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Wenn die Stimmung kippt gestern waren wir bei guten Bekannten. Wir kennen sie etwa 6 Jahre und wir mögen sie sehr. Sie sind menschlich ansprechend und sie fasziniren uns in ihrem beruflichen Tun. Beide
besitzen ein Glasstudio. Aber was für eins. Hier geben erstklassige Künstler ihre Werke in Auftrag, hier bestellen Kirchen aus New York ihre Fenster, hier atmet man auf jedem Quadratmeter kreative Luft, sieht hinreißend umgesetzte Ideen und höchstes handwerkliches Können. Mit anderen Worten: Die Leute sind selbst Künstler. Ich jedenfalls kann mich
dort kaum sattsehen und es ist immer ein Gewinn sie zu besuchen. Gestern also war es ein Spontanbesuch. Meine Frau hatte 3 Kunststudenten eingeladen und auf dem Weg zurück vom Strand beschlossen wir spontan etwas für unsere Bildung und die unsere Gäste zu tun. Wir wurden auch gleich freundlich aufgenommen und man nahm sich die Zeit alles genau zu
erklären. Unsere Gäste waren begeistert, sie hatten vermutlich eine Glaserei erwarten und kein Kunststudio. Kann da die Stimmung kippen?
Sie kann. Allein die Tatsache, daß ich einen Aufkleber, etwa 8 mal 5 cm groß einer amerikanischen Flagge am Auto habe ist dafür Grund genug. Das wurde jedenfalls bemerkt und zeitgeistentsprechend auch moniert. Mir war ja klar, daß unsere Gastgeber anti-amerikanisch eingestellt sind, aber bisher haben wir das immer
"unter der Decke halten können". Inzwischen laufen nämlich Einladungen, nicht nur dort, etwa so ab: Man ist nett zu mir, aber man läßt sich auf kein Gespräch mehr, daß etwa amerikanische oder israelische Politik zum Thema hat, ein. Man behandelt mich wie einen zwar netten, aber letztlich doch armen, unerklärlicherweise irgedwie verdorbenen Irren. Sich über das
Wetter oder Rezepte zu unterhalten ist viel ungefährlicher. Und natürlich nimmt man meine fast hilflos anmutenden Statements, daß ich Krieg im Prinzip verabscheue (aber für Selbstverteidigung bin), wir alle die Natur erhalten sollten, (aber nicht in Umwelthysterie verfallen), Armut für die Betroffenen einfach schrecklich ist (es aber nicht hilft,
diejenigen die noch etwas haben zu Gunsten der Armen durch Umverteilung zu enteignen), ich als Deutscher im Ausland nicht als Nazi beschimpft werden will (und deshalb versuche die amerikanische Außenpolitik auch aus deren Blickwinkel zu verstehen) nicht für voll. Man glaubt mir nicht, allein durch das Zögern, das zunächst tiefe Luft holen,
habe ich mich verdächtig gemacht. Ich bin ja auch zu dämlich. Ich begreife einfach nicht, daß man von mir erwartet sofort und ohne zu zögern Bush einen Mörder, die Amerikaner Hinterwäldler und die Republikaner Idioten zu nennen. Und so gebärden sich denn alle "links", obwohl selbständig, weil inzwischen im Resthirn verankert ist, daß "links" =
fortschrittlich, friedliebend und umweltfreundlich ist. Und wer nicht "links" ist, ist rechts. Ganz einfach. Man liest schließlich auch die Mainstreamnachrichten, möglichweise hat man auch ein offenes Ohr für die Verschwörungstheoretiker, (Das am 11.9. waren die Juden, das mit der Tsunamie-Welle die Amis mit einer Testbombe - oder war's
umgekehrt?), jedenfalls liest man offensichtlich keinen Blog eines Betroffenen. Das ist dann wahrscheinlich ein Spinner wie http://www.democracyiniraq.blogspot.com/ als ganzer Artikel hier
http://www.rebellog.com/text/blog/blog998-03.htm oder
http://www.canoe.ca/NewsStand/Columnists/Calgary/Ezra_
Levant/2005/01/31/915382.html Nun komme ich noch mit der Trockenmilch, die ich (meine Eltern) von den Amis per Care-Paket erhalten
habe und die Stimmung ist ganz aus. Also ich halte fest: Ich bin eine rechte Socke, die für Gewalt ist, mehr für die Israelis als für die Palästineser, mehr für die Amis als für die Nordkoreaner. Aber irgendwas kann das nicht stimmen. Die Linken, die ja traditionsgemäß eigentlich die Freiheit verteidigen müssten, gebärden sich mehr und mehr
antisemitisch (was eigentlich immer so war, aber geschickt verschleiert wurde). Aber soll ich nun gegen den Zeitgeistkonformismus und das Meinungsdiktat aufbegehren? Mein Großvater hatte jüdische Freunde, jahrelang, aber plötzlich
verlangte der Zeitgeist, daß er die Straßenseite wechseln solle, wenn sie ihm entgegen kamen. Er tat es nicht. Und, obwohl das nicht exakt miteinander verglichen werden kann, weil mich nur Naserümpfen und etwas Ächtung trifft, aber kein existentieller Nachteil, ich werde mit Lust und Freude dieses Jahr wieder in die Staaten fahren. Schade nur, daß
im Grunde reizende Menschen und großartige Künstler, wie ich es schon oft erlebt habe, die genannten Positionen offensichtlich auch deshalb vertreten, weil es sich heute "so gehört".
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