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Kanada: Sozialismus light Sozialistische Wirtschaft ist eine feine Sache: Man beschäftigt viele Leute, (das bringt Applaus) ist wenig effizient, (was nicht weiter kümmert), und erwirtschaftet wenig, (was die jeweilige Firma reif für eine Übernahme macht). Wir hatten diese Beispiele in der Vergangenheit und es
wunderte uns nicht, waren die sozialistischen und postsozialistischen Staaten nicht für ihre mangelnde Effizienz bekannt? Das auch westliche Staaten immer mehr in den Sozialismus „light“ abgleiten oder ihn bewusst wählen und ihre Gesellschaft entsprechend organisieren ist zwar auch nichts neues, uns aber im täglichen Leben kaum gegenwärtig. Ein
grandioses Beispiel ist Kanada. Meine Frau fühlt sich, als Russin, täglich an ihre kommunistische Kindheit erinnert. Beispiel? Die kanadische Reederei CP Ships. Hapag-Lloyd wird das fast doppelt so große Unternehmen schlucken, denn die Kanadier verdienen nur halb so viel Geld.
Nun liest man solche Wirtschaftsnachrichten fast täglich und für den Nachrichtenkonsumenten bleibt nicht viel mehr als sich seine Gedanken zu machen. Kommt jedoch eigenes Erleben der Ineffizienz einer Gesellschaft hinzu und ist dieses Erleben nicht auf Einzelfälle beschränkt, rundet sich das Bild zu einem „Aha-Erlebnis“ der besonderen Art. Ferne,
abstrakte Wirtschaftsabläufe werden auf einmal verständlich, vieles kann man plötzlich sich selbst und anderen erklären. Wird der Mangel an Organisation und Effizienz aber häufig unmittelbar erlebt gesellt sich zu der Einsicht in die systemimmanente Unzulänglichkeit der persönliche Frust und Ärger. Da ist man dann wieder wo man schon 20 Jahre
früher war. In einem System, das dem der Jugend nicht unähnlich ist und als längst überwunden geglaubt wurde.
Beispiel, eins von unzähligen selbst erlebten: Olaf ist zu Besuch bei uns in Kanada, unser Freund aus Deutschland. Er ist Zimmermann und will Urlaub machen, 4 Wochen. Er liest in einem kanadischen Baumagazin eine Anzeige einer US-amerikanischen Firma, die Wall-Jacks herstellt. Das sind Stützen mit denen man Wände selbst aufrichten kann, ohne Kran
oder Bauhelfer zu benötigen. Tolle Sache, die Investition hätte sich beim dritten Einsatz rentiert. Das System gibt es in Deutschland nicht. Also rufen wir in den USA an, bestellen per Kreditkarte, sagen daß Olaf nach Deutschland zurückfliegen muss und nennen den Tag an dem es spätestens geliefert werden soll. Der Ami reagiert freundlich, schnell
und unkonventionell und bereits 4 Tage später liegt das Paket aus Boston in Yarmouth an der Südküste von Nova Scotia. Der Ami hat seine Zusage eingehalten. Jetzt die Kandier: Anruf von der Spedition: Das Paket sei über Ontario (alle Fracht geht über Ontario) irrtümlich nach Yarmouth geliefert worden. Ja es stimmt, es sollte nach Halifax, das stünde
auch auf den Papieren. Wir müssten mit dem Zoll telefonieren. Machen wir. Dann wieder Spedition. Dann wieder Zoll. Dann wieder – gut ich will nicht die Seite bis unten füllen. Nach 3 Tagen ist es versehentlich in Bridgewater gelandet. Da soll es hin, denn da macht Olaf Ferien, aber es darf nicht ausgeliefert werden. Also zurück nach Halifax. Wieder
ein Tag. Dann ein Anruf aus Halifax. Der Zoll müsse bezahlt werden, Behörde auf der westlichen Seite der Stadt, dann kann die Ware bei der Spedition abgeholt werden, östliche Seite der Stadt. Das Paket wird aber ungeöffnet nach 5 Tagen wieder aus Kanada ausgeführt. Warum dann Zoll, es bleibt doch nicht im Land? Ja es gibt da ein Papier, aber damit
kennt sich keiner aus. Zu schwierig. Die Zollgebühr bekommen sie wieder, aber erst in 2-3 Monaten, der Antrag ist von Deutschland aus zu stellen. Na gut, wird gemacht.
Fazit: Der Amerikaner brauchte von Boston nach Kanada 4 Tage für das Paket. Die Kanadier senden es weitere 10 Tage im Kreis, bevor der Empfänger es abholen darf. (Zustellung ist nicht!). Termingut? Fehlanzeige, welcher Termin? Sozialistischer Alltag!
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- SPIEGEL ONLINE - 22. August 2005, 14:05
URL: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,370890,00.html
Milliardendeal
TUI-Reederei-Fusion kostet Jobs
Bei der geplanten Übernahme der kanadischen Containerlinie CP Ships durch die TUI-Tochter Hapag-Lloyd wird es zum Abbau von Arbeitsplätzen kommen. Vor allem bei CP gibt es laut Hapag noch Nachbesserungsbedarf bei der Produktivität.
DPA
Containerschiff Hamburg Express von Hapag-Lloyd: Durchgreifen bei CP Ships
Hamburg - "Bei jeder Integration gehen auch Stellen verloren", sagte Hapag-Lloyd-Vorstandschef Michael Behrendt dem "Hamburger Abendblatt". Für nähere Details sei es aber noch zu früh. Zugleich kündigte er an, dass der Firmensitz des neuen Reederei-Riesens in Hamburg sein werde, wo Hapag-Lloyd seine Zentrale hat.
Arbeitsplätze sind demnach vor allem bei den Kanadiern gefährdet. Behrendt bekräftigte, dass Hapag-Lloyd nach der Übernahme bei CP Ships durchgreifen werde: "Ein hohes Verbesserungspotential bei CP Ships liegt in der Erhöhung der Produktivität", sagte er. Das kanadische Unternehmen ist deutlich größer als Hapag-Lloyd, verdient aber nur halb so viel
Geld.
Der Reisekonzern TUI hatte gestern den Kauf von CP Ships für 1,7 Milliarden Euro angekündigt. Behrendt erwartet, dass der Welthandel weiter kräftig wächst und die Zahl der transportierten Container bis 2005 um ein Viertel steigt. Nach der Übernahme wäre Hapag-Lloyd die fünftgrößte Containerreederei der Welt und könnte zu Branchenriesen wie der
dänischen Maersk-Gruppe aufschließen. Derzeit steht die Hamburg Reederei auf Platz 13.
Durch ein Zusammengehen von CP Ships mit Hapag-Lloyd rechnet der Mutterkonzern TUI mit Synergien in Höhe von jährlich 180 Millionen Euro. TUI erwartet nach eigenen Angaben schon für das kommende Jahre einen höheren operativen Gewinn durch die Übernahme, die teilweise mit einer Kapitalerhöhung bezahlt werden soll.
Die Börse beantwortete die Ankündigungen dennoch mit Verkäufen. Der Kurs der TUI-Aktie fiel heute um mehr als zwei Prozent und machte das Unternehmen zum Hauptverlierer im Dax . |
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