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Robin Renitent,  03.Mai 2005

   

 

We seem to have overcome

Soviet fascism, though the heirs

of Nazi-fascism live; but the biggest threat

to freedom lies

in Islamic fascism.

 

  Freedom is not

self-evident. 

 

We are at war – and we have to defend ourselves. 

 For the sake of

our children.

 

   
 

Schmalspurmarxist Müntefering nun auch von Wolffsohn kritisiert

Nicht das rebellog immer besonders schnell wäre. Schließlich haben wir ja auch noch andere sinnvolle Beschäftigungen und nicht nur die Webseiten. Dennoch diesmal konnten wir in den Medien keine Kritik der Wortwahl finden, als Müntefering Menschen mit Heuschrecken verglich. Und empörten uns bereits am 28. April. Viele Äußerungen zur Kapitalismuskritik, aber auch viele der Kritiker übernahmen die Heuschrecke in der Gleichsetzung mit Menschen. Aber nun ist endlich eine prominente Stimme zu hören. Michael Wolffsohn: „Heute nennt man diese ´Plage´ ´Heuschrecken´, damals ´Ratten´ oder ´Judenschweine´.“ Aber natürlich finden sich sofort Schreihälse, die Wolffsohn niedermachen, anstatt sich mit der Wortwahl auseinander zu setzen.

Quelle: http://focus.msn.de/hps/fol/newsausgabe/newsausgabe.htm?id=14191

Update:

Nun gehts rund. Jetzt entblöden sich SPD-Obere nicht Müntefering den Rücken zu stärken. Nicht in der Kapitalismus-kritik. Darüber kann man ja trefflich und demokratisch streiten. (Andrerseits auch wieder nicht....)Nein, in der Heuschrecken-Wortwahl. Eine alte Taktik, schon von Cäsar erprobt: Angriff ist die beste Verteidigung. Geht aber völlig an der Sache vorbei. Wenn man sich dann mal anschaut, wer Münte verteidigt und Wolffsohn angreift wundert es nicht: Z.B. Dr. Reiner Wend, Rechtsanwalt, hah ja, na das hatten wir schon mal, das Rechtsanwälte zunächst an der Schaffung eines "Rechts- und Sprachbewußtseins" mitbasteln, darüber aber verlernen Recht von Unrecht zu unterscheiden. Und Sebastian Edathy, S o z i o l o g e, aha. Natürlich wird verlangt das Wolffsohn sich entschuldigt und nicht etwa Müntefering. Das erinnert mich an die Dame, die mir kürzlich die Vorfahrt nahm und mir anschließend einen Vogel zeigte. Um es noch einmal ganz klar zu sagen. Wer Heuschrecken, Ratten und anderes Ungeziefer in der politischen Auseinandersetzung mit Menschen gleichsetzt, bedient sich einer nicht nur unästethischen, entlarvenden Wortwahl, er steht in der Kontinuität nazionalsozialistischer Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Da Nazis Verbrecher waren, macht er sich mit Verbrechern gemein. Und wer Plakate druckt, die, in Kombianation mit dem Wort "Aussauger" Amerikaner und Unternehmer diffamiert steht auf der gleichen Stufe wie die Protagonisten und Wegbereiter eines menschenverachtenden Unrechtssystems 1933. Es kotzt mich an, daß 2005, 60 Jahre nachdem wir von "Aussaugern" und "Heuschrecken" befreit worden sind, diese heute pauschal diffamiert und an gegriffen werden. Der Eindruck den wir im Ausland hinterlassen ist geradezu katastrophal. Herr Müntefering und seine Genossen sollten sich von ihren kapitalistenähnlichen Einkommen, die nicht durch Arbeit, sondern durch Enteignung auf ihre Konten wandern, mal öfter eine Reise über den Atlantik gönnen. Dann können sie hören, was ich schon hörte: "German? Aah, Germans are idiots anyway!"

Link zu SPON-Artikel und unter rebellog-Quotation:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,druck-354547,00.html

SPIEGEL ONLINE - 03. Mai 2005, 18:17
URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,354547,00.html
Münteferings Heuschrecken

Streit um Wolffsohns Nazi-Vergleich

Von Yassin Musharbash

Der Vorwurf wiegt schwer. SPD-Chef Müntefering habe sich mit seinem Heuschrecken-Vergleich der Rhetorik der Nazis bedient, schrieb der Münchner Historiker Wolffsohn in einem Essay. "Empörend", "dümmlich", "Unverschämtheit", wettern die Genossen. Es gibt aber auch Stimmen, die den Professor verteidigen.

