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"Wir Amerikaner schicken keine Soldaten in Privathäuser..." Nachdem nun also auch in Deutschland endlich Konten genannt wurden
und das Einhämmern auf Amerika erfreulicherweise vorübergehend etwas nachgelassen hat, ja sogar einige Hilfszusagen wurden gemacht, (Donnerwetter), gefällt mir in der Nachrichtenflut das auf SPON veröffentlichte Interview mit dem amerikanischen Schriftsteller Richard Ford teilweise sehr gut. Besonders dieser Passus:
Ford: "Da kommt unser Verständnis von Unabhängigkeit ins Spiel. So vorzugehen ist einfach nicht der amerikanische Weg. Wir Amerikaner schicken keine Soldaten in Privathäuser wegen einer Gefahr, die womöglich droht. Wir sagen den
Menschen: Es ist keine gute Idee, hier zu bleiben. Sie sollten lieber gehen, aber wenn Sie bleiben wollen, können Sie bleiben." Das ist eine direkte Ergänzung zu meinem Artikel in deutscher und
englischer Sprache vom 05./09. August). Ich selbst habe den Ausspruch eines subalternen deutschen Stadtangestellten erfahren müssen: "Der Staat hat die Aufgabe den Einzelnen vor sich selbst zu schützen!" Das es dafür keine Rechtsgrundlage in Deutschland gibt wurde vorsorglich verschwiegen. Hier in Kanada ist es noch schlimmer: Die kanadischen
Gutmenschen schlagen die Deutschen um Längen, die rasseln gleich mit den Handschellen. Da ist mir die amerikanische Auffassung doch deutlich näher - schon immer gewesen. Und als Ergänzung an alle die immer nach schärferen
Waffengesetzen rufen: Die eskalierte Situation in New Orleans ist der beste Beweis für die Notwendigkeit einer Selbstverteidigung. Ich war in New Orleans, mir gefällt die Stadt sehr - aber wohnen möchte ich dort, wie überhaupt generell, nur mit der Knarre unter dem Kopfkissen. Klar, das wird wieder einigen deutschen Freunden sauer aufstoßen.
Dennoch, der libertäre Ansatz zunächst für sich selbst und seine Angehörigen zu sorgen und eben nicht nach Vater Staat zu schreien kann nicht ignoriert werden. Es ist selbstverständlich man muß Menschen in Not, wenn sie danach verlangen Hilfe gewähren. Ganz klar auch, das in dem vorhandenen Staatskonstrukt der
Staat auch Hilfsmittel bereit stellen muß um Menschen die zur Selbsthilfe nicht fähig sind die Hand zu reichen. Dennoch, etliche von denen die in New Orleans am lautesten nach staatlicher Fürsorge geschrien haben, sind auch diejenigen, die seit Jahren von der Wohlfahrt leben und und somit der Eigeninitiative (sozusagen staatlicherseits) entwöhnt
wurden. Das wir Parallelbeispiele in Deutschland haben ist nicht zum übersehen. -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
DER SPIEGEL 36/2005 - 05. September 2005
URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,372936,00.html
Interview
"Unsere Herzen sind schwer"
US-Schriftsteller Richard Ford über das Selbstvertrauen der Amerikaner in Krisenzeiten.
SPIEGEL: Herr Ford, Sie und Ihre Frau haben bis ins vorige Jahr hinein in New Orleans gelebt. Nach der verheerenden Katastrophe gibt es erste Politiker, die öffentlich daran zweifeln, ob die Stadt je wiederaufgebaut werden sollte.
Ford: Das ist völlig unverantwortliches Gerede. Und einfach undenkbar.
SPIEGEL: Aber das Risiko weiterer zerstörerischer Hurrikane bleibt.
Ford: Jeder, der in dieser Stadt lebt, war sich stets ihrer sehr gefährlichen geografischen Lage bewusst. Jeder hat eine stillschweigende Übereinkunft getroffen, die Bedrohung durch die Natur zu ignorieren. So wie die Menschen, die sich nach dem 11. September entschlossen haben, weiterhin in Manhattan zu leben. Die ständige Gefährdung hat zu einer
besonderen Mentalität der Menschen von New Orleans geführt, die auch ihre guten Seiten hat. Aber sie hat auch zu einem gewissen Fatalismus geführt, wie sich beim Versuch der Evakuierung gezeigt hat.
SPIEGEL: Hat diese Gleichgültigkeit die Aufgabe erschwert?
Ford: Es gab viele Gründe, in der Stadt zu bleiben. Manche sind geblieben, weil sie gebrechliche Eltern haben, andere, weil ihr Kind krank war ...
SPIEGEL: ... oder weil sie arm waren und nicht wussten wohin.
Ford: Natürlich. Viele sind arm und haben nicht viel, nur ihr kleines Haus. Sie wollten ihr Haus nicht verlassen, sie wollten nicht alles verlieren.
SPIEGEL: Gleichwohl wussten die Behörden, dass sich ein tödlicher Hurrikan näherte. Ist es dann nicht ihre Pflicht, die Menschen zwangsweise zu evakuieren?
Ford: Da kommt unser Verständnis von Unabhängigkeit ins Spiel. So vorzugehen ist einfach nicht der amerikanische Weg. Wir Amerikaner schicken keine Soldaten in Privathäuser wegen einer Gefahr, die womöglich droht. Wir sagen den Menschen: Es ist keine gute Idee, hier zu bleiben. Sie sollten lieber gehen, aber wenn Sie bleiben wollen, können Sie
bleiben.
SPIEGEL: Der Bürgermeister, die Gouverneurin, der Präsident haben gesagt: Ihr müsst fliehen. Warum setzt niemand diese Forderung durch?
Ford: Die Amerikaner trauen generell ihrer Regierung nicht besonders. Sie wollen sie nicht in ihrem Leben, sie wollen nicht vor sich selbst beschützt werden.
SPIEGEL: Zehntausende sind geblieben und wissen nicht, wie sie weiterleben sollen. Viele sind gestorben. Übernimmt jemand dafür die Verantwortung ?
Ford: Wir sind noch mitten in der Tragödie, aber jetzt ist nicht die Zeit für solche Fragen. Unsere Herzen sind schwer. Später werden wir darüber reden müssen, schon um zu verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht.
SPIEGEL: Der Bundesstaat Louisiana hat seit Jahren versucht, mehr Geld aus Washington für den Deichschutz zu bekommen, Ihre Frau war bis vor einem Jahr Leiterin der Stadtplanung in New Orleans. Warum ist so wenig geschehen?
Ford: Die Menschen am Mississippi fordern schon seit Jahrzehnten die Verstärkung der Dämme. Meine Frau bestätigt das. Doch für eine Stadt wie New Orleans mit ihrer überwiegend schwarzen Bevölkerung, die zudem meist demokratisch wählt, ist es besonders schwer, Unterstützung aus Washington zu bekommen. Und wenn die Regierung das Geld dann auch noch
selbst braucht, etwa weil sie gerade einen illegalen Krieg führt, passiert gar nichts.
Das Interview führte Georg Mascolo |
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