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Khomeini und der Papst Ich erinnere mich noch genau der Bilder im Fernsehen: Der Ayatollah war gestorben. Staunend sahen wir die
entzückten, entrückten, hysterischen und fanatisierten Massen. Millionen von Menschen trauerten als wäre ihr Bruder oder Vater, ihr Sohn oder ihre Tochter gestorben. Unfassbar. Nun sehe ich ganz ähnliche Bilder aus Rom. Nun gut, der Papst wird nicht durch die Straßen getragen, die Gefahr, daß er aus dem Sarg fällt ist eher gering. Doch das sind
Äußerlichkeiten. Es bleibt mir unverständlich wie Menschen sich freiwillig einer Indoktrination, freiwillig einer Beschneidung ihrer Rechte unterwerfen können. Wie sie freiwillig Einsprüchen in ihre Lebensführung zustimmen können. Klar nach libertärer Auffassung tolerieren wir natürlich jede Form von Glauben. Dennoch ist es mit liberalen Prinzipien
im Grunde unvereinbar den Regeln und Riten einer Instituition zu gehorchen die von alten Männern geführt wird, welche aktives Familienleben weder ge- noch erlebt haben und ihre Mitmenschen in ein überliefertes Regelwerk pressen wollen. Die übermittelten Erkenntnisse entstammen weder eigenen Erfahrungen, noch Erkenntnissen. Wieviel Freiheit brauchen
wir kann man dann fragen. Die Freiheits- und Selbstbestimmungsunfähigkeit der meisten Menschen ist offensichtlich, wenn sie sich unter dem Label "Glauben" einer staatsähnlich organiserten Großinstitution mit mafiösen Strukturen unterwerfen. Eugen Drewermann, der mir in seinem Sendungsbewußtsein unverständlich bleibt, weil er vieles richtig erkennt,
aber dennoch nicht die katholische Kirche in der einzig möglichen Kosequenz seiner Erkenntnisse verläßt, hat es aber richtig erkannt: "Dieser (Papst) habe die Weltprobleme aus einer verengten Sicht betrachtet." Die Trauer um den Menschen Johannes Paul sollte unsere Distanz zur Kirche und ihren Institutionen nicht aufheben, sondern im
Gegenteil nun erst recht neu beleben.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,druck-349687,00.html SPIEGEL ONLINE - 04. April 2005, 22:51
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,349687,00.html
Unversöhnlicher Kirchenkritiker
Drewermann vergleicht Papst mit Ayatollah Khomeini
Die Feindschaft zu Johannes Paul II. endet für den katholischen Theologen Eugen Drewermann auch nicht mit dem Tod des Papstes. Der Kirchenkritiker attackierte Art und Umfang der Beisetzungsfeierlichkeiten und verstieg sich zu einem Vergleich des verstorbenen Kirchenoberhauptes mit Ayatollah Khomeini.
DDP
"Weltprobleme aus einer verengten Sicht betrachtet": Eugen Drewermann
Berlin - "Was in diesen Tagen passiert, erinnert an die Trauerfeierlichkeiten eines Ayatollah Khomeini", sagte Drewermann laut einer von der Nachrichtenagentur AP verbreiteten Mitteilung am Montagabend im Fernsehsender ntv. Der verstorbene Papst sei mit dem gleichen Absolutheits- und Unfehlbarkeitsanspruch aufgetreten wie der iranische
Religionsführer, so Drewermann.
Die katholische Kirche brauche dringend die Freiheit, unterschiedliche Meinungen und Ansichten gelten zu lassen, forderte der frühere katholische Priester. Mit Johannes Paul II. sei dies nicht möglich gewesen. Dieser habe die Weltprobleme aus einer verengten Sicht betrachtet. Die von politischer Seite gerühmte Weitsicht des Papstes, der maßgeblich
zum Sturz des Kommunismus in Osteuropa beigetragen habe, sei "maßlos überdehnt" und zudem historisch falsch. So habe der Papst den Kommunismus wegen dessen atheistischen Staatsgedanken, nicht aber wegen der Ideologie an sich abgelehnt.
Drewermann war 1991 wegen kirchenkritischer Äußerungen die Lehrbefugnis für das Fach Katholische Dogmatik entzogen worden, ein Jahr später wurde ihm die Ausübung des Priesteramts verboten. Ausgangspunkt für den Bruch mit Rom war Drewermanns 1989 veröffentlichtes Buch "Kleriker - Psychogramm eines Ideals", in dem er die gesamte Priesterschaft als
sexuell deformierte Menschen voller Ängste disqualifizierte. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen den Machtanspruch der katholischen Kirche. |
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