Berlin - "Über Münteferings Stil", ist der Debattentext überschrieben, den der jüdische Historiker Michael Wolffsohn, Professor für Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München, heute in der "Rheinischen Post" veröffentlichte. Tatsächlich taucht Müntefering erst im letzten Viertel des Essays auf. Die Passage aber, die sich mit dem Vergleich zwischen Kapitalisten und Heuschrecken beschäftigt, den der SPD-Chef vor kurzem gezogen hatte, hat es in sich: "60 Jahre 'danach' werden heute wieder Menschen mit Tieren gleichgesetzt, die - das schwingt unausgesprochen mit - als 'Plage' vernichtet, 'ausgerottet' werden müssen."

Müntefering, ein Nachahmer nationalsozialistischer, antisemitischer Hetzpropaganda? Wolffsohn lässt in seinem Aufsatz keinen Zweifel daran, dass er eine Parallele erkennt: "Diese 'Plage' nennt man heute 'Heuschrecken', damals 'Ratten' oder 'Judenschweine'. Wörter aus dem Wörterbuch des Unmenschen, weil Menschen das Menschsein abgesprochen wird", fährt der Historiker fort. Weiter oben in seinem Text schreibt er: "Man reibt sich die Augen und will es nicht glauben: In der größten Regierungspartei des heutigen Deutschland kursiere eine schwarze Liste von vermeintlich hyperkapitalistischen Unternehmen. Mindestens zwei sind 'jüdisch' bzw. tragen jüdische Namen. Das wird, anders als 'damals', natürlich nicht offen erwähnt, doch wer's weiß, der weiß."

Wolffsohns Beitrag sorgte heute für helle Aufregung bei den Sozialdemokraten. Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, Rechtsextremismusexperte der SPD-Fraktion, verlangte umgehend eine Entschuldigung von Wolffsohn und sprach von "völlig unverständlichen und absurden Vergleichen". Der "unterschwellige Vorwurf, Müntefering verbreite Antisemitismus" sei "empörend" und müsse "mit aller Schärfe" zurückgewiesen werden. "Wolffsohn hat sich im Ton vergriffen, das ist eine Unverschämtheit", sagte Edathy zu SPIEGEL ONLINE. Der SPD-Politiker Rainer Wend, Vorsitzender des Bundestagswirtschaftsausschusses, kommentierte Wolffsohns Äußerung gegenüber der "Netzeitung" mit den Worten: "der Mann hat sie nicht alle".

Auch Nordrhein-Westfalens SPD-Chef Harald Schartau forderte Wolffsohn auf, sich für seine "unglaubliche Entgleisung" zu entschuldigen. Die Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Cornelie Sonntag-Wolgast (SPD), sagte, wenn Wolffsohn seinen Ruf als Historiker retten wolle, müsse er seine "unsäglichen" Äußerungen umgehend zurückziehen. "Wolffsohn ist nicht voll bei Sinnen, wenn er ausgerechnet die Sozialdemokratie mit solchen Vorwürfen attackiert", wetterte Bayerns SPD-Chef Ludwig Stiegler. Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold nannte Wolffsohns Kritik "eines Professors unwürdig": Er könne "nur noch sprachlos sein über so viel Dümmlichkeit". Auch der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Michael Müller bezeichnete den Professor als einen "dummen Scharfmacher". Bremens Regierungschef Henning Scherf (SPD) kritisierte: "Das verzerrt alle Maßstäbe, da wird nichts erklärt, sondern nur polemisch versperrt."

In der "Financial Times Deutschland" von Mittwoch fordert Wolffsohn nun seinerseits: "Herr Müntefering muss sich entschuldigen und muss das schleunigst berichtigen. Seine Kapitalismuskritik kann er fortsetzen, aber nicht mit diesen Sprachbildern." Der SPD-Chef müsse sich entschuldigen "nicht zuletzt bei allen, die vom Nationalsozialismus betroffen sind und die eine echte Vergangenheitsbewältigung in Deutschland wollen".

Er wies Vorwürfe zurück, Müntefering Antisemitismus unterstellt zu haben: "Mich interessiert nicht Herr Müntefering, mich interessiert die Tatsache, dass in der heutigen Gesellschaft eine so große Akzeptanz für Sprachbilder dieser Art vorhanden ist." Er verwende einfach unakzeptable Sprachbilder: "Egal ob es sich um Juden oder Nichtjuden handelt, der Mensch ist kein Tier."

"Das tut man nicht!"

Der bayerische CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann verteidigte indes auch Wolffsohns frühere Aussagen. Er habe "durchaus Verständnis", sagte er. Auch der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Schmidt, stellte sich vor Wolffsohn: "Wie man in den Wald schreit, so hallt es zurück", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung".

