Head to Toe" (2004), eine Sammlung seiner Essays.
Übersetzung: Mariam Lau
Artikel erschienen am Sam, 24. September 2005
© WELT.de 1995 - 2005
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By the time Germans
decide, it'll be too late
By Mark Steyn
(Filed: 20/09/2005)
If you want the state of Europe in a nutshell, skip the German election coverage and consider this news item from the south of France: a fellow in Marseilles is being charged with fraud because he lived with the dead body of his mother for five years in order to continue receiving her pension of 700 euros a month.
She was 94 when she croaked, so she'd presumably been enjoying the old government cheque for a good three decades or so, but her son figured he might as well keep the money rolling in until her second century and, with her corpse tucked away under a pile of rubbish in the living room, the female telephone voice he put on for the benefit of
the social services office was apparently convincing enough. As the Reuters headline put it: "Frenchman lived with dead mother to keep pension."
That's the perfect summation of Europe: welfare addiction over demographic reality.
Think of Germany as that flat in Marseilles, and Mr Schröder's government as the stiff, and the country's many state benefits as that French bloke's dead mum's benefits. Germany is dying, demographically and economically. Pick any of the usual indicators of a healthy advanced industrial democracy: Unemployment? The highest for 70 years. House
prices? Down. New car registration? Nearly 15 per cent lower than in 1999. General nuttiness? A third of Germans under 30 think the United States government was responsible for the terrorist attacks of September 11.
While the unemployment, real estate and car sales may be reversible, that last number suggests the German electorate isn't necessarily the group you'd want to pitch a rational argument to. In the run-up to the election campaign, there were endless references to "necessary reforms" and "painful change". And, in the end, the voters decided they
weren't in the mood for change, especially the painful kind.
It was Angela Merkel's election to lose, and she certainly did. She did a swell job selling herself to foreign capitals as the radical reformer Germany needed. Alas, when it came to putting the same case to her own people, she balked. By the end of the campaign, she was promising little more than some slight tinkering, and even that proved
too much for great swaths of eastern and central Germany.
Back in the summer, I was reprimanded by a couple of Euro-grandees for my gloomy assessment of the Continent. Just you wait, they chided me; Mrs Merkel was "Germany's Thatcher" and this chap Sarkozy was "France's Reagan" and in a year's time the entire political scene would be transformed. I couldn't see it myself. Mrs Thatcher and President
Reagan were certainly powerful personalities, but 25 years ago they also had electorates who accepted that the status quo was exhausted and unsustainable. The Germans are nowhere near that point.
In fact, insofar as there's been any trend in recent regional and European elections, it's that voters were punishing Mr Schröder's party even for the very modest reforms to which he was committed: they're not at the Thatcher stage, they're more like those council workers who reacted to Jim Callaghan's call for a limit of five per cent pay
increases by demanding 40 per cent. According to recent polls, 70 per cent of Germans want no further cuts in the welfare state and prefer increasing taxation on the very rich. In April, only 45 per cent of Germans agreed that competition is good for economic growth and employment.
In other words, things are going to have to get a lot worse before German voters will seriously consider radical change. And the question then is whether the Christian Democrats will be the radical change they consider: as Sunday's results in east Germany indicate, it's as likely if not more so to be ex-Commies or neo-Nazis or some other
opportunist fringe party. The longer European countries postpone the "painful" reforms, the more painful they're going to be.
That being so, a serious "reform" party ought not to be propping up the status quo. The Christian Democrats have nothing to gain from joining the SPD in a grand coalition of all the no-talents. All that would happen is that blame for the ongoing sclerosis would no longer be borne by Mr Schröder alone but could be generously apportioned to Mrs
Merkel, too.
Meanwhile, the Greens and the new Left party would become the principal opposition and the last thing Germany needs is to rearrange its political dynamic as a choice between the status quo and the far Left. So my advice to the Christian Democrats would be to sit this one out. You're only going to get one shot at fixing the country and a
neither-of-the-above election where no one has a mandate for anything isn't it.
Which brings us back to that nonagenarian corpse in the Marseilles flat: what does it take to persuade the citizens of "enlightened" social democracies that sometimes you've got to give up the benefits cheque? Guardian and Independent types have had great sport with America over the last couple of weeks, gleefully citing the wreckage of New
Orleans as a savage indictment of the "selfishness" of capitalism.
The argument they make is usually a moral one - that there's something better and more compassionate about us all sharing the burden as a community. But the election results in Germany and elsewhere suggest that, in fact, nothing makes a citizen more selfish than lavish welfare and that once he's enjoying the fruits thereof he couldn't give a
hoot about the broader societal interest. "Social democracy" turns out to be explicitly anti-social.
Old obdurate Leftists can argue about which system is "better", but at a certain point it becomes irrelevant: by 2050, there will be more and wealthier Americans, and fewer and poorer Europeans. In the 14th century, it took the Black Death to wipe out a third of Europe's population. In the course of the 21st century, Germany's population will
fall by over 50 per cent to some 38 million or lower - killed not by disease or war but by the Eutopia to which Mr Schröder and his electorate are wedded.
On Sunday, Germany's voters decided that, like that Frenchman, they can live with the stench of death as long as the government benefits keep coming.
News: The grand struggle for power.
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