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Terry Schiavo ist tot. Na endlich könnte man sagen. Und man könnte hinzufügen, nicht um aufgeregte Gemüter zu beruhigen, aber um Terry’s Willen: es ist gut, daß sie
endlich ihre letzte Ruhe gefunden hat. Wochenlang haben ja alle, gefragt oder ungefragt, ihren Senf zu diesem Fall gegeben. An sich ist nicht zu kritisieren, daß sich Menschen mit dem Tod und der Form des Ablebens auseinander setzen und versuchen für sich selbst eine Lösung zu finden.
Problematisch wird es dann, wenn offizielle Vertreter des Staates oder der Kirche Stellung nehmen um die Herde der ihnen vermeintlich (Staat) oder tatsächlich (Kirche) anvertrauten zu beeinflussen, ja zu indoktrinieren. Es grenzt an Unverschämtheit den Ehemann Michael einen „Killer“ zu nennen oder den Gerichten Versagen vorzuwerfen und in ihrer
Unabhängigkeit beschränken zu wollen. Wenn etliche Richter über 15 Jahre, gleich entschieden haben, kann man davon ausgehen, daß sie ihren Job bewusst und nicht nebenbei erledigt haben. Wenn man sich die Bilder der Eltern und der sie stützende Gemeinde von aufgeputschten, indoktrinierten Fanatikern anschaut, stellt sich zunächst die Frage was sie von den aufgebrachten, indoktrinierten Fanatikern z.B. des Islam unterscheidet. Die Parallelen
sind zu ähnlich: Kritisches Denken unterbleibt, Stereotype werden gebetsmühlenartig wiederholt. Nun ist Terry tot. Die Kameras können abgebaut, die Sendewagen zurückgezogen werden, die letzten theatralischen Beter vor dem Hospitaleingang können ihre Matratzen zusammenrollen und nach Hause gehen. Das erhebende Gefühl einen Augenblick in den
Blickwinkel der Kamera gekommen zu sein, lässt sich nicht dauerhaft konservieren. Wo werden sie nun hinziehen? PETA unterstützen, gegen den C-38 Act in Kanada protestieren um zu verhindern das gleichgeschlechtliche Partner sich zu einander bekennen? Auch Anti-Globalisierungsdemonstrationen sind für Bill und Sharrie, Sheila und Tom nun denkbar.
Schaut man sich die Webpages der Unterstützer an, besonders die der Terry Schiavo Foundation kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß neben einer gehörigen Portion an Geltungsbedürfnis besonders ökonomische Interessen eine große Rolle spielen. Es ist erstaunlich wer alles zu den Unterstützern zählt, wer in den Medien für die Eltern wirkt und
wie oft sie alle präsent sind in den Medien. Die Zurückhaltung Michael Schiavos, des Ehemannes, ist hier mehr als sympathisch und für einen nüchtern gebliebenen Betrachter der aufgeheizten Atmosphäre überzeugend.
Abgesehen von dieser vordergründigen Aufgeregtheit ist es geradezu erstaunlich wie besonders auch angeblich libertäre Medienvertreter Partei für die Eltern ergreifen. Nicht, daß wir es schon längst gewusst haben, das der Begriff „libertär“ erneut missbraucht und seines ursprünglichen Sinnzusammenhanges beraubt wird, aber ist es nicht erstaunlich,
daß Libertäre plötzlich die Grundwerte libertärer Auffassungen verraten oder in Frage stellen. Was ist mit der Vertragsfreiheit, den Eigentumsrechten? Der vertraglich übertragbaren „Selfownership“? Dabei ist die Form letztlich unerheblich, auch ein gesprochenes Wort hat unter aufrechten Menschen Gültigkeit. Diese Einsicht kann man von Katholiken,
deren Hang zur Lüge historisch belegbar ist, aber auch von Amerikanern, die in den letzten Jahren gewohnt sind mehr und mehr Eigenverantwortung abzugeben, nicht erwarten.
Rita Marker, die Geschäftsführerin der Lebensrechtsorganisation International Taskforce on Euthanasia and Assisted Suicide liegt absolut falsch, wenn sie selbstbestimmtes Sterben oder die an Guards delegierte Umsetzung der Freiwilligkeit als einen besonderen Wunsch der weißen, gut situierten Mittelschicht darstellt. Erstens ist diese Mittelschicht
keine Minderheit wie sie suggeriert und zweitens ist gerade der höhere Bildungs- und Ausbildungsstandard dieser soziologischen Gruppierung ursächlich für die Erkenntnisse die den Euthanasiegedanken aus der Abhängigkeit religiöser Zwangsvorstellungen befreien. Mit anderen Worten, je besser ausgebildet, desto eher die Einsicht, das göttliches Wollen
oder Erwarten an die Handlungen der Gläubigen eine aus den Machtstrukturen der Kirche erwachsene Interpretation ist. War die Haltung der katholischen Kirche in dieser Haltung vor dem Shiavo-Fall vielleicht noch relaxter ist nun, angesichts der Zufälligkeit und der Zeitgleichheit der nötigen Ernährung des Papstes, eine entspannte, d.h. eher
vernunftorientierte Haltung nicht mehr zu erwarten. Wenn der Vorsitzende der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen in der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Reinhard Marx sagte, „Wachkoma-Patienten seien keine Sterbenden, und das Abschalten der Nahrungsversorgung im Sinne von Sterbehilfe sei unzulässig." und weiter „der Wille der
Patientin konnte offensichtlich nicht eindeutig festgestellt werden, so dass gelten muss: Im Zweifel für das Leben“ (beide Zitate aus Spiegel-Online), dann ist das eine Behauptung die weder in der Bibel noch durch geschichtliche Erfahrung festgeschrieben ist. Unzulässig kann auch sein gegen den Willen am Leben verankert zu sein. Wenn uns schon die
Freiheit genommen ist über unseren Eintritt in das Leben zu entscheiden, sollten wir das Recht auf ein selbstbestimmtes Ende nicht aufgeben und schon gar nicht von kirchlichen Funktionsträgern absprechen lassen. Und Busch soll die Klappe halten. Die Politik hat eh kein Recht Einzugreifen in das ureigenste Privatrecht des Bürgers. Es gibt keinen
verfassungsmäßigen Auftrag den Menschen vor sich selbst zu schützen. Wenn wir unsere Selbstbestimmung aufgeben und das damit verbundenen freie, private Vertragsrecht, sowie das Eigentum an uns selbst, gleiten wir ab in eine Diktatur modischen gesellschaftlichen Konsenses, der von allen selbst ernannten Ethikern und Religions- und Rechtsinterpreten
nach Beliebigkeit und entsprechend gesellschaftlicher Reife verändert und abgewandelt werden kann.
Robin Renitent
P.S. Übrigens weiß ich wovon ich rede: Meine Mutter ist vor 3 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden. Um einerseits der Abhängigkeit einer medizinischen Rundumversorgung zu entfliehen, andererseits den Versorgungs- und Pflegedruck von ihrer Familie zu
nehmen und darüber hinaus einen selbstbestimmten und somit würdevollen Tod zu haben. Dies als Nachricht an Rita Merker und Konsorten, die schon den assitsed Suicide ablehnen. Klar war der Tod meiner Mutter assistiert. Schließlich war sie nicht mehr in der Lage selbst Medikamente zu kaufen. Insofern ist bereits das herbeiholen eines Glases Wasser
eine Hilfestellung zum Ableben. Erfreulicherweise bleiben sowohl der Staat als auch die PETA, ääh Besserwisser und Gutmenschen bisher an der Haustür außen vor. Noch!!! |
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