Auch der Antisemitismus-Experte Julius H. Schoeps, Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrums und Professor für Neuere Geschichte in Potsdam, nahm Wolffsohn in Schutz. Er halte es aber für "skandalös", wie die "Rheinische Post" den Beitrag des Historikers auf ihrer heutigen Seite 1 zusammengefasst habe. "Wolffsohn sagt: 'So bitte nicht', und die Zeitung macht gleich eine Attacke daraus!", sagte er zu SPIEGEL ONLINE. Tatsächlich habe Wolffsohn einen nachdenklichen Text verfasst. Die Schlagzeile "Wolffsohn: Müntefering ist hetzerisch" sei "aus dem Zusammenhang eines durchaus akzeptablen Essays gerissen". Wolffsohn erinnere lediglich "daran, wie es früher war, aber er macht keine Vorwürfe", sagte Schoeps weiter.

In Bezug auf Münteferings Vergleich findet allerdings auch Schoeps: "Tiere mit Menschen gleichsetzen - das tut man schlicht und einfach nicht." Möglicherweise habe der SPD-Chef nicht daran gedacht, dass es in der Geschichte ähnliche Vergleiche schon einmal gegeben habe. Seine Rhetorik könne helfen, Vorurteile zu schüren.

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, nannte es "absurd", Müntefering und der SPD Antisemitismus unterstellen zu wollen. Allerdings habe sich Müntefering in der Wortwahl vergriffen. Tiervergleiche seien "grundsätzlich unglücklich". Die Vizepräsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, sagte demgegenüber, Müntefering habe antisemitische Tendenzen in Kauf genommen. "Historische Parallelen können gezogen werden. Wir leben in einem Land der freien Meinungsäußerungen. Und auch ein Herr Wolffsohn kann seine Meinung äußern", fügte Knobloch hinzu.

Münteferings radikale Kapitalismuskritik und der umstrittene Vergleich ziehen seit Tagen Kritik und Lob an. Schon in der vergangenen Woche hatte Hans-Olaf Henkel, der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und heutige Präsident der Leibniz-Gesellschaft, eine Parallele zwischen der Rhetorik des SPD-Vorsitzenden und der Weimarer Zeit gezogen. Heute legte Henkel im TV-Sender n-tv noch mal nach: "Mich erinnert das schon sehr an die Diskussion in den dreißiger Jahren: Damals waren nach Meinung von Goebbels und anderen Leuten auch die ausländischen Kapitalisten, natürlich amerikanische, für die Misere in Deutschland verantwortlich. So weit sind wir inzwischen auch wieder." Er fügte ein weiteres Beispiel hinzu: "In der IG-Metall-Zeitschrift von heute sieht man eine Abbildung einer Stechmücke mit einem Hut mit den amerikanischen Farben. Solche Karikaturen hat es in den dreißiger Jahren auch schon gegeben."

Der SPD fehlt ein Redner

Wo Münteferings Verteidiger überfällige Kritik an gewissenlosen Gewinnmitnehmern erkennen, sehen seine Kritiker bedrohliche Anklänge an die Radikalrhetorik unseliger Zeiten. Noch immer ist unklar, ob der SPD-Vorsitzende seinen Heuschrecken-Vergleich mit Bedacht oder eher impulsiv gezogen hat. Müntefering selbst hat sich nicht zu dem Bild geäußert, es aber auch nicht wiederholt.

Der Göttinger Politikprofessor Franz Walter, der ein Standardwerk über die Geschichte der Sozialdemokratie verfasst hat, bekannte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dass er auch ein gewisses Unbehagen angesichts eines Vergleiches von Menschen mit Tieren verspüre. Andererseits wäre es aber "Unfug", Kapitalismuskritik pauschal mit Antisemitismus gleichzusetzen, so Walter: "Die entscheidenden Theoretiker der SPD und des Antikapitalismus waren bis in die dreißiger Jahre vor allem jüdischer Herkunft: Karl Marx, Ferdinand Lassalle, Rosa Luxemburg, Rudolf Hilferding, Otto Bauer, Max Adler..." Wolffsohn lasse mit seiner heftigen Kritik diese wichtige historische Linie der SPD außer Acht.

"Der Zauber des klassischen Sozialismus war, dass diese jüdischen Theoretiker so ungeheuer bildreich sprechen konnten", sagt Walter. Helligkeit gegen Finsternis, Wüste versus Gelobtes Land - solcherlei alttestamentarisch anmutenden Bilder seien feste Bestandteile sozialdemokratischer Erlösungs-Rhetorik. Auch die Gleichsetzung von Arbeiterschindern mit Plagen gehöre durchaus dazu.

Müntefering attestierte er allerdings eine gewisse "Unbeholfenheit und Derbheit" des Ausdrucks. Vielleicht sei ihm in diesem Fall tatsächlich die historische Sensibilität abhanden gekommen. Sein kritisierter Vergleich sei wohl auch als Zeichen dafür zu werten, dass brillante Rhetoriker und bildmächtige Theoretiker in der SPD heute kaum noch zu finden seien. Niemand könne das bestehende Missfallen am Turbokapitalismus derzeit in angemessene Worte fassen, so Walter.

 

 
   

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